Aus Linux-Magazin 02/2007

Virtualisierung wird Teil des Standardkernels

Abbildung 1: Bereits Realität: Der MM-Kernel enthält schon in Version 2.6.19 die neue, Linux-eigene Virtualisierungslösung KVM.

Das erst wenige Monate alte KVM-Projekt hat es geschafft, sich als Linux-eigene Virtualisierungslösung zu etablieren: Ab Kernel 2.6.20 ist die schlanke Lösung Bestandteil des freien Betriebssystems und überflügelt damit ältere und umfangreichere freie Komponenten wie Xen oder Vserver. Peter Kreusse l

Inhalt

60 | Projekteküche: Spiele und Windows-Hilfen Strategiespiele für Linux sowie eine Linux-Kommandozeile für Windows.

64 | Tooltipps Nützliche Tools zum Surfen und zum Sichern von Daten.

66 | PDF-Tool Cabaret Stage PDF-Formulare unter Linux: Wie sieht die Praxis aus?

68 | Bitparade: Backup unter Linux Mehr als nur Cron und Tar: Enterprise-Backup-Software im Test.

Gründe, um Systeme auf virtueller Hardware ablaufen zu lassen, gibt es viele: Zum Aspekt der Konsolidierung, die hilft Platz und Strom zu sparen oder die Kühlung erleichtert, kommt der Vorteil einer gesteigerten Flexibilität. Software-Entwicklern stellt Virtualisierung unterschiedliche Systeme auf einem Rechner ohne Reboot zur Verfügung.

Das starke Anwachsen des Marktes hat Virtualisierung in der gesamten IT-Branche zu einem heiß umkämpften Thema gemacht: Nach einer Studie des Marktforschungsinstitutes IDC [1] übertrifft das Ergebnis für 2005 mit 67 Prozent das Wachstum des Vorjahres noch einmal um 4 Prozent.

Viele Akteure wie VMware, Microsoft, die Xen-Entwickler sowie Intel und AMD, deren aktuelle Prozessoren Virtualisierung nun Hardware-seitig unterstützen, möchten kräftig mitmischen.

Vorteil für KVM

Am 10. Dezember hat das erst einige Monate alte KVM-Projekt [2] die Mitbewerber in einer Hinsicht überholt: Linus Torvalds speiste die Quellen in den Source-Tree für Kernel 2.6.20 ein, sodass KVM anders als Xen oder Vserver nun zum Standardumfang von Linux gehört. Das MM-Patch von Andrew Morton für Kernel 2.6.19 enthält den Code bereits (Abbildung 1).

Abbildung 1: Bereits Realität: Der MM-Kernel enthält schon in Version 2.6.19 die neue, Linux-eigene Virtualisierungslösung KVM.

Abbildung 1: Bereits Realität: Der MM-Kernel enthält schon in Version 2.6.19 die neue, Linux-eigene Virtualisierungslösung KVM.

Die Linux-Bordlösung setzt auf die in Intel- und AMD-Chips der jüngeren Generation eingebaute Hardware-Unterstützung. Auf Basis von VT (Intel) oder SVM (AMD) möchten die Entwickler eine Virtualisierungslösung bieten, die wesentlich einfacher ausfällt als Lösungen, die konzipiert wurden, bevor Prozessoren den virtuellen Maschinen unter die Arme griffen. Im Whitepaper [3] ist die Rede von einigen tausend Zeilen Code.

Kernel als Hypervisor

Dass dabei der Linux-Kernel selbst als Hypervisor fungiert, erspart die bei vielen Virtualisierungslösungen zwischengeschaltete Userspace-Schicht, die Ring-0-Zugriffe mehrer virtueller Maschinen koordiniert und daher mit Verzögerung an den Kernel weiterleitet. Jeder einzelne simulierte Rechner bildet aus Sicht des Kernels eine normale Anwendung, der Kernel selbst verwaltet Speicher und I/O-Ressourcen. Benchmarkergebnisse, die belegen, wie groß die Performanzvorteile sind, die sich daraus ergeben, gibt es allerdings noch nicht.

Ein nur leicht verändertes Qemu stützt sich im Userspace auf das über das Character-Device »/dev/kvm« sichtbare neue Kernelmodul und bildet eine Basis, auf der Linux- und Windows-Systeme ohne Veränderung laufen sollen.

Außer technischen Vorzügen trägt der Einzug der Virtualisierungstechnologie in den Standardkernel sicher dazu bei, dass deren Verfügbarkeit weiter wächst. Sie wird in Zukunft unabhängig sein vom Engagement einzelner Distributoren in bestimmten Projekten. Vielleicht wird Virtualisierung in einigen Jahren ganz selbstverständlich zum Umfang aller Betriebssysteme gehören.

KVM allein bietet nicht alle für den Servereinsatz nötigen Funktionen: Es fehlen die Management-Oberfläche und die Möglichkeit, virtuelle Maschinen im laufenden Betrieb zu migrieren. Doch auch hierfür könnte das neue Kernelmodul eine frei verfügbare Basis bilden.

Infos

[1] Wachstum des Virtualisierungsmarktes: [http://www.idc.com/getdoc.jsp?containerId=prUS20394406]

[2] KVM-Projekt: [http://kvm.sourceforge.net]

[3] KVM-Whitepaper: [http://www.qumranet.com/wp/kvm_wp.pdf]

Copyright © 2002 Linux New Media AG

LINUX-MAGAZIN KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Readly Logo
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Nach oben