Zu rüder Umgang: Kernelentwicklerin wirft hin

Dass die Kernelentwicklung nicht selten als ein unwirtlicher Ort wahrgenommen wird, zeigt der Rücktritt der Kernelentwicklerin Sarah Sharp. Sie möchte den rüden Ton unter den Entwicklern nicht mehr akzeptieren.

Sie werde sich künftig nicht mehr mit Patches, Bugreports oder Vorschlägen an der Kernelentwicklung beteiligen, schreibt Sharp, die den Treiber für den USB 3.0 Host Controller betreut, in ihrem Blog. Zwar sei sie in der Community aus technischer Sicht akzeptiert, aber ihr fehle schlicht der persönliche Respekt, weshalb sie ihr nun den Rücken zukehren wolle.

Sharp kritisiert unter anderem, dass die Community Newcomer einlade, Patches zu schicken, aber zugleich verbal ausfällige werdende Maintainer verteidige. Sie wolle nicht mit Menschen zusammenarbeiten, die subtile sexistische und homophobe Witze reißen und sich machtlos im Angesicht eines “Code fo Conflict” fühlen, den niemand durchsetzen könne und dem es an spezifischen Verhaltensregeln fehle.

Sie habe Respekt für die technischen Errungenschaften des Projekts, doch Maintainer und Top-Kernel-Entwickler seien häufig rüde und brutal zueinander und würden sich gegenseitig in schriftlicher Form anbrüllen, um ihre Ziele zu erreichen und ihr Verhalten zu korrigieren. Das sei keine akzeptable Kommunikation für sie. Sie bevorzuge Kommunikation, die technisch brutal sei, aber auf der persönlichen Ebene respektvoll.

Sie wolle auch nicht mit dem Finger auf Leute zeigen oder die Kernelentwickler angreifen, vielmehr sei sie traurig, die Community verlassen zu müssen. Aber da sie in absehbarer Zeit keine Änderungen an der herrschenden Kommunikationskultur erwarte und ein kultureller Wandel gewöhnlich Zeit brauche, wolle sie sich derweil freundlicheren Open-Source-Communities im Netz zuwenden.

Sharp ist nicht die erste, die sich über die schlechte Kommunikation in der Kernelentwicklung beschwert. Sie mag auch einer der Gründe dafür sein, dass größere Firmen ihre eigenen Kernelversionen pflegen. Die Kommentare in ihrem Blog legen zudem nahe, dass die Kommunikation nicht nur in der Kernelentwicklung schief läuft, sondern auch in anderen Open-Source-Projekten.

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Niels Dettenbach
8 Jahre her

“Wo gehobelt wird, fallen Späne” – so jedenfalls habe ich so manche High-Level Usenet Group, Mailingliste vs Community (nicht nur im IT Bereich) in Erinnerung – anderserseits sind oft diese Gruppen oft besonders konstruktiv / fruchtbar. Mein Eindruck ist, das die sozial etablierte wie oft erwartete “Nettigkeit” eben doch ein Stück weit Unehrlichkeit / Intransparenz ist, weshalb ich kein Problem damit habe, wenn solche in Gruppen außen vor bleibt – ebenso können aber auch persönliche Beleidigungen destruktiv wirken, weshalb auch solche besser nichts in Gruppen zu suchen haben sollten. Persönlich fühle ich mich deshalb “dazwischen” am “wohlsten”… ß)

bostaurus
8 Jahre her

Beim Hobeln fallen Späne – und keine Fingerkuppen, Finger oder größereGliedmaßen. Wenn ein Code schlecht geschrieben ist, dann hat er Fehler, diesich plausibel darstellen lassen. Das muss tatsächlich passieren. DieTitulierung von Fehlern als “Scheiß” oder Vergleichbares, die Beschimpfungdes Autors bringen weder einen Erkenntnisgewinn noch eine bessere Lösungherbei. Vielleicht hebt es das Selbstwertgefühl des Kritikers. Das gehtdann aber auf Kosten der Arbeitsatmosphäre und des Selbstwertgefühlsanderer.

Niels Dettenbach
8 Jahre her

Wow, ist mir leider entgangen, das auf der Liste schon Gliedmaßen dran glauben mussten…ß)Nein, mal im Ernst. Selbst wenn jemand “Scheiß” schreibt, dann ist das nicht mehr als SEINE Meinung / Wertung. Ehrlichkeit halte ich für wichtig und schon Erich Fromm (Psychoanalytiker) beschrieb, wie anerzogene “Nettigkeit” kontraproduktiv für die Fortentwicklung ist. Der Ausdruck fällt eher auf den Autor, als den Hacker des so bezeichneten Codes zurück und wenn der ein Stück Code für vergleichbar mit einem Exkrement hält, dann ist dem wohl einfach so. Ob er technisch Recht hat, ist m.E. wesentlicher, denn letztlich bleibt der Code (und nicht “Kot”)… Mehr »

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