Die Entwicklungsumgebung Eclipse lässt an sich keine Wünsche offen. Leider ist das umfangreiche Werkzeugpaket für Arbeitsgruppen nur recht schwer identisch auf jedem Rechner zu konfigurieren und zu installieren. Das Server-basierte Eclipse Orion verspricht Abhilfe.
Das Versprechen von Orion ist schlicht: Ein Admin installiert es auf einem Firmenserver, die Entwickler brauchen dann nur einen halbwegs aktuellen Browser, um damit zu arbeiten. Wie der Admin Orion sinnvoll einrichtet, zeigen die folgenden Abschnitte.
Installation
Die Installation klappt auf einem beliebigen Linux-Server. Voraussetzung ist eine Java-Runtime ab Version 1.6. Wer Orion nur ausprobieren möchte, darf das Paket auch lokal installieren. Das dürfte die bevorzugte Variante für Laptop-Nutzer ohne stabilen Netzzugang sein.
Das Paket »eclipse-orion-19.0.0S1-linux.gtk.x86_64.zip« wartet unter [1]. Zu Redaktionsschluss aktuell war die Version 19. Das Paket schlägt mit 69 MByte zu Buche, entpackt sind es 73 MByte, was den Angaben auf der Downloadseite (“30 MByte”) widerspricht.
Der Admin entpackt lediglich das Zip-Archiv an geeigneter Stelle, etwa unter »/usr/local/lib« – das war’s. Der oberste Ordner im Archiv heißt »eclipse«. Existiert er bereits, sollte der Admin über einen alternativen Pfad nachdenken. Der »eclipse«-Ordner enthält zwar nur einen weiteren Unterordner namens »orion« und sollte damit beim Entpacken keinen Schaden anrichten, aber es ist nie sinnvoll, Installationen zu vermischen.
Die Downloadseite bietet neben dem Serverpaket noch missverständlich benannte »Client«-Komponenten. Zum einen handelt es sich um eine Node.jsbasierte Serverversion. Die entspricht funktional nicht der Java-basierten Variante, sie läuft standardmäßig zudem nur im Single-User-Modus. Damit eignet sie sich eher für die Installation auf einem Client, was den Namen erklärt.
Ebenfalls im Client-Bereich wartet der Editor mit den Language-Tools, die mehrere Programmiersprachen unterstützen. Diese Javascript-Komponenten kann der Admin in eigene Webanwendungen einbetten, die dann aber nichts mehr mit dem Orion-Server zu tun haben.
Demo-Installation
Wer für den ersten Test komplett auf eine Orion-Installation verzichten möchte, findet unter [2] eine voll funktionsfähige Demo-Installation (Abbildung 1). Über den Button »Try it Now« meldet der Nutzer Interesse an, einloggen kann er sich dann über »Sign In« (oben rechts). Tester sollten also keine wichtigen oder gar vertraulichen Daten dort ablegen.
Den lokalen Orion-Server startet indes das Kommando »orion«. Der Admin gibt es im Unterverzeichnis »Pfad_zur_Installation/eclipse/orion« ein. Dann steuert er den Server via Konsole mit den üblichen OSGI-Kommandos [3].
Nach dem Start lauscht der Server schließlich auf dem Port 8080. Der lässt sich bei Bedarf innerhalb der Datei »orion.ini« ändern, genau wie der Speicherort der Nutzerdaten. Diese Daten landen standardmäßig im Unterordner »serverworkspace« des »orion«-Verzeichnisses. Verantwortungsvolle Admins trennen jedoch die Verzeichnisse zur Software-Installation von denen mit Benutzerdaten – das vereinfacht nicht zuletzt die Datensicherung.
Erste Schritte
Das Einstiegsbild ist nach der Eigen-Installation identisch mit dem in Abbildung 1. Nach dem Registrieren und ersten Anmelden legt der Programmierer sofort los. Die Icons ganz links verlinken dabei auf die verschiedenen Ansichten: Editor, Git, Shell, Sites und Einstellungen. Davon abgesehen ist der Arbeitsbereich anfangs noch leer.
Entwickler fangen also auf der grünen Wiese an oder importieren ein bereits existierendes Projekt. Am einfachsten gelingt das über die ausgezeichnete Git-Integration. Aber Orion bietet auch alternative Wege. Zum Beispiel kann es den Inhalt einer Zip-Datei mit den Quelldateien entpacken.
Nach dem Import sieht der Entwickler im Arbeitsbereich links die Projekte und deren Dateien, die rechte Seite listet die aktuell ausgewählte Datei mit Syntax Highlighting auf.
Der Editor selbst bietet alles, was Entwickler von einer IDE erwarten. Dazu zählen natürlich insbesondere Konfigurationsoptionen, um das Tab-Verhalten oder die Tastenbelegungen und weitere Dinge einzustellen. Die Konfiguration erreicht der Entwickler über das Zahnradsymbol ganz links.
Git-Integration
Orion ist eng mit Git verzahnt. Das betrifft nicht nur den Import kompletter Projekte, sondern auch die tägliche Arbeit. Dafür gibt es eine eigene Git-Sicht (Abbildung 2). Dort sieht der Entwickler nicht nur die Git-Historie, sondern auch den Status der eigenen Dateien.

Abbildung 2: Die Git-Sicht auf ein Projekt: Auch Git ist nahtlos in die Eclipse-Oberfläche integriert.
Aus dieser Sicht heraus prüft er seine Änderungen gegenüber dem Repository, aktualisiert Dateien, die Kollegen inzwischen eingecheckt haben, und steuert Commits für seine eigenen Dateien bei. All das ist sehr übersichtlich und funktioniert ohne detaillierte Kenntnisse der dahinterliegenden Kommandos.
Im Editor wartet eine weitere hilfreiche Ansicht. Die »Blame«-Ansicht (aus dem Englischen to blame: beschuldigen) erreicht der Entwickler über den Menüpunkt »Tools«. Mit ihr sieht er genau, wer wann welche Zeile beigesteuert hat (Abbildung 3), und kann dann mit erhobenem Zeigefinger auf den Schurken deuten. Per Klick verzweigt er auch in die Git-Sicht und sieht dort die Änderungen im Kontext (Historie, Diffs).
Testumgebung
Wer eine Webanwendung entwickelt, startet im Reiter »Sites« (Weltkugelsymbol in der Spalte ganz links) eine Testumgebung. Das gelingt in wenigen Klicks. Es genügt, wenn der Entwickler dazu ein Mapping zwischen einem Pfad im Projekt und einem URL-Pfad erzeugt. Physisch läuft die Site unter einer neuen Subdomain (bei einer lokalen Installation ist es http://127.0.0.2:8080). Das Anlegen einer Site ergibt natürlich nur bei Webprojekten Sinn.
Jenseits von Orion
Weitere Details zu Orion liefert die Dokumentation unter [4]. Beim Lesen fällt manchmal auf, dass sie veraltet ist, etwa wenn sie Java 1.6 als zwingende Voraussetzung nennt. Das heißt aber nicht, dass Orion ein veraltetes Projekt ist, im Gegenteil: Es wird aktiv entwickelt.
Unter der Obhut der Eclipse Foundation entsteht auch das Projekt Eclipse Che [5]. Che verwendete zeitweise Orion als Editor. Es geht noch weiter, was die Entwicklungsumgebung im Netz angeht. Während Orion nur ein einfaches URL-Mapping für Tests bietet, stellt Che den Teams eine komplette Umgebung für die Entwicklung bereit. Weil Che auf Docker setzt, kann der Team-Administrator genau die Komponenten konfigurieren, die er für das Projekt braucht.
Fazit
Orion ist eine leistungsfähige Entwicklungsumgebung und in wenigen Minuten installiert. Sie macht die Pflege aufwändiger lokaler Installationen auf den Rechnern der Entwickler überflüssig. Im Team mit Git erweitert Orion erfolgreich den Horizont von Eclipse.
Infos
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Demo-Service: https://orionhub.org
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OSGI-Kommando-Übersicht: https://www.vogella.com/tutorials/OSGi/article.html#using-the-osgi-console
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Orion-Dokumentation: https://wiki.eclipse.org/Orion
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Eclipse Che: https://www.eclipse.org/che/








