Aus Linux-Magazin 08/2010

Das integrierte Entwicklertool mit dem astronomisch großen Plugin-Fundus

Eine Eklipse entsteht, wenn sich ein Himmelkörper so vor den anderen schiebt, dass es richtig finster wird. Dies ist ein seltsamer Name für ein Projekt, das allen Grund zum Strahlen hat. Das Linux-Magazin versucht eine galaktische Neuvermessung des Phänomens .

Zieht ein (scheinbar) größerer Himmelskörper an einem kleineren so vorbei, dass er ihn aus Sicht des Beobachters teilweise oder vollständig bedeckt, sprechen Astronomen von einer Okkultation. Ist das verhüllte Objekt sehr hell, kommt es zu einer Eklipse, einer Finsternis. Die letzte totale Sonnenfinsternis in Mitteleuropa war am 11. August 1999, die nächste erwarten Himmelsgucker am 3. September 2081.

Was IBM im Jahr 2001 geritten hat, den Nachfolger ihrer Entwicklungsumgebung “Visual Age for Java 4.0” Eclipse zu taufen – man weiß es nicht. Möglicherweise wusste in der zuständigen Marketingabteilung niemand, dass bei einer Sonnenfinsternis im Kernschatten die Temperatur in den Keller rauscht, die Vögel verstummen, Blüten sich schließen und Fledermäuse spontan das Jagen anfangen.

Wahrscheinlicher ist, dass die Namensgeber von Eclipse planten, den Java-Strahlemännern von Sun ein paar finstere Momente zu verschaffen – astrophysikalisch und auch sonst. Jedenfalls gab IBM den Quellcode der Software im November 2001 frei. Im Februar 2004 beschloss das von Big Blue geführte Konsortium eine rechtlich eigenständige Stiftung zu gründen [1]. Gleichwohl steht dem Vernehmen nach bis heute rund die Hälfte der Eclipse-Kernentwickler auf IBMs Gehaltsliste.

Als Visual-Age-Abkömmling war Eclipse ursprünglich ein reines Java-Entwicklungstool und auch selbst in dieser Sprache programmiert. Seit Version 3.0 fußt es auf einem so genannten OSGI-Framework (Open Services Gateway initiative, [2]) namens Equinox. Die Umstellung auf dieses Komponentensystem lieferte die Grundlage für den heutigen Erfolg von Eclipse: Das Plugin-Konzept.

Offen für alles

Die Erweiterungen, die sich überdies sehr leicht über das Menü der Eclipse-IDE einbinden lassen, darf man als sehr zahlreich bezeichnen. Neben den Java Development Tools gibt es Plugins für C und C++ (CDT-Projekt für die GCC), Perl, PHP, Ruby, Python, C#, Fortran, Ada und weitere Sprachen. Die Mehrheit der Plugins unterstützt den Programmierer bei allen erdenklichen Teilprozessen des Entwicklungszyklus. Der dritte und vierte Artikel in diesem Magazin-Schwerpunkt (Plugin-Top-10 und Eclipse Linux Tools) geben einen kleinen Eindruck von der funktionellen Vielfalt, die das Anflansch-System der freien IDE hervorgebracht hat.

Das Eclipse-Special startet aber mit einem Erfahrungsbericht von Emacs- und Vi-Fan Nils Magnus, den seine Redakteurskollegen dazu überredet haben, sich in die grafische IDE einzuarbeiten. Zwar traf ihn ein großer Kulturschock, eine Leidensgeschichte ist der Artikel jedoch nicht geworden. Den aktuellen Aufhänger zu diesem Schwerpunkt liefert “Helios”: Das ist die am 23. Juni erschienene Version 3.6 von Eclipse, die den Vorgänger “Galileo” vom Juni 2009 beerbt. Der Artikel ab Seite 34 weiß Näheres zu berichten.

Eine Sonnenfinsternis, wie das Titelbild dieser Linux-Magazin-Ausgabe eine zeigt, ist übrigens keine echte, sondern eine Sonnenbedeckung. Es ist nämlich der Mondschatten, der einen Teil der Erdoberfläche verfinstert. Genau genommen handelt es sich um eine Erdfinsternis. Dem Wahrheitsgehalt des Magazin-Schwerpunktes tut das aber keine Abbruch.

Infos

[1] Eclipse und die Foundation: [http://www.eclipse.org/org/#about]

[2] OSGI-Technologie: [http://www.osgi.org/About/Technology]

[3] Equinox: [http://www.eclipse.org/equinox/]

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