Formate zum Archivieren und Komprimieren von Daten gibt es jede Menge. Vier Tools helfen beim Zurechtfinden im Dschungel der Optionen. Heike Jurzik
Gepackte und komprimierte Daten sparen Platz auf der Festplatte und Bandbreite im Netz. Linux bietet Kommandozeilentools und grafische Programme an, welche die verschiedenen Kompressions- und Archivtypen erzeugen und entpacken. Einige Formate sind reine Archivformate, also Behälter für unkomprimierte Datensammlungen. Solche Archive kann der Anwender dann – falls erforderlich – mit einem weiteren Tool komprimieren. Andere Formate sammeln nicht nur, sondern komprimieren den In- halt gleich mit, sodass die Archive weniger Platz belegen.
Gut in Form
Ein häufig anzutreffendes Archivformat ist beispielsweise Zip (Dateiendung ».zip«). Der Datencontainer nimmt einzelne Dateien und auch ganze Verzeichnisbäume auf und speichert diese entweder direkt oder komprimiert ab. Es ist möglich, einzelne Komponenten aus dem Archiv zu entfernen und neue Dateien hinzuzufügen. Das Zip-Format speichert sämtliche Datei-Eigenschaften.
Tar-Archive fassen ebenfalls mehrere Dateien und Verzeichnisse in einem Archiv zusammen, allerdings ohne zu komprimieren (Dateiendung ».tar«). Auch diese Archive erlauben die Extraktion und das Anhängen einzelne Dateien. Tarballs sind häufig mit Gzip (».tar.gz«, ».tgz«) oder Bzip2 (».tar.bz2«, ».tbz2«) komprimiert anzutreffen. Sowohl bei Gzip als auch bei Bzip2 handelt es sich um freie Kompressionsalgorithmen.
Beide Tools komprimieren einzelne Dateien, legen aber keine Archive an. Bzip2 komprimiert effizienter als Gzip, arbeitet aber auch langsamer. Positiv hervorzuheben ist der Recovery-Modus von Bzip2: Das Tool zerlegt Dateien in einzelne Blöcke. So ist es beim Auspacken einer beschädigten Datei oft möglich, die unbeschädigten Bereiche zu entpacken und so intakt gebliebene Daten zu retten.
Frei und effizient präsentiert sich das neuere Format 7z. Es erlaubt ebenfalls das Anlegen komprimierter Archive (Dateiendung ».7z«), unterstützt Unicode und die Verschlüsselung nach dem AES-256-Standard. 7z eignet sich genau wie Gzip und Bzip2 nur bedingt zur Datensicherung: Die Formate merken sich keine Datei-Eigenschaften. Ein vorheriges Archivieren, etwa mit Tar, ist daher empfehlenswert.
Das proprietäre Dateiformat Rar wartet lediglich mit einem quelloffenen Dekompressionsalgorithmus auf und hält den Rest unter Verschluss. Obwohl es mit vielen Features und einer hohen Kompressionsrate punktet, hat es sich deshalb bei Linux-Anhängern nicht gegen Zip & Co. durchgesetzt. Viele im Usenet angebotenen Binärdateien liegen jedoch in (meist mehrteiligen) Rar-Archiven vor (Dateiendung ».rar«). Die meisten Linux-Distributionen stellen proprietäre Soft- ware zur Verfügung, die solche Archive anlegen und auspacken kann.
Für alle genannten Formate und noch etliche mehr gibt es Programme zum Ver- und Auspacken. Am schnellsten und flexibelsten sind wie immer die Kommandozeilentools. Wohl dem, der sich die ganzen Shellbefehle merken kann und gerne Manpages liest. Wer dazu keine Muße hat, sollte einen grafischen Archivmanager bemühen. Im Hintergrund werkeln meist die bekannten Kommando- zeilen-Packer – die grafischen Frontends nehmen dem Anwender also Tipp- und Kopfarbeit ab.
File-Roller
Der Archivmanager der Desktopumgebung Gnome zeigt Archive an, erstellt, verändert und entpackt sie. Das Handbuch verrät, dass File-Roller fast 30 Formate kennt und unterstützt – immer vorausgesetzt, das entsprechende Packprogramm ist auf dem Rechner installiert. Taucht ein benötigter Archivtyp also nicht auf, empfiehlt es sich, eine Suche im Paketmanager zu starten.
Das Programmfenster wirkt recht aufgeräumt und erinnert in seiner Aufteilung an einen Dateimanager. Die Werkzeugleiste enthält Symbole für die am häufigsten gebrauchten Aktionen (Öffnen, Entpacken, Anlegen neuer Archive). Die restlichen Funktionen findet der Anwender in den Menüs oder über das Kontextmenü der rechten Maustaste. Es ist ebenfalls möglich, per Drag & Drop Dateien und Verzeichnisse ins Programmfenster zu ziehen. Einige Dialoge bieten zu den Standardoptionen erweiterte Features an; dazu klappt der Anwender den Dialog meistens mit der Maus auf (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Standard- und erweiterte Ansicht: Die Funktionen zum Verschlüsseln offenbaren sich nach einem Mausklick auf »Erweiterte Einstellungen«.
Der Archivmanager öffnet für jedes Archiv ein neues Programmfenster – es ist nicht möglich, mehrere Datensammlungen im selben Fenster zu verwalten. Beim Entpacken steht der Anwender vor der Wahl, alle oder nur einzelne, ausgewählte Dateien auszupacken. File-Roller zeigt sich flexibel und versteht dabei auch Platzhalter wie »*« und »?«.
Außerdem entscheidet der Anwender beim Auspacken, ob File-Roller die ursprüngliche Ordnerhierarchie beibehalten soll. Nur dann legt der Gnome-Archivmanager Unterverzeichnisse an. Andernfalls entpackt er alle Dateien des Archivs ins aktuelle Verzeichnis. Wahlweise überschreibt File-Roller Dateien mit dem gleichen Namen immer oder nur dann, wenn der Zielordner eine ältere Version enthält. Alternativ überspringt er sie und behält das Original im Zielverzeichnis bei.
Ähnliche Sicherheitsvorkehrungen trifft File-Roller beim Hinzufügen von Ordnern und Dateien zu bestehenden Archiven. In den jeweiligen Dialogen steht eine Checkbox »Nur hinzufügen, falls neuer« zur Verfügung. Zur Ermittlung der Dateiversionen greift File-Roller auf das Änderungsdatum zurück. Beim Anlegen von Archiven bietet File-Roller an, diese mit einem Passwort zu verschlüsseln – die Dateiliste schließt das Programm auf Wunsch mit ein.
File-Roller ist nicht nur leicht zu bedienen, sondern auch gut in den Gnome-Desktop integriert: Ein Doppelklick in Nautilus auf ein Archiv oder eine komprimierte Datei ruft den Archivmanager auf den Plan. Auch beim Anlegen von Archiven mischt File-Roller im Dateimanager mit. Nach der Auswahl einer oder mehrerer Dateien in Nautilus bietet das Kontextmenü der rechten Maustaste den Punkt »Komprimieren« an. Der folgende Dialog stellt dann die gewohnten File-Roller-Optionen zum Erstellen neuer Archive zur Verfügung.
Ark
Auch der KDE-Archivmanager Ark ist prima in seine Desktopumgebung inte- griert, was sich an der Zusammenarbeit mit Konqueror und Dolphin zeigt [2]. Ark setzt ebenfalls auf installierte Pack- programme im Hintergrund, versteht allerdings nicht ganz so viele Archivfor- mate wie File-Roller.
Ark zeigt Archivinhalte an, entpackt sie (oder einzelne Dateien), löscht Dateien und Ordner oder fügt welche hinzu. Sämt- liche Funktionen stehen über die Menüs und die Symbole der Werkzeugleiste zur Verfügung. Alternativ arbeitet der An- wender per Drag & Drop. Wer das Ar- beiten über Kontextmenüs gewohnt ist, klickt bei Ark vergeblich mit der rechten Maustaste. Angenehm ist hingegen die integrierte Vorschaufunktion, die Bilder und Grafiken im internen Viewer darstellt (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Eines der wenigen Highlights des KDE-Archivprogramms – die integrierte Vorschaufunktion für Grafikdateien.
Etwas schade ist, dass Ark keine Verschlüsselung unterstützt. Egal ob es um das Erstellen eigener passwortgeschützter Archive geht oder um das Öffnen von vorhandenen – der KDE-Archivmanager zeigt sich unwissend: Die Dialoge zur Archiverstellung bieten einfach keine Verschlüsselung an und wenn der Anwender ein Archiv mit Kennwortschutz öffnet, bleibt die Ark-Anzeige auf »Archiv wird geladen…« stehen.
Wer meint, ein Umweg über den Datei- manager Dolphin, der viele Ark-Funktio- nen über die rechte Maustaste anbietet, löse das Problem, irrt: Um ein Archiv aufzuschließen, muss der Anwender sich auf die Shell begeben und von Hand mit dem entsprechenden Kommandozeilen- tool entsperren – dann arbeitet Ark prob- lemlos weiter mit der Datensammlung.
Xarchiver
Der Dritte im Bunde der Desktop-Archivmanager ist Xarchiver [3]. Das Xfce-Standardtool unterstützt wie die Kollegen verschiedene Formate. Auf den ersten Blick unterscheidet sich Xarchiver nicht groß von File-Roller, was nicht weiter verwundert, da beide Programme auf GTK setzen. Auf den zweiten Blick offenbart das Xfce-Tool allerdings einige interessante Zusatzfeatures. Xarchiver ordnet beispielsweise mehrere Archive übersichtlich in Tabs an (siehe Abbildung 3). Eine nette Funktion findet der Anwender im Menü »Archiv« unter »Ausgaben«. Hier kann er den gesamten Archivinhalt als Text- oder HTML-Datei ablegen. Listing 1 zeigt die Archivbeschreibung in reinem Textformat.

Abbildung 3: Da kommt Browser-Feeling auf: Xarchiver ordnet mehrere Archive auf Reitern an, statt für jede Sammlung ein neues Programmfenster zu öffnen.
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Listing 1: |
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Archivinhalt: Name: /home/huhn/foo.tar.bz2 Komprimierte Größe: 66,7 MB Unkomprimierte Größe: 91,6 MB Anzahl der Dateien: 654 --------------------------------- Dateien: Komprimiert ---------------------------------- ./.gimp-2.6/pluginrc 260500 ./.gimp-2.6/colorrc 739 ./.gimp-2.6/toolrc 3916 [...] |
Die Bedienung des Archivierers ist intuitiv – genau wie bei File-Roller verwendet der Anwender Menüs, Symbole und das Kontextmenü der rechten Maustaste. Beim Auspacken von Archiven bietet Xarchiver ein weiteres praktisches Extra: die Funktion »Mehrere entpacken« im Menü »Aktion«. Hier hat der Anwender die Wahl, alles in ein einziges Verzeichnis zu entpacken oder für jedes Archiv einen neuen Ordner mit dem Archivnamen anzulegen.
Xarchiver unterstützt (für einige Formate eingeschränkt) die Verschlüsselung mit Kennwörtern. Außerdem erstellt das Xfce-Tool Kommentare für Archive; diese Zusatzinfos können verschiedene grafische und Kommandozeilen-Packer auswerten und darstellen.
Peazip
Das plattformübergreifende Programm Peazip unterstützt neben den bekannten auch ein paar exotische Archivformate und bietet als einziges der hier vorgestellten Tools eine Split-Funktion und eine genaue Feinabstimmung bei der Kompression [4]. Peazip stellt ausgefeilte Such- und Filterfunktionen zur Verfügung (siehe Abbildung 4), auf Wunsch erstellt das Pack- und Kompressionsprogramm zufällige Passwörter und Schlüsseldateien.

Peazip protokolliert Vorgänge und speichert die Logfiles per Mausklick als Textdatei ab. Außerdem bietet das Programm eine eigene History-Funktion, in welcher der Anwender die letzten Vorgänge einsehen kann. Zahlreiche Werkzeuge, darun- ter Tools zum Testen und Reparieren von Archiven, eine Konsole, die die Kommandozeilenbefehle einblendet, und mehrere Ansichtsmodi machen Peazip zu einem Alleskönner.
Die Anwendung ist ein komplett eigenständiges Programm und kein Frontend. Somit läuft Peazip auch ohne Installation der entsprechenden Shelltools. Der Anwender kann im laufenden Betrieb das Aussehen und die Sprache anpassen. Winziger Schönheitsfehler: Die Textfelder sind oft zu klein für die deutschen Übersetzungen, das ist aber angesichts der Funktionsvielfalt der Anwendung zu verschmerzen.
Fazit
Die Pack- und Archivierungsprogramme der Desktopumgebungen sind wie zu erwarten gut in ihre jeweilige Arbeitsober- fläche integriert. File-Roller, Ark und Xarchiver zeigen sich kooperativ im Umgang mit anderen Programmen, vor allem mit den Dateimanagern. Etwas schade ist, dass diese grafischen Aufsätze längst nicht alle Funktionen beherrschen, die laut Formatspezifikation und Kommandozeilen-Option zur Verfügung stehen müssten. So ist beispielsweise die Unterstützung für den Passwortschutz und vor allem das Feintuning für Kompressionslevel oft mangelhaft umgesetzt.
Peazip hat hier eindeutig die Nase vorn. Das Programm liest und entpackt fast alle gängigen Formate und bietet zahlreiche Extras, die auch anspruchsvolle Anwender überzeugen.
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Infos |
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[1] File-Roller: [http://fileroller.sourceforge.net] [2] Ark: [[http://utils.org/kde.projects/ark] [3] Xarchiver: [http://xarchiver.xfce.org] [4] Peazip: [http://peazip.sourceforge.net ] |





