Das bekannte Suse-Konfigurationsprogramm Yast 2 soll in Zukunft auch Debian-Nutzern beim Einrichten ihrer Distribution helfen. Wer nach der Systemadministration Entspannung sucht, darf in der "Battle for Wesnoth" mitmischen – eine Schnitzelpfanne mit Champignons sorgt für das nötige Kampfgewicht.

Abbildung 1: In “Battle for Wesnoth” beschützt der Spieler seinen Hof und sein Land vor der bösen Königin.
Am Wochenende (5. und 6. März) finden in Chemnitz die mittlerweile schon traditionellen Linux-Tage statt. Im vergangenen Jahr war die Veranstaltung mit geschätzt 2500 Besuchern die größte zum Thema Linux in der Region. Auch dieses Jahr ist das Programm randvoll. Um die 80 Vorträge und zwölf Workshops überhaupt unterzubringen, fiel sogar die Mittagspause dem Rotstift zum Opfer. Auch die Linux-Stände im Foyer können sich mit mehr als 50 Ausstellern durchaus sehen lassen.
Strategie und Spiel
Es ist schon einige Zeit her, dass die Projekteküche über ein Spiel berichtete. Das liegt vor allem an der relativ geringen Anzahl neuer und zugleich interessanter Linux-Spiele. Um dies auszugleichen, steht dieses Mal “The Battle for Wesnoth” im Mittelpunkt (Abbildung 1): ein Strategiespiel, das statt mit aufwändiger 3D-Grafik durch sein Konzept unterhält und auch auf älteren und langsameren Rechnern läuft.
Im Königreich Wesnoth intrigiert die Königin gegen ihren Mann, um einen ihr genehmen Thronerben einzusetzen. Dazu paktiert sie mit Mitgliedern des Hofgesindes. Der dem König loyale Hofmagier bekommt von der Sache Wind und wendet sich gegen die Königin, um den rechtmäßigen Thronfolger zu retten. Wer aus Amiga-Zeiten noch das Strategiespiel “Warlords” kennt, fühlt sich bei Wesnoth schnell in die Vergangenheit zurückversetzt. “Battle for Wesnoth” ist zwar kein direkter Nachbau, doch sind viele Elemente des Klassikers auch im aktuellen Spiel zu finden.
Bei Strategiespiele gibt\’s zwei grundsätzlich verschiedene Abläufe: Bei Spielen im Echtzeitmodus läuft die Zeit unabhängig vom Spieler weiter, rundenbasierte Spiele warten auf seinen nächsten Zug. Wesnoth basiert auf dem Runden-Prinzip. Anders als bei anderen Strategiespielen gibt es alle Gebäude zu Spielbeginn vor, neue Bauprojekte gehören nicht zu den Aufgaben des Spielers.
Augenschmaus
Die Karte zeigt das Gebiet von Wesnoth. An ihr sieht man, dass sowohl hinter der Grafik als auch dem Sound eine Menge Mühe und Liebe zum Detail steckt. So erleidet Wesnoth nicht das häufige Schicksal, dass schlechte Grafik eine gute Spielidee abwertet.
Verschiedene Spielcharaktere und Gruppen sorgen für abwechslungsreiche Schlachten. So gibt es Bogenschützen und berittene Soldaten, die wiederum mit verschiedenen Eigenschaften ausgestattet sind. Manche Einheiten kämpfen besonders gut bei Nacht, andere bei Tage. Auch die Lebenspunkte, die Unterhaltskosten und sogar die Intelligenz variieren. Letzteres äußert sich in der Geschwindigkeit, in der die Truppen aus Schlachten an Erfahrung gewinnen. Um die Pflege verletzter Einheiten kümmern sich Schamanen.
Das Spiel unterscheidet zwischen Nah- und Ferngefechten. Wer gerade am Zug ist, bestimmt bei einem Angriff, mit welcher Waffengattung er antritt. Die Verteidigung geschieht automatisch, sofern die angegriffene Einheit die nötige Ausrüstung besitzt. Fehlt ihr beispielsweise bei einem Nahkampfangriff eine entsprechende Waffe, ist sie in vielen Fällen dem Tode geweiht. Das Hauptziel heißt wie so oft: Erobern Sie alle Gebäude und schlagen Sie den Feind!
Den Einstieg in die schauerliche Welt mittelalterlicher Kämpfe erleichtert ein Tutorial, das die wichtigsten Schritte demonstriert. In puncto Hard- und Software-Voraussetzungen gibt sich Wesnoth bescheiden; es benötigt lediglich die SDL-Bibliothek. Wer die mitgelieferten Karten nicht mag, legt selbst Hand an mit Hilfe des Karteneditors. Interessierte finden das Spiel sowie alle wichtigen Informationen auf der zugehörigen Homepage unter[1].
Yast 2 ohne Suse
Kaum ein Konfigurationsprogramm hat die Linux-Gemeinde in den letzten Jahren so tief gespalten wie Yast 2 (Abbildung 2). Den Vertretern der FOSS-Szene (Free and Open Source Software) war diese Suse-Erfindung stets ein Dorn im Auge, weil sie keiner freien Lizenz unterliegt und das Programm damit der fundamentalen Linux-Philosophie widerspricht. Gleichwohl bietet Yast 2 eine intuitive Benutzeroberfläche, mit der Anfänger wie Profis zurechtkommen.
Wer Suse Linux aus den verschiedensten Gründen nicht verwenden wollte, musste bislang auch auf Yast 2 verzichten: Ohne freie Lizenz gab es keine Möglichkeit zur Portierung auf andere Distributionen. Mittlerweile hat sich die Situation geändert. Die Firma Novell hat die Suse AG gekauft, um auf den Desktop vorzudringen, und kündigte im März 2004 an Yast 2 freizugeben.
Die Begründung leuchtet ein: Man wolle mit Yast 2 ein Werkzeug zur Verfügung stellen, das eine einheitliche Konfigurationsoberfläche für alle Linux-Systeme bietet. In den Monaten nach der Freigabe gab es zunächst keine spürbaren Reaktionen. Erst im November 2004 dachte Mario Fux auf der Debian-Desktop-Liste laut über eine Portierung von Yast 2 nach. Denn gerade Debian mangelt es an Konfigurationssoftware.
Während bei Mandrake und Fedora verschiedene grafische Programme wenigstens bei den wichtigsten Administrationsaufgaben helfen, kommen Debian-Nutzer nicht um die Konsole herum. Für zahlreiche Aufgaben gibt es nicht einmal textbasierte Hilfsprogramme, häufig müssen Debian-Benutzer mit dem Editor direkt die Konfigurationsdateien bearbeiten.
Mario Fux überraschte die Interessierten mit einer außergewöhnlichen Ankündigung: Er möchte demjenigen, der Yast 2 auf Debian portiert, eine Belohnung zahlen sowie eventuell benötigte Hardware zur Verfügung zu stellen. Fux lässt an seinem Motiv keinen Zweifel: Unter allen Umständen möchte er Debian nun endlich zu einem Betriebssystem für Desktop-Benutzer machen. Die Debian-Entwickler diskutieren seither heftig über den Sinn einer solchen Portierung. Gerade die Softwareverwaltung gilt als heikel, da Suse und damit Yast 2 auf RPM-Pakete setzen.
Mittlerweile hat sich ein kleiner Kreis von Entwicklern um Mario Fux gebildet, der sich mit der Portierung beschäftigt. Anfang Februar brachte ein Chat-Treffen neue Erkenntnisse: Die Planungen sind inzwischen weit genug fortgeschritten, um das Projekt ernsthaft zu beginnen. Dazu kontaktierte Mario Fux auch den Yast-2-Hauptentwickler bei Suse, Klaus Kaempf. Das erste Ziel sieht nun vor, aus Yast 2 ein Debian-Paket zu erstellen, um die Entwicklungsarbeit zu erleichtern. Eine Homepage soll die Arbeit der Entwickler künftig organisieren.
Die Gruppe um Mario Fux stieß auf eine Besonderheit: Intern verwendet Yast 2 eine eigene Programmiersprache, die in allen Modulen zum Einsatz kommt, die Yast Control Language (YCP). Das erschwert die Arbeit: Es gilt nicht nur, die Suse-spezifischen Teile aus Yast 2 zu entfernen, vorher müssen die Entwickler eine Programmiersprache lernen, die kein anderes Projekt verwendet.
Während derzeit wohl kaum ein anderes Konfigurationsprogramm Anfängern das Leben ähnlich erleichtert, bemängeln fortgeschritten Linux-Benutzer die geringen Möglichkeiten zur manuellen Einflussnahme. Desktop-Anwender legen darauf hingegen meist wenig Wert. Wenn es gelingt, alle Funktionen des Programms auf Debian umzusetzen, könnte Yast 2 dafür sorgen, dass Debian GNU/Linux auch auf dem Desktop an Popularität gewinnt. Einzige Informationsquelle für das Portierungsprojekt ist gegenwärtig noch die Debian-Desktop-Mailingliste[7].
Debian-Installer und DevFS
Die nächste Release von Debian GNU/Linux, Codename Sarge, wird zur Installation nicht mehr die alten Boot-Floppies verwenden. Stattdessen gibt es den Debian-Installer (Abbildung 4), mit komplett neuer und robusterer Architektur. Joey Hess veröffentlichte schon im Januar die Version des Debian-Installers, die künftig der Sarge-Release beiliegen soll. Nun hat es aber den Anschein, als würde sich der schier endlose Release-Prozess, der Sarge seit Monaten immer wieder verschiebt, zum ersten Mal in empfindlicher Weise rächen.
Das Sorgenkind heißt DevFS: Die Lösung für ein ordentliches und aufgeräumtes »/dev«-Verzeichnis aus Linux-2.4-Zeiten fiel bei den Kernelentwicklern schon vor längerer Zeit in Ungnade. Fehler im Design machen es schwierig, den Code zu pflegen. Linux 2.6 bietet einen neuen Ansatz: UDev. Zwar gehört DevFS noch zum aktuellen Kernel, es gibt aber immer wieder Bestrebungen, es endgültig daraus zu entfernen. So kündigte Linus Torvalds bereits an, es Mitte 2005 aus dem Kernel zu tilgen. Bis dahin haben alle Distributoren aber noch die Möglichkeit, das alte DevFS durch UDev zu ersetzen.
Das betrifft auch den Debian-Installer: Er installiert auf Wunsch Linux 2.6 und setzt in diesem Fall DevFS ein. Dies zu ändern setzt jedoch tiefe Eingriffe voraus. Die hat Joey Hess aber bereits im Vorfeld ausgeschlossen. Sarge wird damit also bereits bei seinem Erscheinen zum Teil auf veralteter sowie vom Autor nicht mehr unterstützter Software basieren. Auf den ersten Blick scheint das harmlos: Neue Kernel kommen ohnehin nicht in eine stabile Debian-Version, nur bei Sicherheitsproblemen werden die Patches der Kernelentwickler eingespielt.
Genau darin liegt die Gefahr bei DevFS, denn einen offiziellen DevFS-Maintainer gibt es nicht mehr. Sowohl der Kernelteil wie auch der Userland-Part DevFSD sind seit längerem verwaist. Das Debian-Sicherheitsteam muss die Pflege von DevFS damit faktisch übernehmen, um bei kritischen Fehlern oder bei Sicherheitsproblemen Abhilfe zu schaffen. Das bedeutet eine große Last, zumal Sarge sehr viel mehr Pakete enthalten wird als die derzeit aktuelle Woody-Release und damit natürlich auch die Gesamtlast für das Security-Team erhöht.
Der Weg zu Sarge …
Probleme dieser Art lösen langfristig nur drastisch verkürzte Abstände zwischen den Debian-Releases. Doch Sarge lässt weiter auf sich warten, es dümpelt seit Monaten in einem mehr oder minder undefinierten Zustand. Steve Langasek – Mitglied des Debian-Release-Teams – kündigte in einer Mail an die Debian-Devel-Announce-Mailingliste[2] vor einigen Wochen an, dass man durch einen neuen GCC, KDE 3.3 und mit neuen Perl-Paketen eine Reihe kritischer Probleme im Testing-Zweig lösen könne. Auch wies er darauf hin, dass man fieberhaft am Sicherheits-Support für Sarge arbeite. Maschinen für etliche der zu unterstützenden Architekturen stehen laut seiner Aussage bereit.

Abbildung 2: Suse-spezifische Yast-Komponenten müssen zur Portierung auf andere Distributionen entfernt werden.
… ist lang und steinig
Damit keimt zumindest wieder ein wenig Hoffnung, denn der fehlende Sicherheits-Support galt in den letzten Wochen als die größte Bremse. Um den positiven Trend zu unterstützten, fand am ersten Februar-Wochenende außerdem eine weitere Bug Squashing Party statt, deren Teilnehmer weitere Probleme behoben haben. Die vollständige Mail von Langasek, in der er auch zu weiteren Schritten Stellung nimmt, findet sich im Mailinglisten-Archiv[3].
Das Problem alter Software kennen die Mitglieder des Security-Teams nur zu gut. So wurde es immer schwieriger, Sicherheits-Patches für Debian Woody zu finden. Die aktuelle Release ist mehr als zwei Jahre alt – neue Sicherheits-Patches lassen sich oft nicht ohne Schwierigkeiten einspielen. Sollten nach Sarge bis zur nächsten Release wieder mehrere Jahre vergehen, stellt sich die Frage, wie das Security-Team dann Support für DevFS leisten soll.
Schnitzelpfanne
Zutaten für vier Personen: vier große Schnitzel, Salz, Pfeffer, Butter, vier Scheiben Chesterkäse, 300 g frische Champignons, eine Zwiebel, 100 g geräucherter Speck, eine Stange Porree, 250 ml Sahne, ein Becher Schmant, Paprika, Curry, ein Päckchen Zwiebelsoße.
Zunächst die Schnitzel salzen und pfeffern, dann eine Auflaufform oder eine Pfanne von innen fetten und die Schnitzel hineinlegen. Den Käse auf jedes Schnitzel legen.
Die Champignons in Scheiben schneiden, Zwiebeln anwürzen, den Speck würfeln. Alle Zutaten in eine separate Pfanne geben und anbraten. Mit Pfeffer würzen und danach die Mischung auf die Schnitzel verteilen.
Den Porree in feine Ringe schneiden, danach ebenfalls auf die Schnitzel geben. Die Sahne und den Schmant mit Salz, Paprika, Pfeffer und Curry würzen und mischen. Die Zwiebelsoße darin einrühren und auf die Schnitzel verteilen. Die Auflaufform oder Pfanne danach in den Kühlschrank stellen und 24 Stunden ziehen lassen.

Abbildung 3: Sorgenkind Debian-Installer: Er verwendet noch DevFS, doch das ist verwaist und fliegt bald aus dem Kernel.
Die Schnitzel dann bei 180¡C für 60 bis 90 Minuten garen. Als Beilage empfehlen sich Reis und grüner Salat.
Pausen-Ruf
Während die Schnitzel im Ofen brutzeln bleibt Zeit für den obligatorische Aufruf an alle Leser: Wer ein Tool entwickelt hat oder eins kennt und schätzt und der Tafelrunde an dieser Stelle gerne vorgestellt sehen möchte, schreibe eine E-Mail an[4]. (csc/ofr)
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Infos |
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[1] The Battle for Wesnoth: [http://www.wesnoth.org/] [2] Debian-Desktop-Mailingliste: [http://lists.debian.org/debian-desktop/] [3] Steve Langasek zu Sarge-Updates: [http://lists.debian.org/debian-devel-announce/2005/01/msg00011.html] [4] Hinweise und Vorschläge: [projektekueche@linux-magazin.de] |
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Der Autor |
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Martin Loschwitz ist Schüler aus Niederkrüchten und hilft in seiner Freizeit dabei, die Debian GNU/ Linux-Distribution weiterzuentwickeln. Momentan arbeitet er am Debian-Desktop-Projekt. |






