Aus Linux-Magazin 01/2007

Im Test: Das neue Fedora Core 6

© photocase.com

Ende Oktober erschien Version 6 von Red Hats Community-Distribution Fedora Core. Neben den üblichen Updates von Desktop und Kernel bringt sie Highlights wie die Optimierung von dynamische Bibliotheken und einen Manager für die Virtualisierungslösung Xen.

Um auf neue Features zu stoßen, muss niemand bis zum Schluss der Fedora-Installation warten. Denn einige Neuheiten offenbart bereits der seit Red-Hat-Urzeiten bewährte Installer Anaconda: Seit Fedora Core 5 benutzt er das Yum-API, in Version 6 darf der Anwender schon bei der Installation Third-Party-Repositories einbinden. Das ist auch für den professionellen Admin praktisch, denn er kann damit seine auf bestimmte Einsatzzwecke zugeschnittenen Repositories einbinden. Eher auf den Desktop-User zielt die Möglichkeit einer Fedora-Installation auf den neuen Intel-Macs.

Jetzt doch Compiz

Weil Fedora auch als Testbett für die Red-Hat-Enterprise-Distributionen dient, liegen die interessanten Neuheiten eher im Serverbereich. Auf dem Desktop fällt vor allem das neue Artwork auf, also Login- und Hintergrundbild. Bei den neuerdings beliebten Desktop-Effekten, etwa dem drehenden 3D-Würfel zum Umschalten virtueller Desktops, hat sich besonders hinter den Kulissen etwas geändert. Galt noch in der letzten Fedora-Release Metacity als Window-Manager fürs Compositing als vorteilhaft [1], hat Red Hat nun das Novell-Gewächs Compiz [2] als Compositing-Manager integriert.

Die seinerzeit angekündigte, im Gegensatz zu XGL “evolutionäre Strategie” der Integration des von Hardware beschleunigten Compositing via AIGLX hat Red Hat jetzt wahr machen können: Es ist nun Teil von Xorg 7.1, das sich außerdem besser automatisch auf LCD- und Laptop-Screens einstellt. Im Test traten allerdings bei aktivierten Desktop-Effekten einige Probleme mit Java-GUIs auf: Zum Beispiel zeigte die Java-IDE Netbeans einfach gar keine grafische Oberfläche.

Hinter dem Desktop schlägt das Herz eines Kernels 2.6.18, der nicht nur Support für viel aktuelle Hardware enthält, sondern mit einem Image Ein- und Mehrprozessorsysteme unterstützt. Die Zeiten, in denen der Admin für seine Multiprozessor-Maschine einen SMP-Kernel brauchte, sind also vorbei. Gleichzeitig beschleunigt der neue Kern den Zugriff auf Ext-3-Dateisysteme.

Die Netzwerk-Filesysteme NFS und AFS profitieren außerdem von dem verbesserten Caching durch das im Hintergrund aktive Cache-FS. Mit dem neuen Kernel kommen jetzt auch die Fedora-Anwender in den Genuss der von Jeff Garzik vorgenommenen SATA-Optimierungen im Mainline-Kernel.

Ein kleines Problem mit dem Kernel ergab sich daraus, dass der Anaconda-Installer als Architektur I-586 statt I-686 wählte. Das führte zu weiteren Schwierigkeiten beim Installieren von Treibern sowie beim Frequency-Scaling der CPU. Doch handelt es sich wohl um ein bekanntes Problem, wie ein Bugzilla-Eintrag dokumentiert. Eine Lösung wäre, manuell das richtige Paket nachzuinstallieren und das falsche zu entfernen.

Schnellere Bibliotheken

Dank einiger Änderungen am dynamischen Linker und den GNU Binutils starten Anwendungen nun schneller, nach Angaben der Fedora-Macher bis zu 50 Prozent. Das von Red Hats Binutils-Spezialist Jakub Jelinek implementierte Patch [3] beschleunigt die Auflösung der von dynamischen Bibliotheken zur Verfügung gestellten Symbole und verringert so die Ladezeiten. Im Gegensatz zum früher bereits eingeführten Pre-Linking funktioniert dieser Mechanismus auch mit Programmen, die die »dlopen()«-Funktion der C-Library verwenden, statt diese Arbeit dem dynamischen Linker zu überlassen.

Besonders wichtig bei der Verbesserung des Linkers war, dass die Implementation sich gut mit Caching-Mechanismen verträgt. Anwendungen und Bibliotheken müssen neu übersetzt und gelinkt werden, damit sie von dem neuen Algorithmus namens »DT_GNU_HASH« Gebrauch machen. Dazu dient die neue Linker-Option »–hash-style«.

Sonst gibt es für Entwickler überwiegend gewohnte Kost, beispielsweise das Profiling-Tool Frysk sowie Eclipse in Version 3.2 mit Plugins wie der C-Entwicklungsumgebung CDT und dem Graphical Editing Framework GEF. Neu integriert ist allerdings das GUI-Testing-Framework Dogtail. Es setzt auf das Accessibility-Framework von Gnome auf und erlaubt so die Skriptsteuerung von grafischen Anwendungen. Im Test ließen sich einige Gnome-Anwendungen skripten, bei Open Office versagte Dogtail allerdings.

Tabelle 1:
Versionstelegramm

 

Komponente

Version

Kernel

2.6.18

Gnome

2.16

KDE

3.5.4

Xorg

7.1

Apache

2.2

MySQL

5.0

PostgresSQL

8.1

Auf dem Weg zur PKI

Sicherheit wird bei Red Hat und Fedora schon seit einigen Versionen groß geschrieben und wie SE Linux buchstabiert. Brachte Fedora 5 dem sicherheitsbewussten Anwender die neuen Reference Policies, will Red Hat in der neuen Release die häufig kritisierte Usability des Security-Framework verbesseren. Dazu bringt die Distribution das SE-Linux-Troubleshooting-Tool mit, das ähnlich wie ein Expertensystem dem Admin konkrete Tipps zur Lösung von SE-Linux-Problemen gibt.

Neu an Bord ist ein Smartcard-Manager, der sich künftig um die Coolkey genannten Schlüssel innerhalb einer PKI-Infrastruktur kümmern soll. Die entsprechende Website [4] bietet neben einer Java-Implementation auch den Quellcode für einen Windows-CSP (Cryptographic Service Provider) zur Integration in heterogene Umgebungen sowie ein PKCS#11-Modul. Im Mittelpunkt der geplanten PKI-Infrastruktur steht der Fedora Directory Server, der es nicht mehr in die aktuelle Release geschafft hat, aber für Fedora 7 auf dem Plan steht.

Obligatorisch: Xen

Dem allgemeinen Trend zur Virtualisierung, insbesondere dem Hype um Xen, kann sich auch Red Hat nicht verschließen. Xen war schon Bestandteil von Fedora Core 5, dieses Mal kommt noch ein grafisches Management-Tool namens Virt-Manager dazu (Abbildung 1), dessen Entwicklung allerdings noch nicht abgeschlossen ist. So kann das Tool zwar lokale Xen-Maschinen steuern, das Management von Remote-Instanzen steckt allerdings noch in der Planungsphase. Schwierigkeiten bereitet dabei unter anderem die Sicherheit.

Abbildung 1: Red Hat hat dem aktuellen Fedora Core 6 eine grafische Umgebung fürs Xen-Management spendiert. Im Hintergrund die Manager-Komponente, vorn der Installationsbildschirm einer Virtual Machine.

Abbildung 1: Red Hat hat dem aktuellen Fedora Core 6 eine grafische Umgebung fürs Xen-Management spendiert. Im Hintergrund die Manager-Komponente, vorn der Installationsbildschirm einer Virtual Machine.

Unspektakulär, aber nützlich ist die Neu-Implementierung des Drucker-Managers. Höchste Zeit, stammte der alte doch aus der LPRng-Ära. Der neue ist nun besser in der Lage, Cups-Server zu verwalten, er bedient sich dazu direkt des Cups-Protokolls IPP. Das Printer-Sharing lässt sich mit ihm granuliert festlegen, auch benutzerdefinierte Drucker sind möglich.

Auf zur 7

In gewohntem Tempo geht die Fedora-Entwicklung voran. Jede Release bringt eine Hand voll grundlegender Neuheiten, die früher oder später in Red Hat Enterprise einfließen. Wer keine zertifizierte Distribution für ein bestimmtes Softwarepaket braucht, ist mit Fedora gut bedient, denn es ist ein ausgereiftes Linux, das andererseits durch den kurzen Release-Zyklus zum Beispiel die Vorteile neuerer Kernel genießt.

Ständiger Streitpunkt bleibt die starke Bindung an Red Hat, dessen Mitarbeiter noch immer den größten Teil der Entwicklungsarbeit leisten. Nach dem Erscheinen von Fedora Core 6 setzte sich die Kerngruppe der Entwickler zusammen, um die Zukunft der Distribution zu erörtern. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, ob und wie Fedora etwas anderes werden kann als das Testvehikel für Red Hat Enterprise Linux. Endgültige Einigkeit konnte die Beteiligten aber bisher nicht erzielen.

Infos

[1] Kevin E. Martin, “Effektvolle Evolution, Composite-Desktop mit AIGLX”: [https://www.linux-magazin.de/Artikel/ausgabe/2006/05/aiglx/aiglx.html]

[2] Matthias, Hopf, “OpenGL-beschleunigter Desktop mit XGL und Compiz”: Linux-Magazin 05/06, S. 42

[3] DT_GNU_HASH-Email: [http://sourceware.org/ml/libc-alpha/2006-06/msg00095.html]

[4] Coolkey: [http://directory.fedora.redhat.com/wiki/CoolKey]

[5] Fedoras Zukunft: [http://fedoraproject.org/wiki/FedoraSummit]

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