Der amerikanische Linux-Distributor Red Hat hat für 107 Millionen US-Dollar den Virtualisierungsanbieter Qumranet gekauft. Das Unternehmen sieht sich damit in Augenhöhe mit Microsoft.
Wie die Unternehmen in einer Pressekonferenz heute nachmittag bekanntgaben, übernimmt Red Hat damit die Virtualisierungslösungen namens KVM (Kernel Virtual Machine) und Solid ICE. KVM ist bereits seit zwei Jahren Bestandteil des Linux-Kernels. Red Hat sieht hierdurch schnelle Entwicklungszeiten und umfassenden Hardwaresupport gewährleistet und bezeichnet dies als strategischen Vorteil gegenüber anderen Lösungen. Solid ICE ist eine Desktopvirtualisierung, die mit Linux oder Windows als Betriebssystem auf einem zentralen Server gehostet werden kann. “Damit sind wir eines von zwei Unternehmen weltweit, das umfassende Virtualisierungslösungen anbietet”, so der Red-Hat-Chef Jim Whitehurst zu der Akquisition und er betont, dass sich das Unternehmen damit gleichrangig neben Microsoft als technologisch führend positioniert. Welche Zielgruppe das Linux-Unternehmen damit anvisiert, macht auch die Information auf der Webseite klar: “Red Hat wird den Windows-Desktop-Kunden eine sichere und skalierbare Virtualisierungsplattform anbieten können.” Geht es nach den Vorstellungen von Red Hat, will das Unternehmen sowohl Windows- wie Linux-Server und -Desktops virtualisieren und mit seiner Red-Hat-Infrastruktur verwalten.
Bisher hatte der Linux-Distributor für seine Unternehmensdistribution Red Hat Enterprise Linux (RHEL) auf die Virtualisierungslösung Xen gesetzt. Im Gespräch bestätigt der Red-Hat-Manager Paul Cormier, dass Xen als Bestandteil von RHEL 5 mindestens bis 2014 weiter unterstützt werden soll. Allerdings wird der neue Hypervisor, den das Unternehmen auf der diesjährigen Hausmesse Red Hat Summit angekündigt hatte, bereits auf KVM basieren. Die Veröffentlichung für den Hypervisor ist für Ende 2008 geplant. Des weiteren arbeiten die Mitarbeiter an einer Management-Infrastruktur, die gleichfalls die KVM-Technologie nutzen soll.
Wie der Chief Executive Officer (CEO) von Qumranet, Benny Schnaider, bestätigte, werden alle Mitarbeiter übernommen. “Wir hätten keinen besseren Partner finden können”, so Schnaider. In Red Hats Büchern soll sich der Kauf erst zum Ende von Red Hats Fiskaljahr Februar 2009 bemerkbar machen. Bereits im Folgejahr erwartet Red Hat aus der Übernahme einem Gewinn in Höhe von 20 Millionen US-Dollar.



