Aus Linux-Magazin 06/2009

Linux-Distributionen für Netbooks

© Franz Pfluegl, Photocase.com

Uralt-Windows auf dem Netbook – das muss nicht sein! Linux bietet mit für Netbooks optimierten Distributionen eine viel bessere Usability. Welche Linux-Varianten sich besonders für kleine Bildschirme und unkomfortable Trackpads eigen, testet dieser Artikel.

War der blühende Netbook-Markt anfangs eine Linux-Domäne, bläst Microsoft nun mit einer Mottenkisten-Nummer zum Gegenangriff: Da Windows Vista für schmalbrüstige Hardware nicht taugt, reanimiert der Redmonder Softwarekonzern sein sechseinhalb Jahre altes Windows XP. Zwar stimmt die Performance auf durchschnittlicher Netbook-Hardware – zur Entstehungszeit von Windows XP hatten kein Desktop-PC mehr RAM als heutige Netbooks.

Ergonomische Anpassungen des GUI an das kleine Display sucht der Anwender allerdings vergeblich: Das Testgerät für diesen Artikel, ein Eee-PC 901 von Asus mit 9-Zoll-Display, kam im Lieferzustand mit Windows XP im altbackenen Standard-Design. Im Vollbildmodus belegen Taskleiste und Fensterleiste zusammen schon nahezu 10 Prozent der Bildschirmhöhe. Das Startmenü passt nicht auf das Display, im mitgelieferten Internet Explorer 6 bleibt für die Anzeige der Webseiten wenig Platz (Abbildung 1).

Abbildung 1: Wie vor sechs Jahren: Im Lieferzustand kam der Eee-PC 901 mit einer unangepassten Windows-XP-Oberfläche, deren Bedienelemente für das Display viel zu groß ausfallen.

Abbildung 1: Wie vor sechs Jahren: Im Lieferzustand kam der Eee-PC 901 mit einer unangepassten Windows-XP-Oberfläche, deren Bedienelemente für das Display viel zu groß ausfallen.

Mehr Engagement

Hier gibt sich die Linux-Community mehr Mühe: Sie schuf mehrere speziell für Netbooks zugeschnittene Distributionen oder Distributionsvarianten (siehe Tabelle “Linux auf Netbooks im Überblick”). Da Hardware, die genug Leistung für das in die Jahre gekommene Windows XP bietet, für aktuelle Varianten verbreiteter Linux-Distributionen ausreicht, richten die Entwickler ihr Augenmerk auf kreative Lösungen beim Umgang mit der knappen Anzeigefläche. Als Basis dienen verbreitete Distributionen wie Ubuntu, PC Linux OS oder Fedora.

Worauf es dabei ankommt, sagt der Usability-Experte Björn Balazs im Kurzinterview mit dem Linux-Magazin (siehe Kasten “Netbook-Usability”).

Tabelle 1: Linux auf Netbooks im
Überblick

Ubuntu Netbook Remix

Remix nennt Canonical die Ubuntu-Varianten mit niedrigeren Ansprüchen an Support und Abgeschlossenheit als die auf unerfahrene Endanwender abzielenden offiziellen Fassungen. In der Praxis ist davon aber zum Glück wenig zu spüren: Netbook Remix liegt als auf Ubuntu 9.04 Beta basierendes Image für USB-Sticks vor [1]. Es startet als Live-System, das wie andere Ubuntu-Fassungen einen Installer für das Aufspielen auf die Festplatte mitbringt.

Der auffälligste Unterschied zwischen dem Standard-Ubuntu-Desktop und der Netbook-Fassung ist das Starter-Panel, das den ganzen Desktophintergrund belegt (Abbildung 2). Links liegen Karteireiter mit den aus dem Ubuntu-Startmenü bekannten Softwarekategorien, allerdings nicht in deutscher Übersetzung, rechts die normalerweise über das »Orte«-Menü erreichbaren Dateisystem-Lesezeichen. Zusätzlich gibt es noch eine Kategorie »Favoriten«, zu der der Anwender per Rechtsklick die am häufigsten gebrauchten Anwendungen aus den anderen Reitern hinzufügen kann. Das Startmenü sowie die Menüs »Orte« und »System« fehlen im Panel.

Abbildung 2: Komfort auf kleinen Desktops: Mit dem Netbook-Launcher lassen sich Anwendungen auf kleinen Displays leichter starten als über einen Menübaum.

Abbildung 2: Komfort auf kleinen Desktops: Mit dem Netbook-Launcher lassen sich Anwendungen auf kleinen Displays leichter starten als über einen Menübaum.

Bäumchen wechsle dich

Wer mit einem Klick auf »Preferences | Desktop-Modus wechseln« zum normalen Gnome-Desktop wechselt, bemerkt den Unterschied besonders auf klassischen 9-Zoll-Netbooks wie dem Eee-PC von Asus deutlich. Die Wahl eines Tabreiters gelingt mit dem Trackpad spielend. Sich mit der Maus durch die Ebenen des gewöhnlichen Startmenüs zu hangeln erfordert dagegen viel Fingerspitzengefühl: Allzu schmal fallen die Menü-Elemente auf dem kleinen Bildschirm aus. Sitzt der Anwender noch dazu im Zug, geht es ohne Klicks auf das falsche Icon kaum ab. Mit dem Netbook-Launcher arbeitet er dagegen wesentlich entspannter. An der Stelle des Startmenüs liegt in Ubuntu Netbook Remix ein Icon, das alle Anwendungsfenster minimiert und den Desktop-Starter freilegt.

Trickreich

Neben dem alternativen Anwendungsstarter erleichtert ein weiterer Kunstgriff die Arbeit auf kleinen Displays: Die Softwarekomponente Maximus sorgt dafür, dass alle Anwendungen maximiert starten. Abbildung 3 zeigt ein Dateimanager-Fenster, dessen Fensterleiste der Optik nach in der Taskleiste am oberen Bildschirmrand liegt.

Abbildung 3: Mit dem Panel am oberen Bildschirmrand, das über einen Trick die Fensterleiste der aktiven Anwendung schluckt, spart Ubuntu Netbook Remix auf kleinen Bildschirmen kostbaren Platz.

Abbildung 3: Mit dem Panel am oberen Bildschirmrand, das über einen Trick die Fensterleiste der aktiven Anwendung schluckt, spart Ubuntu Netbook Remix auf kleinen Bildschirmen kostbaren Platz.

Eigentlich ist es unter Gnome technisch unmöglich, die Fensterleiste in einem Panel einzufangen. Den optischen Eindruck erzielt Ubuntu Netbook Remix mit einem Trick: Maximus sorgt dafür, dass die Anwendungen ohne Fensterdekoration starten. Statt der gewöhnlichen Fensterleiste liegt in der Leiste ein Window-Picker genanntes Applet, in dem inaktive Fenster lediglich als Icon erscheinen.

Der Button für das aktive Programm füllt den restlichen freien Platz im Panel und wirkt optisch wie eine Fensterleiste, sodass aus Sicht des Benutzers die gewohnte Fenster-Metapher intakt bleibt. Auf einem 9-Zoll-Display belegen Task- und Fensterleiste zusammen etwa 10 Prozent der Höhe, die clevere Lösung in der Ubuntu-Fassung für Netbooks spart die Hälfte davon ein.

Mit einem Rechtsklick auf die vorgetäuschte Fensterleiste lässt sich die Maximierung eines Fensters aufheben. Das braucht der Benutzer auf einem kleinen Schirm aber selten. Dass Anwendungen unabhängig vom Zustand bei der letzten Nutzung immer im Vollbildmodus starten, empfinden Anwender daher nicht als Ärgernis. Vielmehr erleichtert es die Arbeit. Im Vergleich zu Windows XP, bei dem Netbook-Anbieter lediglich die Höhe der Fensterleiste stauchen, wirkt diese Lösung gerade auf dem kleinen Eee-PC sehr elegant.

Unter der Haube

Das Installations-Image von Ubuntu Netbook Remix basiert auf einer Betaversion von Ubuntu. Alternativ lässt sich jedoch ein vorliegendes stabiles Ubuntu leicht um das Look&Feel des Ubuntu Netbook Remix erweitern: Der Anwender bindet dazu lediglich das Repository »deb http://ppa.launchpad.net/netbook-remix-team/ubuntu intrepid main« ein.

Außer für Intrepid (Ubuntu 8.10) gibt es die Pakete auch für Hardy (Ubuntu 8.04). Für den Netbook-Desktop sind das »go-home-applet«, das »human-netbook-theme«, »maximus«, der »netbook-launcher« und das »window-picker-applet« zuständig.

Maximus und der Netbook-Launcher sind in den Gnome-Einstellungen unter »Sitzungen | Startprogramme« einzutragen, damit sie nach dem Start der Gnome-Session laufen. In der oberen Taskleiste sind noch Startmenü und Fensterleiste zu entfernen. Deren Plätze nehmen das Go-home-Applet und das Window-Picker-Applet ein. Wer nun für das Gnome-»Erscheinungsbild« noch das »Human-Netbook-Theme« auswählt, hat einen vollwertigen Netbook-Desktop. Die Minianwendung Desktop-Switcher stellt den gewöhnlichen Gnome-Desktop mit einem Mausklick wieder her. Ein erneuter Start wechselt wieder zum Netbook-Look&Feel.

Brandaktuell

Das tagesaktuelle Beta-Live-Image für ein fertiges Netbook Remix gab sich im Kurztest keine Blöße, im Gegenteil: Der dort laufende Kernel 2.6.28 arbeitet anders als der Standardkernel in Ubuntu 8.10 mit dem Ralink RT2860-Wlan-Chip zusammen. Wer das WLAN des Eee-PC 900 unter Ubuntu 8.10 benutzen möchte, braucht entweder einen selbst kompilierten aktuellen Kernel oder lädt das Kernelpaket aus [2] herunter. Nach dem Installieren belegt der gepatchte Kernel allerdings nicht den Defaulteintrag im Bootmenü, sodass der Anwender noch die Datei »/boot/grub/menu.lst« anpassen muss.

Ein Problem ist das aber höchstens für Windows-Umsteiger, die mit dem Netbook ihre ersten Gehversuche unter Linux machen. Für diese Zielgruppe nennt das Ubuntu-Netbook-Wiki eine freie Windows-Software, die das Image auf den USB-Stick schreibt [3]. Auch eine Software für Ubuntu gibt es für diesen Zweck [4].

Flott aufgespielt

Der Jaunty-Installer aus dem aktuellen Netbook-Remix-Image bietet im Vergleich mit dem Intrepid-Installer zwei Vorteile: Das System lässt sich mit ihm auf die nur 4 GByte große erste SD-Platte des Eee-PC installieren, während der Ubuntu-Intrepid-Installer mindestens 4,7 GByte verlangt. Außerdem brauchte die Installation nur 15 Minuten, während sich beim alten Installer das Löschen der nicht gebrauchten Lokalisierungen stark in die Länge zog, sodass insgesamt 90 Minuten vergingen, bis die Installation abgeschlossen war.

Open Suse 11.1

Zwar gibt es Gerüchte, dass Suse an einer Netbook-Version arbeitet. Etwas Handfestes, geschweige denn Installierbares, ist aber bisher noch nicht nach außen gedrungen. Ein Netbook-Desktop à la Ubuntu lässt sich aber auf der Basis von Open Suse 11.1 [5] mit Hilfe des Build-Service-Repository [6] realisieren. Der Anwender installiert dazu Gnome und zusätzlich die Pakete »maximus«, »netbook-launcher« und »window-picker-applet«. Anders als unter Ubuntu starten Maximus und Netbook-Launcher hier nach einem erneuten Einloggen automatisch (Abbildung 4).

Abbildung 4: Ubuntu steht zwar drauf, aber Suse ist drin: Ein Build-Service-Repository portiert die Ubuntu-Netbook-Erweiterungen auf Open Suse.

Abbildung 4: Ubuntu steht zwar drauf, aber Suse ist drin: Ein Build-Service-Repository portiert die Ubuntu-Netbook-Erweiterungen auf Open Suse.

Handarbeit erfordert lediglich die Taskleiste, die an den oberen Bildschirmrand gehört. Startmenü und die gewöhnliche Fensterleiste entfallen. Ihren Platz nehmen wie unter Ubuntu das Go-home-Applet und das Window-Picker-Applet ein. So entsteht eine Oberfläche, die dem Desktop aus dem Ubuntu Netbook Remix gleicht – der Netbook-Launcher trägt sogar noch den Ubuntu-Schriftzug.

Schwerfällig

So stimmig wie bei Ubuntu ist das Bild bei Suse auf dem Eee-PC aber bei Weitem nicht: Nicht nur der Netbook-Launcher, das ganze System wirkt unter Open Suse 11.1 träger. Am deutlich höheren Speicherbedarf allein liegt es nicht, 277 MByte bringen den Rechner mit 1024 MByte RAM noch nicht ins Pagen. Auch wer die Flucht nach vorn antritt und KDE 4 installiert, gewinnt zwar um die 20 MByte Speicher, richtig flüssig reagiert das GUI aber auch dann nicht.

Auf den ersten Blick haperte es auf dem Eee-PC 901 auch bei der Hardware-Unterstützung: Das WLAN-Gerät war nach der Installation nicht zu gebrauchen. Allerdings verschwand dieses Problem nach dem Einspielen des per Online-Update verfügbaren Kernels. Problematisch bleibt jedoch, dass Open Suse den Bereitschafts-Modus (Supend to RAM) erst nach über 30 Sekunden erreicht – im Vergleich zu 5 Sekunden unter Ubuntu.

Flux-Flux

Ganz andere Schwerpunkte als Ubuntu Netbook Remix setzt die auf dem in den USA verbreiteten PC Linux OS basierende Netbook-Distribution Flux-Flux [7]. Die letzte Version bei Redaktionsschluss hieß 03/2009. Eine speziell auf den Eee-PC abgestimmte Version lag in Version 12/2008 vor. Das Bootmenü dieser Live-Distribution enthält Einträge für die Typen 70x, 900, 900A, 901, 901Go und 1000x. Trotz der alten Kernelversion 2.6.22 unterstütz Flux-Flux die Hardware der Eee-PC-Typen vollständig.

Das WLAN verbindet sich nach einer Erstkonfiguration als Root klaglos mit WPA-verschlüsselten Endpunkten. Ein Konfigurationsskript für die verbreiteten Huawei-UMTS-Sticks gibt es ebenfalls. Bei der Eee-PC-Version funktionieren außerdem die spezifischen Keyboard-Shortcuts wie Lautstärke und Bildschirmhelligkeit, Deaktivierung des WLAN, Aktivieren des zweiten Bildschirms sowie Suspend zu RAM. Die vier Anwendungs-Shortcutkeys starten Firefox, Thunderbird, Skype und den Chatclient Pidgin.

Verzicht

Flux-Flux verzichtet auf eine Desktop-Umgebung wie Gnome oder KDE und setzt auf die Kombination des leistungsfähigen Windowmanagers Openbox und des einem Mac-OS-X-Panel nachempfundenen Anwendungsstarters Wpanel (Abbildung 5). Flux-Flux verbraucht tatsächlich weniger RAM als alle anderen gestesteten Distributionen, mit 10 bis 15 MByte im Vergleich zum Gnome-Desktop auf Ubuntu oder Debian bleibt die Einsparung auf Rechnern mit 1024 MByte RAM allerdings vernachlässigbar gering. Beim für Netbooks mit SD-Disks relevanten Plattenplatzverbrauch liegt Flux-Flux mit 1,6 GByte beinahe mit Ubuntu Netbook Remix gleichauf

Abbildung 5: Flux-Flux verzichtet auf eine vollständige Desktop-Umgebung. Die Usability leidet, doch auf der Haben-Seite steht in der Eee-PC-Version eine perfekte Anpassung an die Hardware.

Abbildung 5: Flux-Flux verzichtet auf eine vollständige Desktop-Umgebung. Die Usability leidet, doch auf der Haben-Seite steht in der Eee-PC-Version eine perfekte Anpassung an die Hardware.

Dem Flux-Flux-Desktop fehlen raffinierte Anpassungen an kleine Displays wie in Ubuntu Netbook Remix. Das Panel am oberen Bildschirmrand, dessen Icons sich beim Überfahren mit der Maus vergrößern, ist immerhin leicht zu bedienen. Störend ist allerdings, dass Openbox keinen Tastatur-Shortcut für Fensteraktionen anbietet. Tastenkombinationen wie [Alt] +[F3], [X] (Maximieren) oder [Alt]+ [F3], [M] (Minimieren) würden die Bedienung im Vergleich zu den unter Flux-Flux viel zu kleinen Minimieren- und Maximieren-Buttons in der Fensterleiste erheblich erleichtern.

Flux-Flux basiert auf PC Linux OS, das seinerseits von Mandriva abstammt. Daher heißt der Installer für das Live-System Drakelive Install. Von seinen Eltern PC Linux OS und Mandriva erbt Flux-Flux viele ausgefeilte Technologien, zum Beispiel das PC-Linux-OS-Kontrollzentrum, mit dem für viele Linux-Einstellungen ein GUI zur Verfügung steht. Auch wenn es mit Ubuntu Netbook Remix in puncto Usability und Optik nicht konkurrieren kann: Auf Eee-PCs der Serien 700, 900 und 1000 überzeugt Flux-Flux durch die beste Anpassungen an die Hardware.

Debian für Eee-PC

Nicht nur Ubuntu, auch Debian nimmt sich der Netbook-Nutzer an, und zwar in Form eines Eee-Pure-Blend [8]. Ein Pure-Blend hat unter Debian etwa den gleichen halboffiziellen Status wie ein Remix unter Ubuntu. Die Eee-PC-Fassung liegt wie unter Ubuntu als Image für einen USB-Stick vor [9]. Es ist lediglich 15,5 MByte groß, die Programmpakete holt der Installer also aus dem Netz.

Wer nach der Installation ein für 9- oder 10-Zoll-Screens aufpoliertes GUI erwartet, wird enttäuscht: Der Desktop unterscheidet sich praktisch nicht von einem gewöhnlichen Debian (Abbildung 6). Der Gnome-Desktop weist sogar die üblichen zwei Leisten am oberen und unteren Bildschirmrand auf, was auf 9-Zoll-Netbooks nicht sinnvoll ist. Allerdings bedarf es nur weniger Mausklicks, um eine Leiste unter Gnome zu entfernen.

Abbildung 6: In puncto GUI tut Debian nichts für den Netbook-Anwender. Einen angepassten Installer und zusätzliche Hardwaretreiber für den Eee-PC gibt es jedoch.

Abbildung 6: In puncto GUI tut Debian nichts für den Netbook-Anwender. Einen angepassten Installer und zusätzliche Hardwaretreiber für den Eee-PC gibt es jedoch.

Ein bisschen Handarbeit

Um mit dem Platz in der verbleibenden oberen Leiste auszukommen, sind noch ein paar Anpassungen sinnvoll: Das »Gnome-Hauptmenü« besteht – anders als die gewöhnliche Gnome-Menüleiste – statt aus drei Toplevel-Menüs nur aus einem Icon. So bleibt in der Taskleiste Platz für die Fensterleiste und einige Schnellstart-Icons. Da das »Orte«-Menü nun nicht mehr direkt in der Taskleiste sichtbar ist, sollte sich darunter ein Shortcut für den Dateimanager befinden.

Alles in allem erschöpft sich die Anpassung von Debian-Eee-PC im Einbinden eines zusätzlichen Repository [8], in zusätzlichen Kernelmodulen für WLAN- und Ethernet sowie einem auf den Eee-PC angepassten ACPI-Skript. Erstere sorgen dafür, dass der leicht angestaubte Kernel 2.6.26 mit der im Netbook verbauten Hardware zurechtkommt. Letzteres setzt den Hotkey für Suspend-to-RAM in Gang, mehr aber auch nicht.

Eine echte Alternative

Auch wenn Linux-Netbooks bei durchschnittlichen Elektonikmärkten kaum mehr zu kriegen sind, braucht sich niemand mit dem altbackenen Windows XP abzufinden. Linux hat mit Atom-CPUs keine Probleme, aktuelle oder speziell gepatchte Kernelversionen auch nicht mit der restlichen Hardware.

Was das GUI angeht, ist Ubuntu Netbook Remix der Star der getesteten Distributionen: Dank Maximus verschwendet keine Fensterleiste unnötigen Platz auf dem kleinen Display. Der alternative Anwender Netbook-Launcher ist praktisch und optisch angenehm. Neuere Eee-PCs machen unter Ubuntu allerdings nur mit dem bei Redaktionsschluss noch nicht stabilen Jaunty oder einem gepatchten Kernel Spaß.

Das gilt auch für Debian 5.0, der Standard-Lenny-Kernel taugt für die meisten Netbooks nicht, Debian für Eee-PC patcht ihn aber für die gängigen Chipsätze. Leider gibt es die Anpassungen an kleine Displays aus Ubuntu nicht für Debian. Mit den Hardwaretreibern aus dem Eee-PC-Repository [5] ist die freie Distribution mit dem großen Angebot an mitgelieferten Anwendungen für den Eee-PC dennoch keine schlechte Wahl.

Das gilt auch für den Netbook-Spezialisten Flux-Flux. Bei der Bedienung mutet er zwar dem Benutzer mit den winzigen Maximieren- und Minimieren-Schaltflächen am meisten zu. Dem steht jedoch zumindest beim Eee-PC 900 die beste Unterstützung der Hardware gegenüber. Lediglich Open Suse überzeugte auf dem Eee-PC nicht: Hier reagierte der Rechner unangenehm träge.

Gespräch mit Björn
Balazs: Netbook-Usability


Björn Balazs ist Diplom-Psychologe und Gesellschafter der Firma Apliki [http://www.apliki.de]. Das Berliner Unternehmen bezeichnet sich als psychologische IT-Beratung, bei der Psychologen Hand in Hand mit IT-Spezialisten zusammenarbeiten.

Linux-Magazin:Wie sieht es bei den Netbooks mit der Usability aus?

Björn Balazs:Bei diesen Geräten muss man verschiedene Aspekte betrachten. Zunächst gibt es die Ergonomie der Hardware. Sie ist noch schlechter als bei herkömmlichen Notebooks, die auch schon nicht als dauerhafte Arbeitsgeräte geeignet sind, weil Tastatur und Display zu klein sind.

Linux-Magazin:Wie steht es mit der Software, etwa einer Linux-Desktop-Umgebung?

Balazs:Was mir hierzu einfällt, ist als Apple-Phänomen bekannt: Dieser Hersteller gilt als unglaublich benutzerfreundlich. Das liegt zum größten Teil daran, dass sich Apple auf eine kleine Zielgruppe, im Grunde die Grafikdesigner, spezialisiert hatte. Je klarer eine Zielgruppe definiert ist, desto besser kann man ihre ergonomischen Bedürfnisse erfüllen.

Im Usability-Geschäft gibt es den Merksatz “One design for all fits none”. In anderen Worten: Ein Produkt, dass sich für alle beliebigen Einsatzzwecke eigenen soll, wird scheitern.

Linux-Magazin:Was heißt das konkret für ein Linux-Netbook?

Balazs:Bei den Netbooks verabschiedet man sich von der Idee des mobilen Allround-Geräts, auf dem Computerspiele und DVD-Filme laufen. Die Netbook-Klasse konzentriert sich auf Internetsoftware plus notdürftiges Arbeiten.

Das ist eine Einschränkung, die gleichzeitig die Chance für gute Usability bietet. Dank der offenen Linux-Entwicklung war es meiner Meinung nach nur eine Frage der Zeit, bis sich eigene Oberflächen und Distributionen speziell für Netbooks entwickelten. Bei den Arbeiten am KDE-4-Flavour für Netbooks kann man das auch beobachten. Durch das genaue Zuschneiden auf die Zielgruppe wird Linux ungemein gewinnen.

Infos

[1] Ubuntu-Netbook-Remix-Image: [http://cdimage.ubuntu.com/ubuntu-netbook-remix/daily-live/current/]

[2] Eee-Kernel für Ubuntu 8.10: [http://array.org/ubuntu/setup-intrepid.html]

[3] USB-Writer für Windows: [http://shounen.ru/soft/flashnul/]

[4] USB-Image-Writer: [http://ppa.launchpad.net/ogra/ubuntu/pool/main/u/usb-imagewriter/usb-imagewriter_0.1-1~ppa1_all.deb]

[5] Open Suse 11.1: [http://de.opensuse.org/OpenSUSE_11.1]

[6] Suse-Netbook-Desktop: [http://download.opensuse.org/repositories/home:/hfiguiere:/Netbooks/openSUSE_11.1/repodata/]

[7] Flux-Flux: [http://fluxflux.ne]

[8] Debian für Eee-PC: [http://Eee-PC.debian.net/debian/images/debian-Eee-PC.img]

[9] Debian-Repository für Eee-PC: [http://eeepc.debian.net]

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