Aus Linux-Magazin 10/2014

20 Jahre Linux im Magazin (Seite 9)

Heiter bis wolkig: SaaS, PaaS und IaaS

Google Docs, aber auch den Buildservice von Open Suse, nennt das Linux-Magazin im Januar 2008 als Beispiele, um auf eine steigende Zahl von Firmen hinzuweisen, die ihre Dienste gegen Geld online anbieten – als Software as a Service (SaaS). Das Magazin widmet dem Trend einen ganzen Schwerpunkt. “Nicht zu unterschätzen sind die Herausforderungen, die bei der Administration, Integration und Migration anstehen”, schreiben die Autoren und nennen Open Xchange, Red Hat und SAP als Anbieter [35]. Die Stichworte “Datenschutz” und “Privatsphäre” fallen interessanterweise noch nicht.

Platform- oder Infrastructure-as-a-Service-Angebote, meist mit PaaS und IaaS abgekürzt, gehen etwas weiter. Mit ihnen bieten Firmen nicht nur einzelne Anwendungen als Dienste an, sondern komplette Laufzeitumgebungen, in die Entwickler ihre Webanwendungen integrieren. Als Beispiele gelten Google App Engine und Windows Azure. Im Rahmen von IaaS lassen sich komplette Rechner-Infrastrukturen mieten, Storage, DNS, Datenbanken und so weiter. Der recht wolkige, aber werbewirksame Begriff Cloud Computing umfasst diese neuen Entwicklungen und noch weitere. Bald schon sind Cloud Computing, Linux und Open-Source-Software beste Freunde.

AGPL als neue Lizenz, Github als Lagerplatz

Schwieriger hat es die freie Software, denn bei Cloud-Computing-Angeboten fällt der Schutz durch die GPL weg. Sie greift nicht, wenn die Clients nicht mehr mit der eigentlichen Anwendung in Berührung kommen. Die Free Software Foundation verabschiedet daher bereits Ende 2007 die AGPLv3, die verlangt, dass die Betreiber den Quellcode ihrer Dienste separat zur Verfügung stellen. Unter der AGPLv3 stehen heute Mongo DB, Neo4j, Owncloud und OTRS, um nur einige zu nennen [36]. Eine Studie von 2013 [37] zeigt allerdings auch, dass der Anteil an Copyleft-Software kontinuierlich abnimmt, weil große Firmen liberalere Lizenzen wie die MIT- und Apache-2-Lizenz bevorzugen. Zugleich wachse die Open-Source-Codebasis aber exponentiell.

Kleine Startups wie auch große Firmen tauschen ihren Code dabei mit Vorliebe über Github [38] aus, das auf Linus Torvalds’ Kernel-Verwaltungssystem Git basiert. Das Erfolgsrezept: “Der Webdienst Github erleichtert es Programmierern, einen Beitrag zu Open-Source-Projekten zu leisten, denn er vereinfacht und beschleunigt die Kommunikation zwischen Projekt-Maintainern und willigen Mitwirkenden radikal”, stellt Mike Schilli im Sommer 2009 fest.

Virtualisierung

Hand in Hand mit Cloud Computing geht die Virtualisierung. “Technologisch gesehen ist VMware allemal eine kleine Sensation, die man gesehen haben muss”, schreibt Tom Schwaller im Editorial der Ausgabe 05/1999. Die kostenpflichtige Anwendung erscheint erstmals 1997 und erlaubt Desktop-Virtualisierung mit Windows- und Linux-PCs als Host, für Macs wird im selben Jahr erstmals Virtual PC angeboten. Die Open-Source-Ausgabe von Virtualbox (OSE) erscheint hingegen erst 2007.

Nach den Desktops werden auch die Server virtuell. Seit Kernel 2.6.0 ist es möglich, Linux-Kernel als Anwendungsprozesse innerhalb eines Linux auszuführen, wenn auch mit Performance-Einbußen. Anfangs laufen diese Systeme auf Basis von User-mode Linux, wie ein Artikel aus dem Linux-Magazin von Anfang 2001 [39] nahelegt. Auch V-Server [40] stellt das Linux-Magazin in diesem Kontext vor [41]. 2004 erscheint Xen, drei Jahre später KVM.

Indem die Virtualisierung in Kombination mit der Cloud die Betriebssysteme von der Hardware abstrahiert, macht sie die Infrastrukturen skalier- und automatisierbarer. Die Virtualisierungslösungen erobern nach und nach die Rechenzentren. Im Februar-Heft 2009 wetteifern Xen, VMware, Virtuozzo und KVM “um den Serverraum 2009“. Zugleich legt der Artikel von Nils Magnus [42] den Finger auf eine offene Wunde: “Was Linux noch fehlt, ist eine einheitliche Infrastruktur, in der sich virtuelle Maschinen und Werkzeuge wiederfinden.” Mittlerweile ist die Libvirt, an der Red Hat seit 2005 arbeitet, die Standardlösung, um verschiedene Virtualisierungsmanager anzubinden, etwa Virsh, O-Virt, auch Open Stack.

Nur noch ein Running Gag: Das Jahr des Linux-Desktops

Auf Servern, in der Cloud und im Embedded-Bereich (Abbildung 14) ist Linux heute Nummer 1 oder 2, im Bereich der Supercomputer liegt sein Marktanteil bei über 90 Prozent [43]. Red Hat macht 2012 im Unternehmensbereich mehr als eine Milliarde US-Dollar Umsatz. Aber was ist mit dem Desktop? Statistiken sehen für Linux einen Anteil von ein bis zwei Prozent. Microsoft hält diesen Markt fest im Griff, mit einem Anteil von über 90 Prozent [44], auch die meisten Kunden wollen offenbar nicht auf Windows verzichten.

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