Aus Linux-Magazin 10/2014

20 Jahre Linux im Magazin (Seite 6)

Vertreter der Musikindustrie wollen Provider gerichtlich zum Filtern von MP3s verdammen, dann gehen sie gegen Napster und Mp3.com vor Gericht. Der Digital Millennium Copyright Act (DMCA) ist umstritten [25], dennoch übernimmt Europa eine angepasste Version. Auch sonst folgt die EU in zahlreichen Internet-Entscheidungen amerikanischen Gerichten. Das Linux-Magazin zitiert den Juristen Lawrence Lessig, der von einer europäischen “Me too”-Rechtsprechung redet.

Doch es gibt auch ein paar gute Nachrichten: Code fällt in den USA ab 2003 unter die Meinungsfreiheit und ist durch das First Amendement geschützt. Und im Open-Source-Bereich entwirft Lawrence Lessig die Creative-Commons-Lizenzen [26]. Sie seien “der Versuch, das GPL-Prinzip für jede Schöpfung anzuwenden”, schreibt das Linux-Magazin im Oktober 2003.

Lizenzfragen

Die neue GPLv3 geht hingegen einigen Projekten zu weit. Sie richtet sich gegen Hardwarehersteller, die zwar GPLv2-Software verwenden und auch den Quellcode anbieten, ihre Hardware aber so gestalten, dass nur unveränderter Code auf ihr läuft. Linus Torvalds hält diese “Tivoisierung” indes für unbedenklich, der Kernel bleibt bei der GPLv2. Immerhin verwendet der Kernel weiterhin eine Copyleft-Lizenz, denn Ende der 90er entbrennt zwischen den Verfechtern von freier Software um den GNU-Gründer Richard Stallman und denen von Open-Source-Software um Eric Raymond (“Die Kathedrale und der Basar”) ein Streit. Stallman lehnt reine Open-Source-Software aus ideologischen Gründen ab [27].

Den kommerziellen Anbietern gehen jedoch selbst solche Lizenzen zu weit, sie entwerfen immer wieder eigene Versionen wie die Sun Community Source Code License (SCSL) oder die NPL (Netscape Public License), die jedoch nicht den Open-Source-Kriterien des OSI [28] entsprechen.

Microsoft versucht im Jahr 2002 sogar, GPL-Software von der Interaktion mit dem CIFS-Protokoll auszuschließen, allerdings ohne Erfolg. “Es ist ihnen egal, ob es legal ist oder ob die Patente wirklich gültig sind. Es geht darum, dass der CEO der Appliance-Firma in die Entwicklungsabteilung geht und sagt, wir sollten das besser von Microsoft lizenzieren, nur um sicher zu sein”, erklärt Samba-Entwickler Jeremy Allison die Taktik im Juni-Heft von 2002.

Die Macht aus Redmond

Der Redmonder Konzern mit Monopolstellung und die Linux-Community sind sich von Anfang an in herzlicher Abneigung verbunden. Während Linux sich früh als Microsoft-Alternative präsentiert und viele Microsoft-Gegner versammelt, schalten die Redmonder trotz riesiger Marktmacht schon früh auf Angriff. Als Fear, Uncertainty and Doubt, kurz FUD, bezeichnet die Linux-Community die zahlreichen Versuche der Redmonder, Linux zu diskreditieren.

Die Halloween-Dokumente [29], die Eric S. Raymond zugespielt werden, verraten 1998, was die Redmonder intern von Linux denken. Das unterscheidet sich deutlich von dem, was sie in der Öffentlichkeit behaupten. So konstatieren die Autoren des Papiers, Open-Source-Produkte würden häufig die Qualität kommerzieller Software erreichen, manche diese sogar übertreffen. Microsoft solle seine Protokolle und Applikationen so gestalten, dass sie “nicht austauschbar” seien. Linux sei ein anhaltender Trend, der auch mit FUD-Taktiken nicht zu bremsen sei, heißt es weiter.

Erstaunlich ist, mit welcher Vehemenz der milliardenschwere Monopolist gegen seine Mitbewerber vorgeht, wobei er seine Marktmacht ausspielt. Im Zuge des Antitrust-Prozesses aus dem Jahr 2000 wird mit “Embrace, Extend and Extinguish” [30] auch eine beliebte Strategie des Unternehmens bekannt, die Microsoft Intel gegenüber unter der Hand beschreibt.

Das Kartell

Im Antitrust-Prozess macht sich die Firma klein, spricht von bedrohter Innovation und wettert mit einer eigenen Lobby gegen die der Konkurrenz. Obwohl die Richter es als erwiesen ansehen, dass Microsoft gegen das amerikanische Kartellgesetz von 1890 (Sherman Act) verstoßen hat, folgen dem Kartellprozess kaum ernsthafte Konsequenzen wie etwa eine Aufspaltung des Konzerns.

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