Linus Torvalds hat den neuen Kernel 2.6.26 freigegeben. Er kommt mit einer Hand voll neuer Treiber und Verbesserungen. Zu den neuen Funktionen zählen ein eigener Speichertest und der Debugger Kgdb.
Lange lief die Diskussion, ob das Analysewerkzeug Kgdb oder ähnliche Debugger in den Kernel aufgenommen werden sollen. Linus Torvalds persönlich machte oft seine Abneigung gegen die Tools klar. Nun hat er seine offenkundige Ablehnung aufgegeben und sein Ok für die Aufnahme des Kgdb in den aktuellen Kernel gegeben. Der Debugger wurde zuvor von Ingo Molnar überarbeitet und abgespeckt. Ihm fehlt gegenüber dem Original des Herstellers Linsyssoft die Fähigkeit, die Analysen über das Netzwerk durchzuführen. Ein zweites Werkzeug zur Fehlersuche stellt der neu eingeführte Speichertest dar. Er ähnelt in seiner Funktion dem bekannten Memtest86, ist aber in seinem Aufbau einfacher angelegt. Er lässt sich durch den Startparameter “memtest” aktivieren.
Mit 2.6.26 können Linux-Anwender auf eine größere Zahl von WLAN-Adaptern zurückgreifen, um in schnellen 802.11n-Netzwerken zu funken. Nachdem die grundlegenen Unterstützung für den Draft-N in den letzten Kernel-Ausgaben eingearbeitet wurden, fanden jetzt erste Treiber ihren Weg in den Systemkern. Ebenso kommt mit dem neuen Kernel Unterstützung für Mesh-Netzwerke nach IEEE 802.11s hinzu. Die Konfiguration aller WLAN-Funktionen des Kernels ändert sich ebenfalls. Die neue Konfigurationsschnittstelle cfg80211 soll die bisher für die WLAN-Konfiguration genutzten Wireless-Extensions ersetzen.
Der Radeon-Treiber im Kernel unterstützt mit 2.6.26 Grafikkarten auf Basis von ATIs R500-Chips. Ein neuer Treiber für das Video4Linux-Framework (v4l) erlaubt den Betrieb zahlreicher Webcams, wie sie in aktuellen Notebooks eingebaut sind. “uvcvideo” existiert bereits ein Weile und wurde erst jetzt in den Kernel aufgenommen. Welche Kamera-Modelle unterstützt werden, führt die Projektwebsite auf. Ebenfalls neu sind v4l-Treiber für TV-Karten mit Conexant cx23418- und MaxiLinear 5505-Chips. Auch können nun diverse Hauppauge-TV-Geräte betrieben werden. Mitarbeiter dieses Herstellers hatten einen eigenen Treiber eingebracht.
Im Bereich der virtualisierten Systeme wurde nun Unterstützung für Paravirtualisierung für die Kernel-based Virtual Machine (KVM) aufgenommen. Die KVM steht nun außerdem – in noch eingeschränktem Umfang – auch auf den Plattformen IA64, PPC und S390 zur Verfügung. Auch bei den virtuellen Dateisystemen hat sich etwas getan. Neu ist die Unterstützung für Bind-Mounts. Damit können bereits eingebundene Strukturen an anderer Stelle im System schreibgeschützt erneut einbinden. Mehr Leistung soll die Unterstützung für Page Attribute Tables bringen. Über diese kann der Kernel das Caching des Prozessors steuern.
Weiterführende Informationen zu den angesprochenen sowie zu weiteren Änderungen und neuen Treibern hält das Changelog bereit. Der neue Kernel steht als Quellpaket oder als Patch zum Download bereit.


