Auch im vergangenen Monat gab es einige Neuigkeiten in der Welt der freien Software. Diesmal: Amarok spielt Musik mit System ab, Flightgear bringt die Sterne näher, Debian veröffentlicht die dritte Revision von Woody und wir berichten über Skolelinux. Der Küchenchef empfiehlt am Schluss Schokolade mit Mandeln.

Abbildung 1: Flightgear-Karten gibt es für alle Erdteile. Das Gesamtpaket ist immerhin 12 GByte groß und auf drei DVDs beziehungsweise elf CDs zu haben.
Das Thema Softwarepatente beschäftigt seit Monaten Befürworter und Gegner gleichermaßen. Im EU-Parlament hatte der Pro-Patent-Vorschlag der EU-Kommission nie große Erfolgsaussichten, den EU-Rat dagegen passierte er nur unwesentlich überarbeitet. Dafür sorgte nicht zuletzt die veränderte Haltung der deutschen Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. Zuvor hatte sie nämlich noch angekündigt, sich der Stimme zu enthalten, sodass der Vorschlag keine Chance gehabt hätte.
Nun fließt besonders in Deutschland neues Wasser auf die Mühlen der Gegner: Im Oktober sprachen sich alle Fraktionen des Bundestags gegen Softwarepatente aus. Auf einen einheitlichen Leitantrag konnten sie sich dennoch nicht einigen. Ein solcher Antrag würde das Justizministerium zwar zu nichts verpflichten, aber zumindest erheblich unter Druck setzen. Ausführlicher geht der Beitrag ab Seite 76 auf das Problem der Softwarepatente ein.
Abheben mit Flightgear
Flugmaschinen zählen spätestens seit Leonardo da Vinci zu den technischen Träumen der Menschen und Flugreisen sind für viele bereits alltäglich. Das Cockpit selbst bleibt jedoch mangels Pilotenschein und passender Finanzausstattung für die meisten verschlossen. Schon seit längerem sorgt vor allem Microsoft für Abhilfe. Leider funktioniert deren Flight Simulator aber nicht mit Linux. Doch die Open-Source-Community hilft sich selbst: Flightgear bringt das Cockpit-Feeling nach Hause und steht vollständig unter der GPL.
Als Motivation für das Flightgear-Projekt nennen die Entwickler, sie seien mit den kommerziell erhältlichen Flugsimulatoren unzufrieden. Das größte Problem sehen sie darin, dass sie mangels Einsicht in die Quellcodes keine Möglichkeit haben, eigene Erweiterungen und Verbesserungen einzubauen.
Flightgear entwickelte sich schnell zum Projekt mit globalen Ambitionen. Mittlerweile verbessern unzählige Programmierer in allen Teilen der Welt den Flugsimulator. Unter ihnen tummeln sich sowohl Studenten, die bei diesem komplexen Thema etwas lernen möchten, als auch Spieler, die gewünschte Features kurzerhand selbst implementieren.
Mächtiger Download
Der Umfang von Flightgear ist schon auf beeindruckende Größe angewachsen. Allein das Basispaket mit allen Flugzeugmodellen und einer kleinen Karte der Gegend rund um San Francisco (Abbildung 1) umfasst mehr als 90 MByte. Den Rest der Welt gibt es auf weiteren digitalen Flightgear-Karten. Wer den Download scheut, kann das Gesamtpaket über die Flightgear-Homepage[1] bestellen; es füllt mit seinen 12 GByte drei DVDs oder elf CDs. Aber auch Teile der Weltkarte stehen zum separaten Download zur Verfügung.
Nach der Installation startet Flightgear mit dem Befehl »fgfs«. Wer keine Parameter übergibt, findet sich mit einer Cessna in der erwähnten Umgebung von San Francisco. Zum Steuern ist ein Joystick ideal, mit einer Maus get\’s aber ebenfalls. Im Standardmodus dient sie dazu, die Cockpit-Instrumente zu bedienen und die Programmmenüs aufzurufen. Mit einem Rechtsklick verwandelt sich die Maus zum Joystick-Ersatz. Ein weiterer Rechtsklick verändert die Perspektive. Das Flugzeug lässt sich von außen seitlich sowie von vorn oder oben betrachten. Ansonsten schaut der Benutzer in der Rolle des Piloten aus dem Cockpit hinaus.

Abbildung 2: Eine Antonow auf dem Rollfeld des Flightgear- Rollfelds. Zahlreiche weitere Flugzeugtypen stehen zur Auswahl.
Wer sich mit der Cessna nicht anfreunden kann, wählt ein anderes Flugzeug. Es stehen diverse Jumbojets wie die Boeing 747 oder eine Antonow (Abbildung 2) bereit, auch zwei Kampfjets sind vertreten (F 16 und der Prototyp einer Northrop/McDonnell Douglas). Für ein historisches Erlebnis sorgt ein Modell des ersten Flugzeugs der Gebrüder Wright. Im Internet bieten einige Flightgear-Fan-Homepages weitere Flugzeugtypen an.
Im Vergleich zu kommerziellen Flugsimulatoren begnügt sich Flightgear mit bescheidener Hardware. Es setzt jedoch eine halbwegs aktuelle Grafikkarte mit OpenGL-3D-Beschleunigung voraus. Der Einstieg in die Welt der virtuellen Piloten gestaltet sich nicht ganz einfach. Das Handbuch auf der Flightgear-Homepage gibt eine Übersicht über die wichtigsten Instrumente und Tasten.
Amarok als KDE-Audioplayer
Mit der steigenden Popularität von Linux auf dem Desktop ist auch die Zahl der grafischen Abspielprogramme für MP3- und Ogg-Musikdateien explosionsartig gewachsen. Puristen setzen dagegen auf das Kommandozeilenprogramm Mpg123[2]. In der Welt der GUIs erfreuen sich der Winamp-Klon Xmms sowie der KDE-Standard Noatun großer Beliebtheit.
Zwei Nachteile haben beide: Zum einen lässt ihr Äußeres einiges zu wünschen übrig. Xmms verwendet zwar die zahlreichen Outfits von Winamp, die so genannten Skins, allerdings nur jene für die Version 2 des Windows-Programms. Die Winamp-Entwickler entwarfen für ihre neue Ausgabe ein neues Skin-System, da sie die alten Layouts zu langweilig fanden. Noatun passt sich ohne Extras dem KDE-Design an.
Als zweiten Nachteil haben beide Abspielprogramme, dass sie beim Verwalten großer Musiksammlungen kaum helfen. Sowohl Xmms als auch Noatun legen lediglich einfache Playlists an. Dabei speichern sie jeweils in einer Textdatei nacheinander die Pfadangaben zu den einzelnen Musikdateien. Der Player liest dann die Liste ein und spielt die Lieder nacheinander ab. Eine komplette Datenbank mit Interpreten, Titeln und Genres mit den in die Dateien integrierten ID3-Tags fehlt.
Mit Amarok[3] betrat vor einiger Zeit ein neuer Audioplayer die Bühne, um dieses Problem zu lösen. Er richtet sich vorrangig an KDE-Anwender, das äußert sich unter anderem darin, dass es noch kein Plugin gibt, das direkt das Alsa-Kernelmodul ansteuert. Stattdessen verwendet Amarok das KDE-Soundsystem Arts, aber auch für GStreamer und die Xine-Engine gibt es Erweiterungen.
Wiedergabeliste mit vielen Informationen
Die Oberfläche von Amarok besteht aus der ausführlichen Wiedergabeliste mit zahlreichen Informationen zum aktuellen Lied, dem Interpreten und weiteren Playlists (Abbildung 3). Auf Wunsch lässt sich zudem ein separates Wiedergabefenster im Xmms-Stil einblenden. Es bietet grafische Features, die die abgespielte Musik visualisieren. Zahlreiche Plugins ergänzen dabei die von Xmms bekannten Standardmodi.
In seinem Playlist-Fenster zeigt Amarok wie andere Player eine Liste der Lieder, die es als Nächste abspielen wird. Es setzt diese Liste aber aus verschiedenen Kollektionen flexibel zusammen. Dazu stellt der Benutzer zunächst eines oder mehrere Verzeichnisse ein, die Amarok nach Musikdateien durchsucht. Die Sammlung-Ansicht präsentiert dann eine aufklappbare Liste aller gefundenen Interpreten. Daraus wählt man einzelne Lieder oder Künstler aus und fügt deren Lieder in die Playlist ein.
Detaillierte Informationen zum gerade gespielten Lied bietet die Kontext-Ansicht. Neben Namen und Interpreten gibt es dort Statistiken darüber, wie häufig ein Lied gespielt wurde, wann zuletzt und wann zum ersten Mal. Darunter zeigt es die anderen Lieder des Albums sowie die laut Amarok-Ranking bevorzugten Tracks dieses Künstlers.
Punkte sammeln für beliebte Titel
Amarok vergibt für jedes Lied der persönlichen Kollektion Punkte, um die Beliebtheit zu ermitteln. So stuft es ein Lied herauf, sobald der Benutzer es abspielt, Punktabzug gibt es, wenn er die Wiedergabe abbricht. Auf diese Weise bildet sich nach und nach eine Liste der persönlichen Favoriten heraus.
Der so genannte Cover-Manager sorgt für die grafische Präsentation eines Albums. Er lädt vom Amazon-Server die Cover-Bilder von Alben herunter und zeigt sie anschließend in der Kontext-Ansicht passend zum gespielten Lied an. Im Gegensatz zu Noatun spielt Amarok auch Internet-Streams ab. Eine eingebaute Playlist verzeichnet bereits einige Internetradios.
Farblich setzt Amarok wenig Akzente. Ein System, um eigene Skins wie bei Xmms einzubinden, gibt es hier nicht, stattdessen passt es sich dem QT-Theme an. Zudem bringt es ein blau-schwarzes Standard-Outfit mit, der Benutzer kann aber auch Vorder- und Hintergrundfarbe nach seinem Geschmack selbst definieren. Für schnelle Information über ein neues Lied sorgt Amarok mit seinem On- Screen-Display: Ein blauer Kasten erscheint, sobald ein neues Lied angespielt wird, und verrät Titel, Interpreten und Länge. Das OSD lässt sich in puncto Farbe, Position, Größe und Schriftart ebenfalls frei konfigurieren.
Amrok als Alternative
Für anspruchsvolle Musikliebhaber ist Amarok als Audioplayer eine beachtenswerte Alternative zu Xmms & Co. Zwar ist die Benutzung teilweise nicht ganz intuitiv, aber es bietet vor allem mit seiner Musikdatenbank deutlich mehr als reine Playlists.
Neue Revision von Debian GNU/Linux Woody
Martin Schulze, Release-Manager des stabilen Zweigs von Debian GNU/Linux, hat die Veröffentlichung einer neuen Revision des aktuellen Debian 3.0 (Woody) bekannt gegeben. Debian 3.0r3 folgt der Release Policy des Projekts, in neue Revisionen einer schon stabilen Distribution nur noch Korrekturen für sicherheitskritische Probleme und schwere Programmfehler einfließen zu lassen.
So brauchen Administratoren beim Update keine Probleme zu befürchten. Den Großteil der Korrekturen machen Sicherheits-Updates aus. Wer ohnehin die aktuellen Pakete von [security.debian.org] eingespielt hat, verfügt bereits über diese Neuerungen.
Linux in der Schule
Die Anforderungen an ein Schulnetzwerk und seine Clients erinnern an die von Firmen, Behörden und Universitäten bekannten Situationen. Die Clients sind meist quasi-öffentlich und müssen deshalb die Programmauswahl einschränken. Gleichzeitig ist eine zentrale Administration unerlässlich, sowohl beim Aktualisieren bestehender als auch beim Aufsetzen neuer Clients.
In ihrem Kenntnisstand unterscheiden sich die Benutzer jedoch erheblich. Manche Schüler benutzen Computer und das Internet täglich, andere sitzen im Klassenzimmer zum ersten Mal vor einem Rechner. Auch Lehrer, die in Schulen gewöhnlich in die Rolle des Administrators schlüpfen, sind meist nicht in diesem Bereich ausgebildet. Einfache Bedienbarkeit zählt allerdings – jedenfalls gängigen Vorurteilen zufolge – nicht gerade zu den Stärken von Debian. Das Projekt Skolelinux[4] hat es sich zur Aufgabe gemacht, dies speziell für diesen Zweck zu ändern.
Das Skolelinux-Team übernahm das vor einigen Jahren verwaiste Debian-Edu-Projekt und arbeitete daran lange weitgehend unbemerkt. Einen Schwerpunkt bildete dabei der Entwurf einer komfortableren Installationsroutine. Die von Debian Woody verwendeten Boot-Floppies gelten als unbrauchbar für künftige Releases. Skolelinux machte sich als Erstes daran, einen neuen Installer zum leichten Einrichten zu entwickeln. Damit schufen sie die Basis für das Installationsprogramm, das Debian Sarge verwendet.
Schul-kompatible Ansprüche
Ein Skolelinux-Netzwerk geht von einer vorgegebenen Situation aus: Ein Server stellt die Dienste bereit, die beliebig viele Clients nutzen. Für beide gibt es Installationsprofile, aufeinander abgestimmte Netzwerkteilnehmer lassen sich so leicht einrichten.
An die Hardware des Clients stellt Skolelinux geringe Anforderungen; das gehört bei den oft altertümlich ausgestatteten Schulen zu den Voraussetzungen. Selbst auf eine Festplatte kann ein Client verzichten, wenn es ein Netzwerk gibt: Beherrscht die Ethernet-Karte PXE, bootet der Rechner als Thin Client übers Netz. Die Schüler sehen an den Clients alles, was Endanwender von einem PC erwarten: KDE als Desktop-Umgebung, Open Office als Bürosuite und als Webbrowser verwendet Skolelinux im Normalfall Opera (Abbildung 4). Beim Verwalten von Benutzern, Gruppen und weiteren Standardaufgaben unterstützt der bekannte Webmin den Administrator.
Der Skolelinux-Server stellt per Cups allen Rechnern im Netz einen Drucker bereit. Selbst Windows-Rechner drucken damit per Samba oder IPP. Überhaupt konfiguriert Skolelinux sein Samba-Paket so vor, dass auch die Integration von Windows-Clients und ihren Freigaben kein Problem ist. Zudem kümmert sich ein LDAP-Server um die zentrale Account-Verwaltung, ein NFS-, ein Apache- und ein Mailserver sind ebenfalls betriebsbereit.
Die Arbeit der Skolelinux-Entwickler findet im Herkunftsland Norwegen bereits Anklang in zahlreichen Schulen und eignet sich für denselben Zweck ebenso in Deutschland; auch wenn es hierzulande bisher nur wenige Schulen einsetzen. Ihre professionelle Herangehensweise belohnten die Juroren in diesem Jahr übrigens mit dem Linux New Media Award für die beste Newcomer-Distribution[5].
Schoko-Mandel- Knusperstückchen
Zutaten: 60 g grob gehackte Mandeln (Mandelstifte), zwei Päckchen Vanillezucker, 150 g Haferflocken, 200 g Kuvertüre (Vollmilch und Zartbitter).
Zunächst die Mandeln zusammen mit dem Vanillezucker in einer Pfanne rösten. Anschließend die Kuvertüre in einem heißen Wasserbad schmelzen und die geröstete Masse und die Haferflocken untermischen. Damit ist der “Teig” bereits vorbereitet.
Mit einem Teelöffel die Masse jeweils in kleine Portionen teilen. Diese Portionen in kleine Pralinenförmchen geben und darin erkalten lassen.
So viel dazu
Das war die letzte Projekteküche vor Weihnachten und in diesem Jahr. Dem Projektekoch bleibt also als Schlusswort, ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen. Er würde sich außerdem freuen, wenn ihm jeder, der ein Tool schätzt oder entwickelt, eine E-Mail schickt, und zwar an[6]. (csc)
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Infos |
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[1] Flightgear: [http://www.flightgear.org] [2] Mpg123: [http://www.mpg123.de] [3] Amarok: [http://amarok.kde.org] [4] Skolelinux: [http://www.skolelinux.org] [5] Linux New Media Award: [http://www.linuxnewmedia.de/Award_2004/award2004/] [6] Hinweise und Vorschläge: [projektekueche@linux-magazin.de] |








