In Nürnberg-Langwasser traf sich am Dienstag die deutsche Open Source Welt zum zum 1. Enterprise Open Source Day. Eingeladen hatte das Nürnberger Systemhaus Ancud, zahlreiche Hersteller, Interessenten und deutsche Linux-Prominenz folgten dem Ruf.
In drei gut besuchten Tracks, die direkt nach den Keynotes von Konstantin Böhm (Ancud) und IBMs Linux- und Z-Series-Granden Karl-Heinz Strassemeyer (auch Vorstand der Lisog) loslegten, standen Anwendungen der freien Softwarewelt mit dem Fokus auf den Unternehmenseinsatz im Mittelpunkt. Die Vorträge reichten von Virtualisierungstechnologien und -strategien bis zu Business Intelligence, dem semantischen Web und SOA.
Allgegenwärtig dabei war — wie zu erwarten — das Thema Cloud Computing, auch über webbasierte Anwendungen wie Sugar und Helium V, ein ERP-Vergleich, Sones mit seiner innovativen GraphDB, Alfresco und Agorum, Distributoren wie Univention, Red Hat und Suse, Monitoring, Überwachung oder Reporting mit Palo diskutierten Experten mit den Besuchern in den Workshops.
Am Nachmittag stellte Open-Source-Professor Dr. Dirk Riehle von der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg die wissenschaftliche Sichtweise auf das “Single-Vendor Commercial Open Source Business Modell” vor, gepaart mit zahlreichen Analysen aus dem Bereich der Innovationsforschung und Untersuchungen zum Beispiel der Linux-Kernel-Entwicklung.

Der Open-Source-Professor Dr. Dirk Riehle referiert über Open-Source-Business-Modelle und erfolgreiches Linux in Unternehmen.
Im Bereich des Forums der Veranstaltung, für die sich Veranstalter das renommierte Vier-Sterne-Hotel Arvena Park im Süden der Frankenmetropole ausgesucht hatten, schlugen Software-Hersteller und Systemhäuser ihre Zelte (vielmehr Stände) auf, hier hatten potentielle Kunden und Spezialisten Gelegenheit, mit Entwicklern selbst ins Gespräch zu kommen.
Einige der Aussteller hatten dabei durchaus interessante Neuheiten im Gepäck: Univention profiliert sich als erste Referenzimplementierung von Samba 4 als vollständiger Active-Directory-Server, der wohl schon bei einigen Kunden vor Ort als “Drop-in-Replacement” zahlreiche Windows-Systeme, -User, -Gruppenrichtlinien und -Software managed (Linux-Magazin Online berichtete).
BI-Spezialist Jaspersoft hatte ja vor kurzem seine neue Version 4 seiner Management- und Prozessoptimierungssuite veröffentlicht (siehe Linux-Magazin Online), die Besucher des EOSD konnte diese am Stand und in einem mehrstündigen Workshop einer ersten Prüfung unterziehen.
Gegen Abend gab es in den Vortragstracks eine beachtenswerte Ankündigung von der Bonner/Berliner Softwareschmiede Tarent: Mit OSIAM, dem Open Source Identity and Account Management System wollen die Entwickler ab etwa März zahlreiche typische Probleme von Administratoren in mittleren und großen Unternehmen lösen – auf Open-Source-Basis.

Simon Schmitz und Olga Podsialy von Tarent stellen das demnächst erscheinende Identity Management OSIAM vor.
Der Präsentation von Simon Schmitz zufolge übernimmt das Tool dabei eine Art Life Cycle Management der Benutzeraccounts, -Zugriffsrechte und -Daten im Unternehmen. Scheidet ein Mitarbeiter aus oder ist ein Projekt abgeschlossen, soll OSIAM auf Wunsch fast automatisch alle unerwünschten Hinterlassenschaften des Users löschen und seine Accounts deaktivieren.

Das Nürnberger Systemhaus Ancud hatte eingeladen, und zahlreiche OSS-Firmen und -Spezialisten waren dem Ruf gefolgt.
Der Enterprise Open Source Day 2011 war der erste, und Konstantin Böhm vom Veranstalter Ancud IT zeigte sich sehr zufrieden. Das Konzept sei aufgegangen, es seien mehr Besucher als erwartet gekommen, und man werde die Veranstaltung auf jeden Fall im nächsten Jahr fortführen. Das Ziel sei es, in Nürnberg mit seinen zahlreichen Open-Source-Firmen ein deutschlandweit bedeutsames Linux-Enterprise-Event fest zu etablieren.





