Gepatchter Kernel 4.15, Updates auf LXD 3.0, ein neues Tool zur Netzwerkkonfiguration: Auch unter der Haube blicken Admins mit Ubuntu 18.04 LTS einigen Neuerungen entgegen.
Grundlage für die neue Ubuntu-Version bildet der Linux-Kernel 4.15, der vor allem standardmäßig die Patches gegen Meltdown und Spectre mitbringt. Gegen Varianten 2 von Spectre nutzt Ubuntu – wie die anderen Linux-Distributionen inzwischen auch – die so genannten Retpolines, die den Leistungsverlust durch die Schutzmaßnahme minimieren sollen.
Die Kernel-Version liefert darüber hinaus den CPU-Controller für die Cgroup-v2-Schnittstelle, Unterstützung für AMDs Arbeitsspeicher-Verschlüsselung sowie eine verbesserte Energieverwaltung die S-ATA-Stromsparoptionen. Das Ubuntu-Team unterstützt außerdem das Signieren für Kernel der Power-Architekturreihe und hat die Hardware-Unterstützung für Intel- und IBM-Systeme aus Kernel 4.16 zurückportiert.

Der Begrüßungsdialog auf dem Desktop bietet auch eine Option an, um Kernel-Livepatching für bis zu drei Rechner einzusetzen.
Für das bereits schon länger verfügbare Kernel-Livepatching bietet Ubuntu nun nach dem ersten Start des Desktops einen grafischen Einrichtungsdialog, um die Funktion leicht zu aktivieren. Der Dienst steht natürlich auch weiterhin über die Kommandozeile bereit. Für Server-Nutzer hat Distributor Canonical nun auch die Funktion Message of the Day (MOTD) um Informationen zu Live-Patches erweitert.
Keine alten Netzwerkskripte mehr
Im Vergleich zur vorherigen LTS-Version 16.04 ändert sich die grundlegende Netzwerkkonfiguration. Ubuntu 18.04 verzichtet vollständig auf die Skriptsammlung “ifupdown”, als Ersatz dienen die Werkzeuge “ip” und “networkctl”. Die Konfiguration der Schnittstellen erfolgt über das neu von Canonical erstellte Werkzeug Netplan. Das dient als Frontend, das entweder auf den Networkmanager oder auf Server-Installationen auf Systemd-Networkd als Backend zugreift.

Designüberblick für Netplan, ein neues Tool zur Konfiguration des Netzwerks. (Quelle: netplan.io)
Die Sammlung “ifupdown” bleibt im Haupt-Repository von Ubuntu und wird auch offiziell weiter gepflegt. Dementsprechend findet bei Updates kein Wechsel der Netzwerk-Konfiguration statt. Langfristig rangiert Ubuntu wohl, wie andere Distributoren, auch die alten Skripte aus und setzt auf die neue Technik. Admins sollten sich also damit vertraut machen.
NTPD fliegt raus
Ersetzt hat das Ubuntu-Team außerdem NTPD mit dem NTP-Server Chrony. Dessen Einsatz empfehlen die Entwickler aber nur, falls ein Server nötig ist. Zur einfachen Zeitsynchronisation verweist das Team auf Timesyncd aus der Systemd-Werkzeugsammlung. NTPD steckt außerdem nicht mehr im Haupt-Repository, sondern nur noch in Universe. Das bedeutet, dass das Team nur noch Sicherheitsupdates für das Paket liefert, aber keinen garantierten Support mehr leistet.
Neue Cloud- und Entwickler-Werkzeuge
Für Anwender, die Ubuntu als Hostsystem für Cloud- und Containerumgebungen verwenden, steht mit Bionic die Version 3.0 von LXD bereit. Der leichtgewichtige Container-Hypervisor unterstützt das Clustering von einheitlich konfigurierten Server-Instanzen. LXD 3.0 kann außerdem das Dateisystem einen physischen Server in einen Container umwandeln, der sich dann leicht weiterreichen und vor allem von LXD importieren lässt. Für Container, die eine GPU-Beschleunigung benötigen, wurde das Durchreichen der Nvidia-Laufzeitumgebung in LXD vereinfacht. LXD in Version 3.0 soll außerdem mindestens zwei Jahre vollen Support erhalten.
In Bionic integriert hat Canonical darüber hinaus das Open-Stack-Release Queens, die Version 17 der Infrastructure-as-a-Service-Lösung. Queens bietet eine bessere Unterstützung für die Anbindung und Nutzung von Hardwareressourcen, was vor allem für vGPUs und FPGAs gilt. Außerdem ermöglicht es die Release, Container zu nutzen.
Moderner Sprachsupport
Um weit verbreitete Programmiersprachen zu unterstützen, setzt Canonical vor allem auf die Kooperation mit deren Upstream-Communitys. So bringt es Ubuntu 18.4 Python 3.6 mit und rangiert Version 2 aus. Zwar findet es sich noch im Hauptrepository von Ubuntu, Bionic wird aber die letzte LTS-Version mit Python-2-Unterstützung sein. Offiziell endet der Support von Python 2 Ende 2020.
Auch für PHP folgt Ubuntu den Machern der Sprache. Bereits in Ubuntu 16.04 hat Canonical den PHP-5-Support eingestellt und stattdessen PHP 7 ausgeliefert. Die 5er Reihe und PHP 7.0 pflegt die PHP-Community offiziell nur noch bis Ende diesen Jahres, Ubuntu setzt auf die aktuelle Version 7.2.
Für Java geht Ubuntu sogar noch etwas weiter. Standardmäßig installiert Bionic das Open JDK 10. Sobald die Version 11 erscheint, soll diese als Bionic-Update erscheinen. Geplant ist das zurzeit für den kommenden September.
Open JDK 8 verschieben die Entwickler in das Universe-Repository, es soll weiter als Migrationspfad für Altanwendungen bereitstehen. Pflege erhält Open JDK 8 in Bionic bis zum Support-Ende von Ubuntu 16.04, also bis April 2021.
Server-Installer aktualisiert
Neu hinzugekommen ist ein Installer für eine Server-Instanz. Subiquity soll wie der Desktop-Installer Ubiquity eine Livesession ermöglichen und die die Installation im Vergleich zum bisherigen Server-Installer beschleunigen.

Dem neuen Server-Installer Subiquity fehlen noch einige für Serverinstallationen interessante Features (Quelle: blog.dustinkirkland.com)
Noch fehlen Subiquity aber viele durchaus wichtige Funktionen aus den Bereichen LVM, RAID, VLAN, Netzwerk-Bonds oder Wiederverwendung bestehender Distributionen. Anwendern, die den neuen Installer deshalb noch nicht gebrauchen können, empfiehlt Canonical die alte Version, die in der zweiten Beta von Bionic steckt.
Ubuntu 18.04 LTS Server: Sicherheitstechniken und -Updates
Das in Ubuntu genutzte Open SSH ist neuerdings so konfiguriert, dass es RSA-Schlüssel mit Schlüssellängen unter 1024 Bit ablehnt. Für das Einhängen von Netzwerklaufwerken per Cifs/SMB-Protokoll setzt Ubuntu nun standardmäßig auf Version 2.1 oder höher, insbesondere auf SMB 3. Um das veraltete und wenig sichere SMB 1 zu verwenden, muss der Anwender diese Version explizit über eine Option einfordern.
Auch für die Neuerungen bei Ubuntu 18.04 LTS Server liefern die Release Notes weitere Details und nützliche Tipps für Upgrades. Die Images warten auf den CD-Image-Servern.





