
Abbildung 1: Ein Emacs, der eine leere Datei öffnet, belegt 136 KByte weniger virtuellen Speicher als ein unkonfigurierter Vi, wie die Spalte »VSZ« zeigt.
Ein Tool, sie zu knechten und alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden. Der Emacs ist ein umstrittenes Werkzeug. Bekämpft und oft unverstanden vollbringt er Erstaunliches .
Nur mäßig lustig finden regelmäßige Emacs-Benutzer die jahrzehntealten Witze über ihren Editor: Die Verächter wähnen den Namen als Umschreibung für “Eight Megabytes and constantly swapping” [1]. Das ist aber gleich in zweifacher Hinsicht falsch: Erstens sind es 27 MByte und zweitens belegt der Vi auf einem Testsystem der Redaktion immerhin 136 KByte mehr virtuellen Speicher als ein Emacs (Abbildung 1).

Abbildung 1: Ein Emacs, der eine leere Datei öffnet, belegt 136 KByte weniger virtuellen Speicher als ein unkonfigurierter Vi, wie die Spalte »VSZ« zeigt.
Ebenso verbreitet wie absurd ist der Glaube, dass Emacs eigentlich kein Editor, sondern eines der geglückteren Betriebssysteme aus der Feder von Richard M. Stallman sei. Aber vielleicht ist der Gedanke gar nicht so abwegig, ist doch »/sbin/init« schnell durch einen Hardlink auf »/usr/bin/emacs« ersetzt.
Dass das Editor-Dickschiff quasi jede Standardaufgabe von Anwendern und Admins stemmen kann, überrascht kaum: Im Emacs Nachrichten zu bearbeiten, per IMAP oder RSS abzuholen, zu sortieren und zu filtern ist mehr eine Frage der Gewöhnung und Geisteshaltung als der Einschränkung und Askese [2]. Gleiches gilt für das Browsen mit W3 [3], die Datei-Organisation mit Dired oder das Entwickeln von Software. Emacs kannte SCM-Support, Vervollständigung mittels Etags und Grammtik-sensitive Code-Einfärbung schon ein Jahrzehnt lang, bevor Eclipse in den IDE-Kosmos eintrat [4].
Allrounder und Spezialist
Staunen rufen die ungezählten Sonderfunktionen hervor, die sich meist mit [Meta]+[X] – gefolgt vom Namen der Lisp-Startfunktion – aufrufen lassen. So verspricht »doctor« Linderung seelischer Probleme, indem es ein Therapiegespräch beginnt. Bauklötze türmt »hanoi« für jene auf, die Erklärungsbedarf über das Wesen der Rekursion haben.

Abbildung 2: Der Spieleklassiker „Elite“, hier in der C-64-Version von 1985, verlangte neben galaktischer Hyperraumnavigation, Flugtechnik und Waffenkunde …

Abbildung 3: … auch Grundkenntnisse in extraterrestrischer Handelskunst. Die lassen sich auch im Emacs trainieren, falls kein C 64 mehr zur Hand ist.
Werwölfe mit erweiterten Emacs-Kenntnissen schätzen die Anzeige der Mondphasen mittels »phases-of-moon«, Ethnologen und Historiker Südamerikas den Maya-Kalender [5] und zum Anarchismus neigende Weltraumhandels-Hazardeure die textbasierte Adaption des Spieleklassikers “Elite” von 1985 (siehe Abbildungen 2 und 3, [6]). Wer braucht da noch irgendwelche Alternativen?
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Infos |
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[1] Emacs-Akronym aufgelöst: [http://gnu.org/fun/jokes/gnuemacs.acro.exp.html] [2] Mailreader Gnus: [http://gnus.org] [3] Browser W3: [http://gnu.org/software/w3/] [4] Nils Magnus, “Fahnenflucht: Umstieg zu Eclipse”: Linux-Magazin 08/10, S. 30 [5] Maya-Kalender: [http://www.gnu.org/software/emacs/manual/html_node/emacs/Mayan-Calendar.html] [6] Elite: [http://elite-for-emacs.org] |




