Aus Linux-Magazin 09/2007

Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Ohne UMTS ins Internet: Wwwoffle sorgt für Speed. Rubrica: Das schlanke Programm verwaltet Kontaktdaten dennoch komfortabel. Dazu gibt's das beste SVN-Frontend und einen Konverter, der mit dem Zugriff auf MS-Access-Datenbanken die Systemwelten zumindest punktuell versöhnt.

Das Internet ist dank Handys und GPRS oder UMTS zum ständigen Begleiter moderner Nomaden geworden. Solange ein Netz mit UMTS zur Verfügung steht, ist das Surfen per Laptop oder mit dem PDA kein Problem. Wenn aber nur GPRS verfügbar ist, gerät das Surfen auf grafiklastigen Websites zur Qual.

Sparen, sparen

Das kleine Programm Wwwoffle stammt noch aus der Zeit vor der Flatrate. Ursprünglich sollte es Modemnutzern dabei helfen, die Onlinekosten zu senken. World Wide Web Offline Explorer ist ein für das Offline-Browsen optimierter Proxyserver: Mit einer URL-Liste gefüttert lädt das Programm die Seiten samt Grafiken herunter und speichert sie in seinem Cache. So surft der Benutzer auch, wenn er gerade nicht mit dem Netz verbunden ist.

Wer die Seiten herunterlädt, während das Notebook am Firmennetz hängt, surft nachher so zügig, als hinge er an einer Breibandverbindung. Auch wer über GPRS herunterlädt, während er andere Arbeiten erledigt oder sich entspannt, muss sich nicht über die langsame Netzverbindung ärgern.

Wwwoffle, das kürzlich Version 2.9 erreicht hat, ist mit viel Liebe zum Detail konzipiert: Auf Wunsch erweitert es jede Seite um eine Fußzeile, die den Zeitpunkt des Herunterladens zeigt. Um Bandbreite zu sparen, filtert die Anwendung Flash-Animationen, Java-Applets und animierte Gifs, wenn der Benutzer dies möchte. Eine so genannte »DontGet«-Liste legt jene Seiten fest, die Wwwoffle überspringen soll. Diese Liste kann der Anwender auch nutzen, um das aufwändige Herunterladen von Grafiken zu verhindern.

Kontakte verwalten mit Rubrica

Wer allerdings die schwergewichtigen Gnome- und KDE-Standardandwendungen auf einem etwas in die Jahre gekommen Notebook startet, verspürt schnell den Wunsch nach einer weniger Ressourcen-hungrigen Alternative. Das gertenschlanke Programm Rubrica [2] basiert auf GTK und richtet sich damit besonders an Gnome-Benutzer oder Anwender einer anderen GTK-basierten Desktopumgebung.

Neben seinem geringen Speicherbedarf überzeugt es den Anwender auch mit nützlichen Details: So trägt Rubrica der Tatsache Rechnung, dass es Menschen mit mehr als einem Handy oder mehr als einem privaten Festnetzanschluss gibt. Ein Kontakt in Rubrica nimmt beliebig viele Nummern aus den Kategorien »Home«, »Work«, »Fax«, »Cellular« oder »Other« auf (Abbildung 2). Das gilt auch für Post- und E-Mail-Adressen sowie URLs.

Übersichtlich zu Karteireitern gruppiert stehen in Rubrica pro Kontakt mindestens ebenso viele Felder zur Verfügung wie in Kaddressbook oder Evolution. Außerdem exportiert die Software Kalenderdaten als HTML, sodass sie sich auch auf dem PDA zumindest betrachten lassen. Umgekehrt übernimmt es Daten im CSV-, Gnome-Card-, Kaddressbook- sowie im Evolution-Dateiformat.

Das Programm besticht insgesamt mit einer übersichtlichen Oberfläche (Abbildung 1): Es gibt kein Symbol zu viel, die Icons tun außerdem genau das, was der Benutzer von ihnen erwartet. Das Hauptfenster zeigt links eine Liste der Kontaktgruppen, denen der Anwender zur besseren Übersicht verschiedene Symbole zuweisen kann.

Neben den Kontaktgruppen verwaltet Rubrica mehrere Adressbücher. Innerhalb dieser Adressbücher stehen alle in Rubrica definierten Gruppen zur Verfügung, sodass der Benutzer sie nicht jedes Mal neu anlegen muss. Seine Daten speichert Rubrica übrigens in einem nachvollziehbaren XML-Format ab, dessen Spezifikation offen liegt.

Abbildung 1: Grafisch gestaltet: Vor allem die aussagekräftigen Icons sorgen in Rubrica für eine intuitive Bedienung.

Abbildung 1: Grafisch gestaltet: Vor allem die aussagekräftigen Icons sorgen in Rubrica für eine intuitive Bedienung.

Abbildung 2: Realitätsnah: Rubrica speichert für jeden Kontakt beliebig viele Telefonnummern sowie Post- und E-Mail-Adressen.

Abbildung 2: Realitätsnah: Rubrica speichert für jeden Kontakt beliebig viele Telefonnummern sowie Post- und E-Mail-Adressen.

Esvn – ein Qt-Frontend für SVN

Zur Abwechslung nun ein Schmankerl für die Qt/KDE-Gemeinde: Die meisten FOSS-Entwickler setzen noch immer auf die Konsole, wenn es um Sourcecode-Verwaltung mit dem Revisionsmanagement ihrer Wahl geht. Doch aus der monochromen Anzeige von »svn log« die gewünschten Commit-Informationen herauszusuchen, ist nicht jedermanns Sache. Dass es auch anders geht, beweist Esvn [3]. Das grafische Frontend mit seiner benutzerfreundlichen Qt-Oberfläche offeriert in seiner neuesten Version fast alle Funktionen von Subversion (Abbildung 3).

Abbildung 3: SVN grafisch aufbereitet: Esvn hebt lokal veränderte Dateien rot hervor und bietet einen Menüzugriff auf alle SVN-Funktionen.

Abbildung 3: SVN grafisch aufbereitet: Esvn hebt lokal veränderte Dateien rot hervor und bietet einen Menüzugriff auf alle SVN-Funktionen.

Rotstift erwünscht

Die grafische Darstellung aller Dateien einer Arbeitskopie erleichtert das Nachvollziehen des Entwicklungsgangs: Lokal veränderte Dateien hebt die Anwendung rot hervor. Die Dateiliste zeigt die Revision, den Zeitpunkt des letzten Updates und das lokale Änderungsdatum. SVN-Befehle wie »update«, »commit«, »blame« oder »log« stellt die Software über ein Menü zur Verfügung, was Einsteigern die Arbeit mit der Versionsverwaltung erheblich erleichtert.

Ein eingebauter Diff-Viewer, den der Anwender mit einem Rechtsklick auf eine Datei startet, stellt die Änderungen zwischen zwei Revisionen einer Datei übersichtlich dar. Esvn greift auf die SVN-Binaries zu, sodass die Software deren Stabilität im Umgang mit Versionsdaten erbt.

Mdbtools für Access

Der große Nachteil von proprietären Formaten ist bekanntlich, dass sie außerhalb der Firmen, die sie entwerfen, nur schwer nachzuvollziehen sind. Wer jedoch, wie es immer noch oft in Unternehmen der Fall ist, gezwungenermaßen mit Microsoft-Access-Datenbanken zu tun hat, wird sich freuen, dass es der Community gelungen ist, das Access-Datenbankformat ganz gut zu verstehen: Mdbtools [4] wandelt MDB-Daten unter anderem in MySQL-, Oracle-, Sybase- und PostgreSQL-Daten um. In der nächsten Version soll das Tool auch den Schreibzugriff auf die Microsoft-Access-Datenbanken erlauben.

Außer Access nutzen auch die beiden Microsoft-Programme Money und Exchange das gleiche Datenbank-Backend, die so genannte Jet-Engine, und schreiben daher ebenfalls MDB-Dateien. Zusätzlich zu den Konvertern enthält das Mdbtools-Paket einen einfachen ODBC-Treiber und ein GUI, das den Inhalt von MDB-Dateien grafisch darstellt und Daten in ein benutzerdefiniertes CSV-Format exportiert. Dieser Export kann auf SQL-Abfragen basieren.

Alles in allem sind die Mdbtools eine Bereicherung für die Linux-Welt. Bevor es sie gab, konnten Linux-Anwender gar nichts mit Access-Datenbanken anfangen. Inzwischen funktionieren das Einlesen der Daten und das Konvertieren in andere Formate meist reibungslos.

Lauchsalat

KISS (Keep it small an simple): Diesem Prinzip folgt das Adressbuch Rubrica. Auf den Speiseplan übertragen wäre dies ein starkes Argument für einen frisch zubereiteten Lauchsalat.

Zutaten: drei Stangen Lauch, drei hart gekochte Eier, drei Granny-Smith-Äpfel, ein kleines Glas Selleriestreifen, eine kleine Dose mit Ananasstücken, ein halbes Glas Mayonnaise, ein Becher Schmand, Salz, Pfeffer, Zitronensaft.

Zubereitung: Das dunkle Grün vom Lauch abschneiden, die Lauchstangen in feine Ringe schneiden. Die hart gekochten Eier in Scheiben schneiden, die Äpfel schälen, achteln, danach in feine Spalten schneiden und mit etwas Zitronensaft betreufeln, damit die Apfelstücke nicht braun werden.

Die Mayonnaise mit dem Schmand verrühren. Alle Zutaten in eine Schüssel geben, die Mayonnaise-Schmand-Mischung dazugeben und alles gut vermengen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und einige Zeit durchziehen lassen.

Infos

[1] Homepage von Wwwoffle: [http://www.gedanken.demon.co.uk/wwwoffle]

[2] Homepage von Rubrica: [http://rubrica.berlios.de]

[3] Esvn-Website: [http://zoneit.free.fr/esvn]

[4] Mdbtools-Seite: [http://mdbtools.sourceforge.net]

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