Viele begreifen Asterisk als reine VoIP-Anlage. Dabei gibt es den freien Server länger als die SIP-Telefonie. In dieser Workshop-Folge erfahren Sie, wie Sie ISDN-Leitungen und Analogtelefone anbinden und der Anlage Faxfunktionen verleihen.
In den letzten beiden Workshop-Folgen ([1], [2]) ging es um die Installation und Programmierung einer reinen VoIP-Anlage, die per SIP-Protokoll und -Provider die Verbindung zur Außenwelt führt. Der dritte Teil verheiratet die traditionelle Analog- und ISDN-Telefonie mit Asterisk [3]. Über Besonderheiten, die Asterisk für das gute alte Fax bereithält, erfahren Sie einiges am Schluss des Artikels.
American Beauty
Die Verbindung aus ISDN und Asterisk kann nicht gerade als Liebeshochzeit gelten. Wenn Asterisk überhaupt ein Kupferkabel liebt, dann ist es ein analoges Telefonkabel. Das liegt am amerikanischen Ursprung der Software. Noch heute laufen die meisten Asterisk-Installationen in den USA mit analogen Karten. Das erklärt auch gleich, warum VoIP für diese Nutzergruppe oft einen Qualitätssprung bedeutet. In vielen europäischen Ländern hingegen ist seit über 20 Jahre ISDN im breiten Einsatz – selbst in vielen Privathaushalten.
Entsprechend soll natürlich die neue Asterisk-Telefonanlage nicht nur VoIP, sondern auch ISDN verbinden können. Das funktioniert entweder mit einer ISDN-Karte, mit einer ISDN-Box, die Sie über USB an den Rechner anschließen, oder mit einer ISDN-to-SIP-Blackbox. Die folgende Beschreibung beschränkt sich auf die meistverbreitete Variante, die ISDN-Karte. Hilfreich ist ein wenig ISDN-Grundwissen [4], beispielsweise um den Unterschied von BRI und PRI.
ISDN-Karten zwischen zehn und 1000 Euro
Leider gibt es ISDN-Karten wie Sand am Meer – teure PRI-Karten kosten fünfstellige Beträge, günstige BRI-Karten gehen für zehn bis 30 Euro bei Auktionsportalen über die virtuelle Ladentheke. Die Frage nach der besten ISDN-Karte ist nicht objektiv korrekt zu beantworten. Prinzipiell kann eine 30-Euro-Karte vom Discounter genauso gut sein wie eine 1000-Euro-Karte vom Fachhandel. Bei manchem Hersteller liegt der Verdacht nahe, dass seine Premiumhardware vom selben Fließband stammt wie die Massenware und die Verpackung den Unterschied macht.
Ein objektiver Unterschied ergibt sich allerdings im Grad der Schwierigkeit bei der Treiberinstallation. In der Tendenz gilt: Je günstiger eine ISDN-Karte ist, desto länger braucht man für die Installation. Teurere Produkte kommen meist mit mehr oder weniger guten Install-Skripten, die Quellen aus dem Internet laden, dann wild patchen und zum Schluss eine meist veraltete Asterisk-Version installieren.
Beispiel Digium-Karte
Dieser Workshop kann natürlich nicht für alle am Markt erhältlichen Karten eine Installationsbeschreibung geben. Das soll beispielhaft für die Digium B410P [5] erfolgen, deren vier ISDN-Ports für die meisten kleineren Betriebe und Privatpersonen sowieso ausreichen. Die B410P beherrscht sogar Echo Cancelation [6] in Hardware, was die CPU entlastet und der Qualität der Echokompensation entgegenkommt (siehe Kasten „Hallo Echo“). Außerdem lässt sich die Karte im TE- und im NT-Modus fahren.
Da der Asterisk-Hersteller Digium sie baut und vertreibt, muss man kein Prophet sein, um sicherzugehen, dass es zu jeder neuen Asterisk-Release zügig einen funktionierenden Treiber geben wird. Da Digium oft im Monatstakt wichtige Asterisk-Updates veröffentlicht, ist dies der einzige für normale Admins gangbare Weg, immer eine aktuelle Asterisk-Version laufbreit zu haben.
Asterisk übersetzen
Den Asterisk-Server hatten Sie bereits in Teil 1 dieses Workshops installiert. Der Betrieb einer ISDN-Karte erfordert aber ein etwas komplexeres Asterisk-Setup. Für die folgende Anleitung nehmen Sie wieder ein frisch installiertes Debian-System [10] als Grundlage oder Sie installieren über das Setup der früheren Artikel drüber. Wichtig: Die ISDN-Karte müssen Sie vorher (!) in den Rechner einbauen. Loggen Sie sich nun auf dem System als Root ein und führen Sie







