Aus Linux-Magazin 02/2007

Vier neue Linux-Browser im Performance- und Konformitätstest

Neue Browser-Releases versprechen neue Funktionen, mehr Komfort, bessere Geschwindigkeit. Seit dem letzten Test im Linux-Magazin haben alle Projekte und Hersteller neue Versionen vorgelegt, nach Jahren der Passivität sogar der außer Konkurrenz mitlaufende IE – ein guter Zeitpunkt für einen neuen Wettkampf.

Großbaustellen sind bei den Linux-Browsern mittlerweile alle Geschichte [1]. Firefox, Konqueror, Seamonkey und Opera gelten mit Fug und Recht als voll alltagstaugliche Produkte. Kaum noch weiße Flecken im Web, aus denen sich Linux-Anwender ausgesperrt fühlen müssten. Eine Baustelle jedoch bleibt bei allen Browsern erhalten, auch dem hier als Referenz mitlaufendem Internet Explorer: Im Jahre neun (!) seit Verabschiedung des W3C-Standards HTML 4.0 bietet noch immer kein einziger Browser eine fehlerfreie, standardkonforme Darstellung. Seit dem 18. Dezember 1997 hatten die Entwickler Zeit, an ihren Algorithmen zu feilen.

Natürlich bleibt die Zeit nicht stehen, es gibt längst einen Nachfolger von HTML 4.0 und sogar XHTML. Das hat sich zwar noch nicht so verbreitet, wie das W3C sich das vorstellte, aber unterstützen müss(t)en Browser es. Längst auch trennt sich per Cascading Stylesheets das Layout einer Seite von ihrem Inhalt. An Konformität ist hier erst recht nicht zu denken, jeder kocht sein Süppchen.

Oft taucht in Foren das Argument auf, die Webmaster dieser Welt trügen eine Mitschuld, da sie ihre Sites auf die Macken des Internet Explorers hin optimieren statt auf den Standard. Das ist zum Teil richtig, denn die Marktmacht des IE sorgt dafür, dass dessen Art der HTML-Darstellung für Webseiten maßgebend ist, erst in zweiter Linie die der Alternativbrowser. Zudem sorgen die beliebten Webeditoren quasi automatisch für eine IE-nahe Kodierung.

Quirks & Co.

Doch wie unter [2] zu sehen ist, machen es im Gegenzug die Browserhersteller selbst den Willigsten unter den Webmastern sehr schwer. Diese Site ist nicht taufrisch, aber Tests mit den im Folgenden eingesetzten Browsern zeigen, dass die dort gelisteten Probleme immer noch aktuell sind: Es ist fast unmöglich mit einer korrekt kodierten Webseite alle Browser dazu zu bringen, in den standardkonformen Modus zu schalten.

Dazu muss man wissen, dass aufgrund diverser Altlasten (nicht nur beim IE, auch Mozilla schleppt Ballast mit sich herum) alle Browser gleich mehrere Varianten der Interpretation des dargebotenen HTML-Code kennen. Neben dem standardkonformen Modus, in dem sich die Browser mehr oder weniger an den W3C-Standard halten, gibt es einen fast standardkonformen sowie mehrere Quirks-Modi (siehe Abbildung 1). Die Strategie der Browser, wann sie welchen Modus wählen, gleicht einer Geheimwissenschaft. Browser versuchen anhand der Document-Type-Definition (DTD) zu raten, welche Art Standard dem Webmaster vorgeschwebt haben mag.

Abbildung 1: Alle Browser wählen nach undurchschaubaren Kriterien zwischen ihren Darstellungsmodi je nach vorgefundener DTD. Hier hat sich ein Firefox für einen Quirks-Modus entschieden.

Abbildung 1: Alle Browser wählen nach undurchschaubaren Kriterien zwischen ihren Darstellungsmodi je nach vorgefundener DTD. Hier hat sich ein Firefox für einen Quirks-Modus entschieden.

Nicht ohne meine DTD

Einig sind sie sich, beim Fehlen einer DTD-Deklaration Quirks zu aktivieren und entweder einen uralten Netscape-Browser oder einen genauso alten IE zu emulieren – das ist ja verständlich. Nicht nachvollziehbar ist, weshalb sich Firefox dazu entschließt, bei einer gültigen DTD für »HTML 4.01 Transitional«, aber ohne »http://www.w3.org/TR/html4/loose.dtd«-URI, in den Quirks- statt in den Standard-Modus zu schalten. Denn der W3C-Validator validiert Webseiten auch ohne URI. Auch widerspricht das dem Verhalten, das in den Firefox-Entwickler-Blogs beschrieben ist.

Solange Browserentwickler es Webmastern so schwer machen, in den standardkonformen Modus zu gelangen (oft nur per Browserweiche), sollten sie sich nicht wundern, wenn diese es sich leicht machen und für den IE optimieren. Zum Glück für die Endanwender bleiben die Abweichungen der Anzeigemodi meist unauffällig. Doch ärgerlich ist es allemal, wenn Tabellen hässlich oder schwer lesbar sind oder Texte sich beim Ausdrucken der Seite nicht von den Rändern beeindrucken lassen oder in seltsamer Größe erscheinen.

Dafür geben die Non-Microsoft-Browser seit Jahren das Tempo der Weiterentwicklung des Benutzerkomforts vor, und dass nicht nur, weil das Bedienkonzept des IE 6.0 von vorgestern ist. Opera & Co. bieten schon lange Tabs, um beim Öffnen mehrerer Webseiten nicht den Desktop mit Browserfenstern zuzumüllen. Endlich hat auch Microsoft die Vorteile erkannt und zieht im IE 7 nach.

Unerwartete Gefahr

In Sachen Sicherheit bleiben die Alternativbrowser führend. Sie haben das sehr gefährliche Active X gar nicht erst eingeführt (von einem Mozilla-Firefox-Plugin mal abgesehen), inspizieren heruntergeladene Dateien grundsätzlich selbst und vertrauen (auf der Windows-Plattform) dem Betriebssystem nicht blind. Automatische Erkennung des Inhalts kann nämlich brandgefährlich sein – etwa wenn eine Seite vorgaukelt ein Jpeg-Bild runterzuladen, in Wahrheit aber ein Skript oder Binary aussendet. Gegen das Ausnutzen von Implementierungsfehlern in Anzeigeroutinen, wie bei Jpeg, sind aber auch sie machtlos.

Auch reguläre Funktionen bergen Risiken, wo sie nicht immer erwartet werden, zum Beispiel Flash oder PDF. Beide Formate stehen in dem Ruf, harmlos zu sein, zumindest verdächtigen die meisten Anwender und auch Admins sie nicht der Gefährlichkeit wie etwa Skripte. Falsch: Flash projiziert nicht nur zappelnde Werbebanner, sondern ist ein Container, der auch Binärdaten transportieren kann. Am meisten unterschätzt ist PDF, weithin als passives Dokumentenformat missverstanden.

Tatsächlich hat es Adobe zu einem aktiven Format ausgebaut. Der Adobe Reader führt Javaskript aus, und zwar unabhängig von Betriebssystem und Browser, weil er eine eigene Engine besitzt. Darüber hinaus kann er am Browser vorbei – und daher unabhängig von dessen Sicherheitseinstellungen – selber mit dem Internet kommunizieren. Das aus Sicht der Unternehmenssicherheit vielleicht bedenklichste Feature ist seine Fähigkeit, via ODBC-Connector mit Datenbanken zu reden. Browser sind also nicht die einzigen Einfallstore für Finsterlinge.

Benchmark

Wie schon in den zurückliegenden Tests ermittelt das Linux-Magazin Messwerte mit Hilfe des I-Bench von Ziff-Davis (siehe Kasten “So haben wir getestet”). Die ehemalige Labortochter firmiert heute unter dem Namen Veritest und wurde inzwischen von Lionbridge aufgekauft. Zwar hat Veritest die Weiterentwicklung von I-Bench eingestellt, er ist aber immer noch der Test der Wahl, wenn eine Rundum-Prüfung auf HTML-Konformität und Geschwindigkeit ansteht.

So haben wir
getestet

Zwei Pentium-4-Rechner mit 3 GHz bildeten die Plattform für den Benchmark. Auf dem einen installierten die Tester Windows 2000 Server mit dem Internet Information Server sowie MySQL und MyODBC – von hier lieferte der Benchmark seine Seiten aus. Auf den zweiten, den Client-Rechner, kam eine nagelneue Installation von Kubuntu 6.10 mit KDE 3.5.5. Parallel fanden Windows Vista (Release Candidate 1) und ein Internet Explorer 7+, beide auf aktuellem Service-Level, zeitweise ein Zuhause. In beiden Computern steckten je 1 GByte Hauptspeicher. Verbunden waren sie ausreichend schnell mit 100 MBit/s über einen Switch.

Der verwendete Benchmark ist I-Bench 5 von Veritest [6]. Alle Messungen liefen in der Auflösung 1024 mal 768 Pixel mit 24 Bit Farbtiefe. Bei der Ermittlung der Performance arbeitet der Test mit echten, konservierten Webseiten. Die Grundgenauigkeit ist besser als 5 Prozent. Den Konformitätstest kontrollierten die Tester mit modifizierten I-Bench-Seiten, bei denen sie eine erweiterte DTD nachtrugen. Da sowohl Hardware als auch Benchmark denen des letzten Tests entsprechen, sind Performance und Kompatibilität 1:1 mit denen aus [1] vergleichbar, ebenso wie die Abbildung 10.

Die Benchmarksteuerung wiederholt jeden Geschwindigkeits-Messlauf automatisch achtmal. Danach weist die Ergebnisdatenbank die Durchlaufzeit für den ersten Gang getrennt aus, sie fließt nicht in das Messergebnis, Subsequent genannt, ein. Die Daten aller gewerteten Durchläufe kommen somit aus dem lokalen Cache des Browsers. Das Ergebnis errechnet sich aus dem Durchschnitt der sieben gewerteten Läufe.

Um den Seitenwechsel zu beschleunigen, tricksen Browser an einigen Stellen. Dank heutiger Prozessorleistung ist das Rendern schneller als das Pinseln der Pixel. Dadurch ist es aber leider nicht (mehr) möglich, durch Betrachten zu kontrollieren, ob die Benchmark-Testkandidaten korrekt rendern.

Daher hat das Linux-Magazin vor längerer Zeit eine vom I-Bench-Verfahren abweichende Kontrolle eingeführt: Nach erfolgter Messung starten die Tester einen neuen Lauf und würgen ihn durch Trennen der Netzverbindung ab. So können sie sehen, ob das Rendern wirklich stattfindet. Beanstandungen haben sich diesmal übrigens nicht ergeben.

Die Performance der Javascript-Implementierung der Kandidaten untersucht der Benchmark natürlich auch. Zum Abschluss fühlt er einigen Plugins auf den Zahn. Da ist zunächst selbstverständlich Java, aber auch Flash von Adobe (früher Macromedia) muss ran. Gute Nachrichten hier: Heute kann nicht mehr die Rede davon sein, dass Plugins die Sorgenkinder der Browser wären.

Der zweiten Teil des I-Bench-Tests widmet sich ganz der HTML-4-Konformität. Dazu bekommen die Browser Seiten vorgesetzt, die bestimmte, für die Tester augenfällige Eigenschaften aufweisen. Bis jetzt hat hier im Einzelfall noch jeder Browser gepatzt – so auch diesmal.

Firefox 2.0

Der erste Browser seit dem Netscape-Niedergang, der dem IE ernsthaft Marktanteile abrang, kommt in der zweiten Auflage. Mit dem Namen Firefox hat er sich Mozillas All-in-one entledigt: Wer E-Mail möchte, muss zu Thunderbird greifen und zu Sunbird für Termine. Firefox 2 bringt Neues, so ein neues Bookmark- und Historysystem. Jeder Tab hat jetzt einen eigenen Schließen-Button.

Neu auch die vollständige Unterstützung von RSS-Newsfeeds, die frühe Versionen eher als Live-Bookmarks behandelten. Gut gelöst: der Session Restore, der nach dem Absturz alle zuvor geöffneten Tabs wiederherstellt. Prominentes Feature ist der Phishing-Schutz, der gegen eine lokale Blacklist bekannt betrügerischer Hosts testet, oder online wie der IE.

Auffällig war, dass der Fox schon in einem Benchmark-Probelauf beim ersten Kompatibilitätstest patzte: Er vermochte die Schrift Helvetica nicht korrekt zu rendern. Als Übeltäter stellte sich Ubuntu heraus, das keinen Font namens Helvetica vorhält und dem Fontmanagement nicht mitteilt, welche Schriftart so ähnlich aussieht.

Der Rest ist Zufall: Hat der Webmaster neben der Font-Familie Helvetica noch Arial oder Sansserif deklariert, klappt es mit einem anderen Font, sonst rendert der Browser falsch. Die Lösung des Ubuntu-Problems beschreibt der Kasten “Kubuntu-Aufrüstorgie”.

Kubuntu-Aufrüstorgie

Ubuntu und Kubuntu sind aufgeräumte, moderne Distributionen mit dem Anspruch, einsteigergerecht zu sein. Doch bevor sich mit ihnen richtig im Internet surfen lässt, muss der Anwender einiges umständlich nachrüsten, und zwar wie folgt.

Den Onlinezugriff auf Aufrüstpakete gliedern Ubuntu und Kubuntu in drei Bereiche, von denen nur der mit maximalem Support scharf ist. Doch bedarf es auch der anderen, Universe und Multiverse. Letzterer ist in der Paketverwaltung gar nicht eingetragen, Universe schon, aber noch nicht aktiviert. Das lässt sich in Kubuntu über: »K | System | Adept Manager Paketverwaltung | Passwort | Adept | Manage Repositories« nachholen. (Diesen Dialog bringt auch ein deutsches Kubuntu in Englisch).

In der Liste der Repositories jede graue Zeile, die unter »Components« den Eintrag »Universe« enthält, anklicken und nach einem Rechtsklick mit »enable« freischalten. Anschließend in jeden Components-Eintrag, der »Universe« enthält, doppelklicken und ein Leerzeichen und das Wort »Multiverse« anhängen. Achtung, nicht vertippen! Schreibfehler können dazu führen, dass Adept nicht wieder startet. Nach »Apply« und »Fetch Updates« stehen alle Pakete zum Download bereit.

Fonts nachzuinstallieren dringend nötig

Im Ubuntu-Users-Wiki tief vergraben findet sich ein kleiner Hinweis, dass gegen fehlerhafte Wiedergabe von Webinhalten Windows-Fonts helfen. Das ist eine Untertreibung – ohne dieses Paket ist der mit Ubuntu gelieferte Firefox nicht in der Lage, Fonts aus der Helvetica-Familie anzuzeigen, und unter Kubuntu verweigert sich Konqueror allen Times-Schriften (Abbildung 3). Abhilfe verschafft die Installation des Pakets »msttcorefonts«.

Zu Java: Zwar ist eine Runtime-Engine per se auf jedem Ubuntu/Kubuntu vorhanden und auch im Standardbrowser aktiviert, jedoch fehlt das Plugin. Darüber hinaus ist die Version angestaubt. Dummerweise sind die neueren Pakete derart verkorkst, dass Adept sie nicht nachinstallieren kann: Sun erwartet nämlich, dass der Benutzer die Lizenz akzeptiert. Die entsprechende Frage schreibt Adept jedoch in sein Log, statt sie dem Anwender zu zeigen. Als Konsequenz wartet das Paket in der Finsternis auf Antwort. Schlimmer noch, nach dem Schließen von Adept bleibt die Paketdatenbank gelockt, selbst nach einem Reboot.

Kaputte Paketdatenbank

Wenn Adept also nun behauptet, die Paketdatenbank sei nicht beschreibbar, hilft nur manuelles Entsperren:

sudo lsof | grep /var/lib/dpkg/lock

Die Aufgabe: die damit gelisteten Prozesse mit »sudo kill Prozessnummern« abschießen, den Erfolg der Maßnahme mit dem gleichen »lsof«-Befehl kontrollieren, dann mit »sudo dpkg –configure -a« aufräumen.

Durch die Ubuntu-Foren und -Wikis vagabundieren viele Anleitungen zur Java-Installation, im Test klappte keine. Erst eine Kombination aus dreien führte zum Ziel. Zunächst installiert man einige Pakete per Adept oder Kommandozeile:

sudo apt-get install fakeroot java-package java-common

Dann holt man sich die neueste Java-Runtime von Suns Webseite, macht sie mit

chmod +x jre-1_5_0_09-linux-i586.bin

ausführbar und verwandelt sie in ein Debian-Paket:

fakeroot make-jpkg jre-1_5_0_09-linux-i586.bin
sudo dpkg -i sun-j2re1.5_1.5.0+update09_i386.deb

Während der Prozedur nimmt der Installateur die Lizenz an, klickt im Dateimanager das DEB-Paket rechts an und installiert es per »Kubuntu Package Menu | Install Package«. Jetzt fehlt noch das Java-Plugin. Die Zeilen

sudo updatedb /usr/lib
locate libjavaplugin_oji.so

aktualisieren die Liste und suchen das Plugin. Die folgenden Zeilen löschen noch vorhandene alte Plugin-Verweise und linken das neue, hier am Beispiel von Firefox:

rm /usr/lib/firefox/plugins/libjavaplugin_oji.so
sudo ln -s /usr/lib/j2rel.5-sun/plugin/i386/ns7/libjavaplugin_oji.so /usr/lib/firefox/plugins/

Wichtig ist es, symbolisch zu linken. Wer die Datei stattdessen kopiert, dem stürzt Firefox beim ersten Java-Applet ab. Einen Hardlink ignoriert Firefox dagegen vollständig. Dem Konqueror reicht selbst das nicht, er will noch in »Einstellungen | Konqueror einrichten… | Java & JavaScript« den neuen Pfad zu Java (»/usr/bin/java«) gesetzt bekommen.

Acrobat-Tick

Wer nichts versäumen will, braucht noch den Adobe Reader – zu installieren entweder über das »acroread«-Paket oder direkt von Adobes Homepage. Damit Mozilla den Acrobat direkt anspricht, ist zusätzlich das Paket »mozilla-acroread« erforderlich.

Für Flash reicht es in den meisten Fällen, eine Webseite mit Flash-Inhalt anzusteuern, beispielsweise Adobes Testseite [http://www.adobe.com/shockwave/welcome], das Plugin lässt sich dann direkt installiert. Einen Shockwave-Flashplayer gibt es für Linux nicht. Das ist nicht sonderlich schmerzlich angesichts der nur mäßigen Verbreitung des Formats.

Wie schon im letzten Test gegen Mozilla [1], muss sich Firefox in diesem gegen Seamonkey geschlagen geben – jedoch nur noch knapp bei HTML, bei XML hat der Fuchs das Schnäuzchen vorn (Abbildung 9). Dramatisch verkleinert hat sich jedoch der Abstand zum Internet Explorer. War dieser früher dreimal so schnell, sind es heute nur noch 30 Prozent. Das liegt jedoch nur zu zehn Prozent an einer Firefox-Beschleunigung, vielmehr macht der IE 7 schlapp.

Bis sich die Balken biegen

Auffallend war, dass Firefox 2.0 Probleme mit Rollbalken hat. Bei kleinen Texteingabefenstern pinselt er schon mal Scrollbars, die über die Pfeiltasten am Rande hinauslaufen, oder lässt sie gleich ganz weg (siehe Abbildung 2). Ein altes Renderproblem lebt weiter: Größenattribute bei Bildern ignoriert auch Version 2 mitunter. Ein Ausrichten von Zahlenkolonnen am Dezimalpunkt oder -Komma funktioniert weiterhin nicht, genau wie Group Rules bei Tabellen – hier klappt das Einfärben nicht.

Abbildung 2: Firefox' Schönheitsfehler: Mit Rollbalken scheint er einige Renderprobleme zu haben.

Abbildung 2: Firefox’ Schönheitsfehler: Mit Rollbalken scheint er einige Renderprobleme zu haben.

Löblich: Alle Spielarten von Iframes und Embedded HTML funktionieren, auch eingebettete Objekte bis auf WAV-Audio. Das ist zwar kein unabhängiger Standard, doch weit verbreitet. Die Konformitätswerte der Testkandidaten untereinander und im Vergleich zum letzten Linux-Magazin-Test zeigen Tabelle 1 detailliert und Abbildung 10 grafisch.

Fazit: Unter dem Strich bleibt eine etwa gleich gebliebene Kompatibilität, gepaart mit etwas mehr Speed und tollem Komfort. Das sind gute Voraussetzungen für Firefox, um auf Erfolgskurs zu bleiben.

Abbildung 3: Ohne das Paket »msttcorefonts« ist unter Ubuntu/Kubuntu die korrekte Wiedergabe von Schriftarten ein Glücksspiel.

Abbildung 3: Ohne das Paket »msttcorefonts« ist unter Ubuntu/Kubuntu die korrekte Wiedergabe von Schriftarten ein Glücksspiel.

Tabelle 1:
Browser-Test

Konqueror 3.5.5

Vom KDE-Team kommt der Alleskönner Konqueror, der nicht nur als mustergültig in KDE integrierter Internetbrowser, sondern auch Dateinavigator agiert. Die Version 3.5.5 ist eine Maintenance-Release von 3.5. Nach Aussagen der Homepage hat das Team hauptsächlich an der HTML-Geschwindigkeit gefeilt. Entgegen ihrer früheren Absicht haben die Tester auf eine Tiefenprüfung der kommenden 4er Version verzichtet – der Code schien ihnen noch nicht valide genug, um ihn gerecht zu testen.

So wie Firefox unter Ubuntu Probleme mit den Schriftarten des Betriebssystems hat, so hat Konqueror Fontprobleme unter Kubuntu. Es ist aber nicht die Helvetica, sondern die Times, die einfach nicht funktioniert, bis das richtige Paket nachinstalliert ist. Nicht an Schriften liegt es, wenn Konqueror Text nicht blinken lässt und das Anwählen super kleiner Schriftarten ignoriert. Bei Tabellen gibt es Ärger mit Group Rules, der KDE-Browser löst auch keine »ON-SELECT«-Ereignisse aus. Iframes bereiten ihm jedoch keine Probleme mehr.

Manche Web-2.0-Webseiten wie Yahoo oder Googles Kalender wollen mit Konqueror per Default nicht arbeiten, erst ein Verändern des Browser-Strings, um einen Firefox oder Internet Explorer vorzutäuschen, sorgt für korrekte Unterstützung. RSS klappt dagegen reibungslos.

HTML langsam

Während der Konqueror im vorigen Test enorm an Geschwindigkeit zugelegt hatte, namentlich bei Javascript, verliert er nun kräftig beim HTML-Rendern. War er früher nur ein Tickchen langsamer als beispielsweise Firefox, läuft Version 3.5.5 nur noch halb so schnell wie der Star der Mozilla Foundation – obwohl die KDE-Homepage von Geschwindigkeitssteigerung spricht. Per Tuning mit »KDE_NO_IPV6=true« in der Datei »/etc/environment« hätten die Tester allerdings noch ein paar Prozente rausholen können: 30,9 statt 32,4 Sekunden.

Einige Schwächen sind weiterhin nicht beseitigt: Der Flash-Test lädt zwar, startet aber nicht, da die Javascript-Kommunikation mit dem Flashplayer nicht will. Beim PDF-Test funktioniert zwar die Übergabe zum Adobe Reader hin, nicht jedoch zurück, was die automatische Messung verhinderte. Daher stoppte die Mannschaft diesen Teil des Benchmark per Hand. Der XML-Test mochte – genau wie früher – ebenfalls nicht.

Fazit: Nach wie vor ist Konquerors Stärke die nahtlose Integration in das K Desktop Environment. Als Browser ist er alltagstauglich, sucht aber weiter Anschluss an die Mozilla- und Opera-Klasse.

Opera 9.02

Aus Norwegen weht ein stetig frischer Wind in die Browserszene. Opera behauptet sich seit Jahren in einer stabilen Nische und wartet öfter mit Neuem auf. Zudem hat Opera, obwohl Closed Source, von jeher eine Vielzahl von Plattformen bedient, Linux war immer dabei. Bekanntestes Feature ist sicher das Tabbed Browsing, bei dem der Browser den Desktop nicht mit Fenstern zumüllt, sondern alles wie Hängeregister geordnet darstellt. Sogar versehentlich gelöschte Tabs lassen sich restaurieren.

Diesmal ist eine praktische Innovation der Zauberstab (Abbildung 5), der das Ausfüllen von Online-Formularen erleichtert. Anders als herkömmliche Passwort- und Formularcaches ist er Webseiten-unabhängig, hilft also auch bei bisher fremden Formularen. Anhand des Inhalts und der ersten Buchstaben rät Opera, was gemeint sein könnte, und macht Vorschläge. Da die Software auch andere Möglichkeiten vorschlägt, lassen sich sogar fremdsprachige Formulare ausfüllen. Ein scheinbar simples Feature, das den Alltag jedoch erleichtert.

Abbildung 4: Beim Editieren lässt Konqueror interessante Einfärbungen zurück, die selbst ein Drücken von Reset überleben.

Abbildung 4: Beim Editieren lässt Konqueror interessante Einfärbungen zurück, die selbst ein Drücken von Reset überleben.

Abbildung 5: Opera lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen. Hier der Zauberstab zum magisch-automatischen Ausfüllen von Formularen.

Abbildung 5: Opera lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen. Hier der Zauberstab zum magisch-automatischen Ausfüllen von Formularen.

Abbildung 6: Seamonkey ignorierte im Test manche Hintergründe, verhält sich also genau wie sein warmblütiger Bruder Firefox.

Abbildung 6: Seamonkey ignorierte im Test manche Hintergründe, verhält sich also genau wie sein warmblütiger Bruder Firefox.

Zu den vielen anderen Neuheiten gehören ein Bittorrent-Client, seitenspezifische Einstellungen, direkte Inhaltsblockierung (nicht nur Bilder, auch Banner sind wegklickbar) und Miniaturbilder für Tabs. Widgets erweitern den Browser um kleine Anwendungen wie Spiele oder Newsfeeds. Opera ist per Sprache bedienbar und liest Inhalte vor, aber nur unter Windows. Ein Mailprogramm gehört ebenso zur Ausstattung wie ein RSS-/Atom-Newsfeed-Modul.

Außerdem: Opera ist nicht nur anwenderfreundlich, es ist traditionell auch schnell. Diesmal lässt Opera einen sehr deutlichen Abstand zwischen sich und den anderen Linux-Browser, (knackt jedoch nicht den Internet Explorer). Über eine Tuningmaßnahme, die [1] beschreibt, ließe sich der Wert sogar von 12,9 auf 12,2 Sekunden verbessern. So erfreulich die HTML-Werte sind, bei XML patzt Opera unerklärlicherweise. Bei Javaskript dreht der Browser dagegen wieder auf und schlägt den IE um deutliche 25 Prozent.

Bei der Kompatibilität leistet sich Opera Schwächen, obwohl sich die Norweger mit einem bestandenen Acid-CSS-Test [3] brüsten dürfen (wie Konqueror). Der technisch etwas abgedrehte Test gibt über den Alltag nur wenig Auskunft. Außerdem fehlen Opera einige Events. So sollte »ON MOUSEOUT« eigentlich nur anspringen, wenn der Mauszeiger den markierten Bereich verlässt. Stattdessen wirft Opera 9 den Event oft mehrfach kurz hintereinander an, »ON KEYUP« reagiert überhaupt nicht. Bei Objekten ebenfalls Irritationen: PNG-Grafiken und Java-Applets bindet Opera als Objekte nicht ein – direkt in HTML geladen funktionieren beide sehr wohl.

Fazit: Opera bleibt sich treu: Ein sehr schneller Browser, immer mit neuen Ideen. Da können die Schnitzer bei der Implementierung das Bild kaum trüben.

Seamonkey 1.1

Mozilla ist tot, es lebe Seamonkey! Eigentlich wollte die Mozilla Foundation ihren All-in-one-Browser mit Version 1.7.13 sterben lassen. Die 1.8 hatte sie noch pilotiert, aber nicht released. Eine kleine Gruppe Unbeugsamer widersetzte sich und initiierte einen eigenen Browser, zunächst ohne den Segen der Foundation. Er durfte weder den Namen Mozilla noch die Versionsnummer 1.8 tragen. Doch nach etlichen Querelen versöhnten sich Establishment und Rebellen, jetzt darf das Seamonkey Council seinen Browser über die Homepage der Mozilla Foundation anbieten.

Seamonkey ist übrigens der frühere Projektname des Mozilla-Browsers und hat nichts mit Meeresaffen zu tun. Yps-Leser kennen die Urzeitkrebse [4], Artemia salina [5], auf Englisch Sea Monkeys. Daher auch das seltsame Logo. Wer Mozilla kennt, findet sich in Seamonkeys GUI sofort zurecht. Alles ist da, wo man es gewohnt ist, als habe es den Bruch mit der Foundation nie gegeben. Unter der Haube der (zum Redaktionsschluss) aktuellen Betaversion war dann Schluss mit der Kontinuität – hier wird noch gearbeitet, was der eine oder andere Absturz im Test vermuten lässt.

Dennoch ist der Browser schon jetzt alltagstauglich. Spektakuläre Features sucht man aber vergebens, immerhin haben die Entwickler den implantierten Gecko auf Firefox-Niveau gehoben. Seamonkeys Neuerungen ruhen eher im Verborgenen: neuer Gecko, besserer Mailfilter und Phishing-Schutz und ein neuer Chatzilla sowie eine lange Liste von Bugfixes. Geblieben sind der integrierte Mailclient mit Newsreader, die Kalenderapplikation sowie der Chatzilla-IRC-Client.

Interessanterweise hatte Seamonkey keine Probleme mit Rollbalken, wie sie Firefox plagen. Ansonsten zeigte er Gecko-bedingt alle Abweichungen, die Firefox zeigte, etwa Group Rules, Imagegrößen und WAV-Objekteinbindung. In der Performancemessung kann er bei HTML – wie schon sein Vorgänger Mozilla im vorigen Test – Firefox den Schneid abkaufen, war jedoch bei XML und Javaskript ein bisschen langsamer. Ausgeglichene Verhältnisse also.

Fazit: Seamonkey ist ein würdiger Nachfolger von Mozilla. Wer sich mit dem etwas seltsamen Icon anfreunden kann (der Splashscreen lässt sich aufs Mozilla-Erscheinungsbild downgraden) und die eine oder andere Ecke und Kante bis zur stabilen Release aushält, bekommt einen State-of-the-Art-Browser auf aktuellem Sicherheitsniveau samt eingebautem Mailclient.

Ajax-Kompatibilität

Ajax ist keine neue Sprache und auch kein richtiger Standard, aber nützlich und hip. Die Technik kombiniert XML mit Javaskript (daher “Asynchronous Javascript and XML”). Eine Ajax-Seite hält sich also selbst up to date, und zwar nur dort, wo es nötig ist. Das spart Übertragungskapazität und vermittelt dem Nutzer den Eindruck einer echten Anwendung.

Die Praxis zeigt, dass der Erfolg von der Implementierung abhängt. Damit ist die Treue der Browser zu Standards, aber auch (genau wie bei HTML 4) der Grad, in dem ein Webmaster den Ajax-Code auf den Browser des Anwenders maßschneidert, von Bedeutung. Zwei Tests hat das Linux-Magazin durchgeführt: Den Server-Push-Test [http://www.f-shop.de/AjaxTest.php] und die trickreiche und zudem mit Microsoft-Schnickschnack gespickte Beispielanwendung [http://www.ajaxinfo.com/ucst/index.html], die mit Dynamic-Script-Tags arbeitet.

Der Push-Test läuft auf Firefox und Seamonkey klaglos (Tabelle 1). Konqueror und Opera sowie der Internet Explorer bestehen den Test zwar, da sie das korrekte Ergebnis präsentieren, zeigen aber keine Zwischenschritte an. Die Anwendung auf Ajaxinfo.com dagegen konnte zwar der IE 7 darstellen (Abbildung 7), aber kein einziger Linux-Browser (Abbildung 8). Der Grund scheint die Funktion »InitEBAGrids« zu sein, die Teil eines kommerziellen, per Scrambling geschützen JS-Pakets ist, das »<script language=”JScript.Encode” …>« statt »<script language=”javascript”>« verwendet.

Abbildung 7: So wie im Internet Explorer 7 müsste die Kundenverwaltung-Ajax-Beispielapplikation aussehen.

Abbildung 7: So wie im Internet Explorer 7 müsste die Kundenverwaltung-Ajax-Beispielapplikation aussehen.

Abbildung 8: Alle Linux-Browser scheitern an der mit Microsoft-Technik gespickten Test-Applikation von Ajaxinfo.com.

Abbildung 8: Alle Linux-Browser scheitern an der mit Microsoft-Technik gespickten Test-Applikation von Ajaxinfo.com.

Außer Konkurrenz: Internet Explorer 7+

Aus dem Hause Microsoft kommt ein runderneuerter Internet Explorer, der – obwohl natürlich für Linux denkbar ungeeignet – wegen seiner Verbreitung hier als eine Art Referenz mitläuft. Als Laufschuh haben ihm die Tester Windows Vista angezogen, das zum Testzeitpunkt als Release Candidate 1 vorlag. Die Kombination ist nichts für schwachbrüstige Kisten: Vista im Leerlauf braucht schon 400 MByte RAM, auf die der IE locker 100 MByte drauflegen kann.

Wer Windows XP als (zu) bunt empfand, erlebt mit Vista eine neue Dimension von farbenfroh … Doch Desktop und Browser wirken nicht hässlich – und Mac-OS-X-Erfahrene haben ein Déjà-vu-Erlebnis nach dem anderen: Transparente Fenster mit Alphablending (wenn die Grafikkarte Power hat), eine Systemleiste mit dynamischen, aufpoppenden Screenshots statt Icons, Diashow und Newsfeed auf der Oberfläche.

Am Browser hat Microsoft kräftig gefeilt und offensichtlich auf die Kritiker gehört. Der IE beherrscht jetzt endlich Tabbed Browsing und blockt Popups. Vorbei die Zeiten, als Windows per se Kontos mit Hauptbenutzer-Status, also Admin-Rechten, einrichtete, mit denen der Browser beinahe jedes Binärprogramm ausführte. Vista richtet beschränkte Benutzer ein, eine integrierte Firewall meckert selbst bei FTP im LAN und der IE verweigert fast jede Installation.

Eine Webseite aufrufen, die das noch nicht installierte Flash benötigt? IE-7-Benutzer landen auf einer gelben Warnseite: Der Aufruf von [www.adobe.com] sei nicht möglich, weil ein Download versucht würde. Java nachinstallieren? Windows verriegelt den Desktop, dunkelt den Bildschirm um 80 Prozent ab und blendet ein helles Warnfenster ein, das Bescheid gibt und nach dem Administratorpasswort fragt. Eine Kindersicherung hat Microsoft ebenso eingebaut wie Schutz vor Phishing-Mails. Der setzt jedoch voraus, dass man URLs einer Prüfung bei Microsoft (!) unterzieht.

Oberfläche, Funktionen und mehr Sicherheit fordern offenbar einen Preis bei der Performance: Im Vergleich zum Test mit IE 6 auf Windows XP [1] büßt der Neuling erheblich ein, hängt die Linux-Browser aber trotzdem in den meisten Disziplinen ab (Abbildung 9).

Abbildung 9: Kürzere Balken bedeuten kürzere Benchmark-Laufzeiten und damit bessere Ergebnisse, nur beim Flash-Test in Frames pro Sekunde ist es genau umgekehrt. Beim wichtigen HTML-Rendern humpelt der Konqueror allen anderen Kandidaten hinterher, bei XML und Flash kam er gar nicht erst aus dem Startblock. Der IE 7 &ndash; zunächst der Schnellste des Tests &ndash; ließ sich durch Firefox auf Vista entthronen.

Abbildung 9: Kürzere Balken bedeuten kürzere Benchmark-Laufzeiten und damit bessere Ergebnisse, nur beim Flash-Test in Frames pro Sekunde ist es genau umgekehrt. Beim wichtigen HTML-Rendern humpelt der Konqueror allen anderen Kandidaten hinterher, bei XML und Flash kam er gar nicht erst aus dem Startblock. Der IE 7 &ndash; zunächst der Schnellste des Tests &ndash; ließ sich durch Firefox auf Vista entthronen.

Bei der Kompatibilität plagt sich der IE genau wie alle anderen Browser mit ein paar Problemchen: Beim Ausrichten an Objekten oder am Dezimalpunkt schludert er ein wenig. Beim Einbetten von Gif verfällt die Renderengine Trident genau wie früher auf die Schrulle, Rollbalken einzublenden, obwohl die Grafik pixelgenau passt (Abbildung 11). Soll er WAV einbetten, löst der IE eine Sicherheitsanfrage aus, ihm scheint dieses Format nicht geheuer. Java mag er gar nicht einbetten, obwohl es – per HTML aufgerufen – sehr wohl funktioniert.

Abbildung 10: Bei der HTML-Konformität ergibt sich dieses Mal (dunkle Balken) ein ausgeglicheneres Bild als beim vorigen (helle Balken), wo der Unterschied zwischen Konqueror und IE groß war.

Abbildung 10: Bei der HTML-Konformität ergibt sich dieses Mal (dunkle Balken) ein ausgeglicheneres Bild als beim vorigen (helle Balken), wo der Unterschied zwischen Konqueror und IE groß war.

Abbildung 11: Trotz schicker Optik: Unter der Haube arbeitet Trident, wie an diesem Patzer zu sehen ist.

Abbildung 11: Trotz schicker Optik: Unter der Haube arbeitet Trident, wie an diesem Patzer zu sehen ist.

Fazit: Dank der Verbreitung von Windows auf Desktops wird der Internet Explorer kaum in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Und auch die neue Version ist schnell, wenn auch nicht mehr ganz so. Den vielen Sicherheitsbedenken versucht Microsoft aber offenbar Rechnung zu tragen, und bringt zudem das GUI auf den Stand der Zeit.

Das Ergebnis ließ den Testern keine Ruhe

Dass kein Alternativbrowser bei der Geschwindigkeit dem Internet Explorer auf ganzer Breite paroli bieten kann, wurmte die Tester dann doch. Um der Ursache näher zu kommen, installierten sie auf Windows Vista einen passenden Firefox 2.0 und ließen den I-Bench nochmals laufen. Und siehe da: Beim wichtigen HTML-Subsequent und bei Javascript hängt der Fuchs die bisherige Rennmaus IE deutlich ab, bei PDF sind beide jetzt praktisch gleichauf.

Inerhalb des Testzeitraums ließ sich der Grund dieses Verhalten nicht klären. Zwei Szenarien sind denkbar: Entweder optimiert das Firefox-Team den Code auf Windows, was zwar unschön, wegen der Verbreitung aber verständlich wäre. Oder X Window mit seiner Netzwerk-transparenten Interprozesskommunikation und dem schon etwas angejahrten grafischen Unterbau arbeitet hier deutlich langsamer als Windows Vista.

Fazit

Linux-Anwender kann der Internet Explorer nicht in Versuchung führen – es gibt ihn unter Linux nativ nicht. (Mancher spekuliert über einen Linux-IE, weil Microsoft die Tasman-Unix-Engine wegen MS-Office für Mac OS weiterentwickelt.) Bei den Linux-Browsern macht Konqueror bei jedem Test ein Stück Boden gut, schließt aber nie zum Hauptfeld auf. Firefox, Opera und Seamonkey gleichen sich unterm Strich in Konformität und Geschwindigkeit. Wer viel XML darstellen will, sollte vielleicht eher zu Firefox oder Seamonkey greifen.

Bleiben bei den drei Spitzenreitern als Hauptargumente Ausstattung und Bedienkonzept: Seamonkey hat einen Mailclient. Firefox punktet mit Session Restore, Phishing-Schutz und der breiten Extension-Community, der flinke Opera wartet stets innovativ auf. (jk)

Infos

[1] O. Kluge, “Fünf Linux-Browser im Performance- und Konformitätstest”: Linux-Magazin 09/05, S. 54

[2] Henri Sivonen: “Activating the Right Layout Mode Using the Doctype Declaration”: [http://hsivonen.iki.fi/doctype/]

[3] Acid2-Browser-Test: [http://www.webstandards.org/action/acid2/]

[4] Yps: [http://www.ypsfanpage.de/gimmicks/krebse.php]

[5] Salinenkrebs: [http://de.wikipedia.org/wiki/Salinenkrebs]

[6] I-Bench: [http://www.lionbridge.com/lionbridge/en-US/services/outsourced-testing/zdm-eula.htm]

Der Autor


Oliver Kluge ist ITIL-geprüft und zertifizierter Qualitätsbeauftragter (QB) nach ISO 9001. Er ist verantwortlich für das technische Qualitätsmanagement im Rechenzentrum des Flughafens München. Er hat Informatik studiert, war Redakteur bei führenden PC-Zeitschriften und 2001 beim Linux-Magazin Leiter des Competence Center Hardware.

LINUX-MAGAZIN KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Readly Logo
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Nach oben