
Abbildung 1: Ungewohnter Look für Desktop und Projekt-Homepage: Debian zeigt das neue Artwork „Space Fun“ auf dem Gnome-Hintergrund, auf der Webseite und auch im Installer.
Getreu der eigenen Devise “Release When Ready” erscheint eine neue Version der Debian-Distribution dann, wenn die Macher damit zufrieden sind und es keine kritischen Fehler mehr gibt. In den letzten Monate arbeiteten die freiwilligen Entwickler der Community-Distribution auf Hochtouren und veröffentlichten am 5. Februar 2011 die neue Release. Der Codename stammt – einer weiteren Debian-Tradition folgend – aus dem Animationsfilm “Toy Story”. Namenspate für das neue Debian 6.0 sind die dreiäugigen grünen Gummi-Aliens (Squeeze Toy Aliens).
Zeitgleich mit der neuen Distribution präsentierte das Debian-Team seine Homepage in einem neuen Look und glänzt jetzt in modernerem Design [1]. Den schmucken Rahmen bildet das neue Theme namens Space Fun, das auch den Desktop ziert (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Ungewohnter Look für Desktop und Projekt-Homepage: Debian zeigt das neue Artwork „Space Fun“ auf dem Gnome-Hintergrund, auf der Webseite und auch im Installer.
Debian ist bekannt dafür, auf vielen Architekturen zu laufen. Diese Spitzenposition, mit großem Abstand vor fast allen anderen Distributionen, teilt sich das Community-Linux nur mit Gentoo. Auch Squeeze liegt in diesem Bereich wieder ganz vorne und ist für zwölf Architekturen verfügbar. Premiere feiert eine Variante namens Debian GNU/kFreeBSD, die nicht auf den Linux-Kernel, sondern auf den Free-BSD-Kern setzt.
Diese Spielart bieten die Debian-Entwickler nur für I-386- und AMD-64-Architekturen an. Sie weisen ausdrücklich darauf hin, dass es sich um eine Technologie-Vorschau handelt, für die noch nicht alle Pakete aus dem Main-Repository portiert sind. Zusammen mit der neuen Architektur kommt nicht nur die Open-BSD-Firewall Packet Filter [2], sondern auch das 128-Bit-Dateisystem ZFS, das Raid- und Volume-Management mit Prüfsummen integriert und zahlreiche Erweiterungen speziell für Rechenzentren bietet [3]. Unter Linux ist ZFS, das dort aus Lizenzgründen nur per Fuse verfügbar ist, für den produktiven Einsatz zurzeit nicht empfehlenswert. Und ein Umstieg auf den BSD-Kernel sollte gut überlegt sein, da sich die Systeme in einigen grundlegenden Punkten unterscheiden und Debian GNU/kFreeBSD noch nicht so ausgereift ist wie die Linux-Versionen.
Solider Unterbau
Die Debian-Entwickler setzen auf Kernel 2.6.32 und haben diesen von proprietären Komponenten befreit. Benutzer von Hardware, die unfreie Firmware benötigt, haben dennoch keinen Grund zur Aufregung: Die Treiber sind nicht verschwunden, sondern lediglich aus Main in das Non-free-Repository gewandert. Während der Installation steht es nicht zur Verfügung; der Anwender schaltet es erst danach explizit durch einen Eintrag in »/etc/apt/sources.list« frei.
Wer während der Installation schon solche Firmware einspielen möchte oder muss – etwa weil die Netzwerkkarte sonst die Zusammenarbeit verweigert -, dürfte sich über eine hilfreiche Funktion im Debian-Installer freuen (siehe Abbildung 2). Sie erlaubt es, proprietäre Treiber über eine externe Quelle wie etwa USB-Sticks nachzuladen. Alternativ greifen Benutzer nicht zum Standard-Installationsmedium, sondern weichen auf die Images unter [4] aus, die ebenfalls vom Debian-Team stammen und alle Firmwaredateien enthalten.

Abbildung 2: Der Debian-Installer erkennt Hardware, die unfreie Firmware benötigt, und bietet an, fehlende Treiber nachzuladen.
Mag dies manchem lästig oder übertrieben erscheinen, die Vorgehensweise ist doch nur konsequent für eine Distribution, die das GNU im Namen trägt. Debian-Benutzer haben die Chance, ein vollständig freies Betriebssystem zu verwenden und zu erkennen, an welchen Stellen unfreie Komponenten nötig sind.
Apropos Installer: Den haben die Entwickler gründlich überarbeitet, weitere Sprachen hinzugefügt und mit dem neuen Space-Fun-Theme geschmückt. In der Voreinstellung setzt das Community-Linux weiterhin auf Ext 3; bei der manuellen Partitionierung sind neben den altbekannten Dateisystemen nun aber auch Ext 4 und Btrfs im Angebot. Der Installer vereinfacht das Einrichten von LVM, Raid und verschlüsselten Partitionen.
Benutzer, die vom Vorgänger Lenny auf das neue Debian aktualisieren, sollten unbedingt einen Blick in Kapitel 4 des Installationsleitfadens werfen [5]. Dort sind nicht nur bekannte Probleme, sondern auch viele Tipps und Tricks aufgelistet.
Ein Bündel Neues
Bevor die Debianer die aktuelle Testing-Reihe als stabil deklarieren, findet ein so genannter Freeze statt. Ab diesem Zeitpunkt reparieren die Entwickler nur noch Fehler, neue Anwendungen und Features finden keine Aufnahme mehr. Der Freeze der aktuellen Distributions-Version fand bereits vor mehr als einem halben Jahr statt, daher sind einige Programmversionen schon nicht mehr brandneu.
Neugierige Benutzer und solche, die gerne immer up to date sind, binden daher das Backports-Repository als Paketquelle ein [7]. Squeeze ist die erste Debian-Release, die sofort bei Erscheinen diese Rückportierungen aus der aktuellen Testing-Reihe (Codename Wheezy) anbietet. Nach Aussagen der verantwortlichen Entwickler, dürften hier bald auch Libre-Office-Pakete landen.
Das Backports-Team gab darüber hinaus gerade erst bekannt, dass Lenny-Backports nun offiziell geschlossen ist und nur noch Pakete aus Squeeze beziehungsweise Sicherheits-Aktualisierungen aufnimmt. Benutzer, die noch eine Weile auf den Vorgänger setzen möchten, müssen allerdings nicht darauf verzichten, in Testing reinzuschnuppern. Speziell für Lenny rückportierte Wheezy-Pakete gibt es nun in der neuen Distribution “Lenny-Backports-Sloppy”.
| Frisch gepackt |
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Debian-Volatile ist erstmals mit Squeeze Bestandteil der Stable-Release und heißt jetzt “Squeeze-Updates”. Das Repository nimmt Minor-Releases von Paketen auf, die die Entwickler häufig aktualisieren möchten, beispielsweise Clam AV und Spam Assassin.
War Grub 2 bei Lenny noch als experimentell gekennzeichnet und stand nur im Expertenmodus des Debian-Installers zur Verfügung, ist der Bootloader nun der Standard. Wer auf Ext 4 oder Btrfs setzt, hat sowieso keine Wahl, denn der veraltete Grub Legacy kann mit diesen nicht umgehen.
Ein Blick ins Software-Angebot zeigt jetzt auch etliche Pakete mit dem Kürzel »dkms« im Namen. Der Dynamic Kernel Module Support erlaubt es, einzelne Kernelmodule zu aktualisieren, ohne gleich den gesamten Kern auszutauschen. Zusätzlich überwacht das Framework, ob der Anwender DKMS-Pakete installiert hat, und aktualisiert diese immer dann, wenn ein neuer Kernel die Arbeit aufnimmt. Das Framework läuft vollautomatisch und löst den Module-Assistant ab.
Laptop- und Netbook-Benutzer, die Debian als Desktopsystem verwenden, dürften sich über die Network-Manager-Alternative Wicd freuen. Die Debian-Entwickler haben das Python-Programm erstmalig für Squeeze paketiert und unterstützen damit Anwender mobiler Systeme, deren Netzwerkzugang häufig wechselt. Die Xen-Tools, zwischenzeitlich aus der Unstable-Distribution rausgeflogen, sind ebenfalls in Squeeze enthalten. Wer Xen auf seinem Debian-System einsetzen möchte, muss zusätzlich den Xen-Hypervisor und einen Kernel mit Xen-Unterstützung installieren.
Edler Tropfen
Mit Debian GNU/Linux 6.0 geben die Macher der freien Community-Distribution erneut ein stabiles, wenn auch nicht besonders modernes System heraus. Die Macher legen einfach mehr Wert auf ausführliche Tests während der Freeze-Periode als auf den letzten Softwareschrei. Eine gute Entscheidung – Nutzer von Lenny können bedenkenlos aktualisieren, und wer sich einen neuen Rechner einrichten möchte, kann ebenfalls bedenkenlos zu Squeeze greifen. (mg)
| Infos |
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| [1] Debian GNU/Linux: [http://www.debian.org]
[2] Packet-Filter-Howto: [http://www.openbsd.org/faq/pf/index.html] [3] Hans-Peter Merkel und Markus Feilner, “Hindernislauf”: Linux-Magazin 02/11, S. 86 [4] Installationsmedien mit unfreier Firmware: [http://cdimage.debian.org/cdimage/unofficial/non-free/cd-including-firmware/] [5] Upgrade von Lenny auf Squeeze: [http://www.debian.org/releases/squeeze/i386/release-notes/ch-upgrading.de.html] [6] Debian-Multimedia-Repository: [http://debian-multimedia.org] [7] Backports: [http://backports.debian.org] |




