Aus Linux-Magazin 09/2003

Prototyp der Settop-Box Elito-Epox EP-1830 im Linux-Test

Abbildung 1: Die Settop-Box hat etwa die Abmessungen einer D-Box, hinter dem Kartenschlitz links unten verbirgt sich jedoch kein Smartcard-Reader. Die Tasten rechts oben liefern Keyboard-Scancodes.

Ein PC in jedem Haushalt, das wünscht sich Bill Gates. Elito-Epox möchte mit der Settop-Box EP-1830 noch einen Schritt weiter gehen – sie soll auf jedem Fernseher stehen und am besten mit Linux laufen.

Abbildung 1: Die Settop-Box hat etwa die Abmessungen einer D-Box, hinter dem Kartenschlitz links unten verbirgt sich jedoch kein Smartcard-Reader. Die Tasten rechts oben liefern Keyboard-Scancodes.

Abbildung 1: Die Settop-Box hat etwa die Abmessungen einer D-Box, hinter dem Kartenschlitz links unten verbirgt sich jedoch kein Smartcard-Reader. Die Tasten rechts oben liefern Keyboard-Scancodes.

Die Settop-Box EP-1830 von Mainboard-Hersteller Elito-Epox ist ein kompakter Ein-Platinen-PC und war bereits auf der Cebit 2003 zu sehen, damals noch unter einer mit heißer Nadel zusammengestrickten Windows-Installation. Inzwischen bemüht sich Elito-Epox um eine möglichst gute Linux-Unterstützung seiner Produkte und verleiht dazu die Geräte an Entwickler[1].

D-Box-Format

Die Settop-Box hat nicht das übliche 19-Zoll-Hi-Fi-Format, sondern ist mit 36 mal 21 mal 8,5 Zentimeter (Breite, Tiefe, Höhe) etwa so groß wie eine D-Box. Auf der Gerätefront sind der Ein-/Ausschalter, drei LEDs sowie fünf Funktionstasten und der Infrarotempfänger untergebracht. Einen Smartcard-Leser hat das Gerät nicht, er lässt sich aber problemlos nachrüsten – noch ist der Kartenschlitz (Abbildung 1, links unten) nur Fassade.

Unter der Haube

Die Settop-Box ist mit einem Via-C3-Prozessor mit 766 MHz ausgestattet, der mit einem Lüfter gekühlt wird – die 600-MHz-Version des Prozessors mit rein passiver Kühlung bot offenbar nicht genug Rechenleistung. So reicht die CPU-Leistung gerade eben für das Abspielen von MPEG-2-Filmen, vorausschauend hat Elito-Epox aber zusätzlich einen Hardware-MPEG-4-Decoder-Chip, den EM-8470 von Sigmadesigns[2], auf das Mainboard gelötet.

Das scheint auf den ersten Blick eine gute Lösung, wirbt Sigmadesigns doch mit Linux-Unterstützung. Wer genauer hinschaut, findet aber lediglich ein Treiberpaket mit Binär-Bibliotheken[3] für die Realmagic Netstream 2000 mit EM-8400-Chip. Das Paket lässt sich mit aktuellen Kerneln nicht mal übersetzen.

Linux-Treiber unter NDA

Auf Nachfrage erklärte Sigmadesigns, die Treiber für den EM-8470 nur an OEMs mit einem entsprechenden NDA im Rahmen eines kostenpflichtigen Supportvertrags abzugeben. Einen freien Treiber gäbe es nicht, auch würde Sigmadesigns eine solche Entwicklung nicht unterstützen.

Ebenfalls nicht unterstützt wird der analoge TV-Empfänger auf Basis des Philips SAA-7114. Der Versuch, einen Treiber für ATI-Grafikkarten mit dem Philips-Chipsatz zu modifizieren, scheiterte jedoch. Die Cinch- und S-Video-Buchsen sowie der Antennenanschluss auf der Rückseite des Geräts (Abbildung 2) sind damit nur nutzloser Ballast, die übrigen Schnittstellen wie PS/2-Anschlüsse, USB, Netzwerk, Sound, serieller und paralleler Port sowie Joystick funktionieren aber einwandfrei.

Auch die On-Board-Grafikkarte Trident Cyberblade i1 wurde von SuSE 8.2 und Debian Sid anstandslos erkannt und mit funktionstüchtiger Video-Extension eingebunden – Videos lassen sich also ohne Schwierigkeiten abspielen. Ebenfalls problemlos ist Sound, Elito-Epox setzt den Chipsatz Via Apollo Pro Media (VT8601) mit der Southbridge VT82C686 ein.

Brüllwürfel

Die Laufwerke der Settop-Box – der Prototyp war mit einem Notebook-DVD-Laufwerk und einer Desktop-Festplatte mit 40 GByte ausgestattet – sind auf einer Brücke über dem Mainboard untergebracht. Die Seagate-Festplatte arbeitet relativ leise, auch das Notebook-DVD-ROM verspricht einen nahezu ungestörten Filmgenuss. Für ordentlich Radau sorgt jedoch das 80-Watt-Netzteil links oben in Abbildung 3: In einer Entfernung von einem Meter maßen wir 42 dB(A), das ist deutlich lauter als der Linux-PC von Vobis.

Abbildung 2: Die Settop-Box zeigt sich anschlussfreudig, doch die Hi-Fi- und Video-Anschlüsse rechts lassen sich nicht unter Linux nutzen. Die Standardschnittstellen links funktionieren hingegen einwandfrei.

Abbildung 2: Die Settop-Box zeigt sich anschlussfreudig, doch die Hi-Fi- und Video-Anschlüsse rechts lassen sich nicht unter Linux nutzen. Die Standardschnittstellen links funktionieren hingegen einwandfrei.

Künftig Leisetreter?

Für den Betrieb als digitaler Fernsehempfänger, Videorekorder oder Surfbox ist das eindeutig zu viel. Darauf angesprochen versicherte Elito-Epox, zumindest über den Einsatz eines temperaturgeregelten Netzteils mit größerem Lüfter nachzudenken, möglicherweise würde in der endgültigen Version sogar ein lüfterloses Netzteil eingesetzt.

Zum Lieferumfang des Prototyps gehören eine Infrarottastatur mit eingebautem Trackball und eine Fernbedienung. Für beide Geräte und die fünf auf der Front angebrachten Bedientasten sind keine Linux-Treiber erforderlich, da alle Tasten unterscheidbare Keyboard-Scancodes liefern (mit »showkey -s« abzufragen,[4]). Per »setkeycode« lassen sich entsprechende Keycodes zuordnen, die man etwa bei der Videorekorder-Software VDR[5] zur Programmsteuerung über die Tastatur benutzen kann.

Videorekorder aufsetzen

Für den ersten Test installierten die Tester die Videorekorder-Distribution LinVDR 0.1[6], die auf Debian Sid basiert. Mangels Linux-tauglicher Videohardware rüsteten wir eine DVB-s-Karte Hauppauge WinTV Nexus-s nach, die neben dem Satellitentuner einen Hardware-MPEG-2-Decoder mitbringt.

Die RGB- und S-Video-Anschlüsse auf dem Pfostenstecker der DVB-s-Karte lassen sich bequem über eine Scartbuchse herausführen, wenn man die Blende auf der Rückseite des Gehäuses rausbricht. Die ACPI-Unterstützung war gut, sowohl der Schlafmodus S3 als auch das Event für den Ein-/Ausschalter ließen sich nutzen. Die Tasten an der Gerätefront erhielten als Belegung die Keycodes für F13 bis F17, die wir beim ersten Start des Videorekorder-Programms VDR entsprechenden Funktionen zuordneten.

Die Fernbedienung eignet sich für VDR nur schlecht, da die vier Farbtasten fehlen. Der eingebaute Infrarotempfänger der Settop-Box lässt sich allerdings nicht mit »lirc« verwendet, wir rüsteten daher einen separaten Empfänger nach. Noch etwas zum IR-Empfänger: Tastatur und Fernbedienung funktionierten zunächst nur aus mäßiger Reichweite und in einem sehr begrenzten Winkel. Für akzeptable Werte empfiehlt es sich, die Platine mit dem IR-Empfänger (EP-CARD5) hinter der Frontblende um 180 Grad zu drehen (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: Die geöffnete Settop-Box ohne Laufwerksbrücke und Frontblende. Das Miniaturnetzteil links oben sorgt für ordentlich Lärm, der CPU-Lüfter (rechts) fällt dann gar nicht mehr auf.

Abbildung 3: Die geöffnete Settop-Box ohne Laufwerksbrücke und Frontblende. Das Miniaturnetzteil links oben sorgt für ordentlich Lärm, der CPU-Lüfter (rechts) fällt dann gar nicht mehr auf.

Fazit

Die EP-1830 von Elito-Epox ist nach ihren Hardwaredaten ein leistungsfähiges Gerät: Die ausreichend schnelle CPU, Hardware-MPEG-Decoder und der On-Board-TV-Empfänger decken den Aufgabenbereich einer Settop-Box gut ab. Leider hatte Elito-Epox Pech bei der Hardware-Auswahl, gerade der MPEG-Decoder und der TV-Empfänger treiben den Gerätepreis in die Höhe, sind aber unter Linux nicht zu gebrauchen.

Hier könnte das Linux-Engagement des Herstellers erste Früchte tragen, wenn die Linux-Kompatibilität der Hardware künftig stärkere Beachtung findet. Die Entscheidung für eine PS/2-Infrarottastatur und Gerätetasten mit Scancodes war sehr gut, so ist man von Treiber und Betriebssystem unabhängig. Das größte Manko bleibt beim getesteten Prototyp der Lärm, den Netzteil und CPU-Lüfter machen: Ein so lautes Gerät stellt sich niemand ins Wohnzimmer.

Infos

[1] “Hardware gegen Treiber im Tausch”: Linux-Magazin 08/03, S. 10

[2] Sigmadesigns: [http://www.sigmadesigns.com]

[3] Treiberpaket für Realmagic Netstream 2000: [http://www.sigmadesigns.com/support/download_netstream2000_linux.htm]

[4] Linux-Support for Funny/Functional Keys: [http://rick.vanrein.org/linux/funkey]

[5] VDR von Klaus Schmidinger: [http://www.cadsoft.de/vdr]

[6] Mirko Dölle, “Videorekorder fix und fertig”: LinuxUser 08/03, S. 54

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