Aus Linux-Magazin 04/2016

Kernel 4.5: 3-D-Support für den Raspberry, Powerplay, Cgroup v2

© solarseven, 123RF

Mitte März soll sie erscheinen, die neue Version 4.5 des Linux-Kernels, und allerhand Neuerungen mitbringen. So erhält der Raspberry Pi 3-D-Funktionen und der AMDGPU-Treiber soll dank Powerplay-Funktion die Leistung der Grafikkarte voll ausschöpfen.

Nach wie vordominieren Änderungen im Grafikbereich die Kernelentwicklung. Doch auch in Sachen Dateisysteme gibt es etwas zu berichten. Eine experimentelle Neuentwicklung findet sich bei Btr-FS: Entwickler Chris Mason, der das Dateisystem bei Facebook weiterentwickelt, reichte in seinen 70 Patches auch das des Studenten Omar Sandoval ein. Der hatte vergangenen Sommer ein Praktikum bei Facebook absolviert und den Free-Space-Cache erneuert. Der funktioniert nun Baum-basiert, was die Geschwindigkeit bei sehr großen Dateisystemen von 30 TByte und mehr erhöht.

Ansonsten erwarten Ext 4, XFS und F2FS vor allem kleinere Verbesserungen. Der Ext-4-Pull-Request von Theodore Ts’o enthält unter anderem Fehlerbereinigungen an der mit Linux 4.1 eingeführten Verschlüsselungsfunktion des Dateisystems. Zwei Einreichungen beheben Regressionen von XFS und nehmen kleinere Fehlerkorrekturen vor – unter anderem arbeitet nun die Log-Recovery-Funktion besser. Das für Flash optimierte F2FS behebt größere Fehler und enthält zwei neue IOCTLs. Eines erlaubt eine Online-Datei-Defragmentierung, das andere entfernt Daten aus dem Cache.

In Sachen Linux-Software-Raid wartet hingegen eine Personaländerung: Neil Brown, der das Tool »mdadm« und den Raid-Stack seit fast 15 Jahren betreut, zieht sich aus der Entwicklung zurück. Red Hats Jes Sorensen koordiniert fortan die Entwicklung der Software.

Greg Kroah-Hartman hat für den Staging-Tree rund 800 Änderungen eingereicht. Der Pull-Request für das Sicherheits-Subsystem des Kernels verbessert das Trusted Platform Module in den Versionen 1 und 2 sowie das Linux-Security-Modul Smack. Das Extended Verification Module (EVM) lädt x509-Zertifikate in den Schlüsselring des Kernels.

Dank der von Paolo Bonzini eingereichten Patches unterstützt KVM Microsofts Hyper-V nun besser als zuvor. Auf der S/390-Plattform kommt KVM zudem mit bis zu 248 virtuellen CPUs zurecht.

Um CPUs und ihre Performance kümmert sich auch das Perf-Subsystem. Ingo Molnar hat dem Tool Support für Intels Xeon Phi (Knights Landing) spendiert. Firmenkollege Rafael Wysocki reichte derweil Änderungen zu ACPI und Energiemanagement ein. Damit einher gehen Verbesserungen an den CPUfreq-Governors und am CPUfreq-Treiber, die auch Intels P-State-Treiber umfassen.

Nicht nur Nutzer von Containern dürfte die Freigabe des Cgroup-Interface in Version 2 interessieren. Das soll dank einer umfangreichen Codebereinigung im Bereich der Prozessgruppierung wesentlich konsistenter arbeiten. Weitere Einzelheiten zu Cgroup v2 liefert ein PDF der Linux Foundation. [1]

Treiber fürs Rennlenkrad

Spielerischer geht es bei den Eingabegeräten zu. Kernel 4.5 verbessert den Support für den Xbox-One-Controller. Dank neuer HID-Treiber-Aktualisierungen von Suse-Mitarbeiter Jirí Kosina kommt der Kernel zudem mit dem Logitech-G-920-Rennlenkrad (Abbildung 1) zurecht – nur das automatische Umschalten in den HID-Modus fehlt. Dank eines Fix, das die abgefragten Protokolle reduziert, erkennt Linux PS/2-Mäuse schneller. Nicht zuletzt haben die Entwickler verschiedene Touchscreen-Treiber überholt.

Abbildung 1: Runderneuert – Kernel 4.5 unterstützt unter anderem das Rennlenkrad G 920 von Logitech besser.

Abbildung 1: Runderneuert – Kernel 4.5 unterstützt unter anderem das Rennlenkrad G 920 von Logitech besser.

Volle Power

Was dem mit Kernel 4.2 eingeführten AMD-Treiber AMDGPU bislang fehlte, das war ein Powermanagement. Die bereits veröffentlichte Vorabversion von Linux 4.5 bringt nun erstmals Support für eine Powerplay-Funktion mit. Die erlaubt es Grafikkarten wie der R9 Fury oder R9 285 Tonga, ihre volle Geschwindigkeit zu erreichen. Dazu beschleunigt der Kernel die genannten Karten über den Standardtakt hinaus. Ein Wermutstropfen: Powerplay ist standardmäßig noch deaktiviert. Spieler müssen die Option »CONFIG_DRM_AMD_POWERPLAY« setzen und den Parameter »amdgpu.powerplay=1« in die Grub-Kernelzeile einfügen.

Außerdem will das Pull-Request von DRM-Maintainer David Airlie den UMS-Support (Userspace Modesetting) von AMDGPU entfernen, da KMS (Kernel Modesetting) seit Jahren Standard ist und bei den Intel- und Nouveau-Treibern bereits entfernt wurde.

Kabylake soll der Nachfolger der Intel-Plattform Skylake heißen, Kernel 4.5 bringt initialen Code dafür mit. Weitere Patches filtern Fifo-Underuns besser und verhindern diesbezügliche Warnungen in der Bootphase. Ein Nouveau-Patch bringt Änderungen für Nvidias Kepler-Grafikkern GK20A, der in der Tegra-K1-CPU arbeitet. Es entfernt unter anderem den bisher genutzten RAM-Dummy-Treiber, zudem erhält GK20A erste Unterstützung für IOMMU.

ARM grafisch

Broadcoms Open-Source-Treiber für die Videocore-GPU (VC4), der erst kürzlich im Kernel 4.4 gelandet ist, erhält mit Kernel 4.5 bereits eine 3-D-Unterstützung. Zudem soll auch der Raspberry Pi 2 inzwischen in der Lage sein, einen Upstream-Kernel zu starten. Eric Anholt stellte ein entsprechendes Patch Mitte Dezember 2015 bereit.

Mit Etnaviv soll außerdem ein neuer Treiber in den Kernel einfließen, der die Vivante-Grafikkerne von Freescale-Prozessoren unterstützt, die in diversen ARM-SoCs schlummern. Der Name ergibt rückwärts gelesen Vivante und soll damit angeblich auf den Reverse-Engineering-Prozess beim Entwickeln des Open-Source-Treibers verweisen. Den Code hat Lucas Stach ebenfalls im Dezember 2015 eingereicht, die technischen Hintergründe erläutert ein PDF der X.org-Entwickler [2].

Ein Kernel für alle

Die ARM-SoCs erhalten ab Kernel 4.5 Multiplattform-Unterstützung. Rund fünf Jahre hätten die Entwickler daran gearbeitet, schreibt Olof Johansson in seiner Einreichung. Dank der Änderungen deckt ein Kernel künftig ARMv6 und ARMv7 ab. Auch kleinere und ältere ARM-Plattformen führt das Patch näher an den Multiplattform-Support heran. Recht umfangreich fallen auch die Änderungen für die Power-PC-Plattform aus. Sie legen die Grundlagen für den Support der Power9-Memory-Management-Unit sowie von Nvidias NV-Link NPUs.

Wer den Kernel und dessen Neuerungen testen möchte, findet die Quellen wie immer auf der zugehörigen Webseite Kernel.org [3].

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