Dynamisch und sozial
Ende 2005 kündigt sich ein neues Thema an. Das Schlagwort Ajax versammelt verschiedene Webtechnologien, die es erlauben, Webseiten dynamischer zu gestalten. Wahl-Amerikaner Michael Schilli bemerkt es im Linux-Magazin als Erster: “Spätestens die Google-Maps-Seite wirkte wie ein Paukenschlag auf alle Webentwickler: Auf einmal war es möglich, den dargestellten Ausschnitt einer Landkarte dynamisch zu verschieben, ganz so, als liefe da im Browser keine Webapplikation, sondern ein lokales GUI”, schreibt er im Dezember des Jahres. In Deutschland steht Maps erst ab April 2006 bereit.
Web 2.0
Etwa zur selben Zeit taucht ein neuer Modebegriff im globalen Buzzword-Bingo auf. “Web 2.0” verweist auf das so genannte Social Web, wie es etwa Google Maps ermöglicht: Über ein Javascript-API können die Benutzer Google Maps in die eigene Webpräsenz einbauen und es zudem verändern. Anstatt also zu Hause an der eignen Webseite zu basteln, tauschen sich mehr und mehr Internetnutzer über Plattformen miteinander aus.
Wikipedia, die 2001 startet und 2003 richtig abhebt (100000 englischsprachige und 20000 deutschsprachige Einträge), ist der wohl bekannteste Vertreter des Wiki-Prinzips, bei dem Menschen gemeinsam Wissen sammeln. “Meiner Meinung nach ist der wichtigste Aspekt dabei die freie Lizenz von Wikipedia”, erklärt 2005 der Gründer Jimmy Wales gegenüber dem Linux-Magazin. Die Inhalte stehen zunächst unter der GFDL (GNU Free Documentation License), später unter der Creative Commons.
Das soziale Netz
Einen Kontrast dazu bilden die rasend beliebten sozialen Netzwerke wie Flickr, Youtube, Myspace und Facebook, auf denen sich Menschen treffen, um Videos, Musik, Fotos oder allgemein Informationen auszutauschen. Zwar ist das Mitmachen kostenlos und anfangs meist werbefrei, doch irgendwann müssen die Betreiber mit den Kunden Geld verdienen. Dazu werten sie private Nutzerdaten aus, schalten Werbung und sichern sich oft per AGB die Nutzungsrechte an Texten, Fotos oder Videos der User. “Heute geben viele ihre persönlichen Daten im Internet freiwillig preis und verwandeln sich in gläserne Bürger”, kritisiert Redakteur Oliver Frommel im Mai-Heft 2008 (Abbildung 12). Im Angesicht von Bundestrojaner, Vorratsdatenspeicherung und den sozialen Netzwerken steuert das Linux-Magazin mit einem Schwerpunkt zur Anonymisierung dagegen.
Neben den kommerziellen entstehen auch freie Dienste wie Openstreetmap (Abbildung 13) oder Identi.ca, deren Inhalte unter freien Lizenzen stehen. Allerdings ist ihr Betrieb recht teuer und viele User legen sich schon früh auf einen Dienst fest, weil sich dort bereits die Freunde und Bekannten tummeln – eine neue Art Vendor-Lock-in.
Zumindest werkeln bei den neuen Diensten häufig Linux und andere Open-Source-Lösungen im Hintergrund. “Linux ist fundamental für uns”, erklärt Twitter-Manager Chris Aniszczyk – und demonstrativ tritt sein Arbeitgeber der Linux Foundation bei [34]. Auch Google errichtet sein Dienstekonglomerat zum großen Teil auf freier Software, gibt jedoch auch über den “Summer of Code” und zahlreiche weitere Projekte viel Code an die Community zurück. Es gibt genügend Gründe, die neuen Internetkonzerne zu kritisieren, doch die Open-Source-Strategien sind für die Community eher ein Gewinn.







