FOSSGIS 2010: Lightning Talks und viele Neuheiten
03.03.2010
Wo andere Messen verkürzt werden und mangels Zuspruch immer weniger Aussteller aufweisen, kann die Open-Source-GIS-Branche klotzen: Einen ganzen Tag länger ist die FOSSGIS Konferenz dieses Jahr. Warum das so ist, zeigt ein virtueller Rundgang durch die zahlreichen Vorträge.
Nach der Begrüßung durch Prof. May-Britt Kallenrode (Vizepräsidentin für Forschung und Nachwuchsförderung Universität Osnabrück), Prof. Erhard Mielenhausen (Präsident der Fachhochschule Osnabrück), Prof. Manfred Ehlers (Vorsitzender des IGF) und FOSSGIS-Vorsitzenden Dr. Georg Lösel im großen Hörsaal der Universität Osnabrück ging es auf der FOSSGIS Konferenz gleich mitten hinein in die GIS-Thematik. In einer Serie hintereinander abfolgenden "Lightning Talks" konnten sechs prominente Mitglieder der OSS-GIS-Community ihre Projekte oder kommende Entwicklungen vorstellen:
Blitzartig - und mit der Maus
Den Anfang machte Andreas Hocevar mit Openlayers. Er zeigte in seinem zehnminütigen Kurzvortrag, wie sich freie Softwareentwicklung unterscheidet, warum es immer sinnvoller ist, generische Patches upstream zu geben und wieso Entwickler mehr Zeit einplanen sollten, als ihre Projekte bei Kunden benötigen. All dies käme durch die Community allen Beteiligten zugute und so auch zum Developer zurück, so Hocevar.
Till Adams instrumentalisierte seinen fünfjährigen Sohn und dessen Vorliebe für die Sendung mit der Maus, um auf sehr unterhaltsame Art zu zeigen, wie einfach es heute ist, mit freier Software ein Web-GIS-System basierend auf WMS, Mapbender und Openlayers aufzusetzen.
Nur spielen?
Dass die Bundeswehr eigentlich nur spielen will, diesen Eindruck hinterließ Thorsten Bockmühl von der Universität der Bundeswehr in München. Dass hier Echtzeit-Strategiespiele für den Browser entwickelt werden, wussten sicherlich bisher nur Insider. Die Aufbau- und Simulations-Spiele basieren auf freier GIS-Software und entstanden im Rahmen einer Diplomarbeit.
Als eher technisch und für Administratoren relevant erwies sich der Blitztalk von Oliver Tonnhofer, der mit mapproxy eine für WMS-Dienste optimierte Proxy-Lösung vorstellen konnte. Das Python-Projekt ist noch in Entwicklung, beherrscht aber bereits on-the-fly-Konvertierung von Koordinatensystemen und schafft dabei 20-30 Anfragen pro Sekunde.
Geo? Fehlanzeige ...
Ganz ungeografisch kam Volker Mische mit seinem Vortrag über NoSQL in die Runde. Das "No" steht nicht für Kein SQL, sondern für "Not only SQL", das Projekt stellt eine schnelle filebasierte Datenbankalternative bereit, die sich auch für Tracking-Anwendungen und schnelle Szenarien eignet, wo eine Datenbank zu viel Overhead generiert. Als Dateiformat dient dabei JSON.
Und auch im letzten Lightning Talk spielte die Silbe "Geo" eine untergeordnete Rolle: Arnulf Christl startete wie schon 2009 einen wilden Rundflug durch die Philosophie der Menschheitsgeschichte, von Buddha ("Alles ist leer") über Kant (mit der laut Christl folgenreichen Unterscheidung zwischen "Erscheinung" und "Ding an sich") bis zur modernen Quantenphysik, die nach Taggarts Nullpunktfeld (2006) "die Raumzeit als ein mit virtueller Energie gefülltes physikalisches Medium" sieht. Parallelen zur typischen Weltsicht der Geografen ließen sich dabei nicht leugnen.
HMTL 5: Alles wird gut
Nach einer kurzen Kaffepause erläuterte Marc Jansen von Terrestris die Vorteile und Aussichten von HTML5 und ECMAscript, die neben dem allseits bekannten Videotag auch SVG-, Canvas- und zahlreiche andere Funktionen mitbringen, die für alle Anwender von Online-Anwendungen viele Vereinfachungen beinhalten, zum Beispiel komplette Offline-Funktionalität im Browser. Mit zahlreichen Beispielen in modernen Browsern demonstrierte Jansen vor allem mapping-spezifische Problemfälle.
(Markus Feilner)
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