Vorab-Kernel: Linux 5.7-rc1 ist da

Seit einiger Zeit gibt es Zoff zwischen Linus Torvalds und dem Entwickler von Bcachefs, Kent Overstreet.

Zwar verschonte Linus Torvalds seine amerikanischen Nachbarn in diesem Jahr mit finnischen Oster-Spezialitäten, Geschenke gab es dennoch. Am Sonntag erschien die erste Vorabversion des Linux-Kernel 5.7.

Die Kernel-Entwicklung sei diesmal reibungsloser gelaufen als sonst, da alle großen Neuerungen in der ersten Woche des Merge Window eintrudelten, erklärte Torvalds in der Ankündigung. Für ihn sei das möglicherweise eine #StayHome-Folge. Welche Neuerungen es gibt, verrät Torvalds nicht, diese lassen sich allerdings in den Commits selbst nachlesen.

Als eines der ersten Dinge im Release-Zeitraum warf Greg Kroah-Hartman den Exfat-Staging-Treiber aus dem Kernel, da es im VFS-Tree nun einen “echten” Exfat-Treiber gibt. Auch recht früh im Kernel landete Code für Mediateks Wifi-Chip MT7615, der unter anderem die Standards IEEE 802.11ac und IEEE 802.11 a/b/g/n unterstützt. Der Code hatte es laut Kalle Valo nicht mehr in den Kernel 5.6 geschafft.

Von Ard Biesheuvel kamen bereits Ende Februar EFI-Updates für den 5.7-Kernel. Für die eher umfangreichen Änderungen gab Biesheuvel zwei Gründe an. Einerseits bereite man das EFI-Subsystem auf den RISC-V-Support vor, andererseits akzeptiere das Grub-Projekt mittlerweile Beiträge von den Distributionen in Sachen Secure und Measured Boot. Als Reaktion auf die Änderungen und um den eigentlich nicht-betroffenen Architekturen Arbeit zu ersparen, landet ein generisches Linux/UEFI-Boot-Protokoll im Kernel 5.7. Dazu gehört etwa eine generische Lademethode, um “initrd” zu laden.

Netzwerk- und KVM-Updates

Auch für die Architektur von IBMs Großrechner-Familie S/390 gibt es Updates, etwa an KVM. Das erlaubt den Einsatz geschützter virtueller Maschinen (Protected VMs, PVM). Das bedeutet, dass KVM nicht auf den Speicher und die Register der Gastsysteme zugreifen darf. Verwaltet werden diese Maschinen über den so genannten Ultravisor, der ein API anbietet. Dabei wechseln die PVMs erst nach einem Standard-Boot-Prozess in den geschützten Modus. Sind sie gerade nicht im Einsatz, liegen sie verschlüsselt auf der Festplatte, Neustarts erfordern einen temporären Wechsel in den ungeschützten Modus.

Im Netzwerkbereich soll das neue VLAN-API mit dem alten gleichziehen. Aus diesem Grund haben die Entwickler ein Patchset eingebaut, dass Tunnel Mapping ergänzt, mitsamt Statistiken. Es gibt kleinere Updates für Netfilter und Bluetooth. Daneben gibt es Änderungen an Multipath-TCP: Ein Patch erlaubt es, mehr als einen TCP-Subflow in einer Multipath-TCP-Verbindung zu etablieren. Neue Subflows bindet die “MP_JOIN”-Option während des Drei-Wege-Handshakes ein. Zudem gibt es Support für Firmware-Upgrades der Pensando Distributed Services Card. Deren Firmware lässt sich nun ohne Host-Neustarts oder Treiber-Reloads aktualisieren.

Umstrittener Google-Vorschlag

Von Google-Mitarbeiter KP Singh kommt kontrovers diskutierter Code, der BPF-Programme mit LSM-Hooks verbinden soll. Das eBPF-Programm “BPF_PROG_TYPE_LSM” lasse sich mit LSM-Hooks koppeln und könne einheitliche und dynamische Audit- und MAC-Richtlinien im Kernel ermöglichen. Der Hintergrund: Google versucht im Rahmen des Cilium-Projekts, Sicherheits-Bedrohungen zu erkennen, indem es die Sicherheitsdaten von Laufzeitumgebungen in Echtzeit analysiert. Dies geschehe aktuell über ein angepasstes Kernelmodul, wäre aber laut Singh im Standard-Kernel besser aufgehoben. Doch die Zugriffskontrolle (LSM) sei im Kernel von der Telemetry-Infrastruktur getrennt, daher der über BPF realisierte Änderungswunsch.

Kritiker auf der Kernel-Mailingliste, allen voran Entwickler Casey Schaufler, monierten unter anderem den exzessiven Einsatz von Makros und stellten die Frage, ob es sinnvoll sei, die Komplexität der LSM-Infrastruktur unnötig weiter aufzublasen. Security-Experte Kees Cook widersprach ihm: Für ihn vereinfache der Einsatz von Makros den Code und er sehe kein schädliches Verhalten, da BPF den Zugriff auf das LSM-Backend permanent überwache.

Grafik-Updates

Wie immer gab es auch Neues im Grafikbereich, am ersten April lieferte Dave Airlie die wesentlichen Patches dafür  ab. Der “i915”-Treiber unterstützt nun Intels Tigerlake-Architektur. Außerdem bringen “i915” und “amdgpu” ersten Support für OLED-Backlights mit. Der Support habe zwar schon länger existiert, aber erst jetzt funktioniere der Code auch auf echter Hardware. Der “vmgfx”-Treiber ergänzt Userspace-Support für Open GL 4.

Auch bei den Dateisystemen gibt es Neues. Btrfs profitiere laut David Sterba von einer Reihe an Verbesserungen im Kernbereich, der den Code einfacher und sauberer mache. Zudem bereiten die Entwickler das Feld für Zoned-Device-Support. Das Flash-Dateisystem F2SF unterstützt nun den Kompressionsalgorithmus Zstd und verwendet LZ4 als Standardkompression. Die XFS-Entwickler arbeiten an der Metadaten-Validierung und an der Basis für künftige Online-Reparaturen.

Nach dem Ende des Merge Window werden die Kernel-Entwickler ihre Neuerungen in den kommenden Wochen weiter auszubauen und den Code stabilisieren. Wer die RC1 von Kernel 5.7 testen möchte, findet diese unter anderem auf Kernel.org.

E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Nach oben