Aus Linux-Magazin 05/2010

Linux New Media Awards 2010

Tausende engagierte Projekte und hunderte Firmen machen sich das Jahr über um Open Source verdient. Von den Auswirkungen profitieren Millionen, die Architekten des Erfolges bleiben jedoch im Schatten. Nur ein Mal, auf der Cebit, zieht der Linux New Media Award sechs Preisträger verdient ins Rampenlicht.

Der Verlag Linux New Media AG, Herausgeber des Linux-Magazins und vieler anderer deutschsprachiger und internationaler Linux-Publikationen, prämiert mit Unterstützung einer hochkarätigen Jury seit dem Jahr 2000 herausragende Leistungen rund ums Thema Linux. Das Medienunternehmen sieht das als wichtige Aufgabe, denn viele Open-Source-Projekte und -Firmen reden nicht viel über ihr Engagement. Auf der Cebit 2010 hieß es darum: Bühne frei! (Abbildung 1)

Trendthema Cloud

Dem Trendthema Cloud Computing trägt 2010 ein Award für die “Best Open Source Solution for Cloud Computing” Rechnung. Gewonnen hat Xen, der quelloffene Virtualisierungs-Hypervisor, der heute zu Citrix gehört. “Dieses Projekt wird unsere Sicht auf Computer verändern”, findet Kai Dupke von Novell in seiner Laudatio. Preisträger Keir Fraser implementierte Xen 2002 in Folge seiner Promotionsforschung und gründete das darauf aufbauende Open-Source-Unternehmen Xensource. “Dieser Preis geht an alle in der Community, die Xen zu dem gemacht haben, was es heute ist”, zeigt er sich bei Entgegennahme der Trophäe bescheiden.

Bitte keine Werbung

Eine der Wechsel-Kategorien ist dieses Jahr die “Best Open Source Firefox Extension”. Die ausgesprochen benutzerfreundliche Erweiterung Adblock, die im Browser die Anzeige von Onlinewerbung verhindert, räumt den Preis ab. Laudator Chris Hofmann, der schon bei Netscape zum Firefox-Vorgänger beigesteuert hat und bei Mozilla heute für Spezial-Entwicklerprogramme zuständig ist, ruft ins Bewusstsein, dass der als schlanker Browser konzipierte Firefox allein durch die Gemeinde der Extension-Entwickler so viele Funktionen habe. Entgegen nahm den Preis der Entwickler des Addons selbst, Wladimir Palant. Auch er wies bescheiden auf die Leidenschaft der Community hin.

Die über 200-köpfige Jury aus Journalisten und Open-Sourcelern aus Wirtschaft und Projekten bestimmten Android zum Preisträger der Kategorie “Best Open Source Contribution for Mobile Devices”. Diese Kategorie hätte 2010 eigentlich wechseln können – das Thema ist aber zu aktuell, entschied die Jury. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen hat sich Android gegen Maemo & Co. durchgesetzt. Googles Handy-Linux hatte schon im vergangenen Jahr den LNM-Award abgestaubt [1] – doch begeisterte Android-Entwickler wie der XML-Koautor Jim Bray, der dafür von Oracle zu Google wechselt [2], geben der Jury Recht.

Im Amt bestätigt

Dennoch unkt Klaus Knopper in seiner Laudatio: Es gäbe tatsächlich Leute, die mit diesen kleinen Geräten, ihren merkwürdigen Prozessoren und begrenztem RAM etwas anfangen könnten – er selbst sei lange Handy-Verweigerer gewesen. Ines Wasner von Google Deutschland, die den Linux New Media Award an Stelle der Android-Entwickler entgegennahm, bezeichnet die Auszeichnung anschließend als “Motivation, Android noch besser zu machen”.

Als weiterer Wiederholungstäter, pardon, -sieger, erhält Prozessorhersteller Intel den Preis für den Open-Source-freundlichsten Hardwarehersteller. Als Laudator weist Rico Barth, Gründer und Geschäftsführer des OTRS-Spezialisten Cape IT und zweiter Vorsitzender des Linux-Verbands Live, auf das Open Source Technology Center hin, das sich unermüdlich um Linux-Treiber bemühe. Den Preis nahm der für Europa zuständige Business Developer Manager Wolfgang Rosenberg sichtlich erfreut entgegen. Der Intel-Veteran – er arbeitet dort seit über 20 Jahren – betreut unter anderem externe Software-Firmen im Intel Atom Developer Program. “In der nächsten Zeit”, verrät er, “werden wir uns besonders für Meego einsetzen.”

Wer bin ich?

Wer den Kasten “Linux New Media Awards 2010” noch nicht angeschaut hat, kann in der folgenden Kategorie mitraten und die Abbildung 2 ignorieren. Ein Tipp zu dem Gewinner der Kategorie “Most Innovative Open Source Project”: Es ist ein Projekt, das schon im letzten Jahr viel Aufmerksamkeit von der Jury erhielt. Es gewann 2009 in derselben Kategorie und zusätzlich in der Kategorie “Outstanding Contribution to Open Source”.

Abbildung 2: Die Preisverleiher, Preisträger und ihre Laudatoren von links nach rechts: Brian Osborn (Linux New Media AG), Klaus Knopper (Knoppix), Markus Feilner (Linux New Media AG), Jim Zemlin (Linux Foundation), Hans-Joachim Picht (Kernel/IBM), Keir Fraser (Xen), Rico Barth (Linux-Verband), Sven Anders (Openstreetmap), Wolfgang Rosenberg (Intel), Wladimir Palant (Firefox), Chris Hofman (Mozilla), Ines Wasner (Google), Kai Dupke (Novell).

Abbildung 2: Die Preisverleiher, Preisträger und ihre Laudatoren von links nach rechts: Brian Osborn (Linux New Media AG), Klaus Knopper (Knoppix), Markus Feilner (Linux New Media AG), Jim Zemlin (Linux Foundation), Hans-Joachim Picht (Kernel/IBM), Keir Fraser (Xen), Rico Barth (Linux-Verband), Sven Anders (Openstreetmap), Wolfgang Rosenberg (Intel), Wladimir Palant (Firefox), Chris Hofman (Mozilla), Ines Wasner (Google), Kai Dupke (Novell).

Kartenspiel

Markus Feilner, stellvertretender Chefredakteur des Linux-Magazins und begeisterter Map-Nutzer, ließ sich die Gelegenheit, den Preisträger zu würdigen, nicht nehmen. Geografische Systeme liegen ihm am Herzen, sagt der Laudator, und ohne dieses Projekt wären diverse Hersteller heute überfordert. Der den Preis entgegennimmt, sei seinerzeit eigenfüßig Straßen mit dem Kinderwagen abgelaufen.

Das Gewinnerprojekt hat mittlerweile eine viertel Million Mitglieder, was es schon vor gewisse Herausforderungen stellt. Aber Nutzer wie Geizhals.de bestätigen es in seiner Arbeit: “Sie nehmen lieber uns als Google Maps, damit niemand unsere Kunden ausspionieren kann”, sagt der Preisträger Sven Anders, Projektmitglied der ersten Stunde.

In der letzten Kategorie “Outstanding Contribution to Open Source” griff die Jury in die Vollen. Sie verlieh den Preis kurzerhand an das ganze Linux-Projekt.

Schlips-Community

Der Laudator war denn auch Jim Zemlin, CEO der Linux Foundation und Arbeitgeber von Chief-Kernelentwickler Linus Torvalds. Stellvertretend nahm Hans-Joachim Picht die Trophäe in Empfang (Abbildung 1). Seine erste Linux-Installation geht auf 1995 zurück, beruflich arbeitet er als Kernelentwickler für IBM. “Seht ihn euch an”, albert Zemlin in Richtung des Anzug, Krawatte und geschlossene Schuhe tragenden Preisträgers: “Repräsentativ für die Kernel-Community sieht er eigentlich nicht aus.”

Infos

[1] Achtung, Spoiler: [https://www.linux-magazin.de/NEWS/Cebit-2009-Openstreetmap-erntet-zwei-Linux-New-Media-Awards]

[2] Android statt Oracle: [https://www.linux-magazin.de/NEWS/Suns-Web-Chef-Tim-Bray-wechselt-zu-Google]

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