Aus Linux-Magazin 04/2005

Platz 1

Trotz SCO ist und bleibt Microsoft der Lieblingsfeind der Linux-Menschheit. Dabei gibt es doch genug Firmen, die sehr durchschnittliche Software unter rückständigen Lizenzen produzieren und vermarkten. Doch gelegentlich gibt es auch Positives zu berichten. So bekam der deutsche Ableger des US-Konzerns zum dritten Mal in Folge den Titel “Arbeitgeber des Jahres” in der Kategorie Unternehmen mit 501 bis 5000 Mitarbeitern verliehen. Auch im Gesamtclassement ging Platz 1 an die Microsoft GmbH.

Das Ranking ergibt sich aus anonymen Befragungen von Mitarbeitern der 110 teilnehmenden Unternehmen. Mehr als 36000 Meinungen wertete das Institut Psychonomics für seine Studie “Great Place to Work” aus. Quantifiziert werden “Glaubwürdigkeit, Respekt und Fairness des Managements gegenüber Mitarbeitern sowie Identifikation und Teamorientierung im Unternehmen”. Herzlichen Glückwunsch, Mr. Gates! Vielleicht liegt ein Grund ja in den sinnstiftenden Sprüchen, die flanierende Mitarbeiter in der Unternehmenszentrale in Unterschleißheim nahe München jeden Tag lesen dürfen? Beispiel: “Wie weit blickst Du über Deinen Schreibtisch hinaus?”

Wenn man unterstellt, dass die Frage nicht vorrangig der Sorge um die korrekten Dioptrien-Zahlen aller Mitarbeiterbrillen gilt, ist ein solcher Spruch der Teamorientierung sicherlich zuträglich. Ebenfalls gut: “Warum können auch kleine Dinge große Schatten werfen?” Das macht gerade klein gewachsenen Mitarbeitern bei hinreichend tief stehender Sonne klar – ein glaubwürdiges Management zollt auch uns Respekt. Zum Auflockern mal eine einfache Frage, mit deren Beantwortung auch schlichte Gemüter ihre Identifikation mit ihrem Unternehmen kundtun können: “Gibt es wirklich Dinge, die man nicht mehr besser machen kann?” Klar gibt’s die, der Internet Explorer gehört aber bestimmt nicht dazu.

Ähnlich wie bei den zehn Geboten funktioniert das Ganze natürlich nur, wenn sich nicht nur das Fußvolk an die Regeln hält, auch die Kardinäle und der Papst stehen in der Pflicht. Das wird sich letzten November Bill Gates auch gedacht haben, als er sich – dem Slogan “Warum kommt man einfacher vorwärts, wenn man auf jemanden zugeht?” folgend – auf den Weg zu Anders Rasmussen nach Dänemark machte. Jüngsten Presseberichten zufolge drohte er dem dänischen Regierungschef, 800 Arbeitsplätze der Microsoft-Firma Navision aus Dänemark in die USA zu verlagern.

Grund ist offenkundig die Softwarepatent-kritische Haltung der
dänischen Regierung, die ein Scheitern der geplanten
Patentrichtlinie wahrscheinlich macht. (Das Linux-Magazin
berichtete.) Gates soll gesagt haben: “Wenn wir unser
Entwicklungszentrum in Dänemark weiterhin aufrecht erhalten
wollen, müssen wir sicher sein, dass unsere Eigentumsrechte
gewährleistet bleiben.” Seit die Fugger die wahlberechtigten
Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher
Nation mit 543000 Gulden zur Wahl des Habsburgers Karl V. zum
deutschen Kaiser veranlassen wollten, ist das vielleicht ein

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