Aus Linux-Magazin 06/2010

Es hat eine eigene Magie, Geräten mit Linux neuen Sinn zu verleihen

In den meisten Haushalten und Büros stehen oder liegen Geräte herum, die sich prinzipiell mit Linux auf- und umrüsten ließen. Die Titelgeschichten dieser Ausgabe liefern genau dafür die magische Mixtur aus Ideen, Motivation und technischem Know-how .

Inhalt

28 Linux auf dem Fernseher Samy Go erweitert die Linux-Firmware moderner Samsung-LCD-TVs.

32 Openinkpot Nicht alle E-Book-Reader bleiben vernagelt – ein angepasstes Linux hilft.

36 Open WRT auf dem Nanotote Ein Linux-Winzling lädt zum Basteln ein und bringt sein Build-System gleich mit.

40 Openstreetmap auf Garmin Linux befördert freie Karten auf die Outdoor-Navis des Marktführers.

42 Mini-Server NSLu2 Der preiswerte Heimserver von Linksys reicht für viele einfache Anwendungen.

44 JTAG-Schnittstelle Mit dem Debuginterface landet Linux auf Geräten, die Widerstand leisten.

50 Wärmepumpensteuerung Eigenbau von A bis Z: Linux steuert die Heizung.

Zu den zahlreichen Dingen, die Linux zu seiner heutigen Popularität verholfen haben, zählen die vielen CPUs und Controllerchips, auf denen Linux lauffähig ist. Wie viele Plattformen das sind, lässt sich kaum zählen, weil es viele Spielarten vom ARM-, M68k-, x86-, Mips-, PowerPC-, Super-H- und Etrax-Chips gibt, für die sich der Kernel übersetzen lässt.

Der folgende Magazin-Schwerpunkt befasst sich aber nicht mit der klassischen Embedded-Linux-Entwicklung, er stellt keine Evaluation Boards vor und beschreibt keine Crosscompiler-Toolchains oder Eclipse-Plugins – obwohl es darüber viel zu schreiben gäbe. Das Titelthema widmet sich stattdessen vorhandenen Geräten, Fernsehern, Routern, Navis und so weiter. Viele mit modernen Microcontrollern ausgestattete Geräte lassen sich nämlich auf Linux umrüsten oder mit einer besseren, offenen Distribution versehen. Schon die Planung eines solchen Vorhabens macht einen Heidenspaß. Und der spannende Moment vor dem ersten Einschalten hat etwas Magisches.

Los gehts mit einem Firmware-Tausch bei Samsung-LCD-Fernsehern, der Bugs im serienmäßigen Medienplayer behebt. Der Beitrag steht beispielhaft für eine Unmenge Anleitungen in Foren, Blogs und auf Fanseiten. Linux bildet den Humus für solche Spielwiesen, die zwar keinen kommerziell ernst zu nehmenden Markt darstellen, aber eine Facette freier Software sind. Der sich anschließende Beitrag über E-Book-Reader nimmt eine ähnliche Richtung und schlägt den Anbietern proprietärer Datenformate und DRMs ein Schnippchen.

Geschrumpftes Netbook

Der dritte Artikel beschreibt, wie Besitzer des nur handtellergroßen Nononote Open WRT auf ihrem Gadget installieren. Wer dagegen ein tragbares Garmin-Navi sein Eigen nennt, darf den vierten Beitrag nicht überblättern. Er empfielt als Königsweg für die Geräte, Openstreetmap-Karten zu installieren, was jedes Jahr hilft, eine Menge Geld für die Updates zu sparen.

An Bastler wendet sich der NSLu2-Artikel. Der günstige Microcontroller-Rechner eignet sich prima für kleine Überwachungs- und andere Aufgaben. Wer dagegen ein vorhandenes Gerät “linuxifizieren” will, für das es keine funktionierende Firmware-Updatemöglichkeit gibt und zudem keine Angst vor einem Lötkolben hat, dem liefert der JTAG-Artikel eine Menge Hacking-Know-how für sein Vorhaben. Diese standardisierte Debugging-Hardware-Schnittstelle findet der Bastler nach dem Aufschrauben vieler Geräte vor. Sie eignet sich, um den Angelpunkt zu finden, bei dem man den Linux-Hebel ansetzen kann.

Selber einheizen

Den Schluss des Schwerpunktes bildet ein langer Artikel über eine Heizungssteuerung, die ein österreichischer Tüftler für sein Haus von A bis Z selbst entwickelt hat, angefangen vom Reverse Engineering der Schnittstelle zur Wärmepumpe, deren Hersteller sich unkooperativ zeigte, über die Planung des Gesamtsystems bis hin zur Software-Implementation von Kernkomponenten und Zusatztools in Perl.

Das Ganze bildet eine Ingenieursleistung für den sehr praktischen Hausgebrauch. Und obwohl das Thema für sich genommen recht speziell erscheint, ist die Länge des Artikels gerechtfertigt. Der Autor schildert seine Vorgehensweise sehr genau und liefert so eine Blaupause für andere, die sich mit dem Gedanken an anders geartete, aber methodisch ähnliche Projekte tragen.

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