Aus Linux-Magazin 11/2010

Was Entwickler, Anwender und Käufer über Multitouch wissen sollten

Der Trend zu Multitouch trifft Linux nicht unvorbereitet, denn neuere Kernel kommen mit diversen Geräten klar, X.org verwaltet mehrere Zeigegeräte gleichzeitig, GTK+ hat Routinen zur Gestensteuerung eingebaut und Googles Android ist flott aus dem Startblock gekommen.

Inhalt

26 Linux und Multitouch Treiber und APIs im Überblick: Wie sich Multitouch in den Software-Stack von Linux integriert.

32 Multitouch mit Android Eigene Anwendungen für Googles Smartphone-Linux programmieren.

36 GTK-Multitouch Multipointer- und Multitouch-Programmierung mit Gnome.

42 Linux-kompatible Geräte Welche Touchscreens und Notebooks laufen mit Linux und welche nicht.

44 Neue Androiden Brandneu von der IFA 2010: Die neuesten Multitouch-Tablets. Samsungs Galaxy Tab, das Wetab, Archos, MSI Wind und mehr.

48 Moderne Eingabeformen Was nach Multitouch kommt: Gesten, Wearables und Gedankensteuerung.

Vielleicht braucht die Welt wirklich Apple, um eine unter vielen Technologien zum unverzichtbaren Trend zu erklären. Mit I-Phone und I-Pad ist als neues Jobs-Wunder Multitouch auf die Welt herniedergekommen. Das Linux-Magazin widmet dem Phänomen in diesem Monat einen Schwerpunkt.

Zuvor stellt sich die Frage, ob Apple – obwohl nicht Erfinderin der Technik – im Huckepack mit den schicken Geräten eine echte Neuerung etabliert hat oder ob hier nur ein Strohfeuer lodert. Gerade zahlreichen Linuxern, die die Vorteile der Kommandozeile zu schätzen wissen, erscheint die neumodischen Bildschirm-Fummeltechnik oft wenig nutzbringend.

Um etwas Klarheit zu gewinnen, lohnt der Blick in die Vergangenheit: Der 1968 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellten Computermaus gelang es bekanntlich nicht, die Tastatur zu verdrängen – die hat zu viele ergonomische Vorteile bei der Texteingabe.

Voller Mäuse

Gleichwohl hat sich die Maus einen dauerhaften Platz auf dem Schreibtisch ertrotzt. Erst sie machte grafische Oberfläche sinnvoll benutzbar. Mehr noch: Ohne das verbreitete Zeigegerät hätte kein Programmierer einen grafischen Desktop geschrieben, gäbe es keine Grafik-, DTP- oder CAD-Programme.

Neue und bessere Eingabegeräte lösen also offenbar nicht zwingend ältere und unergonomische ab. Stattdessen behält Bewährtes seinen Platz und Newcomer bekommen genau dann eine Chance, wenn sie einen Trend zu neuartiger Software begründen können, die ohne das Eingabegerät keinen Sinn ergeben würde.

Mit Hirn

Es erscheint aussichtsreich, die Touch- und Multitouch-fähigen Gerät genau in diesem Licht zu inspizieren: Die Touchscreens der ersten Generationen haben sich bei normalen PC-Arbeitsplätzen nicht etablieren können, weil keine neue Software dadurch möglich wurde. Anders als in Appliances wie öffentlichen Fahrkartenautomaten oder in rauen Industrieumgebungen, wo eigens programmierte Oberflächen neue Arbeitsweisen forcierten.

Jeder, der mit den neuen portablen Multitouch-Geräten schon gearbeitet hat, wird vermutlich bestätigen, dass die Gestensteuerung auch hier ergonomische Vorteile bringt. Er scheint auch so zu sein, dass sich die neue Art des Bedienens dem menschlichen Hirn auffallend leicht vermittelt – vermutlich trifft die Technik bei uns auf eine kompatible archaische Motorik.

Wer erfolgreiche Apps moderner Smartphones und Tablets benutzt, kann erkennen, dass die eine oder andere sinnvolle Funktion ohne Multitouch nie implementiert worden wäre – und dies, obwohl das Phänomen App jung ist.

Für Standard-PCs mit Multitouch eine Prognose zu wagen, ist zu früh. Sobald sich aber genügend viele Geräte verbreitet haben, werden sich Entwickler finden, die neue, vielfach berührende Programme schreiben.

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