Seit 2004 veröffentlicht das Eclipse-Team jedes Jahr Ende Juni eine Majorrelease. Nach “Galileo” 2009 erscheint dieses Jahr “Helios” am Firmament – Grund genug, die Beobachtungsposition einzunehmen .
Die meist kleinen Versionssprünge der Plugins im Eclipse SDK (Tabelle 1) könnten vermuten lassen, dass sich die neue Release namens Helios [3] nur wenig vom Vorgänger unterscheidet, zumal sich die IDE nach dem Start im gewohnten Antlitz präsentiert (Abbildung 1). Viele Neuerungen stecken jedoch im Detail und dienen zum Beispiel dem verbesserten Handling oder der Konfigurierbarkeit oder erweitern eines der zahlreichen Plugins. Zu den bemerkenswerten neuen Features zählen etwa:
- Die Visualisierung von C/C++-Aufrufgraphen (Plugin: C/C++ Call
Graph Visualization). - Dokumentations-Tooltipps für C/C++ im Editor (Plugin:
C/C++ Library API Documentation Hover). - Git-Unterstützung (Plugins: Eclipse Egit und Eclipse
Jgit). - Unterstützung für die Rich Ajax Platform (EMF RA
Eclipse Modeling Framework, [4]) im Rahmen des Eclipse Modeling
Framework. - Linux-Tools-Project-Plugin mit zahlreichen Werkzeugen rund um
Software-Entwicklung unter Linux [5]. - Installationsassistent für Plugins von Drittanbietern
(Plugin: Marketplace Client, [6]). - Unterstützung bei der Migration alter Legacy-Produkte zu
modellbasierten Lösungen (Plugin: Modisco, [7]). - Parallel Tools Platform [8], die die Entwicklung paralleler
Anwendungen fördert.
Die Plugins EMF Data Integrity, Java Code Review Feature, Log Analysis Core, TPTP Analysis und UML2 Tools sind nicht mehr im Software-Repository von Helios enthalten. Gerade das Fehlen von UML2 Tools überrascht: Hier gibt es gar keinen Releaseplan für Eclipse Helios.

Abbildung 1: Bis auf einen »Save All«-Schalter in der Werkzeugleiste präsentiert sich Helios auf den ersten Blick nicht anders als der Vorgänger Galileo.
Dutzende Neuerungen
Eine Statistik verdeutlicht weitere Unterschiede zum Vorgänger: 20 Plugins haben eine neue Hauptversionsnummer, 65 erfahren Aktualisierungen, fünf bleiben unverändert, weitere fünf entfallen und rund 40 kommen neu hinzu. Diese Zählung fasst alle Plugins ein und desselben Projekts zusammen, sodass ihre Gesamtmenge im Helios Software Repository noch größer ist.
Alle Änderungen des API sind in der integrierten Hilfe dokumentiert, die via »Help | Welcome | What\’s New« zu erreichen ist. Die dort enthaltenen Hinweise erleichtern nicht nur das Anpassen von Code an die veränderten APIs, sondern zeigen auch Änderungen am Userinterface und an der Konfiguration von Eclipse im Detail. Dies sind die herausragenden Verbesserungen:
- Es lassen sich nun in den Projekteigenschaften komplexe Filter
einrichten, die bestimmte Dateien oder Verzeichnisse vor dem
Eclipse-Ressourcensystem und diversen Workspace-Buildern
verbergen. - Das Quick-Access-Menü ([Strg]+[3]) zeigt nun auch die
Tastenkombinationen der aufgelisteten Befehle an. - Der Javadoc-Tooltipp im Java-Editor enthält in Helios
weitere Informationen (Abbildung 2). - Die Konfiguration des Java-Formatters bietet zusätzliche
Einstelloptionen. - Konditionen für die Aktivierung eines Breakpoints
können nun direkt in der Breakpoint-View bearbeitet werden.
Dabei steht auch die gewohnte Code-Completion zur
Verfügung. - Das Platform Test Framework unterstützt Junit4.
- Interessant für Linux-Nutzer ist insbesondere, dass die
Größe der meisten Tooltipp-Fenster jetzt änderbar
ist.
Verschiedene Tests stellen sicher, dass Eclipse 3.6 auf aktuellen Referenz-Plattformen und -Betriebssystemen lauffähig ist. Tabelle 2 zeigt, welche Hardware dieser Betriebssysteme die neue Eclipse-Release offiziell unterstützt.
Veränderungen bei Plugins
Die Java-Development-Tools enthalten viele Verbesserungen, die Entwicklern vor allem mehr Informationen anbieten. Beispiel dafür sind die Tooltipps, die nun Annotationen anzeigen. In der Debug-Perspektive gibt es neben der verbesserten Breakpoint-View jetzt auch ein Spaltenlayout in der Expressions-View, die auch Inline-Editoren unterstützt.
Für die Entwicklung von Hilfe-Plugins stehen verbesserte Editoren für die Inhaltsverzeichnis- und Kontexthilfe-Dateien zur Verfügung. Diese Editoren zeigen nun auch XML- und Rechtschreibfehler an. Außerdem erlaubt Helios die Auswahl von Features anstelle von Plugins bei der Erstellung einer Run-Konfiguration, was die Auswahl in der Liste erheblich verringert (Abbildung 3).
Mit der neuen Hauptversion 7.0.0 sind die C/C++-Development-Tools in Helios mit einigen Verbesserungen vertreten: Die Outline-View ermöglicht das Gruppieren von Makros, mit Codan steht ein neues Framework zur Code-Analyse bereit, das Springen in den Quellcode von Fehlermeldungen des Compilers ist möglich – dazu lassen sich Compilermeldungen mittels regulärer Ausdrücke nach Datei, Zeilennummer und Beschreibung parsen – und der Debugger erlaubt das Anhalten einzelner Threads während andere fortfahren.
Mit den Linux Tools erhält Eclipse erstmals eine Palette von Werkzeugen, die sich gezielt der Software-Entwicklung unter Linux widmen. So basieren die Linux Tools auf den C/C++-Development-Tools, ergänzen diese jedoch durch die Integration nativer Entwicklungswerkzeuge wie beispielsweise der GNU Autotools, Valgrind, Oprofile, Gcov, Gprof oder eines Editors für die Spezifikation der RPM-Pakages (siehe Artikel hier im Schwerpunkt).
In den letzten Jahren sind viele Projekte rund um die Softwaremodellierung entstanden. Sie alle beziehen sich auf das Eclipse Modeling Framework. Version 2.6, die in Helios enthalten ist, erweitert die Möglichkeiten zur Validierung und Modifikation von Modellelementen. Zudem unterstützt das EMF künftig bei der Codegenerierung die Rich Ajax Platform und das Google Web Toolkit.
Das CDO-Model-Repository-Projekt (Connected Data Objects) erfährt im zweiten Jahr hintereinander einen großen Versionssprung. Version 3.0 des Frameworks verbessert verteiltes Modellieren durch Branch- und Merge-Unterstützung. Außerdem lassen sich Abfragen auch in SQL spezifizieren und über einen Clone-Mechanismus Offline-Repositories betreiben – ähnlich wie bei Git.
Neues Xtext
Das Graphical Modeling Framework hat in Helios eine neue Struktur und besteht nun aus den drei Teilen GMF-Tooling, GMF-Runtime und GMF-Notation. Diese Komponenten gehören fortan zum Graphical Modeling Project, das in Zukunft parallel zum GMF auch das Graphiti Framework beinhaltet. SAP plant die Veröffentlichung des Graphiti-Code am 1. August. Neben der Umstrukturierung gibt es auch einige Erweiterungen am GMF, Beispiele: Ein neues Expression Label wird durch Skriptsprachen wie die Object Constraint Language gefüllt, die Codegenerierung läuft wahlweise im Hintergrund, beim Exportieren eines Diagramms als Bild kann der Entwickler nun Qualitätsstufen angeben.
Neben der grafischen Modellierung ist inzwischen auch die textuelle sehr beliebt. Xtext 1.0 enthält viele Erweiterungen und Verbesserungen, dank derer die generierten Editoren immer mehr einer IDE ähneln:
- Dekorationen an den Icons der Editortabs zeigen, ob es in
inaktiven Editoren Warnungen oder Fehler gibt. - Labeltexte erhalten verschiedene Styles in Abhängigkeit
von der Information, die sie darstellen. - Der Editor fügt automatisch schließende Klammern
ein. - Per Klick auf eine Markierung am Editorrand falten sich
Elemente, die mehrere Zeilen überspannen, zusammen. - Ein Indexer indiziert Modelldateien im Klassenpfad.
- Ein neuer Builder ersetzt den Umgang mit Fehler- und
Warnungsmarkern. - Quickfixes korrigieren Warnungen und Fehler.
Die Parallel Tools Platform (PTP) ist mit Version 4.0.0 Bestandteil des Helios-Software-Repository. Damit erhält Eclipse eine breite Werkzeugpalette zum Schreiben paralleler Programme mit C/C++ und Fortran. So unterstützt die PTP den parallelen Profiler TAU (Tuning and Analysis Utilities, [9]) und bietet spezielle Editor-Erweiterungen für die Parallelisierung mit Open MP [10] oder dem Message Passing Interface MPI [11].
Fazit und Ausblick
Auch ohne Paukenschläge ist Helios für Eclipse ein großer Schritt nach vorn. Eine Menge neuer Features erleichtert Entwicklern nicht nur den Umgang mit der IDE selbst, sondern auch die eigentliche Arbeit. Auch wenn die Eclipse-Entwickler sich stets bemühen, Plugins durch Änderungen und neue Features abwärtskompatibel zu halten, gelingt dies nicht immer. Für diese Fälle pflegen sie eine Migrationsanleitung, die für Plugin-Entwickler online verfügbar ist [12].
Neben den Plugins aus dem Helios-Repository gibt es noch viele weitere – teils quelloffene, teils kommerzielle. Da ist ein zentrales Portal wie Eclipse Plugin Central [13] eine gute Anlaufstelle, um passende Plugins zu finden. Alternativ lohnt sich auch die Installation des Eclipse-Marketplace-Plugins [6].
Derzeit arbeiten die Entwickler an einer neuen Version der Eclipse-Plattform, die den Namen E4 trägt. Eines der neuen Features ist die deklarative Beschreibung der UI, die sogar als EMF-Modell verwaltet wird. Die Version 4.0 soll diesen Sommer fertig werden und ist daher nicht in der Helios-Release enthalten. Enthusiasten können sie sich bereits als separaten Download installieren [14] und ausprobieren. (jcb)
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Der Autor |
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Robert Wloch arbeitet als Software-Entwickler, Berater und Trainer bei der Itemis AG in Leipzig. Seit 2.2 benutzt er Linux intensiv sowohl zum Arbeiten als auch in der Freizeit. Seit fünf Jahren liegt sein Fokus auf der Entwicklung von Plugins für Eclipse. |









