Linux-Foundation meldet Erfolge bei Treibern, Virtualisierung und IPv6

Das Jahrestreffen der Linux Foundation (LF) im texanischen Austin brachte für das freie Betriebsystem vor allem bei der Treiber-Entwicklung Fortschritte, auch bei Behördenrichtlinien und Virtualisierung meldet die Stiftung Erfolge.

Mehr als 300 Teilnehmer zählte die Non-Profit-Organisation bei ihrem diesjährigen Arbeitstreffen Anfang des Monats. Laut LF waren dies rund 30 Prozent mehr als im Vorjahr, darunter Kernel- und Desktop-Entwickler, Unternehmensvertreter sowie Vertreter von Anwender-Communities. In einer Pressemitteilung meldet die Organisation nun die wichtigsten Erfolge der Konferenz. “In diesem Jahr hatten wir entscheidende Durchbrüche beim Treibersupport für den Desktop, IPv6-Compliance und Virtualisierung”, fasst der LF-Geschäftsführer Jim Zemlin das Ergebnis zusammen. Zu den Desktop-Unterstützern zählt die Organisation insbesondere Hardware-Hersteller und nennt Dell, HP, Lenovo sowie Asustek, den Hersteller des populären Linux-basierten Eee-PC. Alle Unternehmen wollen ihren Lieferanten in ihren Einkaufsrichtlinien künftig nahelegen, Open-Source-Treiber zur Verfügung zu stellen.

Mit gutem Beispiel voran ging auf der Konferenz Via Technology: Das Unternehmen versprach in Austin bessere Unterstützung der Open-Source-Community und stellte in Aussicht, seine Treiber zu öffnen. Von Desktop-Erfolgen berichtete auch IBM-Mitarbeiter und Leiter der Arbeitsgruppe Jim Walicki. Allerdings geriet sein Arbeitgeber auch in die Kritik: IBM hatte die Gastgeberrolle übernommen, und der IT-Journalist Joe Barr äußerte die Befürchtung, Unternehmen könnten zu starken Einfluß in der Organisation bekommen. (Linux-Magazin Online berichtete).

Anhand des Beispiels “IPv6-Compliance” stellte die LF jedoch den positiven Einfluss der Unternehmen heraus und nahm den Sponsor “Big Blue” in Schutz: Beim letztjährigen Treffen habe IBM deutlich gemacht, welch große Bedeutung dieses Thema für das freie Betriebssystem habe. Der Begriff IPv6-Compliance bezeichnet, welche Voraussetzungen eine Software haben soll, um für das Internet der nächsten Generation gerüstet zu sein. Beim Einsatz von Software in Behörden und Regierungen wird dies besonders wichtig, da deren Einkaufsrichtlinien häufig diesen IPv6-Support fordern. Die LF betont, seit diesem Treffen hätten Unternehmen wie Bull, IBM, HP, Nokia-Siemens, Novell und Red Hat gemeinschaftlich daran gearbeitet. In diesem Jahr konnte die Arbeitsgruppe nun melden, dass Linux den aktuellen Anforderungen des amerikanischen Verteidigungsministeriums (Department of Defense, DoD) entspricht.

Die LF stellt außerdem eine neue Arbeitsgruppe mit Unternehmensvertretern vor, darunter Canonical, Novell und Red Hat: Unter dem Namen “Driver Backporting Workgroup” wollen die Mitglieder daran arbeiten, neue Treiber möglichst schnell für ältere Linux-Versionen verfügbar zu machen. Insbesondere in der kommerziellen Verwertung von Linux sei dies ein wesentliches Thema, da viele Unternehmen ältere Linux-Versionen in ihren Produkten nutzten. Die neue Arbeitsgruppe will einen Prozess entwickeln, mit dem das Packen, Verteilen und die Installation von Treibern vereinfacht werden soll, die richtigen Treiber sollen der passenden Hardware dabei automatisiert zugeordnet werden können.

Gleichzeitig diente das Arbeitstreffen als Plattform für ein Mini-Treffen zum Thema Virtualisierung: Unter den Teilnehmern waren die Vertreter von verschiedenen Virtualisierungsprojekten, darunter Xen, KVM, VMware, Lguest und Qemu. Die Projektvertreter vereinbarten eine Zusammenarbeit bei den Bedienoberflächen und möchten die Virtualisierungsfähigkeiten von Linux weiter verbessern.

Das Treffen schuf Gelegenheit zur Zusammenarbeit für Projekte, die sonst eher im Wettbewerb zueinander stehen: Laut der LF-Erklärung trafen sich hier zum ersten Mal Vertreter aller mobilen Linux-Plattformen – genannt werden Android, Moblin.org, Gnome Mobile und LiMo. Dass die LF-Konferenz durchaus Gemeinsamkeit stiften konnte, wo zuvor nur Wettbewerb herrschte, zeigte sich vor wenigen Tagen: Die beiden Linux-Bedieneroberflächen erklärten, ihre Entwicklerkonferenz im Sommer 2008 parallel ausrichten zu wollen; ihren Anfang fand die Kooperation bei der Desktop-Arbeitsgruppe der LF.

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