Aus Linux-Magazin 07/2009

Jaunty Jackalope - Ubuntus nächstes Linux-Tier

© Uschi Hering, Fotolia.com

Bei den im Halbjahresrhythmus veröffentlichten Linuxen von Canonical kommt Version 9.04 alias Jaunty Jackalope bei den Features die Rolle des Vielschichtigen zu. In den USA ist ein Jackalope ein Fabeltier in Form eines Hasen mit Geweih. Ein zoologischer Streifzug .

Ubuntu-Mäzen Mark Shuttleworth ließ Jaunty Jackalope pünktlich Ende April von der Leine. 9.04 ist kein Ubuntu [1] mit Long Term Support und daher mit mehr Freiheiten bei den Features ausgestattet. Shuttleworth sprach schon bei der OSCON 2008 davon, Ubuntu binnen zwei Jahren in ein Kunstwerk zu verwandeln. Wer mag, kann den neuen Bootsplash und diverse grafische Neuerungen beim Anmeldemanager als erste Schritte in die Künstlerecke verstehen.

Bootbeschleuniger

Wer weniger dem Kunstgenuss und mehr der Pragmatik zuneigt, freut sich über den beschleunigten Bootvorgang. Auch hier gilt der Canonical-Boss als Drahtzieher, da er Zeitgewinn beim Systemstart eingefordert hatte. Die bessere Boot-Performance erreichten die Entwickler durch Feintuning ohne Einsatz von Zusatzsoftware. Mittels Bootchart spürten sie Hänger und Päuschen im Bootprozess auf. So spart die Parallelisierung von Udev einige Sekunden. Eine bessere Boot-Performance ist überdies Chefsache geblieben und auch für kommende Ausgaben als Ziel formuliert.

Frische Ware

Beim Kernel haben die Entwickler Version 2.6.28 gewählt und die aktuelle Version 2.6.29 links liegen lassen. Von einem prominenten Feature des Kernels macht auch Ubuntu Gebrauch: Ext-4-Support. Bei der Partitionierung steht das Dateisystem zur Auswahl, standardmäßig landet ansonsten ein Ext 3 auf der Platte. Dass während der Testphase eine Schreiboption von Ext 4 bei einigen Anwendern für 0-Byte-Dateien sorgte, haben die Entwickler mittels Patch für den Ubuntu-Kernel repariert. Der native Support von ARM-Systemen zählt ebenfalls zu den Neuerungen. Insbesondere bei bereits angekündigten kostengünstigen Netbooks auf ARM-Basis könnte Ubuntu damit punkten.

Die Gnome-Version 2.26.1 bietet per se schon Neuerungen an. Brasero ersetzt dort das eher schlichte Nautilus-Plugin als Brennprogramm. KDE ist übrigens in Ausgabe 4.2.2 vorhanden. Über den so genannten Janitor (Hausmeister) entsorgt Ubuntu nun nicht mehr benötigte Dateien und Pakete. Allerdings löschte der Janitor (Abbildung 1) in den Testversionen statt der nicht mehr benötigten Abhängigkeits- und Bibliotheksleichen ab und an auch manuell installierte und noch in Verwendung befindliche Programme von der Platte.

Abbildung 1: Der Janitor räumt Dateileichen weg.

Abbildung 1: Der Janitor räumt Dateileichen weg.

Cloud-Test

Amazons Elastic Compute Cloud (EC2) dient als Vorbild für eine maßgebliche – wenn auch nur als Technologievorschau klassifizierte – Neuerung in der Serverversion: die Ubuntu Enterprise Cloud. Die Open-Source-Implementation Eucalyptus [2] ist Technologielieferant. Eucalyptus bringt Schnittstellenkompatibilität zur Amazon-Cloud und erlaubt es, interne Clouds in Firmen einzurichten. Offiziell Einzug hält Eucalyptus dem Vernehmen nach in Ubuntu 9.10. Shuttleworth hat für diese Ausgabe schon einen seiner seltsamen Codenamen verkündet, der zu Eukalyptus passt: Karmic Koala.

Infos

[1] Ubuntu: [http://www.ubuntu.com/]

[2] Eucalyptus: [http://open.eucalyptus.com]

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