Kurz nach SuSE 8.1 erschienen neue Major Releases von Red Hat und Mandrake. Beim Vergleichstest für den Desktop-Einsatz liegen alle drei Kandidaten etwa gleichauf. Das deutlichste Unterscheidungsmerkmal ist die Versionsnummer, die auch bei Linux zum reinen Marketinginstrument wird.
Null-Releases wie die 8.0 von Red Hat oder die 9.0 von Mandrake stehen im Allgemeinen für technischen Fortschritt, Minor-Releases wie die 8.1 der SuSE deuten hingegen traditionell auf mehr Sicherheit und Stabilität hin. Da aber alle Linux-Distributoren mit demselben Wasser kochen, verlieren die Versionsnummern ihre Bedeutung; technisch sind sich alle etwa gleichzeitig erscheinenden Distributionen sehr ähnlich (Tabelle 1), dazu trägt auch die bei allen Testkandidaten vorhandene LSB-1.2-Zertifizierung bei. Zum Test standen die Professional-Versionen der drei Distributionen (bei Mandrake Power Pack).
Die leidige Installation
Eine Installation dauert maximal eine Stunde im monate- oder jahrelangen Leben des Systems und ist damit eigentlich weniger wichtig. Da aber vorkonfigurierte Linux-Rechner aus dem Supermarkt immer noch nicht die Regel sind, ist sie eine Einstiegshürde für neue Benutzer. Die Hersteller hatten jedoch jahrelang Zeit, diese Hürde niedriger zu legen, sodass gerade die mangelnde Verfügbarkeit vorkonfigurierter Systeme zur konkurrenzlos einfachen Installation durch den Benutzer geführt hat.
Allenfalls die Partitionierung kann größere Probleme bereiten, etwa beim Zusammenspiel mit NTFS. Wer Linux auf einer Festplatte mit einer einzigen, großen NTFS-Partition installieren will, ohne diese vorher zu entfernen, ist auf Werkzeuge Dritter angewiesen, etwa Partition Magic. Die meisten darüber hinaus auftretenden Fehler und Inkompatibilitäten sind jedoch eher Ärgernisse als echte Show Stopper.
Alle drei Kandidaten ließen sich auf allen drei Testsystemen installieren, und zwar auf einem IBM-Notebook Marke Thinkpad A22M, einem Low-End-Celeron-500 mit Standardhardware und einem Dual-P-III mit 80-GByte-IDE-Platte und einer U2W-SCSI-Platte an einem Tekram-DC390U2W-Controller.
In wenigen Fällen war während der Installation eine kleine Hilfestellung notwendig. So weigerte sich SuSE Linux 8.1 zunächst, eine lauffähige X-Konfiguration auf dem Laptop zu erstellen. Eine Rückfrage beim Support lieferte jedoch innerhalb annehmbarer Zeit eine gangbare Lösung. Nach dem Abschalten der ACPI-Unterstützung funktionierte die Installation einwandfrei. Red Hat 8.0 und Mandrake 9.0 waren auch ohne diese Hilfestellung in der Lage, ein lauffähiges System auf dem Thinkpad zu erstellen. Red Hat 7.3 hatte noch ähnliche Probleme wie die aktuelle SuSE.
Anders als in der Version 8.0 war SuSE Linux 8.1 auch nicht in der Lage, den U2W-SCSI-Controller des Serversystems selbstständig zu identifizieren. Hier musste das passende Kernelmodul »sym53c8xx« mit Hilfe von Linuxrc vor der eigentlichen Installation geladen werden. Dieser im Grunde triviale Fehler wird hoffentlich in der nächsten Version behoben sein.
Mandrake zeichnete sich durch eine problemlose Installation auf allen Geräten im Testfeld aus. Negativ zu bemerken sind hier höchstens die lieblose Verpackung der CDs in einzelnen dünnen Hüllen und das Fehlen einer DVD in der Power-Pack-Edition. Eine DVD-Edition ist laut[3] nur separat erhältlich. Schön ist hingegen, dass Mandrake selbst bei einer Installation auf ein System mit SuSE-Partitionen in der Lage war, die vorherigen Mountpoints korrekt zuzuordnen, es war kaum Handarbeit notwendig.
Red Hat hatte Probleme mit der Partitionierung der IDE-Festplatte des Celeron 500 und meldete sich mit einer unvollständigen und gemischtsprachigen Fehlermeldung. Erst ein Wechsel auf die Konsole zeigte sie komplett. Danach ließ der Installer nur noch den Reboot und den Neustart der Installation zu. Erst die Verwendung bereits vorhandener Partitionen erlaubte die Installation auf diesem System.
Will man bereits während der Installation eine Auswahl an weiterer Software treffen, kann SuSE dank der eingebauten Suchfunktion gegenüber der Konkurrenz punkten. Bei Tausenden von Paketen ist das sehr hilfreich.
Ein Versuch, den verfügbaren Hauptspeicher eines der Installationssysteme mittels eines Boot-Parameters der Art »mem=32M« künstlich zu beschränken, zeigte, wie speicherhungrig die heutigen Installationsroutinen sind. Red Hats Anaconda wollte 48 MByte RAM, SuSEs Yast 2 und Mandrakes Drak-X benötigten 64 MByte, um zu starten.
Bei weniger Speicher startet nur Red Hat automatisch die textbasierte Installation. Mandrake fordert zum Reboot und zur Benutzung des textbasierten Installers auf. SuSE schließlich bittet bei einer Speichergröße von 48 MByte um die Aktivierung einer Swap-Partition. Da sich diese in unserem Fall auf der SCSI-Platte befand, deren Controller von SuSE nicht erkannt wurde, scheiterte die Installation. Bei nur 32 MByte Hauptspeicher brach der Bootprozess bei SuSE sogar nach der Meldung »Moving to tmpfs …« mit einer Kernel Panic ab.
Partitionsvielfalt
Sehr unterschiedlich ist die vorgeschlagene Aufteilung einer gut 17 GByte großen SCSI-Platte. (Abbildung 1). Einer kleinen Bootpartition von 97 MByte folgt bei Red Hat eine sehr große Rootpartition von 16 GByte mit dem Ext-3-Dateisystem. Eine eigene Homepartition fehlt. Red Hat hält sich an die alte Regel, den Swapspace doppelt so groß einzurichten wie den im Testsystem 512 MByte großen Hauptspeicher, und legt demgemäß eine 1 GByte große Auslagerungspartition als »/dev/sda3« an.
Mandrake trennt die »/home«-Partition (»sda6«, 11 GByte) vorbildlich von der Rootpartition (»sda1«, Ext 3) mit 5,3 GByte. Die Größe der Auslagerungspartition (249 MByte) ist allerdings ebenso eigentümlich wie die Tatsache, dass diese, wie auch die Homepartition, Teil einer erweiterten Partition ist. Es waren im Testsystem noch genug primäre Partitionen vorhanden. Eine eigene »/boot«-Partition wird nicht angelegt. SuSE schließlich begnügt sich mit einer gerade mal 12 MByte großen Bootpartition (»sda1«), gefolgt von 640 MByte an Swapspace (»sda2«) und einer 16,4 GByte großen Rootpartition unter ReiserFS. Wie bei Red Hat ist keine eigene »/home«-Partition vorhanden.
Insgesamt machte Mandrakes ohne jeden Fehler ablaufende Installation den besten Eindruck. Allerdings sind die Probleme mit den beiden anderen Distributionen bei vorhandenen Linux-Grundkenntnissen leicht zu umgehen. Wer einen einigermaßen standardkonformen Rechner sein Eigen nennt, sollte mit keiner der drei Distributionen auf größere Hindernisse stoßen.
Mandrake erlaubt schon während der Installation das Anlegen eines passwortfreien Logins. Das für sicherheits- bewusste Administratoren vermutlich haarsträubende Feature kann für gut abgeschirmte und administrierte Desktop-Umgebungen jedoch eine interessante Alternative sein. Auch Red Hat bietet diese Funktion an, richtet sie aber bei der Installation nicht ein.
Das erste Login
Ob nun mit Login oder ohne: Bei Mandrake durchläuft jeder Benutzer beim ersten Start der grafischen Oberfläche eine Registrierungsprozedur. Die Eingabe der Benutzerdaten wird zwar nicht erzwungen, wer aber die Registrierung umgehen will, muss das Registrierungsformular relativ umständlich über ein Pulldown-Menü beenden. Da zum Zeitpunkt der Registrierung noch kein Windowmanager läuft, lässt sich das Fenster nicht einfach wegklicken.
Etwas subtiler geht Red Hat vor. Ein kleiner blinkender roter Knopf mit einem Ausrufezeichen weist beim ersten Login vehement auf die Verfügbarkeit neuer Updates hin. Klickt man auf diesen Knopf, erscheint zunächst die Aufforderung, sich beim Red Hat Network zu registrieren. Erst nach Eingabe der Daten wird man an die Update-Prozedur weitergeleitet. Bei der Registrierung werden per Default auch Daten über die Maschine gesammelt, das ist aber abschaltbar. Auch der Update-Button lässt sich aus dem Panel entfernen, das nimmt dem Nutzer jedoch eine sehr einfache Möglichkeit zur Aktualisierung des Systems (schont dafür die Nerven).
Bei Mandrake und SuSE wird das Online-Update normalerweise manuell gestartet. Mandrake bietet zusätzlich die Option, das Update direkt im Anschluss an die Installation einmalig durchzuführen – ohne Registrierung. Beim Umfang der mitgelieferten Software muss keines der getesteten Produkte den Vergleich mit den anderen scheuen. In den Distributionen der Professional-Kategorie verteilen sich die Pakete bei allen Kandidaten auf sieben CDs.
Viel Software bei allen
Mandrake und Red Hat erweisen sich hier mittlerweile als ähnlich vollständig wie SuSE. SuSE und Red Hat liefern noch eine DVD mit, die das lästige Wechseln der CDs während der Installation unnötig macht. Bei der Vorauswahl der Software in der Standardinstallation sind insbesondere bei den grafischen Oberflächen die historischen Wurzeln der Distributionen zu sehen. Alle liefern zwar sowohl Gnome als auch KDE mit, jedoch nur SuSE und Mandrake installieren standardmäßig beide Umgebungen. Bei Red Hat muss KDE separat ausgewählt werden.
Bei den Entwicklungswerkzeugen setzt Red Hat nun auch, wie die beiden Mitbewerber, auf GCC 3.2. Die Zeiten einer inkompatible Version der GNU Compiler Collection sind vorbei. Dafür ist diesmal eine Glibc in Version 2.2.93 dabei, statt der gängigen 2.2.5 wie bei SuSE und Mandrake. Die Version 2.2.93 ist eine Prerelease zur Version 2.3.
Bei Intel-Hardware dürfte es keinen Unterschied zur endgültigen 2.3 geben. Zwar sollten die meisten für 2.2.5 übersetzten Binaries auf einer Red Hat 8.0 laufen, aufgrund fehlender Symbole in der älteren Libc-Version könnte umgekehrt aber auf Probleme stoßen, wer versucht ein 2.2.93-Binary auf einem System mit Glibc 2.2.5 laufen zu lassen. Jedoch waren beim Versuch der wechselseitigen Installation von großen Paketen der jeweils anderen Distribution kaum Inkompatibilitäten zu beobachten. Das Emacs-Binary von Red Hat 8.0 lief auf Mandrake 9.0 problemlos. Red Hats Open-Office-Paket ließ sich dort aber nicht ausführen.
Erwähnenswert ist, dass Mandrake als einzige Distribution in der Power-Pack-Edition auch das kommerzielle Star Office 6.0 mitliefert, es bietet insbesondere bei den Importfiltern für fremde Dokumenttypen einige Vorteile gegenüber Open Office. SuSE setzt hier nur auf Open Office und KOffice, Star Office 6.0 ist nur als Teil des Zusatzprodukts Pro-Office-CD verfügbar. Tabelle 1 fasst einige wichtige Programmpakete und ihre Versionen zusammen.
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Tabelle |
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|---|---|---|---|
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Distribution |
Mandrake |
Red Hat |
SuSE |
|
Kernel |
2.4.19 |
2.4.18 |
2.4.19 |
|
Glibc |
2.2.5 |
2.2.93 |
2.2.5 |
|
GCC |
3.2 |
3.2 |
3.2 |
|
XFree86 |
4.2.1 |
4.2.0 |
4.2.0 |
|
KDE |
3.0.3 |
3.0.3 |
3.0.3 |
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Gnome |
2.0.1 |
2.0 |
2.0 |
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Open Office |
1.0.1 |
1.0.1 |
1.0.1 |
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Star Office |
6.0 im Power Pack |
nein |
nein |
|
KOffice |
1.2 1.2 RC1 |
|
1.2 |
|
Mozilla |
1.1 1.0.1 |
|
1.0.1 |
|
Xmms |
1.2.7 |
1.2.7 |
1.2.7 |
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Journaling FS |
Ext 3, JFS, XFS, ReiserFS |
Ext 3 |
Ext 3, JFS, XFS, ReiserFS |
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Installer |
Drak-X |
Anaconda |
Yast 2 |
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Bootmanager Default |
Lilo |
Grub |
Grub |

Abbildung 2: Der Desktop von Red Hat 8.0 ist sehr nüchtern. Die blinkende Erinnerung an das Red Hat Network lässt sich ebenfalls abstellen.
Das Desktop-Betriebssystem
Seit einiger Zeit legen Linux-Distributoren vor allem Wert auf Serveranwendungen in ihrem Portfolio. Damit müssen die klassischen Boxen von Red Hat oder SuSE nun verstärkt die Bedürfnisse der Heimanwender erfüllen und dienen höchstens in kleineren Betrieben auch als Serverplattform. Von der Benutzerseite her entsteht gleichzeitig in Zeiten knapper Kassen der Druck zur Verwendung von Open-Source-Software auch auf dem Desktop.
Wichtiger als die Heimanwender sind dabei die Arbeitsplatzrechner in Unternehmen und Behörden. Hier hat es in den vergangenen 18 Monaten gerade in Deutschland eine Vielzahl an erfreulichen Meldungen gegeben, angefangen mit der Entscheidung der großen privaten Krankenkasse Debeka zur Einrichtung von Smart Clients unter SuSE Linux in den Filialen bis hin zu der Ankündigung des Bundesverkehrsministeriums, seine 18000 (!) Rechner unter Linux betreiben zu wollen.
Hang zu funktionaler Schlichtheit
Alle drei Testkandidaten zeigen einen aufgeräumt wirkenden Desktop. Ein paar Besonderheiten gibt es aber trotzdem. SuSEs und Mandrakes Gnome-Varianten ähneln sich wie ein Ei dem anderen, unterscheiden sich aber von dem jeweiligen KDE-Desktop. Hier scheint bei beiden deutlich mehr Arbeit in die KDE-Seite geflossen zu sein. Red Hat geht einen Schritt weiter und passt mit Bluecurve das Aussehen und die Funktionalität beider Umgebungen soweit wie möglich einander an. Neuen Benutzern wird dies das Leben erleichtern, während erfahrene Anwender nicht in ihrer Entfaltung behindert werden.
Red Hats Desktop präsentiert sich nüchtern, nur die übliche Bürofunktionalität ist direkt über Icons auf dem Desktop oder im KDE Panel zugänglich: Je ein Icon für das Mailprogramm Evolution, Knöpfe für die verschiedenen Open-Office-Applikationen und Mozilla. Alles andere, inklusive Shell-Zugang, ist über das Startmenü erreichbar. Unter dem Icon »Hier starten« findet sich die Möglichkeit, das System nach der Eingabe des Root-Passworts mit einer Vielzahl grafischer Applikationen zu konfigurieren. Es ist aber nicht notwendig, das Root-Passwort für jede Applikation neu einzugeben, es wird für eine gewisse Zeit gespeichert.
Man findet in diesem Konfigurationsmenü etwa die Paket-, Drucker- und Benutzerverwaltung, Netzwerkkonfiguration oder die Einrichtung der Soundkarte. Es entsteht der Eindruck eines gut organisierten Kontrollzentrums, dem kaum eine Funktionalität fehlt. Wie zuvor schon SuSE unterstützt Red Hat nun auch Braille-Terminals.
Die Fensterdekorationen und Icons des SuSE-KDE-Desktops sind etwas verspielt und erinnern an Mac OS X. Schön ist, dass auf dem Desktop ohne Konfigurationsbedarf direkt Icons für weitere Partitionen vorhanden sind, etwa eine Datenpartition, die im normalen Betrieb nicht gemountet ist, oder für möglicherweise vorhandene Windows-Partitionen. Klickt man unter SuSE auf ein Windows-Programm, wird sogar versucht, es mit Hilfe von Wine zu starten, was natürlich wegen dessen Einschränkungen in vielen Fällen misslingt.
Die Konfiguration des Systems erfolgt wie gewohnt über Yast 2, das viele Optionen hinzugewonnen hat. Aus Sicht des Benutzers mag der Profile-Manager die wichtigste Neuerung sein. Er erlaubt es, komplette Systemkonfigurationen zu speichern und per Mausklick zu aktivieren. Das ist besonders auf Rechnern in häufig wechselnden Netzwerkumgebungen sehr hilfreich, aber nicht auf Netzwerkfunktionen beschränkt.
Der Desktop enthält die üblichen Icons für Office-Applikationen, Web-Browser (Mozilla und Konqueror) sowie Support und das SuSE-Helpcenter. Beim Klick auf das Support-Icon wird man zur Eingabe seines Registriercodes aufgefordert – auch du, mein Sohn Brutus!
Mandrake wiederum gibt sich erneut nüchtern mit etwas zu kleinen Icons. Auf dem Desktop findet sich neben einem Link zum Home Directory ein Icon mit dem Label »Removable Media«. Hinter ihm verbirgt sich der Zugriff auf Floppy und CD/DVD. Wer eine CD ins Laufwerk einlegt, erhält automatisch Zugriff auf deren Inhalt. Drückt man auf den Auswurfknopf des Laufwerks, wird das Medium freigegeben, und zwar ohne die Notwendigkeit, es vorher zu unmounten. Dieses Verhalten erlaubt einen im Vergleich zu Red Hat und SuSE deutlich komfortableren Umgang mit Wechselmedien. Mandrakes Kontrollzentrum erweckt einen ähnlich vollständigen Eindruck wie das der Konkurrenten SuSE und Red Hat.
Multimedia optimierbar
Sowohl Red Hat als auch Mandrake besitzen wie SuSE die Möglichkeit zum Umgang mit Profilen. Allerdings scheint sich dies nur auf Netzwerkparameter zu beziehen. Mandrake und SuSE erzeugen beide automatisch ein Icon für den Zugriff auf eine TV-Karte, wenn eine im System vorhanden ist. Die Erkennung und Konfiguration ist Teil der Installation. Auch unter Red Hat war der Zugriff auf die TV-Karte möglich, allerdings mit mehr Aufwand.
Der Anschluss einer Digitalkamera zaubert bei Mandrake und SuSE ein Icon auf den Desktop. Der Klick auf dieses Icon verursachte bei Mandrake allerdings eine Fehlermeldung. Bei allen drei Systemen war jedoch die Smartcard der Kamera als SCSI-Laufwerk mit MS-DOS- Filesystem ansprechbar. Auch lässt sich eine Digitalkamera über die entsprechenden grafischen Utilities von Gnome und KDE ansprechen. Den Realplayer hat nur SuSE installiert.
In einem kurzen Test wurde ein mehrere GByte großes Home-Directory von einem SuSE-Rechner auf einen Mandrake- und einen Red-Hat-Rechner transferiert. Hierbei zeigte es sich, dass die Interoperabilität doch ihre Grenzen hat. So waren Icons im KDE-Panel nicht mehr vorhanden oder zeigten ins Leere. Auch passt sich KDE nicht automatisch an die Hardware-Gegebenheiten seines Hostsystems an. Das wäre aber besonders in Umgebungen wünschenswert, in denen Heimatverzeichnisse via Automounter auf unterschiedliche Zielsysteme exportiert werden.
Erwähnenswert ist noch, dass nun auch Red Hat, ähnlich wie SuSE, eine recht umfangreiche Datenbank an ISPs ihr Eigen nennt. Der Zugang zum Internet kann damit unter beiden Systemen einfach mit ein paar Mausklicks erledigt werden, ohne dass vorher die Zugangsdaten eines ISPs bekannt sein müssen. Eine solche Datenbank ist bei Mandrake noch nicht im Angebot.
Neben der Umsetzung des Desktop-Konzepts ist es für die Benutzbarkeit einer Distribution als Desktop-Betriebssystem wichtig, welche Applikationen für sie vorhanden sind. Mandrake, SuSE und Red Hat sind alle LSB-1.2-zertifiziert. Das garantiert die Interoperabilität zumindest auf der Sourcecode-Ebene.
Red Hat und die Glibc
An dieser Stelle setzt auch der einzige wirkliche Kritikpunkt an Red Hat an. Die Entscheidung, die nur eingeschränkt rückwärts-kompatible Glibc 2.2.93 auszuliefern, kann zu einer Polarisierung des Marktes führen, da zwar die meisten für SuSE und Mandrake entwickelten Binärpakete auf Red Hat laufen werden, dies umgekehrt aber nicht garantiert werden kann.
Da Red Hat der weltweite Marktführer ist und auch die Software-Industrie einen Schwerpunkt in den USA hat, ist davon auszugehen, dass zumindest US-Hersteller zunächst für Red Hat entwickeln und erst in zweiter Linie für andere Distributionen. Ob nun gewollt oder nicht – es ist ein Wettbewerbsnachteil für SuSE und Mandrake und natürlich alle anderen Distributionen.
SuSE konnte noch vor ein bis zwei Jahren für sich reklamieren, die beste Dokumentation zu liefern. Doch inzwischen liegt Red Hat bei Qualität und Umfang gleichauf. SuSE liefert jetzt nur noch zwei Handbücher mit, insgesamt ist die Dokumentation noch einmal 60 Seiten dicker geworden. Sie deckt alle Bereiche von der Installation über die Konfiguration bis hin zur Benutzung des Systems und einer Beschreibung einzelner Applikationen ab. Ähnliches gilt für Red Hat, deren Dokumentation sich auf vier Handbücher verteilt, sie richten sich stärker an Einsteiger als zuvor.
Leider war zum Zeitpunkt des Tests noch keine gedruckte Dokumentation für Mandrakes Power-Pack-Edition verfügbar. Doch soll die Version mit zwei deutschen Handbüchern ausgeliefert werden – dem Schnellstart-Handbuch (20 Seiten, es erläutert die Installation von Mandrake Linux mittels Drak-X) und dem Starter-Handbuch von rund 200 Seiten (Systemüberblick, Konfiguration und so weiter). Daneben soll noch ein englisches Applikationshandbuch vorhanden sein. Weitere Handbücher gibt es als PDF.
Der Umfang der gedruckten Dokumentation bei Mandrake scheint also geringer zu sein als bei den Konkurrenten. Allerdings brilliert Mandrake in einem anderen Bereich: Die Dokumentation steht unter der GNU Free Documentation License. Diese Lizenz hat ähnliche Ziele, wie die GPL im Bereich der Software.
Verfügbarkeit und Alternativen
Alle drei Distributoren betreiben Online-Shops[4],[5],[6]. Alternativ sind die Distributionen auch bei Linuxland[3] oder im Buchhandel zu haben. Neben den Produkten der Professional-Kategorie gibt es von allen Distributoren weitere Ausgaben, die sich hinsichtlich des Preises und der Software-Ausstattung unterscheiden. Erwähnenswert sind hier die Personal-Versionen (bei Mandrake Standard genannt).
Selbstverständlich kann man auch über das Internet ISO-Images oder FTP-Versionen der Distributionen herunterladen, wenn auch natürlich ohne die sonst mitgelieferte kommerzielle Software sowie gedruckte Dokumentation und Support. Informationen über Spiegel der jeweiligen FTP-Server sind den Webseiten der Distributoren zu entnehmen.
Fazit
Es ist erstaunlich, welch technisch hochwertige Distribution Mandrake mit geringen Mitteln auf die Beine gestellt hat. Leider haben es die Franzosen trotz mehrfacher Ankündigung aber nicht geschafft, bis zum Redaktionschluss eine Box zu liefern. Red Hat 8.0 und SuSE 8.1 stehen Mandrake 9.0 zwar in nichts nach, jedoch hat Mandrake ihren beiden Mitbewerbern trotz der viel geringeren Marktmacht technisch Paroli geboten. Die Wahl zwischen den Distributionen kann nach Geschmacks- und Preisgesichtspunkten erfolgen.
Was Linux nun braucht, um im Bereich des Corporate Desktop erfolgreich zu sein, das ist die Unterstützung der Hersteller kommerzieller Software. Die Weichen hierfür sind aber mit den qualitativ sehr hochwertigen Desktop-Umgebungen KDE und Gnome bereits gestellt. Die Aufgabe der Distributoren, die Funktionalität der Desktop-Umgebungen in ein ansprechendes Gesamtkonzept zu überführen, ist gelungen. Sorge macht allerdings der fehlende Zusammenhalt zwischen den Unternehmen. In Zeiten hohen Konkurrenzdrucks und schwacher Märkte ist das aber wohl nicht anders zu erwarten. (uwo)
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Infos |
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[1] Free Standards Group: [http://www.freestandards.org] [2] Tech Consult: [http://www.techconsult.de] [3] Linuxland: [www.linuxland.de] [4] SuSE Linux: [http://www.suse.de] [5] Red Hat Linux: [http://www.redhat.de] [6] Mandrake Linux: [http://www.mandrake.com/de] |











