Aus Linux-Magazin 07/2006

Hauptsache gepflegt

Es grenzt an Beleidigung: Nur bei Serveranwendungen setzt sich Linux nachhaltig durch. Ein bisschen noch auf den Clients in Behörden und Kommunen. Doch die Masse der Firmen-Desktops? Fehlanzeige. Eine Frechheit, diese proprietäre Dominanz! Dabei arbeitet der Kernel 2.6 stabil und performant, KDE und Gnome bieten alles, was der Durchschnittsanwender braucht. Open Office und Mozilla sorgen für die Standardanwendungen. Wo also bitte hakt’s?

Ja, es gibt Widerstände: Spiele im Büro kann man vergessen, die Scannerunterstützung dürfte auch besser sein, DCSS für DVDs ist eine dauerhaft offene Wunde, Suse Linux 10.1 tut gerade so, als würde es vor dem Updaten nach Hause telefonieren, Linus Torvalds beschimpft FreeBSDler und C++-Programmierer ebenso unflätig wie öffentlich und Kernel-Maintainer Andrew Morton berichtet unwidersprochen, dass der Kernel 2.6 von Version zu Version fehlerhafter werde. Klar, findet mancher ganz schön blöd, erklärt die Zurückhaltung des breiten PC-Proletariats aber kaum.

Vielleicht zerstören alberne Happenings den guten Ruf? Beispielsweise wenn Ende April zwei Police Officers den still gegen Grafikkarten-Binärtreiber protestierenden FSF-Gründer Richard Stallman aus dem Publikum eines Vortrag abführen müssen? Der hatte zuvor ein Schild mit “Don’t buy from ATI – enemy of your freedom” zwischen seine Knie und den Rauschebart geklemmt. Doch nein, Demos sind nicht schuld. Denn erstens ist das öffentliche Interesse für solche Aktionen überschaubar, zweitens durfte Stallman zügig in den Saal zurück und drittens ist sein Anliegen nicht unberechtigt.

Dann eher ein Supergau wie der, dass die Linux World Expo Großbritannien ihre Website auf einem Windows-Server mit dem ISS hosten lässt – nachzulesen auf Theregister. Nun steckt aber selbst dahinter vermutlich keine Verschwörung, sondern raumgreifende Dummheit. Die deutsche Linux World Expo hostet ja auch brav mit Apache. Darum zurück zur bohrenden Frage: Wo verdammt bleibt Linux’ Siegeszug? Masseträgheit? Einflussnahme unanständig solventer Konzerne?

Einer hat es zum Glück rausgefunden: Peter Quinn. Das ist der Open-Source-erfahrene, stets adrett gekleidete ehemalige Chief Information Officer des US-Bundesstaats Massachusetts. Quinn spielte die ausschlaggebende Rolle bei der Einführung von Open-Document-Formaten (ODF) in seiner Heimat. (Nach einer Rufmord-Kampagne und wohl auch politischem Druck trat er im Januar zurück.)

Eben dieser Peter Quinn zerriss nun auf der Linux World Expo in
Sydney den Schleier unserer Unwissenheit: Der laxe Kleidungsstil
und das ungepflegte Erscheinungsbild, die in der
Open-Source-Gemeinde vorherrschen, sind der Grund, warum Open
Source im kommerziellen Einsatz nur sehr schleppend in die Puschen
kommt. Uff, danke Peter! Jetzt hätten wir de

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