Open Source im professionellen Einsatz

Newsletter abonnieren
Seite durchsuchen

HEFTARCHIV | NEWS | E-BIBLIOTHEK | VIDEO | BLOGS | WHITEPAPER | EVENTS | ACADEMY | ABO | SHOP

user friendly

  Home  »  Heft & Abo  »  Heftarchiv  »  2005  »  04  »  Brave GNU World  

RSS-Feed der aktuellen News von Linux-Magazin Online Folgen Sie Linux-Magazin Online auf Twitter
Diesen Artikel druckenDiesen Artikel weiterempfehlen Diesen Artikel kommentieren Newsletter abonnieren
Share/Bookmark

Theorie und Praxis

"In der Theorie gibt es keinen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. In der Praxis schon", lautet ein bekannter Spruch des amerikanischen Baseballspielers Lawrence Peter "Yogi" Berra [http://www.yogi-berra.com]. Der für seine Lebensweisheiten bekannte Sportler bringt es auf den Punkt: In der Praxis bringt nämlich auch der Ansatz mit den Smarthosts Probleme mit sich.

Erstens verwenden längst nicht alle Nutzer - insbesondere jene, die freie Betriebssysteme wie Linux oder BSD einsetzen - einen Smarthost. Zweitens sind Blacklists ebenfalls fehlerbehaftet und führen mitunter feste IP-Adressen fälschlicherweise als dynamische auf.

Globales Ungleichgewicht

Zudem ist die Annahme, jeder Provider stelle automatisch einen Smarthost zur Verfügung, durch die Verhältnisse in den industrialisierten Ländern der nördlichen Halbkugel geprägt. In Brasilien und anderen Ländern des Südens stimmt diese Annahme nur bedingt, oft haben die Anwender keine Alternativen. Aber auch im Norden ist der Wechsel zumeist nicht trivial und kaum innerhalb von Stunden zu bewerkstelligen.

Der Vertreter eines kleinen Entwicklungslandes berichtete im vergangenen Jahr bei einer Konferenz in Genf, dass in seinem Land ein nationaler Anbieter annähernd das Monopol über die Internetzugänge hält. Als ein Angreifer dessen zentralen Mailserver übernahm und für den Spam-Versand missbrauchte, fand sich der Server des Landes schnell in allen möglichen Blacklists wieder, was zur Folge hatte, dass 90 Prozent der einheimischen Mail-Nutzer nicht mehr mit der Außenwelt via Mail kommunizieren konnten. Die Bevölkerung war faktisch abgeschnitten.

Es brauchte eine ganze Weile, bis die Betroffenen die gesamte Tragweite des Problems und die Ursache überblickten. Als die Administratoren anschließend versuchten ihre Server aus den Sperrlisten entfernen zu lassen, hatten sie nur mäßigen Erfolg: In manchen Fällen schienen die Blacklists-Verwalter den betroffenen Administratoren schlicht nicht zu glauben. Aus Sicht der Landesregierung stellte sich die interessante Frage: Mit welchem Recht stellt ein IT-Techniker in einem anderen Land einen gesamten Staat an den Pranger für das Fehlverhalten eines Dritten? Warum wurde dem Land keine Chance gegeben, dem Problem nachzugehen oder Stellung zu nehmen?

Blacklists stellen ein globales Rahmenwerk zur Verfügung, das selbst bei gutwilligem und richtigem Einsatz problematisch ist. In der Praxis erweisen sich Aufklärung, Information und Kommunikation langfristig als bessere Alternativen im Kampf gegen Spam.


Abbildung 2: Fernanda Weiden diskutierte mit anderen Frauen über feministische Strömungen in der Freie- Software-Bewegung.

Verständnis für solche Fragen schuf auch das 5. Weltsozialforum (WSF), das im Januar wieder in Porto Alegre stattfand und auch wieder im Zeichen freier Software stand[7]. Das lag einerseits an der wachsenden Rolle freier Software in der Politik und dem starken Engagement der brasilianischen Regierung in diesem Bereich, andererseits existiert in dem südamerikanischen Land eine aktive Community, speziell soziale Bewegungen nutzen häufig freie Software.

So organisierte das Projeto Software Livre Brasil (PSL-Brasil,[8]) eine Veranstaltungsreihe[9] über die Freiheit des Wissens und der Software, an der auch die Free Software Foundation Europe teilnahm[10]. In dieser Reihe diskutierten zum Beispiel Professor Lawrence Lessig von Creative Commons, John Perry Barlow, Electronic Frontier Foundation (EFF), SŽrgio Amadeu da Silveira, Präsident des brasilianischen Instituts für die Informationstechnologie, sowie Gilberto Gil, brasilianischer Kulturminister und Musiker.

Angesprochen wurden dabei sowohl die Grundlagen freier Software, die globalen politischen Perspektiven auf der Ebene der Vereinten Nationen sowie die Konsequenzen, die sich aus freier Software für andere Zivilgesellschaften ergeben. Zur Freude der Beteiligten war die Reihe sehr gut besucht - so musste etwa John Perry Barlow eine Veranstaltung auf einer Leiter sitzend von außen verfolgen, weil das Zelt überfüllt war.


Abbildung 3: Showtime in Porto Alegre: Brasiliens Kultusminister Gilberto Gil greift auf dem 5. Weltsozialforum in die Gitarrensaiten.

Diesen Artikel druckenDiesen Artikel weiterempfehlen Diesen Artikel kommentieren Newsletter abonnieren
Share/Bookmark
Ähnliche Artikel
Brave GNU World Die monatliche GNU-Kolumne
Brave GNU World Die monatliche GNU-Kolumne
Brave GNU World Die monatliche GNU-Kolumne
Mülltrennung Spamd bekämpft Spam unter OpenBSD
Weg vom alten Eisen IMAP-Migration mit Imapmigrate, Imapsync und Offlineimap
Brave GNU World Die monatliche GNU-Kolumne
Whitepaper
Usage Landscape Enterprise Open Source Data Integration

Die Nachfrage nach Datenintegrationslösungen für Unternehmen ist zunehmend gestiegen und vor allem das Interesse an Open Source Technologien wird immer größer. Doch wie und von wem werden Open Source Datenintegrationslösungen genutzt und welches Nutzungsverhalten lässt sich daraus ableiten? Das vorliegende White Paper präsentiert die Erfahrungswerte von über 1000 Open Source Nutzern und liefert fundierte Antworten auf diese Fragen.

Download PDF (Registrierung erforderlich)
Daten Migration - Eine Publikation von Bloor Research

Datenmigrationsprojekte überschreiten häufig das Budget, neigen zu Verzögerung und werden unter Umständen komplett abgebrochen. Bloor Research ist eines der weltweit führenden IT-Forschungs-, Analyse- und Beratungsunternehmen und wird in dem vorliegenden White Paper die wichtigsten Aspekte dieser Problematik näher beleuchten. Ferner werden praktische Empfehlungen für erfolgreiche Migrationsprojekte gegeben, die Sie auf Ihr nächstes Projekt übertragen können.

Download PDF (Registrierung erforderlich)
Kommentare (0)