Um auf einer gewöhnlichen Workstation ohne große Umstände mehrere Betriebssysteme zu starten, galt lange VMware als Standardlösung. Inzwischen hat es preisgünstige Konkurrenz von Parallels bekommen, auch die freie Software Qemu genügt in vielen Fällen.
Komplexe Anwendungen zu entwickeln erfordert sehr viel Fachwissen und Zeit. VMware [1] genießt einen guten Ruf in Sachen Performance und benutzerfreundlicher Bedienung beim Emulieren von Desktop-Systemen. Neu auf dem Emulatorenmarkt ist Parallels [2], das für weniger Geld gleiche Leistung verspricht. Mit Qemu [3] gibt es auch einen freien Emulator, der sich nicht zu verstecken braucht.
VMware
Die VMware Workstation ([1], siehe Abbildung 1) liegt in Version 5.5 für Windows und Linux vor. Die Liste der unterstützten Gastbetriebssysteme enthält neben allen Windows-Versionen und Linux Netware, FreeBSD und Solaris; in der aktuellen Version auch die 64-Bit-Varianten. Abschreckend vor allem für Privatanwender ist der Preis: Eine Einzelplatzlizenz kostet beispielsweise bei [4] 190 Euro, wer die heruntergeladene Version zur Vollversion freischalten lassen möchte, zahlt 180 Euro.

Abbildung 1: VMware erledigt die Konfiguration virtueller Maschinen unkompliziert über seine grafische Oberfläche.
Für die am weitesten verbreiteten Distributionen liefert VMware die Kernelmodule mit, für alle anderen kompiliert und installiert sie ein entsprechendes Skript automatisch. Die Konfiguration der virtuellen Maschinen erfolgt per Mausklick. Der Benutzer vergibt über die grafische Oberfläche den Arbeitsspeicher und den Festplattenplatz. Auf sonstige Hardware des Host-Systems, auch auf angeschlossene USB-Geräte, greifen emulierte PCs bei entsprechender Konfiguration direkt zu.
Die Kommunikation mit den Gastsystemen erfolgt über virtuelle Netzwerkschnittstellen. VMware enthält zudem einen DHCP-Server, der dem Gastsystem eine Adresse zuweist, und arbeitet auf Wunsch auch als NAT-Router für das emulierte System. Alternativ kennt es den Bridged Mode, in dem die emulierte Ethernet-Karte direkt über die Hardware nach außen kommuniziert.
Allen Konkurrenten hat VMware die so genannte Snapshot-Funktion voraus. Sie speichert eine Momentaufnahme eines laufenden Gastsystems, anschließend kann man VMware beenden und beim nächsten Start an derselben Stelle weiterarbeiten; das Gastsystem verhält sich dann so, als ob keine Unterbrechung stattgefunden hätte.
Um sie für die Emulation zu optimieren, bietet VMware für Windows-, Linux- und FreeBSD-Gastsysteme die VMware-Tools an. Sie liefern Treiber für die emulierte SVGA-Karte und erhöhen damit die Geschwindigkeit der Grafikausgabe. Damit lässt sich im Gastsystem auch mit der grafischen Oberfläche beinahe so flüssig wie im nativen System arbeiten.
Als Ergänzung zur Workstation gibt es den VMware Player kostenlos, der bereits erstellte virtuelle Maschinen verwendet. Neue Einträge anlegen oder deren Konfiguration verändern ist damit aber nicht möglich. VMware Workstation lässt sich nach einer Registrierung auf der Homepage kostenlos herunterladen und 30 Tage lang ausprobieren.
Das auf Server-Emulation ausgerichtete GSX gibt es inzwischen auch kostenlos, es ist somit für viele Zwecke eine Alternative zur Workstation. Allerdings unterstützt GSX keine 64-Bit-Prozessoren, die Einrichtung ist aufwändiger und die Entwicklung ist bereits eingestellt.
Parallels
Der Neuling im Bereich Desktop-Emulation verspricht gleiche Funktionalität für weniger Geld: Nur etwa 50 Euro kostet eine Lizenz. Die Parallels Workstation erschien im Dezember letzten Jahres. Die benötigten Kernelmodule kompiliert es bei der Installation via Skript, auch Netzwerkschnittstellen zur Kommunikation mit virtuellen Maschinen legt es dabei an. Damit diese mit der Außenwelt kommunizieren können, bietet es ebenfalls die Wahl zwischen Bridged Mode und dem eingebauten NAT-Router. Bei der Konfiguration und Funktionalität gleichen sich beide kommerziellen Konkurrenten ebenfalls weitgehend. USB-Hardware des Host-Systems spricht auch Parallels auf Wunsch direkt an.
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Sowohl VMware als auch Parallels untersagen in ihren Lizenzbedingungen die Veröffentlichung von Benchmark-Tests ihrer Produkte ohne schriftliche Einwilligung des Herstellers. Abgesehen von der Frage, ob dieser Eingriff in die Pressefreiheit im juristischen Ernstfall vor Gericht überhaupt Bestand hätte, wecken derartige Einschränkungen erhebliche Zweifel am Vertrauen der Hersteller in die eigenen Produkte. |
Die Parallels-Tools beschleunigen analog zu den VMware-Tools allerdings lediglich emulierte Windows-Systeme. Sie erreichen damit eine Performance, die sich von unter VMware emulierten Windows-Installationen nicht spürbar unterscheidet. Die grafische Oberfläche von Linux-Installationen verhält sich jedoch schwerfälliger.
64-Bit-Systeme unterstützt Parallels bislang nicht. Als Gastsysteme kommt neben Windows, Linux und FreeBSD noch OS/2 zum Zuge (siehe Abbildung 2). Parallels kann man vor dem Kauf 45 Tage lang kostenlos testen.

Abbildung 2: Die Liste unterstützter Betriebssysteme führt bei Parallels auch OS/2 auf, dagegen fehlen 64-Bit-Systeme. In der Bedienung unterscheidet es sich von VMware nur im Detail.
Qemu
Die freie Software Qemu (Abbildung 3) beschränkt sich nicht auf I386-basierte Systeme. Es emuliert auch PowerPCs, Sparc-32- und -64-Prozessoren sowie Mips- und Arm-Systeme. Qemu gibt es ebenfalls für Linux und für Windows, auch eine Mac-OS-X-Variante ist in Arbeit. Als unterstützte Gastsysteme führt die Qemu-Seite Linux, alle Windows-Versionen, Mac OS X, Solaris und OS/2 auf. Weitere Einträge sind: NetBSD, Minix, React OS, Sky OS oder MS-DOS.

Abbildung 3: Die Qemu-Konfiguration geschieht über die Kommandozeile, die vollständige Dokumentation macht die Bedienung aber auch ohne GUI einfach.
Mit einer grafischen Oberfläche zur Konfiguration virtueller Maschinen wartet Qemu nicht auf, stattdessen übergibt der Anwender alle Informationen über Kommandozeilenparameter. Die vollständige Dokumentation löst jedoch dabei auftauchende Fragen auf, sodass auch hierbei kein großer Aufwand entsteht.
Während ein Gastsystem läuft, lässt es sich über die Qemu-Konsole manipulieren, beispielsweise fügt man hier virtuelle USB-Geräte hinzu oder liest den Speicherinhalt aus. Seit der aktuellen Version 0.8 ermöglicht Qemu auch den direkten Zugriff auf reale USB-Geräte des Host-Systems, doch ist diese Funktion noch im Experimentierstadium.
Zur Kommunikation mit der im Gastsystem emulierten Ethernet-Karte verwendet Qemu ein TAP-Device. Es bietet auch eine einfache Snapshot-Funktion, die sich allerdings darauf beschränkt, die benutzten Festplatten-Imagedateien unverändert zu belassen.
Die Geschwindigkeit von Qemu hinkt der von Parallels und VMware deutlich hinterher. Für Abhilfe sorgt das Kernelmodul Kqemu, das der Qemu-Autor auf seiner Homepage kostenlos, aber unter proprietärer Lizenz anbietet. Nach Angaben des Programmierers verfünffacht Kqemu die Qemu-Performance unter Linux, für Windows- und FreeBSD liegen nur Vorabversionen des so genannten Acceleration Module vor. Optimierte Grafiktreiber wie die der VMware- und Parallels-Tools bietet es aber nicht an, sodass die Grafikausgabe träge bleibt.
Freie Wahl
Die drei Lösungen emulieren PC-Systeme einfach und ohne besondere Anforderungen an den Host zu stellen. Bei der Performance emulierter Linux-Systeme hat VMware dank seiner Tools die Nase vorn, unter Windows-Gastsystemen hält Parallels aber mit.
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Infos |
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[1] VMware: [http://www.vmware.com] [2] Parallels: [http://www.parallels.com] [3] Qemu: [http://fabrice.bellard.free.fr/qemu] [4] Linuxland: [http://www.linuxland.de] |





