20 Jahre Open Document Format

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Anfang Mai 2006 hat das ISO-IEC-Standardisierungsgremium das Open Document Format (ODF) einstimmig als Internationalen Standard anerkannt. Am 30. November 2006 wurde es als ISO/IEC 26300 veröffentlicht.

Die das Format betreuende The Document Foundation (TDF) berichtet jetzt, dass zwei Jahrzehnte später ODF nach wie vor genau der einzige existierende offene, herstellerneutrale und frei implementierbare internationale Standard für Office-Dokumente sei. Alles andere auf dem Markt seien proprietäre Formate eines einzelnen Herstellers, denen lediglich eine Standardnummer angeheftet wurde.

Die Stiftung zielt mit dieser Spitze auf das von Microsoft eingeführte Format Office Open XML. Das Dateiformat, das Microsoft zur Darstellung von Tabellenkalkulationen, Diagrammen, Präsentationen und Textverarbeitungsdokumenten entwickelt hat, wurde Ende 2006 von der Ecma International als ECMA-376 standardisiert. Das gemeinsame Standardisierungskomitee von ISO und IEC ließ diese erste Version durchfallen, standardisierte aber spätere Versionen als ISO/IEC 29500.

Microsofts Format hat sich laut TDF seither in zwei Varianten aufgespalten: eine „Strict“-Variante, die nach Meinung der Stiftung in der Praxis von fast keiner Implementierung tatsächlich genutzt wird, und eine „Transitional“-Variante, mit der die undokumentierten Verhaltensweisen der Altprodukte des Herstellers konserviert würden, kritisiert die Foundation.

Ganz anders das ODF, berichtet die Stiftung zum Jubiläum weiter. Das Format kenne keinen „Transitional“-Modus und weise keine undokumentierten Verhaltensweisen auf. Die Spezifikation sei sowohl über die ISO als auch über die OASIS öffentlich und kostenfrei zugänglich und die zugrundeliegenden Schemata seien vollständig auditierbar.

Wie die Stiftung weiter berichtet, hätten sich die politischen Rahmenbedingungen nun der technischen Realität angepasst. Die deutsche Bundesverwaltung habe ODF im Rahmen des „Deutschland-Stacks“ verbindlich vorgeschrieben. Die Dienststellen der Europäischen Kommission stünden, nicht zuletzt durch den anhaltenden Druck der TDF, unter Zugzwang, ihre Vergabepraxis an Verpflichtungen zu offenen Standards auszurichten, die die Kommission selbst unterzeichnet hat. Und Brasilien habe die Nutzung offener Formate im Bildungswesen gesetzlich verankert.

„ODF ist das Dokumentenformat einer Öffentlichkeit, die beschlossen hat, ihr Gedächtnis nicht auszulagern“, sagte Florian Effenberger, Geschäftsführer der Document Foundation. „Die Regierungen, die ODF nun verbindlich vorschreiben, treffen keine technische Entscheidung. Sie gewinnen eine Souveränität zurück, die sie niemals hätten aufgeben dürfen.“

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