Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 08/2010
© Raldi Somers, 123RF.com

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Linux Tools für Eclipse

Junge Pinguinbande

Das junge Eclipse-Projekt Linux Tools bietet ein Paket aus Plugins, die bekannte Programmierwerkzeuge in die Entwicklungsumgebung einbinden. Einige der Helferlein erleichtern das Entwicklerleben unter Linux bereits jetzt beträchtlich, andere wirken aber noch recht unreif.

 

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Die Entwicklungsumgebung Eclipse bietet dem C- und C++-Programmierer einen großen Reichtum an Funktionen. Wer damit aber auf Linux geeichte Anwendungen schreiben möchte, ohne hinter dem Rücken der IDE noch mit Autotools, GDB und Profiler zu hantieren, dem bietet die Plugin-Sammlung Linux Tools [1] ihre Dienste an.

Angeflanscht

Wie ihr Name schon andeutet, verbirgt sich dahinter ein Paket aus mehreren Plugins, die jeweils ein Entwicklerwerkzeug in Eclipse einbinden, eine komplette Aufstellung liefert der Kasten "Alle Plugins im Überblick". Derart aufgerüstet generiert die IDE per Mausklick ein »configure«-Skript oder erstellt per Tastaturkommando einen kompletten Changelog-Eintrag.

Alle Plugins im
Überblick

Die Linux Tools binden folgende Werkzeuge und (Konfigurations-)Dateien ein:

  • Autotools
  • Libhover (Dokumentation als Tooltipp)
  • Changelog
  • Valgrind (Memcheck, Massif und Cachegrind)
  • Systemtap (Editor und Callgraph-Ansicht)
  • Oprofile
  • RPM-Specfile
  • Lttng
  • Gcov
  • Gprof
  • Manpages

Das Projekt Linux Tools befindet sich allerdings noch in der so genannten Incubation-Phase [2] der Eclipse Foundation und somit erst am Anfang der Entwicklung. Darauf verweist auch die niedrige Versionsnummer 0.5.1. Bis auf einige Ausnahmen sind die Plugins jedoch schon jetzt durchaus stabil, in der Praxis äußerst nützlich und schnell installiert - und das selbst unter der aktuellen Helios-Release von Eclipse. Entwickler von Linux-Programmen sollten sie daher unbedingt einmal probefahren. Bei der Installation der Tools hilft der Kasten "Einbauanleitung".

Einbauanleitung

Um die Linux Tools in Eclipse zu installieren, öffnet der Anwender zunächst das Fenster hinter »Help | Install New Software«. In der für den Artikel verwendeten Vorabversion der Helios-Release war die Linux-Tools-Site bereits Eclipse bekannt, es genügte, auf »Available Software Sites« zu klicken und die Adresse [http://download.eclipse.org/technology/linuxtools/update] zu wählen. Wer dieser Eintrag vermisst, fügt ihn per »Add...« hinzu.

Die so angemeldete Linux-Tool-Site stellt der Eclipse-Benutzer jetzt in der Ausklappliste neben »Work with« ein. Wer es sich einfach machen möchte, hakt in der Liste darunter die »Linux Tools« an und installiert damit sämtliche Erweiterungen. Andernfalls entfaltet das Pluszeichen das vorhandene Angebot. Hier lassen sich Plugins einzeln auswählen. Nach einem Klick auf »Next« fasst Eclipse noch einmal alle ausgesuchten Plugins zusammen, ein weiteres »Next« führt zu den Lizenzen, die man über den entsprechenden Punkt akzeptiert. Per »Finish« lädt die IDE alle benötigten Pakete aus dem Internet und spielt sie ein. Abschließend ist Eclipse einmal neu zu starten.

Wer nicht den Weg über das »Install«-Fenster gehen möchte oder kann, findet auf den »Download«-Seiten der Linux Tools [1] ein Zip-Archiv mit allen Linux-Tools-Plugins. Um die Auflösung der geforderten Abhängigkeiten, etwa vom Eclipse-Feature BIRT, muss sich der Anwender dann aber selbst kümmern.

> Autotools

Linux-Programme übersetzt in der Regel der berühmte Dreischritt »configure; make; make install«. Das Configure-Skript nebst passenden Vorlagen für die Makefiles generieren die Programme der GNU Autotools. Das gleichnamige Linux-Tools-Plugin integriert diese Werkzeuge in Eclipse. Dazu fügt es zunächst einen neuen Autotools-Projekttyp ein. Er basiert auf dem altbekannten Makefile-Projekt, folglich stehen alle dafür gedachten Eclipse-Funktionen und -Einstellungen auch für Autotools-Projekte parat.

Der Project Wizard (beispielsweise über »File | New | C++ Project« erreichbar) offeriert dabei sowohl ein komplett leeres Autotools-Projekt als auch ein kleines »Hello World«-Programm. Entscheidet man sich für letzteres, erstellt das Plugin automatisch alle von den Autotools geforderten Konfigurationsdateien. Es empfiehlt sich folglich, ein neues Softwareprojekt auf der Hello-World-Vorlage aufzubauen, während man das »Empty Project« vorzugsweise mit bereits vorhandenem Quellcode füttert. Templates für »configure.in«- und »Makefile.am«-Dateien wird es erst in einer künftigen Auflage der Linux Tools geben.

Alternativ darf der Anwender ein bestehendes Projekt in dessen Autotools-Pendant umwandeln. Danach gibt es allerdings kein Zurück mehr: Ein Autotools-Projekt lässt sich derzeit nicht ohne größeren Aufwand wieder in ein normales C/C++-Projekt überführen. Egal für welchen Weg sich der Eclipse-Benutzer entscheidet, ab sofort genügt ein Klick auf den Build-Knopf, um »autoconf«, »automake« & Co. in der richtigen Reihenfolge anzuwerfen. Danach startet das Linux-Tools-Plugin das dabei generierte Configure-Skript und übersetzt den Quellcode wie gewohnt per »make all«. Es merkt sich durchlaufene Schritte und führt sie nicht noch einmal aus.

Über »Project | Invoke Autotools« oder per rechtem Mausklick auf eine der für die Autotools bestimmten Dateien im »Project Explorer« aktiviert der Programmierer die Werkzeuge bei Bedarf auch einzeln. Selbstverständlich darf er in einem Autotools-Projekt eine eigene »Build Configuration« anlegen und dabei das »configure«-Skript mit speziellen Parametern füttern.

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