Aus Linux-Magazin 04/2009

Vorschau auf die Cebit 2009

Credit: Deutsche Messe Hannover

Die Deutsche Messe AG widmet dem Thema Open Source mehr Aufmerksamkeit. Halle 6 in Hannover soll zum Mekka der freien Software werden, wir werfen einen Blick hinein.

Kalifornien ist das Partnerland der Cebit 2009 und standesgemäß eröffnet der Gouverneur des US-Bundesstaates zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die IT-Messe in Hannover. Die amerikanischen Linux-Firmen Novell und Red Hat haben sich von der Physis Arnold Schwarzenegger nicht beeindrucken lassen – sie bauen auf der Cebit keinen Stand auf und setzen statt auf Großmessen auf kleinere Events.

Sonne Kaliforniens

Sun (in Halle 6) hat mit bescheidenen Quartalsbilanzen zu kämpfen und richtet den Cebit-Auftritt an den Wachstumssegmenten im Firmenportfolio aus, und die heißen: Freie Produkte. So präsentiert der Hersteller etwa neue Storagesysteme aus Standardkomponenten mit freiem Betriebssystem und offenen Protokollen, denen der Hersteller nachsagt, sie könnten drei Viertel der Kosten sparen.

MySQL bildet ebenfalls einen Schwerpunkt. Java, Netbeans, Developer-Tools und der Applicationserver Glassfish, die alle unter einer Open-Source- Lizenz stehen, runden den Messeauftritt ab. Virtualbox ist daneben in Anwendungen für die Desktopvirtualisierung zu sehen, bei denen es mit Suns Thinclients Hand in Hand arbeitet. Ein weiterer Sun-Auftritt in Halle 8 gilt dem Dauerbrenner Green-IT. Schlanke Clients, stromsparende Server und mit den Sun Eco Services, ein Programm zur Optimierung von Rechenzentren, zählen dabei zu den Exponaten.

Das Open-Office-Projekt stellt nicht nur seine Bürosuite vor, sondern bringt mit dem Kollaborations-Tool Teamdrive 2.0 ein Plugin mit, das Arbeitsgruppen den Umgang mit Dokumenten erleichtert und als Sharepoint-Komkurrenz gilt. Anwender des freien Office finden Teamdrive kostenlos unter der Adresse [http://extensions.services.openoffice.org/project/TeamDrive]. Open Office präsentiert sich in der Halle 6 am Stand E46.

Blauer Planet

Konzerne wie IBM reisen nicht ohne Motto nach Hannover: Smarter Planet heißt das von Big Blue. Dahinter steckt die Vision von Transistoren allerorten, angefangen bei der Kleidung bis hin zu Mensch und Tier. Green-IT hat auch 2009 als Trend noch nicht ausgespielt, “85 Prozent der Rechenleistung in dezentralen IT-Umgebungen bleibt ungenutzt”, formuliert IBM und setzt sich mit dem benachbarten Thema “Grenzen und Chancen von Cloud Computing” auseinander.

Der Chef von IBM Deutschland, Martin Jetter, hat bereits im Vorfeld der Cebit einen Security-Stick vorgestellt, der das Online-Banking sicher machen soll. Ein Linux läuft nicht auf dem Stick, es handle sich um einen Security-Kernel, zu dem IBM noch keine weiteren Angaben machen will.

Messe im Freien

Ein gebündeltes Open-Source-Programm gibt es in Halle 6. Dort veranstalten Deutsche Messe und Linux New Media AG (Stand F50) während der gesamten Cebit ein Programm mit Vorträgen [http://www.cebit.de/opensource_d], Keynotes, Ausstellung und Präsentation der wichtigen Open-Source-Projekte. Die Mottotage heißen: Web, Security, Mobile Multimedia und Distributionen & Desktop.

Zur Eröffnung hält Georg Greve, Präsident der Free Software Foundation Europe, einen Vortrag. Martin Michlmayer, langjähriger Projektleiter von Debian und jetzt für die Projekte FOSSology und FOSSBazaar zuständig, reiht sich ebenso in die Vortragenden ein wie Morgan Gillis, Präsident der Li Mo Foundation, und Suns Open-Source-Stratege Simon Phipps.

Über den Einsatz von Open Source in der Automobilindustrie spricht dann Graham Smethurst, zuständig bei BMW für Car-Infotainment. Von dieser Seite ist auch eine Ankündigung in Sachen freie Software zu erwarten. Alle Vorträge des Open Source Forums gibt es im Live-Stream auf [http://streaming.linux-magazin.de] zu sehen.

15 Projekte bekommen zudem die Möglichkeit, sich auf Standflächen kostenlos zu präsentieren. Die Kandidaten haben auf Linux-Magazin Online [https://www.linux-magazin.de/themengebiete/special/cebit_2009] ihren Steckbrief hinterlassen. Gnome, KDE, Debian, Drupal, Scribus, die FSFE und Amarok zählen sich zu den dort zu findenden Ausstellern.

Besondere Spannung gilt dem von Verzögerungen gebeutelten Release Debian 5.0 alias Lenny. Für die Cebit allerdings gibt sich Debian selbstbewusst. Auf die Frage, was es in der Open-Source-Halle 6 von der freien Distribution zu sehen gibt, heißt es: “Das brandneue Debian GNU/Linux 5.0 Lenny, unsere neue stabile Version, inklusive einem erweiterten, überarbeitetem Installationssystem, diversen internen Verbesserungen, einer breiten Unterstützung von Hardwarearchitekturen von Embedded-Systemen in Routern, über Desktop-Rechner bis zu großen Servern und natürlich einem riesigen Umfang an aktueller Software.”

Dünger, marsch!

Der deutsche Hersteller Christmann hat die Produktpalette seiner Teo-Arbeitsplatzrechner aufgefrischt und überarbeitet. Neu sind der Teo-Ultramicro (Abbildung 1), der “halbe Teo” (TEO XS) und die zweite Generation der Serie-X. Firmenchef Wolfgang Christmann kann für alle Varianten des “Thin Economic Office” (Teo) die Linux-Tauglichkeit bestätigen. Produktentwickler Björn Kalkbrenner verweist ergänzend auf die Website Openteo. Zu sehen gibt es in Hannover auch den Prototypen des ressourceneffizienten Cluster Server (RECS), der in Zusammenarbeit mit der Universität Paderborn entstanden ist. Christmann kommt in Halle 6 an Stand A38.

Abbildung 1: Christmanns kleiner Teo reist nach Hannover. Der Hersteller gibt Linux-Tauglichkeitsgarantie für seine Geräte.

Abbildung 1: Christmanns kleiner Teo reist nach Hannover. Der Hersteller gibt Linux-Tauglichkeitsgarantie für seine Geräte.

Die Firma Tracmap aus Neuseeland bringt eine Linux-basierte GPS-Lösung mit, eine Premiere für den europäischen Markt. Das Linux für den Traktor steckt im robusten Gehäuse, ist wasserresistent und auf jedem Trecker montierbar. Es dient zur effizienten Verteilung von Düngemitteln und sonstigem für den Ackerbau und ist in Halle 2, Stand B24 zu sehen.

Der Netbook-Pionier Asus bringt nach Halle 26 das Eee-Video-Phone (Abbildung 3) mit, dass sich per WLAN oder Ethernet verbindet und auf den Skype-Service ausgerichtet ist. Mit von der Linux-Partie ist auch eine Tastatur mit integriertem Display für Couch-Potatoes. Die Netbooks dagegen sind überwiegend mit Windows bestückt. Nur vereinzelte Geräte, die bereits auf dem Markt sind, gibt es auch mit Linux.

Freude beim Fahren

Navigationsspezialist Garmin zählt zu den Herstellern, die zwar Linux in den Geräten einsetzen, für den Kontakt mit dem PC aber Windows und seit neuestem auch Mac OS X voraussetzen. Je nach Einsatz der Navigationsgeräte müssen Linux-Benutzer auf Wine als Vermittler zurückgreifen. Für den Autofahrer ist der Nüvi 865Tpro (Abbildung 2) als Neuerung vorgesehen. In der High-End-Riege des Herstellers weisen Fahrspurassistent, fotorealistische Ansichten von Kreuzungen und Gebäuden sowie die Stauumfahrungsfunktion TMC-Pro den richtigen Weg.

Abbildung 2: Linux drin, Windows nötig: Das neue Flaggschiff des Navigationsspezialisten Garmin.

Abbildung 2: Linux drin, Windows nötig: Das neue Flaggschiff des Navigationsspezialisten Garmin.

Abbildung 3: Videophone mit Skype-Unterbau von Asus. An Bord ist ein System aus freier Software, für das es auf Anfrage auch Quellcode gibt

Abbildung 3: Videophone mit Skype-Unterbau von Asus. An Bord ist ein System aus freier Software, für das es auf Anfrage auch Quellcode gibt

Laufend Neues

Wer bislang mit seiner Cebit-Eintrittskarte mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Messe gefahren ist, muss in diesem Jahr umdenken und eine Fahrkarte lösen. Der Cebit-Eintritt berechtigt nämlich nicht mehr zur Fahrt in den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Messegelände. Keine Werbung für Green-IT.

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