Aus Linux-Magazin 10/2009

Die 15 einflussreichsten Linux-Personen

© Alex Dawson

Linux ist ein Gemeinschaftsprodukt. Alle Programmierer, Architekten, Visionäre oder Berichterstatter aufzuzählen, die dazu beigetragen haben, wäre ein unmögliches Unterfangen. Unter den besonders verdienstvollen stechen aber einige Heroen hervor. Hier die 15 einflussreichsten.

Die Redaktion des Wirtschaftsmagazins “Forbes” muss nur das Geld der Reichen zählen, um zu ihrer Liste der führenden Milliardäre zu gelangen. Um die wichtigsten Linux-Persönlichkeiten zu benennen, hat das Linux-Magazin Kriterien wie Wirkung der Leistung, die technischen Errungenschaften oder die Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit bewertet.

Platz 1: Linus Torvalds

Unbestrittene Nummer eins ist der per Definition auch erste Linuxer überhaupt: Linus Torvalds hatte 1991 eine bahnbrechende Idee und setzte sie um. Das trifft aber auf eine Reihe von Mitstreitern zu. Im Gegensatz zu vielen beteiligt sich Torvalds aber damals wie heute unmittelbar an der Entwicklung. Zwar schreibt er nicht mehr so viel Code wie einst, doch jede Zeile des Linux-Kerns geht durch seine Finger. Erst dann nimmt er sie in sein Repository auf, das als maßgeblich gilt. Das ist nicht selbstverständlich, schließlich ist es bei Open-Source-Projekten üblich, dass derjenige, der den besten Überblick hat, solch eine Funktion ausfüllt. Daher gibt’s den ersten Platz auch fürs Dranbleiben.

Platz 2: Mark Shuttleworth

Auf Platz zwei steht Ubuntu-Begründer Mark Shuttleworth, der einst die Debian-Pakete des Apache betreute. Seinen Namen machte er damit, dass er Community, Anwender und Wirtschaft in einer Weise zusammenbrachte, die bislang ihresgleichen sucht. Die von ihm entworfene Betriebssystemfamilie Ubuntu verbindet die technischen Innovationen der riesigen Debian-Gemeinde mit einem Anwendererlebnis, das große Hersteller dazu bringt, sie auf ihren Geräten voreingestellt aufzuspielen.

Dabei half ihm natürlich sein nicht unbeträchtliches Vermögen. Das hat er durch sein erstes Unternehmen erwirtschaftet, bei dem er schon Open-Source-Komponenten verwendete. Mark Shuttleworth erhält die Platzierung daher für seinen wirtschaftlichen Erfolg.

Platz 3: Richard M. Stallman

Maßgebliche Arbeit an Emacs, GCC und vielen Unix-Werkzeugen würden alleine einen Platz in dieser Liste rechtfertigen. Aber Richard M. Stallman formulierte und formalisierte die Ideale und Ziele einer ganzen Bewegung. Dabei treibt er seine tiefgründigen Beobachtungen genauso auf die Spitze wie seine Kompromisslosigkeit. Dennoch bleibt die von ihm entworfene General Public License (GPL) der Maßstab dafür, wie Entwickler, Vermarkter und Anwender miteinander umgehen.

Platz 4: Alan Cox

Der bärtige Waliser ist einer der ersten Linux-Entwickler und hat viele architektonische Grundsteine im Kernel-Quellcode gelegt. So wirkte er am Netzwerk-Stack, an Raid-Implementationen und Festplatten-Subsystemen maßgeblich mit. Alan Cox steht für Stabilität im Linux-Kernel, er betreute Kernelzweige und die Version 2.2 als Maintainer. Als sowohl qualitativ wie auch quantitativ äußerst produktiver Entwickler nimmt er auch zu Themen Stellung, die über die Technik hinausreichen. So weigerte er sich im Sommer 2001, fortan in die USA einzureisen, um so indirekt gegen die Umstände zu protestieren, die zur Verhaftung des russischen Programmierers Skljarow geführt hatten.

Platz 5: Greg Kroah-Hartman

Ebenfalls Mitglied im einflussreichen Kernteam des Linux-Kernels ist Greg Kroah-Hartman. Dort kümmert er sich hauptsächlich darum, die vielfältig ausgeprägten Peripheriegeräte an Linux anzubinden, und hat dazu mehrere Layer und Subsysteme entworfen und an ihnen mitgearbeitet, darunter an Udev und dem USB-Support. Mit seinem Linux-Treiber-Projekt versammelte er mehrere Hundert Entwickler und Unternehmen, um so dafür zu sorgen, dass viele Geräte mit Linux arbeiten.

Platz 6: Andrew Morton

Mit seiner ruhigen, sachlichen Art ist Andrew Morton seit Ende 2003 der Maintainer des aktuellen Linux-Kerns. Er hat sich um dessen Stabilität und Pflege verdient gemacht. So kümmert er sich um Qualitätssicherung und verbessert die Arbeitsabläufe der Kernelentwicklung.

Platz 7: Eric S. Raymond

Eric S. Raymond hat auch Software entwickelt, erarbeitete seine Platzierung aber als Querdenker. Er ist ein vorzüglicher Kenner der Denkwelt der Community und spinnt oft ihre Gedanken weiter. Seine Denkschrift “The Cathedral and the Bazaar” von 1997 ist ein Zeitdokument, seine Halloween-Dokumente gaben Einblick in die Arbeitsweise proprietärer Software-Anbieter. Als Maintainer des “New Hacker’s Dictionary” und als Mitbegründer der Open Source Initiative (OSI) genießt er Ansehen. Allein seine Haltung gegenüber Schusswaffen erntet oft Skepsis.

Platz 8: Jon ‘Maddog’ Hall

Jon Hall, der sich am liebsten mit Maddog anreden lässt, hat schon Unix-Erfahrung gesammelt, als Torvalds noch im finnischen Sandkasten spielte. Dennoch erkannte Hall die Möglichkeiten von Linux als einer der Ersten außerhalb der reinen Entwickler- und Adminwelt. Durch sein gutes Netzwerk zu Computerherstellern sowie seine fesselnde Art, Vorträge zu halten, trug er das Betriebssystem in die Welt. Durch den von ihm für Torvalds organisierten Alpha-Rechner gab er den Anstoß zum Reigen der vielen Linux-Portierungen jenseits von I-386.

Platz 9: Matthias Ettrich

Die Ausgangssituation war denkbar schlecht: Fast ein Jahrzehnt lang hatten sich die kommerziellen Unix-Anbieter in halbherzigen Aktionen zerfleischt, um der Betriebssystemfamilie eine grafische Oberfläche zu verpassen. Alle scheiterten. Noch als Student formulierte Ettrich den Wunsch, eine einheitliche Oberfläche zu benutzen, und startete 1996 das KDE-Projekt.

Platz 10: Miguel de Icaza

Wegen der aus ihrer Sicht anfangs unklaren Lizenzsituation von Qt in KDE begründete der Mexikaner Miguel de Icaza 1997 mit weiteren Entwicklern das Gnome-Projekt. Der andauernde Wettbewerb beflügelte immer wieder beide Projekte. Heute entwickelt de Icaza an Mono.

Platz 11: Harald Welte

Harald Welte erfindet sich im Open-Source-Zirkus immer wieder neu. Hat er sich lange Jahre als Maintainer der Linux-Firewall Netfilter einen vorzüglichen Ruf als Entwickler gemacht, so lehrte er ab 2004 mit seinem Projekt GPL-Violations jene Hersteller das Fürchten, die sich nicht um die Obliegenheiten der Lizenz scheren. Weiterhin berät er große Unternehmen darin, wie sie Hardware so bauen, dass sie optimal zu freier Software passt.

Platz 12: Ian Murdock

Aus dem Namen seiner Frau und seinem eigenen formte Ian Murdock das Kunstwort Debian, um so eine der erfolgreichsten herstellerunabhängigen Distributionen zu benennen. Als erster Projektleiter stellte er viele Weichen für den starken Commuity-Ansatz von Debian.

Platz 13: Michael Kofler

Mancher Linux-Anwender hat sich die ersten Ratschläge aus Michael Koflers Einsteigerbuch geholt. Das Werk gilt als ein Referenzwerk und erklärt auch nach 13 Jahren und in der achten Auflage noch Installation und Betrieb von Linux.

Platz 14: Bruce Perens

Als der zweite Debian-Projektleiter formulierte Bruce Perens viele Grundlagen, die auch heute noch bestimmend für die Distribution sind, darunter den Debian Social Contract. Er steckt den Rahmen ab, in dem Projektmitglieder ihre Mitarbeit an freier Software definieren. Aus diesen Überlegungen heraus entstand 1998 mit Eric S. Raymond zusammen der Begriff Open Source. Dafür ist Perens auch heute noch ein unermüdlicher Fürsprecher bei Unternehmen und Regierungen.

Platz 15: Sebastian Hetze

Anfangs war Linux einsprachig Englisch. Um es zu installieren und zu administrieren, mussten die Anwender hilfreiche Unterlagen zusammenklauben. Sebastian Hetze erkannte 1993, dass deutschsprachige Informationen die Verbreitung hierzulande beschleunigen würden. Mit Freunden brachte er mit dem Linux-Anwenderhandbuch eine Sammlung übersetzter Manpages heraus. Außerdem begründete er die erste Konferenz zum Thema, den Linux-Kongress.

Bildnachweise

Russ Nelson; LinuxTag e. V.; James Duncan Davidson, O’Reilly Media, Sun Microsystems; Novell; Aaron R. Folkertson; foss.in; Addison-Wesley.

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