Mit dem Erfolg freier Software wachsen auch die kommerziellen Interessen. Das führt häufig zu Konflikten zwischen Firmen und Community – als aktuelles Beispiel zeigt die Diskussion um Mozilla Thunderbird, wie Streitigkeiten entstehen, aber auch, wie sie sich lösen lassen.

Abbildung 1: Die Zukunft von Thunderbird sorgt für Konfliktstoff zwischen Mozilla und der Benutzergemeinde.
Das Verhältnis zwischen der Open-Source-Gemeinde und Softwarefirmen gestaltet sich traditionell schwierig. Für Anhänger freier Software kommt proprietäre Software insbesondere als Betriebssystem nicht in Frage; vor allem Marktführer Microsoft gilt beinahe einhellig als Bösewicht. Linux als am weitesten verbreitetes freies System spielt dagegen die Rolle des Felsens in der Brandung, der die Freiheit der Computerbesitzer wacker verteidigt.
Nicht pauschalisieren
Produzenten von Anwendungssoftware verdienen ein differenziertes Urteil. Es gibt die klassischen Softwarehersteller, die ausschließlich proprietäre Anwendungen entwickeln und verkaufen; der Ruf solcher Firmen ist in der Open-Source-Community im Allgemeinen kaum besser als der von Microsoft. Ein paar Bonuspunkte sammeln sie höchstens dafür, dass sie überhaupt für freie Betriebssysteme entwickeln.
Strittig ist der Umgang mit Firmen und Organisationen, die freie Software neu- oder weiterentwickeln. Da gibt es beispielsweise die zahlreichen Linux-Distributoren, die den Linux-Kernel oder diverse Anwendungen mit häufig entscheidenden Verbesserungen versorgen. Mozilla [1] etwa stellt mit Firefox und Thunderbird wichtige Anwendungen bereit, ebenso Openoffice.org [2].
Einerseits bestreitet niemand, dass Firmen wie Red Hat oder Novell die Entwicklung von Linux in hohem Maße vorangetrieben haben. Sie haben maßgeblich geholfen, Linux für den professionellen Einsatz tauglich zu machen und in einigen Sparten sogar zum Maß der Dinge zu erheben. Die GPL (GNU General Public License) erzwingt, dass ihre Patches der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Firefox, Thunderbird und Open Office sorgen dafür, dass freie Software auch auf proprietäre Plattformen Einzug gehalten hat, und haben sich somit ebenfalls Anerkennung für die Verbreitung der Open-Source-Idee von freier Software verdient.
Aber gerade Firmen, die mit freier Software ihr Geld verdienen, müssen sich häufig den Vorwurf gefallen lassen, dass sie aus ehrenamtlich geleisteter Programmierarbeit Kapital schlagen. Sie würden das von der Community aus Überzeugung kostenlos gelieferte Material an ihre eigenen Bedürfnisse beziehungsweise an die ihrer Kunden anpassen und daraus ein Produkt erzeugen, das sie mit Gewinn verkaufen.
GPL-Verletzungen
Zur Skepsis gegenüber Firmen, die mit Linux Geschäfte machen, tragen in den letzten Jahren bekannt gewordene Fälle bei, in denen Hersteller beispielsweise für die Firmware von Geräten freie Software verwendeten, sich jedoch weigern, den angepassten Quellcode herauszugeben. Mehrmals mussten Gerichte die Einhaltung der GPL erzwingen. Die Seite GPL-Violations [3] dokumentiert solche Fälle und führt GPL-Verletzungen bekannter Händler wie D-Link, Lidl, Aldi, Gigabyte, Sitecom und Asus auf.
Selbst vollständig freie Linux-Distributionen, die sich kostenlos herunterladen lassen, sehen sich der Skepsis von Open-Source-Befürwortern ausgesetzt. Fedora von Red Hat und Open Suse von Novell gelten den Kritikern als bloße Experimentierfelder für die kommerziellen Produkte derselben Hersteller
Die Mozilla-Frage
Mozilla genießt in der Anti-Microsoft-Fraktion der Open-Source-Community eigentlich einen guten Ruf. Das Projekt ist aus dem so genannten Browserkrieg zwischen Microsoft und Netscape in den 90er Jahren hervorgegangen. Angesichts der Niederlage im Kampf um die Vorherrschaft im Browsermarkt machte Netscape die Quellen seines Browsers publik, aus denen schließlich mit dem Firefox eines der populärsten Open-Source-Programme überhaupt entstanden ist. Aus der E-Mail-Komponente der ehemaligen Mozilla Internet Suite ist der ebenfalls sehr beliebte Mailclient Thunderbird hervorgegangen.
Nun ist es in den letzten Wochen allerdings zu einem beispielhaften Konflikt zwischen der Mozilla-Stiftung und Thunderbird-Benutzern gekommen. Die Mozilla Foundation finanziert vor allem mit Hilfe von Spenden die Weiterentwicklung von Firefox und Thunderbird, indem sie hauptberufliche Programmierer bezahlt, die beide Open-Source-Projekte vorantreiben. Dadurch geht deren Entwicklung natürlich schneller und effektiver vonstatten, als nur mit ehrenamtlichen Hackern, die in ihrer Freizeit aushelfen.
Das häufige Problem bei derartigen Symbiosen zwischen bezahlten Programmierern und Freiwilligen: Der Auftraggeber, in diesem Fall die Mozilla-Stiftung, bestimmt die Stoßrichtung und entscheidet damit letztlich auch darüber, welche Patches es in den offiziellen Code schaffen und welche neuen Features die höchste Priorität erhalten. Diese Entscheidungen decken sich aber nicht immer mit den Wünschen der Benutzer- und der Entwickler-Community.
Aktueller Anlass für den Zwist war die Ankündigung der Vorsitzenden der Mozilla Foundation, Mitchell Baker (Abbildung 2), das Entwicklungsmodell von Thunderbird grundsätzlich zu überdenken [4]. Der Erfolg von Thunderbird sei mit dem von Firefox nicht zu vergleichen, deshalb fließe auch die Hauptenergie der Mozilla-Stiftung in die Entwicklung des Browsers. Im Vergleich dazu friste Thunderbird ein Schattendasein; den ursprünglichen Zeitplan, beide Programme immer mit derselben Versionsnummer synchron zu halten, musste Mozilla bereits aufgeben.

Abbildung 2: Mitchell Baker ist Vorsitzende der Mozilla Foundation und möchte für die Entwicklung des E-Mail-Clients Thunderbird eine neue Organisationsstruktur einführen. (Bild: © James Duncan Davidson/O’Reilly)
Baker stellt drei Möglichkeiten zur Debatte, wie die Entwicklung von Thunderbird künftig ablaufen könnte. Die erste wäre ein unabhängiges Thunderbird-Projekt, das analog zu Mozilla durch eine eigene Stiftung finanziert würde, die ausschließlich den Fortschritt des Mailclients als Ziel hätte. Dieses Modell sieht Baker als jenes an, das die größtmögliche Unabhängigkeit für Thunderbird erlaube, allerdings auch den größten organisatorischen Aufwand, der wiederum die Ressourcen belaste.
Weniger administrativen Aufwand hätte Bakers zweiter Vorschlag zur Folge, nämlich ein Zweigunternehmen der Mozilla-Stiftung zu gründen, das sich der Thunderbird-Entwicklung annähme. Mit dem Organisationsaufwand würde sich allerdings auch der Gewinn an Unabhängigkeit reduzieren. Die dritte Option besteht in der Umformung von Thunderbird in ein echtes Community-Projekt aus freiwilligen Entwicklern, dem eine kleine Firma nur organisatorisch und beratend zur Seite stünde.
Existenzangst
Zahlreiche Nutzer befürchteten daraufhin, die Mozilla-Stiftung könnte die angekündigte Neuorganisation des Thunderbird-Projekts auch dazu nutzen, dem Mailprogramm noch weniger Aufmerksamkeit als bisher zu schenken. Diesen Vorwurf weist Baker in ihrem Blog jedoch zurück. Stattdessen solle eine neue Organisationsstruktur die engagierte Weiterentwicklung von Thunderbird sicherstellen, indem sie das Projekt davor schütze, dass bei wachsendem Ressourcenbedarf des Mozilla-Zugpferds Firefox Mittel von der Thunderbird- in die Firefox-Entwicklung wandern [5].
Asa Dotzler, der sich beim Mozilla-Projekt vor allem um die Beziehungen zur Community kümmert, dreht den Spieß um. Er beruft sich in seinem Blog auf einen Grundsatz bei der Entwicklung freier Software. Sie funktioniert seiner Ansicht nach nur, wenn Nutzer nicht wie klassische Konsumenten auftreten, sondern selbst etwas beisteuern.
Dotzler konfrontiert die Thunderbird-Benutzer mit der Frage, ob sie gefundene Fehler an die Entwickler melden, ob sie neue Vorabversionen testen und ob sie selbst Patches schreiben, um diese zu korrigieren. Auch Werbung bei der Familie, den Freunden und Kollegen oder auf der eigenen Homepage gehöre dazu, wenn man sich wirklich um Thunderbird sorge [6].
Händchen gefragt
Die Mozilla-Stiftung hat in der Vergangenheit ein gutes Gespür für die erfolgreiche Vermarktung von Open-Source-Software bewiesen, ohne dabei die Community einseitig auszunutzen. Deshalb gibt es hier wenig Anlass zur Sorge um eine Eskalation des Thunderbird-Konflikts. Die transparente Kommunikation per Weblog trägt ebenfalls zur Vertrauensbildung bei und zeigt nebenbei anschaulich die Schwierigkeiten im Verhältnis zwischen Open-Source-Community und Firmen.
Viele Unternehmen verhalten sich weit weniger vorbildlich im Umgang mit ihrer Benutzergemeinde. Während einige Firmen Patches und andere Hilfen freiwilliger Entwickler entgegennehmen, ignorieren sie die Wünsche der Nutzer konsequent oder stellen diese immer wieder vor vollendete Tatsachen, statt Zukunftsoptionen öffentlich zu diskutieren. Auf der anderen Seite vergessen viele Benutzer immer wieder, dass freie Software-Entwicklung nur funktioniert, wenn sie ebenfalls ihren Fähigkeiten gemäß aushelfen, statt nur zu fordern.
Gefüllter Blumenkohl
Die perfekte Balance zwischen kommerziellen Interessen und der Community scheint in der Praxis nahezu unmöglich. Wer zum erstenmal etwas von gefülltem Blumenkohl hört, könnte etwas Ähnliches denken. Doch hier zeigt sich beim Kochen schnell, dass es gar nicht so schwierig ist, einen ganzen Blumenkohlkopf mit einer leckeren Hackfleischfüllung aufzuwerten.
Die Zutaten: ein Blumenkohlkopf (etwa 1200g), ein Brötchen, eine mittelgroße Zwiebel, 500g Hackfleisch, ein Ei, 250 Milliliter Sahne, 1/4 Liter Gemüsebrühe, etwas Crème fraîche zum Abschmecken sowie ein Esslöffel Mehl und etwas Butter. Für die richtige Würze sorgen Pfeffer, Salz, Muskatnuss und Cayennepfeffer sowie 100g Käse in Scheiben.
Zubereitung: Den geputzten Blumenkohlkopf fünf Minuten in Salzwasser kochen, dann herausnehmen, abtropfen und etwas abkühlen lassen. Das Brötchen in Wasser einweichen. Währenddessen die Zwiebel schälen, fein hacken und in Butter glasig dünsten. Das Brötchen kräftig ausdrücken und mit den Zwiebeln in eine Schüssel geben. Crème fraîche, Hackfleisch und Ei hinzufügen. Die Mischung mit Pfeffer, Salz und Cayennepfeffer kräftig würzen.
Und jetzt passiert\’s: Den Blumenkohl mit dem Strunk nach oben auf die Arbeitsfläche legen und den Strunk kegelförmig herausschneiden. In diese Öffnung und zwischen alle Röschen die Hackfleischmischung stopfen. Den Kohlkopf mit dem Strunk nach unten vorsichtig in eine gefettete Auflaufform geben.
In einem kleinen Topf die Sahne und die Fleischbrühe erhitzen, einen Esslöffel Butter und Mehl verquirlen und zusammen mit der Brühe unter Rühren aufkochen. Mit Muskat, Salz und Pfeffer würzen. Diese Soße rund um den Kohlkopf in die Auflaufform gießen, ihn mit Käsescheiben belegen und Butterflocken draufstreuen. Im auf 250 Grad vorgeheizten Ofen 25 Minuten braten, dann den Ofen auf 200 Grad herunterschalten und weitere 35 Minuten garen. (pkr)
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Infos |
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[1] Mozilla: [http://www.mozilla.org] [2] Openoffice.org: [http://www.openoffice.org] [3] GPL-Violations: [http://gpl-violations.org] [4] Mitchell Baker über die Zukunft von Thunderbird: [http://weblogs.mozillazine.org/mitchell/archives/2007/07/email_futures.html] [5] Mitchell Baker, “Thunderbird und die Mozilla-Mission”: [http://weblogs.mozillazine.org/mitchell/archives/2007/07/thunderbird_and_the_mozilla_mi.html] [6] Asa Dotzler, “Firefox und mehr”: [http://weblogs.mozillazine.org/asa/archives/2007/07/thunderbirds_no.html] |






