“J5” war zu schwach, um mehr als ein paar Zeilen zu tippen. Das lag daran, dass es halb zwei nachts war, Bier war vielleicht auch im Spiel. Aber es musste wohl heraus, denn er vertraute seinem Blog an: Aaron Seigo vom KDE-Team, mit dem er tagsüber rumgehangen habe, sei ein toller Typ – energisch, extrovertiert und er besitze Leidenschaft fürs Leben und die Community. Von solchen Leuten brauche man mehr. Schon allein, weil Aaron ihm ein Bier schulde, würde er dieses Jahr zum KDE-Treffen Akademy fahren.
Die neue Männerfreundschaft ist der Erwähnung wert, da “J5” im Leben John Palmieri heißt und am selben Tag als Gnome-Gesandter beim LSB Summit in Boston auftrat. Bei dem Standardisierungs-Treffen Anfang Juni kamen 27 Leute zueinander, unter ihnen Ted Ts’o (IBM), Ian Murdock (Free Standards Group), Jon “Maddog” Hall (alles Mögliche), Markus Rex (Novell), viele Red-Hatler, IBMler, Madrivaner, Usenixer, einer von Intel, Ubuntu und und und.
Dass die Gnome- und KDE-Repräsenanten freundschaftliche Gefühle entwickeln, ist wohl nicht allein dem Wesensgleichklang der bandelnden Personen, dem Bostoner Bier oder dem Totlaufen einer alten Phantomdebatte zweier Desktopumgebungen geschuldet. Mehr noch lassen Größe und Schwierigkeitsgrad der Aufgabe, der sich die “Linux Standard Base”-Gruppe gegenüber sieht, deren Mitglieder zusammenrücken.
Längst geht’s um mehr als um das Vereinheitlichen von ein paar Pfaden, die es Drittherstellern erleichtern, ihre Programme für den Zoo an Distributionen fit zu machen. Die LSB, die unter dem Schirm der Free Standards Group agiert, muss über geeignete Versionen von Glibc, GCC und Skriptsprachen, Libstdc++, Fontmanagement inklusive I18n und Barrierefreiheit sowie Drucksysteme richten. Die Interessen der Distributionshersteller sind bei diesen Themen naturgemäß different. Die rasante Linux-, Desktop- und Multimedia-Entwicklung auf ganzer Front tut ihr Übriges.
Unübersichtlich und ideologisch aufgeladen ist die Lage bei den Application Binary Interfaces, also den Schnittstellen zwischen Softwarekomponenten, die ohne Wissen eine über die andere kompiliert sind, oder proprietären Programmen, die von vornherein nur binär vorliegen – eine Schlangengrube, die vom Kernel bis zur letzten Multimediaschicht reicht. Mit LSB 3.2, sie ist für das zweite Quartal 2007 geplant, sind Vereinheitlichungen für C++-ABIs zu erwarten, so jedenfalls kamen die Mitglieder in Boston überein. Von Multimedia-Frameworks lassen sie dagegen vorerst die Finger.
Ob alles je dazu führen wird, dass Fedora- oder Mandriva-User Suse-Pakete blind in ihre Systeme einspielen können und umgekehrt, darf heftig bezweifelt werden. Auf diese Weise geht Linux-Gegnern nie die Munition aus. Über ein Packaging-API will sich die Bostoner Runde dagegen unterhalten.
Das heikle Thema LSB lockt Interessierte an. Schon am
nächsten Mittag gab’s den ersten Kommentar auf den Blog von
“J5”. Alan Horkan, ein 26-jähriger Ire, Moderator
der Gnome-Usability-Mailingliste und Mitarbeiter an vielen
Open-Source-Projekten schrieb: “Ich kauf dir auch ein
Bier.” Ob er sich nur au





