Aus Linux-Magazin 10/2014

20 Jahre Linux im Magazin (Seite 7)

Nach dem Urteil machen die Redmonder weiter kräftig Front gegen Linux – auch im deutschen Einzelhandel: “Open Source heißt, jeder Anwender erhält eine Kopie des Quellcodes. Dabei stoßen Entwickler, die mit Linux arbeiten, häufig auf Sicherheitslücken. Auf Microsoft Windows trifft dies nicht zu”, zitiert das Linux-Magazin 2001 einen von Microsofts “Ratschlägen” an die Einzelhändler.

In der EU-Kommission findet das Unternehmen endlich doch einen ernst zu nehmenden Gegner [31]: Sie verurteilt Microsoft im März 2004 zur Zahlung von fast 500 Millionen Euro. Nicht nur solle der Konzern Mitbewerbern seine Schnittstellen innerhalb von 120 Tagen offenlegen, er müsse das Betriebssystem auch ohne Windows Media Player anbieten. Microsoft agiert wie ein quengelndes Kind und reagiert nur schleppend auf die Forderungen. Prompt brummt die EU dem Konzern 2006 eine weitere Strafzahlung von 280 Millionen US-Dollar auf.

Nun kooperieren die Redmonder zumindest scheinbar. Weil Microsoft für die von der EU verlangten Informationen zur Interoperabilität jedoch überzogene Preise kassiert, folgt nun die bislang letzte Rekordstrafe von knapp 900 Millionen Euro, die 2012 auf 860 Millionen Euro reduziert wird. Insgesamt zahlt Microsoft unter Steve Ballmer 1,6 Milliarden Euro Lehrgeld an die EU.

Der Zahn der Zeit

Für das Linux-Magazin normalisiert sich spätestens ab 2004 das Verhältnis zu Microsoft. Als der Konzern unverhofft eine Anzeige beim Underdog schaltet, sieht das Linux-Magazin die Phase 4 erreicht – also die Akzeptanz des einst Ignorierten – und spendet den Erlös an das Debian-Projekt. Jahre später sieht es den Konzern sogar auf “Schmusekurs mit Open Source”, wie es eine News des 2007 neu gestarteten Portals Linux-Magazin Online formuliert [32].

Microsoft arbeitet mehr oder weniger freiwillig [33] mit der Linux-Community zusammen. Das passiert zwar meist, um die eigenen Produkte zu erweitern, aus Perspektive vieler Linux-Hacker ist das aber legitim. Neuerdings engagiert sich Microsoft gar in einer Internet-of-Things-Arbeitsgruppe der Linux Foundation und kooperiert mit Google und Red Hat beim Management virtueller Container – vor ein paar Jahren undenkbar.

Ist nun also Phase 4 erreicht und nimmt Microsoft die Linux-Nutzer als Zielgruppe ernst? Zumindest teilweise liegen die Gründe des Burgfriedens auch woanders. Google, Apple und Amazon haben Microsoft in anderen Bereichen längst überholt (Zune zum Beispiel), der Konzern sucht Anschluss an die Zukunft.

Linux auf Servern

Trotz Dotcom-Krise wächst Linux auf Servern konstant weiter. “Wenn man da an Anfang 1998 zurückdenkt (IBM hat keine Pläne für Linux), kann man sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen”, witzelt Tom Schwaller, als IBM 2001 eine Milliarde US-Dollar in das freie Betriebssystem investiert. Offenbar mit Erfolg, denn Mitte 2013 kündigt die Firma an, eine weitere Milliarde in Linux zu stecken, nun in die Power-Architektur.

In Kombination mit anderen Diensten, zum Beispiel Apache, MySQL und PHP, kommt Linux auch vermehrt bei Webhostern zum Einsatz. Privatleute können neben Windows- auch Linux-Server mieten und darüber Webanwendungen anbieten. Auch in den Rechenzentren von Unternehmen und Unis nimmt der Marktanteil zu.

Dem Umstand Rechnung tragend titelt das Linux-Magazin in den Jahren 2003 bis 2005 wahlweise mit Linux-freundlichen Hostern (Abbildung 10), Authentifizierung, High Availability und Datenbank-Frontends (Abbildung 11). Es geht um Dateisysteme, Traffic Shaping und natürlich Sicherheit – Letztere wird spätestens mit den Insecurity-News, die es seit 1999 gibt, zum Dauerbrenner und für Linux immer mehr zum Verkaufsargument. Der Computerwurm Melissa von 1999 gilt als erste Massenplage im Internet, es folgen Sasser (2004), Mydoom (2004) und zahllose weitere Schädlinge. Der Linux-Desktop bleibt weitgehend verschont, die Sicherheitslücken der Server sind dank des Viele-Augen-Prinzips meist schnell gestopft.

Abbildung 10: Bei Webhostern wird Linux nach der Jahrtausendwende schnell zur Alternative für Windows-Server, sowohl für die Hoster selbst (Vserver, User-mode Linux) als auch für ihre Kunden.

Abbildung 10: Bei Webhostern wird Linux nach der Jahrtausendwende schnell zur Alternative für Windows-Server, sowohl für die Hoster selbst (Vserver, User-mode Linux) als auch für ihre Kunden.

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 2 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
LINUX-MAGAZIN KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Readly Logo
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Comments
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben