Aus Linux-Magazin 03/2008

Workshop: Die eigene Asterisk-Anlage - Teil 3

© photocase.com / kesmen

Viele begreifen Asterisk als reine VoIP-Anlage. Dabei gibt es den freien Server länger als die SIP-Telefonie. In dieser Workshop-Folge erfahren Sie, wie Sie ISDN-Leitungen und Analogtelefone anbinden und der Anlage Faxfunktionen verleihen.

In den letzten beiden Workshop-Folgen ([1], [2]) ging es um die Installation und Programmierung einer reinen VoIP-Anlage, die per SIP-Protokoll und -Provider die Verbindung zur Außenwelt führt. Der dritte Teil verheiratet die traditionelle Analog- und ISDN-Telefonie mit Asterisk [3]. Über Besonderheiten, die Asterisk für das gute alte Fax bereithält, erfahren Sie einiges am Schluss des Artikels.

American Beauty

Die Verbindung aus ISDN und Asterisk kann nicht gerade als Liebeshochzeit gelten. Wenn Asterisk überhaupt ein Kupferkabel liebt, dann ist es ein analoges Telefonkabel. Das liegt am amerikanischen Ursprung der Software. Noch heute laufen die meisten Asterisk-Installationen in den USA mit analogen Karten. Das erklärt auch gleich, warum VoIP für diese Nutzergruppe oft einen Qualitätssprung bedeutet. In vielen europäischen Ländern hingegen ist seit über 20 Jahre ISDN im breiten Einsatz – selbst in vielen Privathaushalten.

Entsprechend soll natürlich die neue Asterisk-Telefonanlage nicht nur VoIP, sondern auch ISDN verbinden können. Das funktioniert entweder mit einer ISDN-Karte, mit einer ISDN-Box, die Sie über USB an den Rechner anschließen, oder mit einer ISDN-to-SIP-Blackbox. Die folgende Beschreibung beschränkt sich auf die meistverbreitete Variante, die ISDN-Karte. Hilfreich ist ein wenig ISDN-Grundwissen [4], beispielsweise um den Unterschied von BRI und PRI.

ISDN-Karten zwischen zehn und 1000 Euro

Leider gibt es ISDN-Karten wie Sand am Meer – teure PRI-Karten kosten fünfstellige Beträge, günstige BRI-Karten gehen für zehn bis 30 Euro bei Auktionsportalen über die virtuelle Ladentheke. Die Frage nach der besten ISDN-Karte ist nicht objektiv korrekt zu beantworten. Prinzipiell kann eine 30-Euro-Karte vom Discounter genauso gut sein wie eine 1000-Euro-Karte vom Fachhandel. Bei manchem Hersteller liegt der Verdacht nahe, dass seine Premiumhardware vom selben Fließband stammt wie die Massenware und die Verpackung den Unterschied macht.

Ein objektiver Unterschied ergibt sich allerdings im Grad der Schwierigkeit bei der Treiberinstallation. In der Tendenz gilt: Je günstiger eine ISDN-Karte ist, desto länger braucht man für die Installation. Teurere Produkte kommen meist mit mehr oder weniger guten Install-Skripten, die Quellen aus dem Internet laden, dann wild patchen und zum Schluss eine meist veraltete Asterisk-Version installieren.

Beispiel Digium-Karte

Dieser Workshop kann natürlich nicht für alle am Markt erhältlichen Karten eine Installationsbeschreibung geben. Das soll beispielhaft für die Digium B410P [5] erfolgen, deren vier ISDN-Ports für die meisten kleineren Betriebe und Privatpersonen sowieso ausreichen. Die B410P beherrscht sogar Echo Cancelation [6] in Hardware, was die CPU entlastet und der Qualität der Echokompensation entgegenkommt (siehe Kasten „Hallo Echo“). Außerdem lässt sich die Karte im TE- und im NT-Modus fahren.

Hallo Echo

Das Echo-Problem, also das Wahrnehmen der eigenen Stimme, ist so alt wie die Telefonie. Den Grund liefert fast immer eine Hybridschaltung in analogen Telefonen. Dabei läuft das Gespräch auf zwei Adern bidirektional statt auf vieren, wo jeweils zwei Adern für eine Richtung zuständig sind (Abbildung 1). Bei einem Zwei-Adern-Transport kann es zu Überlagerungen kommen – dem Echo. Eine Person nimmt ein Echo aber nur wahr, wenn es laut genug ist und mit einer gewissen Verzögerung ankommt. Das liegt daran, dass jeder Mensch beim Sprechen sowieso seine eigene Stimme über die Ohren hört und das Gehirn deswegen bereits eine hochoptimierte Echo Cancelation für kleine Echos eingebaut hat.

Abbildung 1: Echos entstehen, wenn gesendete und empfangene Sprachdaten über eine gemeinsame Leitung laufen. Asterisk fällt oft die Aufgabe zu, die Echo Cancelation zu übernehmen.

Abbildung 1: Echos entstehen, wenn gesendete und empfangene Sprachdaten über eine gemeinsame Leitung laufen. Asterisk fällt oft die Aufgabe zu, die Echo Cancelation zu übernehmen.

Normalerweise kümmert sich jede Telefonanlage um das Echo Canceling [6] der eigenen Telefone. Da Asterisk meistens als letztes in einer Kette von Telefonsystemen arbeitet, bekommt es häufig in Sachen Echo-Unterdrückung den Schwarzen Peter zugespielt. Wenn Asterisk die einzige Telefonanlage ist – selbst wenn Sie nur digitale Geräte betreiben -, dann müssen Sie sich sowieso mit der Problematik auseinandersetzen. Europäische Benutzer tolerieren keine Echos auf der Leitung.

Echo Canceling kann bei Asterisk entweder auf der ISDN- oder der Analog-Karte passieren oder – wenn die Karten dies nicht unterstützen – per Software. Eine Echo-Auslöschung auf den Karten sollten Sie bevorzugen, da die Wege kürzer sind und sie die CPU des Rechners nicht belastet. Bei mehreren gleichzeitigen Gesprächen nämlich avanciert die Cancelation bei Software zum Ressourcen-Fresser.

Ärgerlich ist, dass jeder Hersteller für den Konfigurierenden ein anderes Süppchen kocht. Bei der Digium-Karte ist die Sache noch relativ einfach: »echocancel=yes« schaltet die Echo-Auslöschung an. Schwierigen Karten kommt man erst nach einem Sourcecode-Studium bei.

Echo Cancelation per freier Software ist kaum weniger anspruchsvoll. Neben MG2, mit dem Zaptel und MISDN standardmäßig arbeiten, gibt es eine Handvoll weiterer Projekte ([7], [8],[9]). Welches am besten funktioniert, hängt auch von der Vermittlungsstelle ab.

Da der Asterisk-Hersteller Digium sie baut und vertreibt, muss man kein Prophet sein, um sicherzugehen, dass es zu jeder neuen Asterisk-Release zügig einen funktionierenden Treiber geben wird. Da Digium oft im Monatstakt wichtige Asterisk-Updates veröffentlicht, ist dies der einzige für normale Admins gangbare Weg, immer eine aktuelle Asterisk-Version laufbreit zu haben.

Asterisk übersetzen

Den Asterisk-Server hatten Sie bereits in Teil 1 dieses Workshops installiert. Der Betrieb einer ISDN-Karte erfordert aber ein etwas komplexeres Asterisk-Setup. Für die folgende Anleitung nehmen Sie wieder ein frisch installiertes Debian-System [10] als Grundlage oder Sie installieren über das Setup der früheren Artikel drüber. Wichtig: Die ISDN-Karte müssen Sie vorher (!) in den Rechner einbauen. Loggen Sie sich nun auf dem System als Root ein und führen Sie

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