Aus Linux-Magazin 03/2026

Linux 6.18

© Natali Busarova / 123RF.com

Greg Kroah-Hartman hat Linux*+6.18 als letzte Veröffentlichung des Jahres 2025 zum LTS-Kernel gekürt. Der Kernel ist dank des entfernten Bcachefs-Codes um 117 000 Zeilen leichter.

Im Dezember 2025 hat Linus Torvalds den letzten Kernel [1] des Jahres 2025 veröffentlicht, den wenige Tage später Kernel-Maintainer Greg Kroah-Hartman zum aktuellen LTS-Kernel [2] mit zunächst zwei Jahren Unterstützung erklärt hat.

Der Zyklus zu Linux 6.18 brachte über 13 700 Einreichungen von 2134 Entwicklern mit sich. Während sich die Zahl der Einreichungen im Durchschnitt der letzten Veröffentlichungen bewegt, erreicht die Zahl der beteiligten Entwickler erfreulicherweise einen neuen Höhepunkt. Die Zahl der Ersteinreicher ist die zweithöchste aller Zeiten. Die Befürchtung, dass die Beteiligung von Intel aufgrund der Änderung der Open-Source-Richtlinien [3] des Konzerns abnimmt, hat sich bisher nicht bestätigt.

Prozessoren

Wie immer bringt ein neuer Kernel Unterstützung für neue CPUs und GPUs. Wir starten mit dem Überblick bei den CPUs. Die mit Linux 6.16 begonnene Unterstützung für Intels Trusted Domain Extensions (TDX) führt Linux 6.18 fort und verbessert die Zusammenarbeit mit Kexec [4], sodass sich unter x86 TDX und Kexec gleichzeitig nutzen lassen. Bisher hatte die TDX zugrunde liegende Verschlüsselungshardware Cache-Zeilen des neuen Kernels rücksichtslos überschrieben.

Eine Ausnahme bilden aber frühe Prozessoren der Reihe Intel Xeon Sapphire Rapids, die über diese Möglichkeit wegen eines bekannten Fehlers noch nicht verfügen. Ein mögliches PCI-Express-Leistungsproblem bei Servern der neuesten Generation mit Xeon-6-Prozessoren behebt ein Patch [5] von Intel-Mitarbeiter Ilpo Järvinen im PCI-Subsystem.

Abbildung 1: Bei der CES 2026 in Las Vegas zeigte AMD eine CPU der Serie Epyc 9006 ("Venice") auf Basis von Zen 6. Quelle: AMD

Abbildung 1: Bei der CES 2026 in Las Vegas zeigte AMD eine CPU der Serie Epyc 9006 (“Venice”) auf Basis von Zen 6. Quelle: AMD

Bei AMD erhielten die für 2026 erwarteten EPYC-Zen-6 -“Venice”-Prozessoren (Abbildung 1) initiale Unterstützung im AMD64-EDAC-Treiber (Error Detection And Correction Subsystem). Zudem sind 16 Speicherkanäle im Gegensatz zu 12 in der Vorgängerversion [6] möglich. Der amd64_edac-Treiber erkennt neue Family-0x1a-Modelle der Modellreihen Ryzen 9000 und EPYC 9004 und kann dort ECC-Fehler protokollieren. RAS-Tools (Reliability, Availability and Serviceability) wie das Logging-Tool rasdaemon arbeiten auf diesen CPUs damit korrekt.

Mit AMD Versal TRNG hält ein neuer Treiber Einzug ins Crypto-Subsystem, der echte Zufallszahlengenerator-Unterstützung für die AMD Versal Adaptive SoCs bietet. Die genannten SoCs stammen aus der Übernahme von Xilinx. Diese und andere Verbesserungen wie der neue Treiber Versal NET DDR EDAC sind im Patchset für das Crypto-Subsystem [7] für 6.18 zusammengefasst. Von den Updates des IOMMU-Treibers (Input-Output Memory Management Unit) für Linux 6.18 profitieren Intel, AMD, Apple und RISC-V [8].

Für verschiedene ARM- und RISC-V-SoCs gibt es nun Device Trees. Dazu zählen die SoCs der Plattformen Apple M2 Pro, M2 Max und M2 Ultra, die sukzessive aus dem Asahi-Linux-Projekt in Mainline einfließen. Die vollständige Hardware-Nutzung steht noch aus, da insbesondere bei Mac-Pro-Geräten der PCIe-Support noch im Argen liegt. Des Weiteren beherrscht der Kernel nun den Umgang mit unterschiedlichen neuen Snapdragon-X1-Notebooks sowie den SiFive-HiFive-Premier-P550-RISC-V Boards mit ihren ESWIN-EIC7700-SoCs und dem entsprechenden Device Tree [9].

Grafiktreiber und DRM

Linux 6.18 bringt mehrere Verbesserungen und neue Funktionen im Grafikbereich, insbesondere bei Treibern für Nvidia, AMD, Intel und ARM Mali. Der Open-Source-Treiber Nouveau [10] verwendet standardmäßig jetzt die Firmware Nvidia GPU System Processor (GSP) für Turing- und Ampere-GPUs, was deren Energiemanagement verbessert. Der AMD GPU-Treiber [11] erhält dank der Arbeit eines Entwicklers bei Valve Verbesserungen beim Farb- und Energiemanagement für AMD GCN 1.0 und 1.1 GPUs, die erstmals 2012 mit der Radeon-HD-7000-Serie auftauchten und bisher den alten Radeon-Treiber nutzten. Für diese Karten dürfen Nutzer sich dann mit Linux 6.19 weitere substanzielle Verbesserungen bei der Geschwindigkeit erhoffen.

Der Grafikarchitektur Intel Xe beschert der neue Kernel Verbesserungen beim Energiemanagement. Der Intel-Xe-Treiber setzt auf die neue Sysfs-Schnittstelle slpc_power_profile, die den SLPC (Single Loop Power Controller) erweitert. Der SLPC läuft auf dem Graphics Microcontroller (GuC) und managt dynamisch GPU-Frequenzen basierend auf Workloads. Das Update [12] führt die Benutzersteuerung zwischen der Standardeinstellung und einem Power-Saving-Modus für bessere Energieeffizienz ein. Als Nachfolger der Alder-Lake-N- und Twin-Lake-Familien schickt Intel demnächst die Low-End-Mobile-CPUs der Baureihe Wildcat Lake ins Rennen. Linux 6.18 baut hier die mit der Ausgabe 6.17 begonnene initiale Unterstützung aus.

Bei den ARM-GPUs zeigt sich der Open-Source-DRM-Treiber Panthor verbessert. Er kann nun mit zusätzlichen Mali-GPU-Modelle wie G310, G510, G710, Gx15, Gx20 und Gx25 umgehen. Eine Rust-Implementierung des Panthor-Treibers steuert Collabora bei. Der bisher noch experimentelle Treiber Tyr [13] holt die ARM-Mali-GPUs G5xx bis G7xx ins Boot. Daniel Almeida von Collabora erklärt, man plant Tyr schrittweise weiterzuentwickeln, analog zum Ausbau der Rust-DRM-Bindings, bis er die Funktionalität des Panthor-Treibers vollständig abbildet.

Dateisysteme und Storage

In Linux 6.17 traf Bcachefs der Bannstrahl von Linus Torvalds in Form des Flags “externally maintained”. Das bedeutet, dass kein neuer Code für das Next-Gen-Dateisystem in den Kernel kommt. Mit 6.18 erfolgt jetzt der nächste Schritt, und der gesamte Code mit 117 000 Zeilen fliegt aus dem Kernel. Bcachefs ist künftig lediglich als DKMS-Modul zu haben. Hintergrund [14] dieser einmaligen Aktion in der Geschichte des Kernels war ein längerer Disput zwischen Linus Torvalds und Bcachefs-Entwickler Kent Overstreet, in den auch weitere Kernel-Entwickler involviert waren.

Aus der Entwicklung bei SUSE erhält Btrfs [15] erste experimentelle Unterstützung für Blockgrößen größer als die Kernel-Page-Size. Derzeit bestehen jedoch noch Einschränkungen bei der Nutzung der auch als “BS > PS” bekannten Funktion. Es fehlt unter anderem noch direkte I/O-, RAID5- oder RAID6-Funktionalität. Leseintensive Arbeitsabläufe erfahren bei Btrf einen deutlichen Geschwindigkeitsschub. Das Dateisystem sucht nun im Commit-Root der vorherigen Transaktion nach Daten-Checksummen, um das Problem der gegenseitigen Blockierung (Locking) zu vermeiden. Die Synchronisationszeit lässt sich damit von Minuten auf Sekunden reduzieren.

Beim eXtended File System (XFS) [16] gilt der seit einem Jahr im Kernel getestete Code für Online-Fsck jetzt als ausreichend stabil und ist somit standardmäßig aktiviert. Die bereits seit Jahren veralteten Mount-Optionen (no)attr2 und (no)ikeep haben die Maintainer über Bord geworfen. Der exFAT-Treiber [17], der häufig auf microSD-Karten und USB-Sticks Verwendung findet, ist nun bis zu 16-mal schneller bei Operationen wie dem Mounten oder Durchsuchen großer Partitionen mit kleinen Cluster-Größen.

Weitere Verbesserungen

Kernel 6.18 verspricht signifikante Verbesserungen im Netzwerksubsystem bei Performance, Sicherheit und Skalierbarkeit unter Last. Diese Optimierungen zielen vor allem auf Serverumgebungen mit hohem Datenaufkommen, wie es etwa bei DDoS-Attacken auftritt. Dazu analysierte man den UDP-Stack und strukturierte die Empfangsseite um, was den Durchsatz von UDP-Sockets verbessert, die unter DDoS-Attacken leiden [18].

Die neue, von Google beigesteuerte Funktion Sheaves [19] erweitert den SLUB-Allocator [20] und schafft pro CPU-Kern eine Cache-Schicht für kleine Speicherobjekte. Sheaves lässt sich mit Bündel übersetzen und soll die Sperren in Multi-Core-Systemen verringern, indem jeder CPU-Core ein eigenes Sheaf von Objekten erhält, die sich ohne Synchronisation zuteilen oder freigeben lassen. Das senkt die Synchronisationslast erheblich und beschleunigt Allokationen. Benchmarks zeigen bis zu 31 Prozent bessere Leistung bei großen und 11 bis 17 Prozent bei kleinen Batches. Die Aktivierung der Opt-in-Funktion übernehmen die Kernel-Konfigurationsoptionen (Kconfig) [21].

Nach zwei Jahren Arbeit schaffte es ein ebenfalls bei Google entwickelter Rust-basierter Treiber in den Kernel. Der Binder-Treiber [22] gilt als zentraler Bestandteil für die Interprozesskommunikation (IPC) bei Android, und die Entwickler haben ihn wegen der besseren Speichersicherheit in Rust umgeschrieben. Der Treiber erfordert über die Kernel-Konfiguration mit »CONFIG_ANDROID_BINDER_IPC_RUST=y« eine explizite Aktivierung, denn er konkurriert mit dem klassischen C-Binder und wird zur Laufzeit via Boot-Parameter »binder.impl=rust« ausgewählt. Nebenbei bemerkt, verantwortete ein Bug in der Implementierung den ersten CVE für Rust-Code im Kernel [23].

Binder stammt ursprünglich aus dem Betriebssystem BeOS und wechselte dann zu Palm, wo er Teil des Multitasking-Betriebssystems Palm OS Cobalt war. Die C-Implementierung von Binder ist seit Linux 3.19 aus dem Jahr 2015 Teil des Mainline-Kernels. Bei Linux auf Desktops kommt Binder bisher hauptsächlich für die Android-Emulation bei Waydroid für Container-basierte Apps oder bei den LXC-Containern von Anbox zum Einsatz. Entwicklerkreise favorisieren Binder zudem neben Dbus-Broker als künftige Alternative für das oft kritisierte D-Bus-Framework.

Open Source Summit 2025

Linus Torvalds äußerte sich auf dem Open Source Summit im Dezember 2025 in Japan unter anderem auch zur Linux-Entwicklung mithilfe von KI. Bei der inzwischen obligatorischen Podiumsdiskussion “The Dirk and Linus Show” [24] mit seinem Freund Dirk Hohndel [25] sagte Torvalds, er halte den Einsatz von KI-Tools in der Kernel-Entwicklung für eine furchtbare Idee (Abbildung 2). Anders sieht es bei Patch-Reviews, CVE-Erkennung oder Dokumentation aus, wie einem Vortrag von Kernel-Entwickler Sasha Levin zu entnehmen ist.

Abbildung 2: Eingespieltes Gespann: Linus Torvalds und Dirk Hohndel beim Open Source Summit Japan. Quelle: The Linux Foundation

Abbildung 2: Eingespieltes Gespann: Linus Torvalds und Dirk Hohndel beim Open Source Summit Japan. Quelle: The Linux Foundation

In der anschließenden Diskussion herrschte Einigkeit darüber, dass menschliche Verantwortung für Patches zentral bleibt, rein maschinell erzeugte Beiträge unerwünscht sind und Tool-Nutzung transparent sein muss [26]. Auf dem Summit war auch zu hören, dass die Rust-Integration im Kernel das experimentelle Stadium absolviert hat und fortan gleichberechtigt den Status einer Kernsprache neben C und Assembler einnimmt.

Torvalds rechte Hand, Greg Kroah Hartman, veröffentlichte in letzter Zeit einige seiner Vorträge als Blogbeiträge. Wer sich dafür interessiert, wie die Versionierung des Kernels funktioniert, findet mehr dazu im Blogbeitrag “Linux kernel version numbers” [27]. Einen Deep-Dive in die Arbeit des Kernel Security Teams unternimmt der Beitrag “Linux kernel security work” [28].

Fazit

Linux 6.18 zeigt sich als würdiger LTS-Kernel, der neben den üblichen Treiber-Updates signifikante Verbesserungen mitbringt. Dazu zählen vor allem spürbare Steigerungen in der Speicher- und Netzwerk-Performance. Neue Kernel-Funktionen wie Sheaves zur schnelleren Speicher-Zuweisung, verbesserte UDP-Leistung und Dateisystem-Optimierungen wie “BS > PS” bei Btrfs oder Online-Fsck als Standard bei XFS stehen dafür. Der nächste Kernel 6.19 erscheint im Februar 2026 und beschließt vermutlich die Reihe 6.x. Torvalds könnte im Anschluss bei der Versionierung zu 7.x wechseln. (uba)

Infos

  1. Kernel 6.18: https://lkml.org/lkml/2025/11/30/341
  2. LTS: https://linuxnews.de/linux-6-18-wurde-zum-neuen-lts-kernel-erklaert/
  3. Intel: https://linuxnews.de/intel-strafft-seine-open-source-richtlinien/
  4. TDX+Kexec: https://git.kernel.org/pub/scm/linux/kernel/git/torvalds/linux.git/commit/?id=50ac57c3b156
  5. PCI-Quirk: https://git.kernel.org/pub/scm/linux/kernel/git/torvalds/linux.git/commit/?id=a22250fe933dbd1da9a9683506ae3f489ccc579d
  6. Edac: https://lore.kernel.org/lkml/20250926094948.GAaNZhvEm0mULL_iSp@fat_crate.local/T/#u
  7. Crypto: https://lore.kernel.org/lkml/aNuln6SQ_VIISMPi@gondor.apana.org.au/
  8. IOMMU: https://lore.kernel.org/lkml/wkxilefpezz4bnwm33rcffdvqiufeengtujjpkr65wrdtluj2u@co4fqyct6ot5/
  9. ARM: https://lore.kernel.org/lkml/54b49f7b-9232-44d7-9ae3-ecc1826f17d7@app.fastmail.com/
  10. Nouveau: https://lore.kernel.org/dri-devel/20250811213843.4294-2-mhenning@darkrefraction.com/
  11. AMD: https://lore.kernel.org/dri-devel/20250829190848.1921648-1-alexander.deucher@amd.com/
  12. Intel Xe: https://lists.freedesktop.org/archives/dri-devel/2025-September/526272.html
  13. Tyr: https://www.collabora.com/news-and-blog/news-and-events/introducing-tyr-a-new-rust-drm-driver.html
  14. Bcachefs: https://linuxnews.de/bcachefs-code-aus-dem-kernel-entfernt/
  15. Btrfs: https://lore.kernel.org/lkml/cover.1758696658.git.dsterba@suse.com/
  16. XFS: https://git.kernel.org/pub/scm/fs/xfs/xfs-linux.git/commit/?h=for-next&id=e90dcba0a350836a5e1a1ac0f65f9e74644d7d3b
  17. exFAT: https://git.kernel.org/pub/scm/linux/kernel/git/linkinjeon/exfat.git/commit/?h=dev&id=08326a456445b4ef13d9bc20980db674fb0c2d18
  18. Network: https://lore.kernel.org/netdev/20250919164308.2455564-1-edumazet@google.com/
  19. Sheaves: https://brainnoises.com/blog/linux-kernel-sheaves-performance/
  20. SLUB-Allocators: https://lwn.net/Articles/229984/
  21. Sheaves-Patch: https://git.kernel.org/pub/scm/linux/kernel/git/torvalds/linux.git/commit/?id=24d9e8b3c9c8a6f72c8b4c196a703e144928d919
  22. Binder: https://git.kernel.org/pub/scm/linux/kernel/git/gregkh/char-misc.git/commit/?h=char-misc-next&id=eafedbc7c050c44744fbdf80bdf3315e860b7513
  23. Rust-CVE: https://nvd.nist.gov/vuln/detail/CVE-2025-68260
  24. Torvalds zu KI: https://www.youtube.com/watch?v=tWx769t1JKg
  25. Torvalds&Hohndel: https://lwn.net/Articles/1050317/
  26. Sasha Levin: https://lwn.net/Articles/1049830/
  27. Kernel-Versions: http://www.kroah.com/log/blog/2025/12/09/linux-kernel-version-numbers/
  28. Kernel-security: http://www.kroah.com/log/blog/2026/01/02/linux-kernel-security-work/
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