Aus Linux-Magazin 01/2004

Linux- und Debian-Entwickler trafen sich in Oldenburg

Das Oldenburger Linux-Entwicklertreffen bot jenseits von Linuxtag & Co. eine sehr gute Gelegenheit, gemeinsam an konkreten Problemen zu arbeiten.

Ende September trafen sich einige Linux-Entwickler in der norddeutschen Tiefebene, um die Portierung von Linux auf andere Prozessorarchitekturen als Intels x86 voranzutreiben. Außerdem nutzten dieses Mal Debian-Entwickler das Treffen für die gemeinsame Arbeit am neuen Installer ihrer Distribution.

Das Oldenburger Linux-Entwicklertreffen bot jenseits von Linuxtag & Co. eine sehr gute Gelegenheit, gemeinsam an konkreten Problemen zu arbeiten.

Das Oldenburger Linux-Entwicklertreffen bot jenseits von Linuxtag & Co. eine sehr gute Gelegenheit, gemeinsam an konkreten Problemen zu arbeiten.

Insgesamt 23 Linux-Entwickler aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden, Polen und der Tschechischen Republik verbrachten vom 25. bis 28. September ein verlängertes Wochenende in Oldenburg. Sie arbeiteten mit vereinten Kräften an der Portierung von Linux auf die mitgebrachte Hardware und am Debian-Installer. Für die erforderlichen Räumlichkeiten sorgte der FFIS (Verein zur Förderung freier Informationen und Software e.V.) zusammen mit dem Hochschulrechenzentrum der Universität Oldenburg.

Die Rückkehr der VAX

Der Platz war auch dringend nötig, denn es gab eine Menge Rechner unterzubringen. Darunter PowerPC-Computer, Workstations von Sun, SGI und DEC, Amigas und eine VAX-Station. Vor allem am 68000er Port von Linux haben die Programmierer eifrig gearbeitet. Da ein Großteil der aktiven europäischen Linux/Mips-Entwickler zu dem Treffen erschien, war Mips eine der Architekturen, die am meisten Beachtung fanden. Für DEC-Stations beispielsweise gibt es seither Treiber für die Turbo-Channel- FDDI-Karten. Zudem läuft die Indycam einer SGI-Workstation jetzt unter Linux.

Gleich zu Beginn des Treffens war der erste Versuch, Linux auch auf einer VAX-Station zu booten, nicht von großem Erfolg gekrönt. Der Kernel bootete zwar, hängte sich aber bei dem Versuch auf, die Speicherverwaltung zu initialisieren. Gegen Ende des Treffens war das Problem jedoch beseitigt. Wohlgemerkt: Nur der Kernel hat gebootet, keine vollständige Distribution. Die muss erst noch erstellt werden.

Installer-Debcamp

Zum erstem Mal sind in diesem Jahr auch Debian-Entwickler aus Frankreich, Schweden, Norwegen, Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und den USA nach Oldenburg gereist, um Debians neues Installationsprogramm Debian-Installer voranzubringen. Auf dem Debcamp vor der diesjährigen Debian-Konferenz im Sommer in Oslo haben die Entwickler bereits festgestellt, dass derartige Arbeitstreffen sehr fruchtbar sein können. Die Diskussionen bei persönlichen Begegnungen helfen ihnen enorm; die unterschiedlichen Denkweisen der Programmierer wirken sehr inspirierend und führen oft zu gemeinsamen Problemlösungen.

Am Sonntag lief der neue Debian-Installer, der die bisherigen Boot-Floppies für die nächste Debian-Release ablösen soll, auf der i386- sowie der PowerPC-Architektur. Auf Mips und Alpha fanden bereits erste Tests des Installers statt.

Synergie-Effekte nutzen

Das Entwicklertreffen in Oldenburg blickt auf eine lange Tradition zurück und hat sich schon vor mehreren Jahren als Motor für die Zusammenarbeit unter vielen Linux-Programmierern erwiesen. Nicht selten lösten die Teilnehmer auf diesen Treffen gemeinsam Probleme, über die sie einzeln lange Zeit vergeblich nachgedacht hatten. In der Vergangenheit entstanden auf diese Weise mehrere Treiber, die meist auch in die jeweiligen Hauptlinien der Kernelentwicklung eingeflossen sind.

Da sich die Entwicklergemeinde über viele verschiedene Länder verteilt, haben die meisten Programmierer nur selten die Möglichkeit, sich miteinander zu treffen. Zwar besuchen viele von ihnen Events wie den Linuxtag, den Linux-Kongress oder die Cebit, doch bieten diese Veranstaltungen kaum die Umgebung, um konkrete Probleme direkt am Rechner zu lösen. Umso wichtiger ist es daher für die Arbeit der Entwickler, dass sie einmal im Jahr auch die Chance erhalten, gemeinsam mehrere Tage lang konzentriert und ungestört zusammenzuarbeiten. ( mwe)

Der Autor

Martin Schulze entwickelt und verbessert am liebsten freie Software und fördert sie, etwa durch Mithilfe bei der Linuxtag-Organisation.

Copyright © 2002 Linux New Media AG

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