Das erste Buch untersucht, welche Nutzversprechen KI tatsächlich hält. Das zweite erläutert, wie man mit besseren Anfragen zu passenderen Ergebnissen gelangt.
Anspruch und Realität
Hält KI, was sie verspricht? Macht uns die Technik tatsächlich das Leben leichter? Sparen wir wirklich Zeit, oder wollen wir in der gewonnenen Zeit noch mehr Dinge erledigen und sind so am Ende noch gestresster (Rebound-Effekt)? Erfahren wir dank technischer Möglichkeiten mehr Verbundenheit mit anderen Menschen, oder fördert die Technik im Gegenteil Isolation und Entfremdung? Macht uns beispielsweise Online-Dating zu glücklicheren Menschen, die leichter den optimal passenden Partner finden, oder überfordert uns die scheinbare Fülle der Möglichkeiten? Untergräbt es unser Selbstbewusstsein, wenn wir nicht ausgewählt werden? Ersetzt eine Konsumhaltung die tiefe innere Verbindung, nach der wir uns sehnen? Steigert KI unsere sozialen Fähigkeiten oder lässt sie sie verkümmern?
Diesen und ähnlichen Fragen geht der Philosoph Christian Uhle in seinem lesenswerten Buch “Künstliche Intelligenz und echtes Leben” auf den Grund. Im Detail erörtert er die positiven und negativen Wirkungen der neuen Technologie und die Konsequenzen, die sich daraus für unseren Alltag ergeben. Die Antworten laufen in den meisten Fällen auf eine grundlegende Aussage zu: Es kommt darauf an. Es liegt also an uns, unseren Umgang mit KI und den Digitaltechnologien im Allgemeinen so zu gestalten, dass sie unser Leben bereichern und uns als Mensch weiterbringen. Sowohl positive wie negative Folgen sind möglich. Digitale Innovationen können nur ein Mittel darstellen, aber nicht selbst Ziel und Zweck sein. Wir, die Anwender, müssen die sozialen Strukturen schaffen, unter denen die KI zum echten Gewinn werden kann. Dabei stehen wir erstmals in der Geschichte vor Mensch-Technik-Fragen, die Ähnlichkeit mit sozialen Fragen haben: Wer passt sich wem an? Wer wird wessen Assistenz?
Es geht darum. KI als Werkzeug zu betrachten und zu behandeln, Maschinen nicht zu sehr zu vermenschlichen und Menschen nicht zu verdinglichen, resümiert der Autor. KI-Systeme, die konsequent an der Stärkung der menschlichen Sozialfähigkeit und Autonomie ausgerichtet sind, weisen seiner Ansicht nach den Weg in eine Welt, die mehr Menschen ein gutes Leben ermöglicht.
Infos
Christian Uhle
Künstliche Intelligenz und echtes Leben
S. Fischer Verlag, 2024
300 Seiten, 24 Euro
ISBN 978-3-10-397604-5
Besser prompten
Schon zu Beginn macht Ulrich Engelke seinen Lesern den Mund wässrig: Wer die Kunst des Prompt-Engineerings erlerne, wozu das vorliegende Buch ja verhelfen will, der sei bald ein “in vielen Bereichen gefragter Spezialist, auf den äußerst lukrative Stellenangebote warten”. Sicher kann Erfahrung im Verfassen von Prompts hilfreich sein. Es sei aber dahingestellt, ob man schon ausgesorgt hat, wenn man sich diese nicht exklusive Fähigkeit aneignet. Sie verliert zudem in dem Maß an Bedeutung, in dem die Modelle von sich aus auch aus weniger optimierten Prompts abzuleiten vermögen, was der Nutzer von ihnen wissen will.
Zum Einstieg vermitteln die ersten Kapitel einen Überblick über die Funktionsweise von Chatbots sowie über Probleme des Urheberrechts und Datenschutzes. Dann begleitet das dritte Kapitel den Leser beim Einrichten eines ChatGPT-Accounts und ersten Schritten. Erst mit Beginn des zweiten Teils geht es dann wirklich um das Prompting, das vor allem zum Ziel hat, dem Chatbot möglichst detailliert zu vermitteln, was man von ihm erwartet: Welche Informationen in welchem Umfang soll er liefern, für welches wie vorgebildete Publikum, in welchem Tonfall? Die einzelnen Aspekte werden nacheinander behandelt, wobei sich viele von ihnen stark überschneiden, etwa Terminologie, Sprache und Schlüsselwörter. Zahlreiche, oft ebenfalls redundante Beispiele illustrieren das Dargestellte.
Das im Titel versprochene Power-Prompting folgt im nächsten Kapitel und entpuppt sich im Wesentlichen als lineare Fortsetzung der Prompting-Techniken für Einsteiger. Allerdings gibt es hier noch genauere Vorgaben, es kommen zusätzliche Parameter ins Spiel wie die “Temperatur” des Antworttexts (nahe 0 nüchtern, trocken, sachlich; bei 1 oder darüber kreativ und blumig). Es wird der Umgang mit verschiedenen Gliederungsmodellen vorgestellt, auf die man den Bot verpflichten kann. Außerdem geht es um das Strukturieren von Prompts mit Bullet Points, Listen oder Tabellen sowie um die Textformatierung, um Rollenzuweisungen oder um Platzhalter und Variablen in Prompts.
Alles in allem liefert das Buch eine ausführliche Darstellung verschiedener Techniken zur Formulierung von Anfragen, die hilfreich sein kann, aber nicht überrascht.







