Trotz aller Fortschritte in der Treiberentwicklung bereiten Notebooks mit ihrer spezialisierten Hardware gerne Probleme. Manchmal ist aber nur ein wenig Starthilfe nötig, um Linux dennoch einrichten und verwenden zu können, wie das Linux-Magazin bei vier aktuellen Geräten herausfand.
Bei herkömmlichen Desktop-PCs und Servern leistet die automatische Hardware-Erkennung moderner Distributionen meist ganze Arbeit, manuelle Eingriffe während der Installation sind trotz der Gerätevielfalt selten geworden. Notebooks bleiben jedoch ein Sonderfall, da Hersteller hochspezialisierte Komponenten und noch dazu in ungewöhnlicher Konstellation verwenden.
Dank Centrino hat sich bei Notebooks mit Intel-Prozessoren ein Quasi-Standard etabliert, der den Herstellern einige Komponenten vorschreibt. So sind in allen vier getesteten Geräten Pentium-M-Prozessoren und der Intel-915-Chipsatz verbaut, zusammen mit dem WLAN-Modul Intel Pro-Wireless 2915ABG – für aktuelle Distributionen problemlos, passende Treiber gibt es seit einiger Zeit.
Bei den Grafikadaptern und der Peripherie hingegen haben die Hersteller freie Hand und setzen je nach Gusto auf die verschiedensten Lösungen. So sind etwa die Flash-Kartenleser der hier getesteten Notebooks entweder über einen speziellen PCI-Controller von Ricoh angebunden oder über den Cardbus-Adapter – für beide Lösungen gibt es aber noch keine Treiber. Nur das Lynx Multimedia Notebook 6300 benutzt einen USB-Adapter, der einwandfrei funktioniert.
Andere Hardware wie die Grafikadapter von ATI und Nvidia lassen sich nur mit proprietären Treibern ausreizen, oder das jeweilige Gerät benötigt besondere Kernelparameter, um überhaupt zu starten. Die folgenden Abschnitte beschreiben die notwendigen Einstellungen und auch Einschränkungen bei den einzelnen Notebooks.
Acer Travelmate 8102
Als einziges Gerät im Testfeld ist das Acer Travelmate 8102 sowohl mit einem DVI-Ausgang als auch einem herkömmlichen VGA-Anschluss ausgestattet. Beide lassen sich prinzipiell unabhängig voneinander ansteuern, sodass echter Dual-Head-Betrieb mit externen Monitoren möglich wäre. Der dazu erforderliche proprietäre ATI-Treiber für den Radeon-X700-Chip ließ sich jedoch nicht verwenden, womit auch die 3D-Hardwarebeschleunigung ausfiel und die Auflösung auf 1400 mal 1050 Pixel statt 1680 mal 1050 Pixel begrenzt war.
Auch der per PCI angebundene Ricoh-Flash-Kartenleser sowie der Smartcard-Reader des Travelmate 8102 sind nicht benutzbar, hier fehlt es derzeit an passenden Treibern. Der Bluetooth-Adapter und das WLAN-Modul bereiteten wie die übrigen Komponenten hingegen keine Probleme. Erwähnenswert ist das DVD-Laufwerk, es verarbeitet nicht nur Double-Layer-Medien, sondern kann auch DVD-RAMs beschreiben.
Die Installation von Suse Linux erwies sich als ungewohnt schwierig. Egal ob der Autor die DVDs der Version 9.0, 9.2 oder 10.0 verwendete – der komplette Rechner stürzte ab, sobald im grafischen Menü des CD-Bootloaders eine Taste gedrückt wurde. Mit den Isolinux- und Syslinux-Versionen von Debian Sarge, Knoppix 3.6, Mandriva 2005 oder Fedora Core 4 gab es keine Probleme.
Installationshürden
Die Kernel aller Distributionen reagierten allerdings allergisch auf den Advanced Interrupt Controller (APIC) des Travelmate 8102. Ohne den Kernelparameter »noapic« ließ sich keine der Linux-Distributionen booten. Auch die Installation der einzelnen Distributionen war äußerst fragil, weshalb man möglichst viele Konfigurationspunkte bei der Installation überspringen und die Hardware später mit den Werkzeugen der jeweiligen Distribution einrichten sollte. So gab es beim Versuch, die grafische Oberfläche unter Mandriva 2005 einzurichten, unschöne Grafikfehler, die eine weitere Bedienung des Installationsprogramms unmöglich machten.
Die Installation von Suse Linux 10.0 ist besonders kompliziert, da hierzu die Notebook-Festplatte ausgebaut und in einen herkömmlichen Desktop-Rechner eingebaut werden muss. Weil die Festplatte des Travelmate noch einen herkömmlichen parallelen ATA-Anschluss (PATA) besitzt, benötigt man hierzu einen Adapter, den es zum Beispiel für knapp zwei Euro unter der Bestellnummer ATA 44-40A bei Reichelt Elektronik [1] gibt. Da Yast nach der rechnerunabhängigen Software-Installation neu startet, ist es kein Problem, an dieser Stelle die Festplatte wieder in das Notebook einzubauen.
Zuvor wollen jedoch das Kernelmodul »lp« sowie alle Parallelport-Module aus »kernel/drivers/parport« entfernt oder verschoben sein. Da sich bei der Ersteinrichtung des Systems die Hardware-Erkennung nicht überspringe lässt, lädt Yast auf der Suche nach Druckern die Treiber und bringt damit das Travelmate 8102 zuverlässig zum Absturz – obwohl das Notebook nicht einmal über einen Parallelport verfügt. Auch die Netzwerkeinrichtung darf nicht während der Erstkonfiguration erfolgen, da »modprobe« beim Laden des Moduls »tg3« stehen bleibt und Yast die Konfiguration nicht abschließen kann.
Nach Abschluss der Einrichtung erfolgt der erste Neustart, jetzt lassen sich Netzwerk, WLAN und Bluetooth problemlos einrichten, die Kernelmodule bereiten dann keine Probleme mehr – allerdings ist der APIC nach wie vor für Linux tabu, selbst mit Kernel 2.6.16-rc1 gelang es dem Autor nicht, ihn ohne Kernelabsturz einzusetzen.
Praktisches Design
Das Design des Acer Travelmate 8102 ist durchdacht, die geschwungene Tastatur erlaubt sogar ein entspanntes Schreiben. Allerdings hat der Hersteller die [<]-Taste völlig unüblich an den rechten Rand verlegt, zudem sind die Cursor-Tasten nicht abgesetzt und die Bildlauftasten sind wie beim Samsung X50 rund um die Tastatur verstreut.
Der große Akku liefert Energie für knapp drei Stunden kabelfreien Betrieb, mit den Stromsparoptionen des proprietären ATI-Treibers wäre aber sicherlich noch mehr möglich. Das Gewicht des Travelmate bleibt dank Aluminiumgehäuse aber bei erträglichen 3 Kilo.
Lynx Multimedia 6300
Die meisten Notebookhersteller suchen bei der Auswahl der Komponenten einen Kompromiss, der den Anwender nicht unnötig früh an die Steckdose zwingt, ihm aber am Schreibtisch genügend Leistung für seine Anwendungen und Spiele zur Verfügung stellt. Beim Lynx Multimedia Notebook 6300 hingegen hat sich der Hersteller kompromisslos für gleich zwei Grafikadapter entschieden, zwischen denen der Benutzer beim Einschalten wählen kann: Dem im Intel-915GM-Chipsatz integrierten und einem Nvidia Geforce Go 6600.
Für den Linux-Betrieb bedeutet der umschaltbare Grafikadapter, dass je nach Schalterstellung an der Gerätefront (sie- he Abbildung 1) eine andere X-Konfiguration mit veränderter Bildschirmauflösung aktiv sein muss, da der Treiber des Intel 915GM nicht die ganze physikalische Bildschirmauflösung (1680 mal 1050 Pixel) nutzen kann. Für den Stromsparbetrieb stehen deshalb nur 1400 mal 1050 Pixel zur Verfügung. In der Praxis lohnt sich der Aufwand der Doppelkonfiguration, die Akkulaufzeit verlängert sich mit dem internen Grafikadapter gegenüber dem Nvidia-Adapter um eine volle Stunde.

Abbildung 1: Der Schalter rechts an der Gerätefront wechselt bei ausgeschaltetem Notebook zwischen dem Grafikadapter im Chipsatz und dem Nvidia-Adapter.
Gute Treiberunterstützung
Bei der Hardware-Unterstützung leistet sich das Lynx Multimedia 6300 keine Schwächen, abgesehen von den beschriebenen Probleme mit dem internen Grafikadapter. Selbst Suspend to RAM funktioniert einwandfrei. Das Synaptics-Touchpad ist in der Praxis zu empfindlich: Liegt der Handballen am Rand des Touchpads, schirmt die Kunststoff-Oberschale des Geräts die Ränder des Pads nicht genug ab, sodass es schon beim normalen Schreiben zu ungewollten Klicks und Mausbewegungen kommt. Abhilfe schafft das Programm »ksynaptics«, das die Empfindlichkeit des Touchpads einstellt.
Das Design des Geräts ist praktisch. Das Gehäuse hat einen keilförmigen Querschnitt, was für die angenehme Schrägstellung der Tastatur sorgt. Die Lautsprecher sind unterhalb des TFT-Displays angebracht und werden so – anders als beim Samsung M70 – beim Schreiben nicht von den Händen verdeckt.
Einen besonderen Clou hat sich der Hersteller für den nachrüstbaren Bluetooth-Adapter einfallen lassen: Statt wie die Konkurrenz ein kombiniertes Bluetooth-WLAN-Modul mit Mini-PCI-Anschluss einzusetzen, gibt es neben dem Festplattenschacht einen versteckten USB-Anschluss, in den sich ein Mini-Bluetooth-Modul einschieben lässt. Alternativ kann man hier auch einen USB-Flashspeicher unterbringen, der etwa ein Rettungssystem oder einfach nur ein Backup der wichtigsten Daten enthält.
Beim Gewicht hat sich der Hersteller allerdings verrechnet – statt der angegebenen 3 Kilo wiegt das Testgerät ein halbes Kilo mehr. Ein weiteres Problem ist der Lufteinlass des Prozessorlüfters, der gleichzeitig auch den Grafikadapter kühlt, auf der Unterseite: Hält man das Notebook auf den Oberschenkeln, sind sie verdeckt, zudem wird das Notebook unangenehm warm und hervorstehende Plastiknasen bohren sich ins Fleisch.
Samsung M70 und X50
Die beiden Samsung-Notebooks M70 und X50 richten sich an unterschiedliche Käufergruppen. Während das M70 mit seinen riesigen Abmessungen, dem hohen Gewicht und dem abnehmbaren Display als Desktop-Ersatz gedacht ist, bleibt das X50 bei fast identischer Ausstattung leicht und handlich.
Die Hardware der beiden Modelle unterscheidet sich nur beim Grafikadapter und den Display-Abmessungen. Zudem besitzt das X50 einen noch nicht unterstützten Fingerabdrucksensor zwischen den beiden Maustasten. So ähnlich sich die beiden Notebooks sind, so ähnlich ist auch der Preis: Trotz des riesigen Displays ist das Topmodell M70 mit 3000 Euro kaum teurer als das X50.
Die Größe des M70 bereitet auf Reisen durchaus Probleme, so passt das Notebook in keinen normalen Aktenkoffer oder Rucksack und auch in keine herkömmliche Notebooktasche. Dafür hatte der Hersteller genügend Platz, um eine Tastatur mit abgesetztem Ziffernblock einzubauen. Sie bietet beim Schreiben den Komfort einer herkömmlichen Tastatur. Die Cursortasten sind ebenfalls abgesetzt, allerdings störte die zweite [Fn]-Taste, die zwischen [Oben] und [Rechts] angebracht ist.
Anders sieht es beim leichten und flachen Samsung X50 aus: Hier reichte der Platz offenbar nicht, um die Cursortasten ein wenig von den übrigen Tasten abzusetzen. Auch die Bildlauftasten sind relativ verstreut um die Standardtasten angeordnet – wer sonst mit einer PC-Tastatur arbeitet, benötigt einige Zeit, um die Tasten zu finden.
Abnehmbares Display
Clever: Das Display des M70 lässt sich im ausgeschalteten Zustand vom Notebook abnehmen (Abbildung 2) und im beiliegenden Standfuß als vollwertiges externes TFT-Display verwenden (Abbildung 3). Allerdings hat Samsung dem M70 lediglich eine VGA-Buchse zum Anschluss des externen Monitors verpasst, obwohl der Monitorständer sowohl einen VGA- als auch einen DVI-Eingang besitzt. Im eingebauten Zustand wird das TFT-Panel jedoch digital angesteuert.

Abbildung 2: Das Display des Samsung M70 ist nur aufgesteckt. Sind die beiden Verriegelungsplatten auf der Unterseite erst ausgeklappt, lässt sich das Display im aufgeklappten Zustand nach hinten vom Notebook abziehen.

Abbildung 3: Mit wenigen Handgriffen und dem im Lieferumfang enthaltenen Monitor-Standfuß wird das Display des Notebooks zu einem vollwertigen Monitor mit VGA- und DVI-Eingang. Da das Notebook keinen DVI-Ausgang besitzt, wird es im externen Betrieb über den VGA-Anschluss mit dem Display verbunden.
Die unterschiedliche Ansteuerung führte im Test prompt zu Problemen mit der Darstellung und der Grafikkonfiguration: So erkannte das TFT im externen Betrieb zwar den Grafikmodus des Notebooks mit 1680 mal 1050 Pixel, stauchte das Breitbild aber auf 4:3 zusammen und zeigte rechts und links schwarze Streifen. Abhilfe brachte die Erhöhung der Bildwiederholfrequenz auf 60 Hertz – dann liegen jedoch die oberen 20 Pixel außerhalb des sichtbaren Bereichs. Da das OSD des Monitorständers keine Möglichkeit bietet, die Höhe des Bildes anzupassen, ließ sich keine befriedigende Darstellung bei höchster Auflösung erreichen. Bei 1400 mal 1050 Pixeln oder niedriger hingegen gab es keine Darstellungsprobleme, solange die Bildwiederholfrequenz bei 60 Hertz lag.
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Tabelle 1: Alle |
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Kein Bild trotz Nvidia-Treiber
War das TFT-Panel mit dem Notebook vereint, blieb der Bildschirm schwarz, wenn – wie beim externen Betrieb getestet – der Nvidia-Treiber zum Einsatz kam. Das ließ sich auch nicht durch zusätzliche Treiberoptionen beheben. Der freie Treiber »nv« hingegen, den etwa Suse Linux standardmäßig verwendet, bereitet überhaupt keine Probleme, alle Standardauflösungen und Bildwiederholfrequenzen funktionieren einwandfrei. Allerdings lässt sich so die 3D-Hardwarebeschleunigung des Nvidia Geforce Go 6600 nicht nutzen.
Der ATI-Grafikchip des Samsung X50 bereitete hingegen kaum Probleme. Lediglich bei der Installation von Suse Linux 10.0 ist Vorsicht geboten: Bei der Einrichtung der grafischen Oberfläche darf die maximale Auflösung von 1680 mal 1050 Pixel noch nicht ausgereizt werden, da der Distribution der proprietäre ATI-Treiber für den Radeon-X700-Chip fehlt. Der Treiber ist aber als fertiges RPM-Paket ohne weiteres von der ATI-Homepage herunterzuladen und einzurichten. Nach dem nächsten Neustart stehen die volle Bildschirmauflösung sowie die 3D-Hardwarebeschleunigung bereit.
Die Einrichtung der übrigen Hardware, abgesehen vom noch nicht unterstützten Flash-Kartenleser und dem Fingerabdrucksensor des X50, verlief bei beiden Samsung-Geräten unspektakulär. Auch die Stromsparmechanismen ließen sich nutzen, Suspend to RAM funktionierte beim M70 allerdings nur zusammen mit dem proprietären Nvidia-Treiber.
Die Akkulaufzeit von knapp drei Stunden trotz des großen Displays verdankt das M70 seinem riesigen Akku, das X50 kommt mit seinem nur halb so großen Energiespeicher immerhin auf zweieinhalb Stunden Akkubetrieb – auch hier gehört das große 15,4-Zoll-Display zu den hungrigsten Stromfressern.
Fazit
Mit den richtigen Treibern und Einstellungen lässt sich Linux auch auf ungewöhnlichen Notebooks einsetzen. Auch wenn das Betriebssystem nicht immer alle Funktionen der Testgeräte ausnutzen kann, war im Test ein sinnvoller Betrieb inklusive Powermanagement möglich. Bis auf das Acer Travelmate 8102 ließ sich auch stets die Auflösung des Displays voll nutzen.
Für Anwender mit wahrlich großen Ambitionen gibt es eigentlich keine Alternative zum Samsung M70 Bemus, auch wenn der proprietäre Nvidia-Treiber gegenwärtig Probleme bereitet. Noch besteht Hoffnung auf bessere Treiber, bei denen das Display intern wie extern funktioniert.
Besonders gut ist die Linux-Unterstützung bei Lynx Multimedia Notebook 6300 und Samsung X50 WVM 2130. Wer ein günstiges Linux-Notebook mit langer Akkulaufzeit sucht, dem sei das Lynx empfohlen. Der Autor würde für sich selbst jedoch das leichtere und edlere Samsung X50 mit dem Magnesiumgehäuse bevorzugen.
Das Acer Travelmate 8102 ist technisch dem Lynx Multimedia 6300 und dem Samsung X50 fast ebenbürtig, die Probleme mit dem aktuellen proprietären ATI-Treiber und dem Bootloader der Suse-Installations-DVDs trüben das Bild ein wenig. Wer kein Suse Linux benötigt, kann auch auf die Starthilfe eines zweiten Rechners verzichten – Mandriva 2005 und Debian Sarge kommen auch aus eigener Kraft ans Ziel.
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Infos |
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[1] Reichelt Elektronik: [http://www.reichelt.de] |






