Novell macht weiter ernst mit Linux und bringt eine eigene Desktop-Distribution für Unternehmen heraus. Sie basiert auf dem Suse Linux Enterprise Server 9, enthält aber auch Neuerungen.
Am schwierigsten ist es, den Überblick zu behalten: Mit dem Zukauf von Suse hat Novell gleich mehrere Linux-Produkte ins Portfolio aufgenommen und jetzt noch selbst eins dazugepackt. Zum Suse Linux Enterprise Server (SLES 9) und zur neuen Suse Linux Professional 9.2 kommt jetzt noch der Novell Linux Desktop (NLD).
Desktop für Firmen
Den NLD gibt es nicht im Laden zu kaufen, sondern nur über die Novell-Vertriebskanäle, denn die Zielgruppe sind Firmenkunden. Er basiert auf SLES 9, was auch die Neun im Namen erklärt – eigentlich ist es Novells erste eigene Linux-Distribution.
Auf der Website[1] liegen hinter der Registrierung versteckt drei ISO-Images mit einer auf 30 Tage beschränkten Testversion, sie besitzt vollen Umfang und lässt sich auch nach der Testphase weiter betreiben. Allerdings endet dann der freie Zugang zu Patches und Updates. Kosten soll der Desktop ungefähr 70 Euro pro Installation und Jahr.
Wer Suse Linux kennt, wird bei der Installation kaum überrascht, außer der Optik hat sich wenig geändert. Nur ein Menüpunkt »ZLM« für das ZENworks Linux Management ist dazugekommen. Wer den entsprechenden Server besitzt, verwaltet die Novell-Desktop-Systeme zentral: Sie enthalten das ehemalige Ximian-Produkt Red Carpet, das ZENworks gegenüber als Client auftritt.
Beim Desktop hat der Anwender die Wahl zwischen KDE und Gnome, bislang legt sich Novell nicht fest, sondern setzt nach eigener Aussage auf “Choice”. Der folgende Test beschränkt sich auf Gnome, die KDE-Oberfläche sieht ähnlich aus und ist weitgehend funktional identisch. Der Gnome-Desktop ist allerdings noch eine Spur übersichtlicher, siehe Abbildung 1.
Standardprogramm
Die Hauptanwendungen sind das Büroprogramm Open Office, der Personal Information Manager (PIM) Evolution in Version 2.0 und der zurzeit sehr angesagte Browser Firefox. Die Oberfläche aller Programme samt Menüs und Buttons erscheint einheitlich. Open Office startet in der Novell-Edition wie Gimp mit rot-blau angepasstem Splashscreen.
Die Zugaben im Vergleich zum SLES 9 sind spärlich, aber typisch. Am interessantesten ist wohl der I-Folder-Client, den Novell unter der GPL freigeben hat. Er teilt Verzeichnisse mit anderen Benutzern oder synchronisiert Server- und lokale Folder, siehe Abbildung 2 und den Kasten “I-Folder”.
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I-Folder |
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Wer nicht gleich den Novell Desktop installieren will, findet den Sourcecode zum I-Folder-Client auf der Website[2]. Es ist gar nicht so einfach, ihn zu kompilieren – dem tollen Ruf des verwendeten Framework Mono zum Trotz. Schnell stellte sich im Test ein vertrautes Gefühl ein, als das Configure-Skript viele fehlende Bibliotheken bemängelte. Google hilft bei der Suche nach fertigen Paketen. Online-TestWer die passende Software zusammen und sich für einen Testaccount bei Novell registriert hat, synchronisiert dann problemlos ein oder mehrere lokale Verzeichnisse mit dem Testserver [http://ifolderdemo.novell.com]. Dort liegen die Daten verschlüsselt, wofür die Passphrase dient, die zusätzlich zu Username und Passwort nötig ist. Das Serverprogramm wird im bald erwarteten Open Enterprise Server enthalten sein. Im Java-Interface auf dem Server angelegte Directories tauchten prompt im I-Folder-Client auf. Dort lässt sich die Zeit bis zur nächsten Synchronisation einstellen. Die Option, ein Verzeichnis mit anderen Benutzern zu teilen, ist in der aktuellen Version noch nicht implementiert, soll aber folgen. |
Wie Suse Professional 9.2 bringt der NLD 9 den Realplayer 10 mit, der auch das proprietäre, aber beliebte Real-Format in der neuesten Version abspielt. Realplayer und XMMS beherrschen von Haus aus MP3. Damit dürfte Novell in jedem Büro punkten.
Für Windows-Terminalserver enthält die Distribution den ICA-Client von Citrix. In die andere Richtung funktioniert die Fernsteuerung des Novell Desktops über das weit verbreitete VNC. Das Datenbank-Frontend Mergeant und das Projektplanungsprogramm MrProject runden die Softwareauswahl ab. Tabelle 1 vergleicht die Versionen wichtiger Programme der Novell-Distributionen.
Fremd-RPMs installieren
Angesichts der zwar ausreichenden, aber knappen Softwareauswahl mag vielleicht der Wunsch nach anderen Programmen entstehen. Daher versuchten die Tester, den Webserver Apache nachzuinstallieren. Doch gestaltete sich das Installieren des RPM von Suse Professional recht schwierig: Die schon installierte LibAPR passte nicht dazu, also ersetzte das Testlabor die installierte Version »libapr0-2.0.49-27.17« durch das entsprechende Paket »libapr0-2.0.50-7.i586.rpm« von Suse.
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Tabelle 1: Software |
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|---|---|---|---|
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Programm |
NLD |
SLES 9 |
Suse Professional 9.2 |
|
Kernel |
2.6.5-7.111 |
2.6.5-7.97 |
2.6.8-24 |
|
Glibc |
2.3.3 |
2.3.3 |
2.3.3 |
|
GCC |
3.3.3 |
3.3.3 |
3.3.4 |
|
XFree86 |
4.3.99 |
4.3.99 |
– |
|
X.org |
– |
– |
6.8.1 |
|
KDE |
3.2.1 |
3.2.1 |
3.3 |
|
Gnome |
2.6 |
2.4 |
2.6 |
|
Open Office |
1.1.3-0.15 |
– |
1.1.3-16 |
|
Acrobat Reader |
5.09 |
5.08 |
5.09 |
|
Realplayer |
10.0.1-1.4 |
– |
10.0.1-3 |
|
Mozilla |
1.7.2-17 |
1.6 |
1.7.2-17 |
|
Firefox |
0.10.6.10 |
– |
0.10.0-14 |
|
Evolution |
2.0.1-1.4 |
– |
2.0.1-6 |
|
KDevelop |
– |
– |
3.1.0 |
|
Eclipse |
– |
– |
3.0 |
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Mono |
1.0.1-3 |
– |
– |
Ähnlich sah es bei den LDAP-Bibliotheken aus. RPM bemängelte das Fehlen der Library »liblber-2.2.so.7«, tatsächlich enthält das NLD-Paket »openldap2-client-2.2.6-37.23« nur »/usr/lib/liblber .so.199«. Ein Update des Pakets ist aber ziemlich riskant, denn gut 30 Pakete hängen von ihm ab, also versuchten die Tester es mit dem SLES-9-Apache.
Die Pakete »apache2-2.0.49-27.8.i586.rpm« und »apache2-worker-2.0.49-27.8.i586.rpm« ließen sich ohne Probleme installieren. Sogar die Konfiguration mit »SuSEconfig –module apache2« klappte. Wer fremde RPMs auf dem Novell Linux Desktop installieren möchte, sollte also zu SLES-9-Paketen greifen.
Suse oder Novell?
Am meisten fällt auf, wie stark Novell an der Optik gearbeitet hat. Böse Zungen werden behaupten, das sei auch das Einzige. Der ganze Desktop wirkt grafisch aus einem Guss, vom Bootscreen über das Login-Fenster bis zu den Buttons der Programme.
Novell Linux Desktop ist eine Mischung aus SLES 9 und Suse Linux Professional 9. Er wertet das gut getestete Enterprise-Linux mit den wichtigsten aktuellen Desktop-Programmen auf und lässt dafür die Serveranwendungen weg. Zusammen mit dem Support-Modell eine denkbare Lösung für Firmendesktops. Wer auf Support keinen Wert legt, bekommt ein aktuelles und abgespecktes Suse im einheitlichen Novell-Look.

Abbildung 2: I-Folder synchronisiert regelmäßig lokale Verzeichnisse mit denen auf dem Server. Die Intervalle legt der Benutzer in den »Einstellungen« fest. Der Button »Synchronisieren« startet den Vorgang von Hand.
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Infos |
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[1] Novell Linux Desktop Evaluation: [http://www.novell.com/products/desktop/eval.html] [2] I-Folder Client Download: [http://forge.novell.com/modules/xfmod/project/?ifolder] [3] Vergleich der Support-Features von SLES 9 und Suse Professional 9.2: [http://www.novell.com/products/linuxprofessional/comparative.html] |







