“Hallo Jan, ich wollt’ mich mal wieder melden.” Die Stimme am Telefon letzte Woche gehört Stephan. Stephan ist Hardcore-Debianer, Gelegenheitsautor beim Linux-Magazin und Mitinhaber einer kleinen Firma in München. “Also ich suche für uns ‘nen guten Perl-Programmierer”, wusste er über den eigentlichen Grund seines Anrufs zu berichten. Um irgendwas zu sagen, entschied ich mich für: “Der beste, den ich kenne, hat einen guten Job und wohnt außerdem in den USA.” (Perl-Snapshooter Michael Schilli möge mir diese Eigenmächtigkeit verzeihen.) Ich versprach Stephan aber, mich umzuhören.
Ich kannte das Jan-mach-mir-den-Headhunter-Spiel schon. Vor zwei, drei Monaten bat mich ein anderer Autor – er arbeitet an einer Uni – ihm dringend einen Assi zu vermitteln, damit er seine Drittmittel nicht verlöre. Die Vollstelle sei mit wenig inhaltlichen Vorgaben und der Möglichkeit zur Promotion ausgestattet. Ich versprach, mich umzuhören.
Meine Einzelerlebnisse decken sich mit praktisch allen Statistiken. Die sehen die Menge der unbesetzten Computer-Jobs rasant steigen, im Gegenzug sinkt die Zahl erwerbsloser diplomierter IT-Fachkräfte – wenngleich nicht ganz so schnell. Sieht ganz so aus, als würden Informatiker knapp. Der Trend speist sich auch aus dem Umstand, dass viel zu wenig Abiturienten diesen Studiengang wählen.
Beim Bummeln über die letzte Computermesse Systems blieb ich bei einem Podium hängen, auf dem ein paar Anzugträger gerade über eben dieses Thema ziemlich ratlos debattierten. Einer, Professor an einem Informatiklehrstuhl in München, berichtete, seine Erstsemesterzahlen seien derart niedrig, dass er und seine Kollegen jetzt regelmäßig Gymnasien besuchen, um Schüler schon früher zu begeistern. Süß, nicht?
So groß ist also die Not. Die ersten Politiker fangen schon das Schwafeln an, dass das mit dem Fachkräftemangel schlecht für den Standort sei und man was tun müsse. Und die Jugendlichen sollten sich doch mehr für die Technik interessieren. Entschuldigung, das Problem ist doch hausgemacht: Wenn namhafte Konzerne in Deutschland ihre IT-Töchter öffentlich als defizitär bezeichnen und outsourcen, um die Angestellten aus den Haustarifverträgen zu kippen, wenn die HPs und IBMs dieser Welt ganze Sparten dicht machen und Leute palettenweise rauskicken, dann soll sich die Industrie über Technik-Studienverweigerer nicht wundern.
Auch Abiturienten sind nicht blöde, sie erkennen, dass die Appelle, Informatik- und Ingenieursstudiengänge zu beginnen, und die Chancen, die die reale Arbeitswelt nach dem Diplom zu bieten hat, so gar nicht zueinander passen – und momentan genießen wir eine Aufschwungphase. Wie werden IT-Angestellte erst in der Krise behandelt? Und die technikgetriebene Industrie durchläuft zyklisch alle fünf bis zehn Jahre eine Krise.
Selbst jetzt, wo die Nachfrage nach Fachkräften höher als das Angebot ist, signalisieren viele Firmen, gerade große, ihrem Personal: Seid froh, dass ihr überhaupt Jobs habt! Denn eigentlich könnten wir eure Abteilung auch nach Russland oder Indien verlagern. Der (beabsichtigte) Effekt: Die IT-Einstiegsgehälter in Deutschland stagnieren auf relativ niedrigem Niveau. So setzt man Marktgesetze außer Kraft. Das ist betriebswirtschaftlich kurzfristig wahrscheinlich sinnvoll, langfristig produziert es eine Generation der Verweigerer. Es fehlt an Perspektive. Da hilft auch das professorale Klinkenputzen in Gymnasien nichts mehr.
Verdammt! Was sage ich nun





