Im Sommer kündigte Red Hat an, keine Distributionen für Normalanwender mehr herzustellen. Nun soll doch eine erscheinen. Das Fedora-Projekt geht trotzdem weiter. Was steckt dahinter?
Keine Boxen mehr für Normalanwender, Auslagerung der Entwicklung in die Community – so hieß es jedenfalls. Oder kommt doch alles ganz anders? Die Kommunikation von Red Hat war in den letzten Monaten nicht sehr verständlich. Jetzt zeichnet sich eine Klärung ab.
Red Hat für Sparer
Wichtigster Punkt für Nutzer: Es gibt wieder – oder nach wie vor – eine Red-Hat-Box samt Handbuch für den sparsamen Firmen-Admin oder den ambitionierten Heimanwender. Die Distribution heißt “Red Hat Professional Workstation” (ohne irgendeine Versionsnummer) und wird knapp 100 Euro kosten. Im Gegensatz zu den bisherigen Professional-Versionen basiert die neue jedoch auf dem Code der teuren Enterprise-Versionen des Distributors, vormals auch als Advanced Server bekannt. Als Kernel kommt ein relativ aktueller 2.4.21 zum Einsatz, mit einigen Backports wie Kernel-IPsec, ACL-Unterstützung für das Dateisystem und einer Personal Firewall.
Samba ist mit der brandaktuellen Version 3.0 dabei, als Drucksystem kommt jetzt auch bei Red Hat Cups zum Zuge. Mit drei kommerziellen Runtime-Umgebungen, nämlich von Sun, IBM und Bea, ist größtmögliche Java-Flexibilität garantiert. Eine Extra-CD enthält zusätzlich die Development-Kits der drei Hersteller. 30 Tage Installationssupport und ein Ein-Jahres-Abo auf das Red Hat Network runden das Paket ab.
Basis Enterprise
Red Hat Professional Workstation fällt als Abkömmling der Enterprise-Produktlinie unter deren lange Releasezyklen von zwölf bis 18 Monaten. Für aktuellere Produkte ist jetzt das Fedora-Projekt verantwortlich.
Laut Brian Stevens, Vice President Engineering bei Red Hat, sind es nach wie vor Red-Hat-Manager, die über dessen Fortgang bestimmen: “Red Hat hat ein Komitee aufgestellt, eine ,Governing Group` für Fedora. Wir hatten die Erfahrung gemacht, das die meisten Anwender ein ,frei für alle` nicht wollen. Die Anwender wussten die Robustheit von Red Hat zu schätzen und wollten es nicht zu weit öffnen, um sie nicht aufs Spiel zu setzen. Außerdem gibt es noch eine Beratungsgruppe, in der nicht nur Mitarbeiter von Red Hat vertreten sind.”
Red Hat will mit Fedora den Entwicklungsprozess offener gestalten, vor allem freie Projekt-Maintainer sollen die Infrastruktur nutzen, um aktuelle und sauber gebaute Pakete ihrer Software bereitzustellen: Stevens: “Wir bringen eine ganze Menge von Infrastruktur nach außen, das Build-System, Mailinglisten, IRC-Kanäle. Je mehr davon nach draußen verlagert ist, umso einfacher ist es, ein bestimmtes Paket direkt in Fedora einzubringen.”
Offene Entwicklung
In Zukunft wird es einen Fedora-Kern geben, der vom Umfang her einem bisherigen Red Hat Linux entspricht, und zusätzlich Fedora-Extras als Erweiterungen. Auf diese soll die Governing Group laut Stevens keinen Einfluss nehmen. Für die Extras wird es zusätzliche Repositories geben. Es sind zwei bis drei Fedora-Releases im Jahr geplant, die Deadlines sollen nur technisch determiniert sein und Business-Entscheidungen von Red Hat darauf keinen Einfluss haben. Über die Veröffentlichungstermine kann zumindest für die kommenden Fedora-Versionen auf öffentlichen Mailinglisten diskutiert werden, sodass die Community auf die Planungen Einfluss hat.
Bluecurve bleibt
An Bluecurve möchte Red Hat laut Stevens festhalten, aber in Sachen KDE hält man sich Optionen offen: “Möglicherweise liefern wir eines Tages doch eine komplette KDE-Umgebung mit aus.”
Bei der Entscheidung für einen von Red Hat kontrollierten Community-Entwicklungsprozess hätten entgegen der landläufigen Meinung Kostenargumente keine Rolle gespielt, so Stevens. “Die Öffentlichkeit nimmt oft an, wir wollten aus Kostengründen die Entwicklung auslagern. Das ist schon seltsam, schließlich haben wir für den Prozess unser Personal sogar aufstocken müssen, ganz zu schweigen von der zusätzlichen Hardware. Kurzzeitig wird sich das nicht auszahlen, strategisch ist es sehr sinnvoll.”
Für die erste Fedora-Release ist noch ein 2.4er Kernel vorgesehen, für die nächste wahrscheinlich schon ein 2.6er. Eine interne Testphase dazu läuft bereits.





